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ein bißchen musiktheorie und all das andere zeug

willkommen am freien markt

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2009 soll ja ein wirtschafskrisengebeuteltes jahr werden. eigentlich ein guter anlaß, um mal ein paar gedanken loszuwerden, die mich schon eine weile beschäftigen. mag sein, daß ich total daneben liege, aber zumindest bin ich in dieser causa nicht der einzige.

so wie ich es sehe, ist die ganze wirtschaftskrise in erster linie ein großes kommunikationsproblem. es geht ja nicht darum, daß irgendwer jetzt plötzlich weniger geld zur verfügung hätte (gut, die leute mit fremdwährungskrediten, immofinanz-aktien und dergleichen schon, aber die hätten wissen können [oder sollen], daß sowas risikobehaftet ist), aber darum gehts ja in der wirtschaft auch gar nicht. der wirtschaft geht es gut, wenn das geld hin- und herfließt, und schlecht, wenn es das nicht tut. und eine wirtschaftskrise zeichnet sich eben dadurch aus, daß keiner sich traut, sein geld zu investieren, weil er angst davor hat, daß er das, was er sich üblicherweise von solchen investitionen verspricht (und damit sind bei weitem nicht nur, und schon gar nicht in erster linie wertpapiere oder dergleichen gemeint), nicht zurückbekommen wird.

als die wirtschaftskrise noch eine finanzkrise war, hat es schon geheißen, daß das problem darin liegt, daß die banken sich nicht mehr trauen, einander oder irgendwem geld zu borgen. das vertrauen in den kreditnehmer ist also verschwunden. und wie wird aus einer solchen finanzkrise eine wirtschaftskrise? auch das wurde schon im spätsommer, aber auch schon in den jahren und jahrhunderten davor festgestellt: indem man schlechte stimmung verbreitet und damit das vertrauen aller menschen ins wirtschaftssystem ins wanken bringt. man hätte sich also durchaus erwarten können, auch mal etwas positives zu hören.

leider, und das ist meines erachtens das größte problem, hört man kaum etwas positives. ja, das weihnachtsgeschäft ist so gut gelaufen wie noch nie, ABER das wird sich sicher rächen... ja, der euro ist mal wieder total stark, ABER das ist wiederum schlecht für die exporte... blablabla. es wäre auch ein wunder, wenn es der wirtschaft nicht schlechter ginge, wenn man täglich mit sowas bombardiert wird.

ok, ich hab leicht reden, ich hab einen krisensicheren job, eine schöne wohnung, keine kredite laufen, keine wahnsinnig riskanten wertpapiergeschäfte und kein auto. aber ich bin offenbar nicht der einzige, der sich leisten kann, das weihnachtsgeschäft zu beleben - und damit auch nicht der einzige, der der meinung ist, uns gehe es doch recht gut und wir könnten die sache wieder ins positive kehren. wieso spricht das nur niemand laut genug aus?

wenn ich so zurückdenke, waren die wirtschaftsnachrichten eigentlich schon lange eher negativ. das platzen der dot-com-blase ist jetzt schon ein gutes jahrzehnt her, und auch 9/11 war nicht erst gestern, und ich habe immer erwartet, daß es der wirtschaft auch mal besser geht. heute heißt es, wir hätten eine phase der hochkonjunktur durchlebt, und ich frage mich, wieso ich das wort hochkonjunktur in den letzten zehn jahren (zumindest in den medien, die ich konsumiere) nicht wahrgenommen habe. was hat man stattdessen wahrgenommen? massenentlassungen, zurückgeschraubte investitionen, sparmaßnahmen und sowas. hat irgendwer hier irgendwann in den letzten jahren das gefühl gehabt, wir hätten gerade hochkonjunktur? ja, uns ging es gut, aber in den nachrichten hat man immer das gegenteil gehört.

es stimmt, es gibt viele firmen, denen es nicht mehr so gut geht wie vor einem jahr, das hängt aber meines erachtens nur zum teil mit banken und aktien zusammen. ich glaube, viele probleme sind hausgemacht, und jetzt, in vermeintlichen krisenzeiten, werden sie erst sichtbar und führen dazu, daß die krise wirklich eine wird.

allein in den vergangenen paar jahren sind einige wirklich gute haushaltsprodukte, die wir regelmäßig konsumiert haben, durch minderwertigere ersetzt worden. was mache ich zum beispiel mit müllsäcken des selben fabrikats, die seit neuestem halb so dünn sind und damit eine normale portion haushaltsmüll nicht mehr zusammenhalten können? was mache ich mit dermatologisch getesteten hygieneartikeln, wenn meine haut auf die neue, verbesserte formel mit reizungen reagiert? oder einer zahnpasta, die einen würgereiz erzeugt?

man kann nicht ohne ende sparen, indem man das produkt immer billiger macht. irgendwann ist es zu billig und kann nix mehr, und der kunde wandert zur konkurrenz ab - und dann hat man umsonst gespart, weil man noch mehr daran verdient. das gleiche macht zb. auch die post, die auf die wachsende konkurrenz damit reagiert, ihren einzigen echten strategischen vorteil, die flächendeckend vorhandene infrastruktur, aufzugeben. schlau.

das ist übrigens das gleiche, wie wenn firmen die weihnachtsfeier streichen. ja, auf den ersten blick kommt es billiger, auf den zweiten ist das aber eine jährliche investition, die wesentlich weniger kostet als vieles nur marginal notwendige im laufenden betrieb, den angestellten aber sehr viel gibt. wie reagiert ein angestellter, wenn ihm alles, was spaß macht, genommen wird? nun ja, er wird nicht unbedingt härter arbeiten.

man kann also sowohl am konsumenten als auch am mitarbeiter vorbeimanagen. sehr schön sieht man es auch an der autobranche, der es im moment wirklich schlecht geht. ich behaupte, daß das nur teilweise mit der finanzkrise zusammenhängt. klar, es wollen plötzlich weniger leute autos kaufen. aber warum? vielleicht nicht nur wegen den fremdwährungskrediten, nein. ich glaube, das könnte auch damit zusammenhängen, daß die autoindustrie in den letzten jahren sehr viele wichtige ausfahrten verpaßt hat. gibt es denn billige, umweltfreundliche, flexible und hippe familienautos für die stadt? es will halt nicht jeder ein SUV oder einen hummer, und auch das viel gehypte KTM-auto ist eher was für männermagazine als für menschen. es war nur eine frage der zeit, bis der markt irgendwann ablehnend reagiert. die finanzkrise war wohl eine willkommene ausrede, und jetzt gibt es zum glück die politik, die die autobranche retten darf... und damit den steuerzahler, der dafür blechen darf, daß etwas, was er nicht wollte, weiter bestehen bleibt.

und damit wären wir schon beim nächsten stichwort. wie es hier schon einige male nachzulesen war, bin ich kein großer freund von staatlichen eingriffen. der allgemeine tenor geht aber gerade jetzt eher dahin, daß der freie markt an allem schuld ist und wir mehr staatliche eingriffe brauchen und bekommen werden. nun ja, schöne theorie, nur mit einem kleinen schönheitsfehler: es gibt und gab niemals einen freien markt.

die fiesen neoliberalisten haben uns gleich zwei eier gelegt. erstens haben sie jetzt mehr möglichkeiten zum eingriff, und wer sitzt in der politik, wenn nicht die fiesen, reichen und damit auch politisch mächtigen neoliberalisten, die die spielregeln jetzt noch mehr nach ihren vorstellungen gestalten können, und zweitens haben sie uns für jahrzehnte den freien markt ausgeredet. dabei war der markt nie frei, denn es gab schon immer zölle, steuern, regulative eingriffe, höchstgrenzen und andere regelungen, und schon immer haben die sie gestalten dürfen, die das nötige kleingeld dazu hatten.

ich bin mehr als überzeugt, daß ein freier markt, der diesen namen verdient (vorzugsweise in einer demokratie, die diesen namen verdient), sich tatsächlich selbst reguliert. ein wirklich freier markt hat unserem pseudo-fm nämlich einiges voraus: natürliche regelkreise, die die dinge ohne eingriffe von außen regeln, und mündige konsumenten.

es gibt eine menge sehr einfacher mechanismen, die im jeweiligen kontext sehr deutlich zeigen, wie simpel es ist, ein laufendes system stabil zu halten. den fliehkraftregler, der aufgrund seiner trägheit die geschwindigkeit von windmühlen und dampfmaschinen auf konstantem niveau hält, oder ein seil, mit dessen gewicht man die flughöhe (ich weiß, man sagt ballonfahren, nicht -fliegen, aber heißt es dann auch fahrhöhe?) eines heißluftballons stabilisieren kann, kennt man seit jahrhunderten. und genauso gibt es auch regelsysteme am freien markt, die aber nur greifen können, wenn nicht irgendwer daherkommt und von außen drüberregelt.

es gibt einige probleme mit eingriffen von außen, besonders seitens der politik. erstens sind sie immer langsam. jeder, der mit leicht kippenden dingen arbeitet oder spielt, wird bestätigen, daß es schon zu spät ist, wenn man das kippen wahrnimmt - eingreifen müßte man viel früher, wenn höchstens mal ein leichtes trudeln zu spüren ist, oder vielleicht noch früher, indem man das kippen voraussieht. das wird eine regulierende behörde niemals leisten können. zweitens sind komplexe systeme nicht trivial zu durchschauen, was man ja auch daran sieht, daß es viele voneinander deutlich abweichende blicke auf die wirtschaft und dementsprechend auch viele voneinander deutlich abweichende vorschläge gibt, was nun zu tun wäre. die entscheidung darüber wird immer eine interpretation der beobachtungen erfordern, die potentiell falsch ist, und dann womöglich noch mühsame diskussionen und faule kompromisse, die jede mögliche positive auswirkung noch abschwächen werden.

wir erinnern uns an die bösen leerverkäufe. sie sind ja ganz schnell zum sündenbock ernannt und zum glück ganz schnell eingeschränkt oder gar verboten worden. daß sie aber eigentlich ein wichtiges korrektiv an der börse darstellen und dem allgemeinen trend entgegenwirken könnten, wenn man sie ließe, wird offenbar ignoriert. und der freie markt hat noch ganz andere solche regelmechanismen eingebaut. wir haben also auf der einen seite ein system, das sich auf natürliche weise selbst stabilistert, und auf der einen seite mächtige männer mit viel geld und einfluß, die es besser wissen. das ganze erinnert frappant an george w. bush auf dem segway... und wie das ausgegangen ist, wissen wir ja.

wenn es so weitergeht, wird die krise also durchaus noch tiefer gehen. wie jede krise hat sie aber auch ein paar gute seiten, zb. ist man definitiv in einigen dingen zum umdenken gezwungen (es lebe das müllsackerl vom spar!). wenn man schon etwas aufgeben muß, und das wird man in einigen punkten sicher müssen, kann man sich ja gleich nach sinnvollen und nachhaltigen alternativen umsehen. das wiederum bedeutet, daß es sicher nicht ohne massenentlassungen und dergleichen gehen wird, denn auf lange sicht wird eben die autoindustrie nicht mehr so viele leute in den gleichen positionen wie bisher beschäftigen können, aber wenn man es klug angeht, findet man neue nischen.

der große vorteil gegenüber 1929 ist die tatsache, daß wir sehr stark vernetzt sind und daß information eine mächtige waffe darstellt, die jeder zuhause hat oder bei sich trägt. mag sein, daß die mächtigen größere waffen haben, aber wir sind mehr. und wenn wir die panikmache ignorieren, weiterhin, wenn auch mit bedacht, unser geld investieren, die richtigen leute und firmen unterstützen und unser schicksal selbst in die hand nehmen, anstatt auf den gelben brief zu warten, könnte es durchaus sein, daß es uns in absehbarer zeit noch besser geht als davor.

in diesem sinne: fuck wirtschaftskrise!

der kleine bruder und die nasenduschelesestoff

Comments

Julian 8. February 2009, 15:35

der theorie, dass der markt sich selbst reguliert, kann ich einfach nicht zustimmen. den markt sich selbst zu überlassen wurde schon öfters versucht und hat einfach nicht funktioniert:
chile unter pinochet, russland nach dem zusammenbruch der sowjetunion, england unter thatcher, in china unter xiaoping. besonders in china sieht man jetzt, was dabei rausgekommen ist: massenarbeitslosigkeit und verzweiflung, vielleicht sogar leicht revolutionäre tendenzen.

der IWF und die weltbank haben ihre kredite an arme länder an konditionen gebunden, die dazu führten, dass diese länder ihre märkte ebenfalls freigaben. dass dadurch afrika weitgehend vom westen abhängig ist und von "unseren" konzernen beherrscht wird, ist nur eine folge davon.

die menschen sind nun mal gierig, und nur der staat kann als sozusagen außenstehender, der einen gesamtüberblick hat und nicht in seine eigene tasche wirtschaften muss, die wirtschaft und den markt regulieren.

ich glaube allerdings auch, dass die krise auch aus psychologischen gründen entstanden ist und überbewertet wird. das einzige, was ich merke, ist, dass die mc menüs beim mc donalds immer teurer werden.

gyuri 9. February 2009, 18:28

es gab niemals einen freien markt, der komplett frei von staatlichen eingriffen oder isoliert von anderen regulierten märkten gewesen wäre. damit sind ein paar (zum teil gar nicht so eindeutig gescheiterte) historische versuche kein wirkliches gegenargument.

der freie markt funktioniert eben deshalb, weil der mensch gierig ist, und gier bzw. egoismus bei geeigneten bedingungen zu kooperation führt, da unkooperative gier von der masse bestraft werden kann - in einem staatlich regulierten markt, wo genau jene die regeln machen, die die anderen abzocken, funktioniert dieses prinzip nicht.

und das mit dem staat als gerechter instanz wäre eine schöne vorstellung, allerdings gibt es sowas nicht. der staat besteht aus einigen wenigen reichen und mächtigen menschen, und macht korrumpiert. ist jetzt kein persönlicher vorwurf, ich bin sicher, du oder ich würden es nicht viel anders machen. es ist ein prinzipielles problem.

wäre der staat ein gesichtsloser und statistisch korrekter querschnitt aller privaten meinungen, dann hättest du vollkommen recht - dieser staat dürfte gesetze machen. reden wir weiter, wenn es soweit ist.

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