lesestoff
Thursday, 8. January 2009, 09:12:41
meine bessere hälfte hat letztes jahr zu ihrem geburtstag ein sonderbar aussehendes buch bekommen. auf dem cover steckt ein bunt bemalter porsche die schnauze durch eine romantische englische landschaft. hmm, haben wir uns gedacht. und weil das buch auf englisch war, haben wir es zunächst eine ganze weile liegengelassen.
wenn man sich dann aber entschließt, the eyre affair (dt. der fall jane eyre) von jaspar fforde zu lesen, und sich durch die ziemlich verwirrenden ersten paar seiten kämpft, kann man recht leicht süchtig werden. eine affinität zum englischen humor ist durchaus erwünscht und die grobe kenntnis der englischen kulturgeschichte ist definitiv nicht von nachteil, aber es geht auch ohne.
in der inzwischen fünfteiligen serie geht es unter anderem um die macht der phantasie und der literatur. letztere ist sowas wie ein paralleluniversum, das theoretisch von jedem menschen betreten werden könnte, und in dem es ähnlich schräg zugeht wie auch in unserem eigenen. romanfiguren gehen in urlaub oder laufen amok, neue bücher entstehen im keller einer riesigen bibliothek, über die die grinsekatze wacht, und natürlich gibt es auch verbrecher und bürokraten.
fforde trägt so ziemlich alles zusammen, was durchgeknallt ist, inklusive zeitreisen und deren paradoxa, geklonter mammuts und dodos, einer bösen und fast allmächtigen firma, interessanter religionskonzepte und absolut hirnrissiger spezialagenten. und das ist auch gut so. gleichzeitig ist die ganze serie (trotz aller kleinen widersprüche und inkonsistenzen, die man bei der schaffung einer parallelwelt wohl schwer vermeiden kann) um welten phantasievoller als harry potter, intellektueller als terry pratchett und bietet bessere schlüsse als douglas adams. und seeehr witzig.
es darf also, selbst wenn man sich weder mit den brontë-schwestern noch lewis carroll oder charles dickens auskennt, bei jedem ein fforde auf dem nachtkastl liegen (das ist defintitiv eine aufforderung [das war zufall, aber ein guter]). und selbst wenn die bücher keine lust auf die englischen klassiker machen (also ich muß jetzt weder jane eyre noch great expectations dringend lesen, geb ich zu, obwohl das geniale bücher sein sollen), bekommt man von ihnen vielleicht gerade so viel mit, daß man ein referat drüber halten könnte (das ist wiederum definitiv keine aufforderung!).
richtig schade finde ich, daß meine großmutter, die mir immer sinnlosen postmodernismus vorgeworfen hat, diesen meilenstein postmoderner literatur gerade nicht mehr mitbekommen konnte. nicht nur, weil sie mit granny next ein alter ego in der serie hat, sondern auch weil ich mir sehr sicher bin, daß sie es wahnsinnig genossen hätte. schade.
wenn schon lesestoff, dann richtig. unsere kinder in der schule müssen ja sehr viel lesen, und wie wir alle aus eigener erfahrung wissen, passiert das zu einem gewissen teil nur virtuell (heutzutage vermutlich noch mehr, wir hatten ja keine wikipedia). was schade ist, denn ein buch besteht aus wesentlich mehr als dem bloßen inhalt, und das kann man bei fforde sehr gut nachvollziehen. sollte irgendwer durch diesen blogeintrag zum freiwilligen lesen irgendeines buches angeregt werden, bitte unbedingt ein kommentar hinterlassen.
wir werden übrigens in der schule für die oberstufen probeweise bookcrossing einführen. ich werde es hoffentlich bei der nächsten konferenz im lehrerzimmer vorstellen und dann in den klassen propagieren, und dann schauen wir wie es läuft. kann ja sein, daß unsere schüler überraschenderweise mal etwas sinnvolles als sinnvoll erkennen und was gutes damit anfangen. und wenn das passiert, dann gibts noch mehr lesestoff für alle. und wenn es gut rennt, spendiere ich vielleicht sogar einen fforde fürs schulbookcrossing.














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