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ein bißchen musiktheorie und all das andere zeug

Posts tagged with "versetzungszeichen"

von den tönen

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na dann legen wir doch gleich los... du hast doch sicher schon mal so etwas gesehen:das ist die herkömmliche art, noten zu schreiben, und man kann damit wirklich viel information transportieren... nicht nur die bloßen tonhöhen und rhythmen, die notwendig sind, um ein stück vom blatt spielen zu können, sondern auch viele musiktheoretische zusammenhänge, die der experte sofort erkennt. nur eines sieht man in dieser notation nicht, nämlich eines der wichtigsten axiome der musik...

was man da sieht, ist die sogenannte C-durtonleiter, konkret die töne c, d, e, f, g, a und h1; dann käme wieder ein c. hier das ganze in einer etwas anderen darstellung:
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VIII.=I.                                                  c
    VII.                                              h
     VI.                                      a
      V.                              g
     IV.                      f
    III.                  e
     II.          d
      I.  c
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das ganze sieht irgendwie aus wie eine treppe, und wie bei der treppe spricht man auch hier von stufen, die links entlang der y-achse nummeriert sind. die VIII. stufe entspricht wieder der ersten, man ist hier beim selben notennamen angelangt und kann von vorne zu zählen beginnen. effektiv gibt es also nur 7 stufen.

entlang der x-achse ist nun die tatsächliche entfernung der tonhöhen vorneinander notiert; etwas, was man aus den noten nicht herauslesen kann, wenn man es nicht wirklich gut gelernt hat. du siehst, daß die einzelnen töne nicht alle gleich weit von ihren nachbarn entfernt sind. es gibt zwei mögliche entfernungen: eine einheit (zwischen e und f bzw. zwischen h und c) oder zwei einheiten (zwischen allen anderen). eine einheit in dieser darstellung entspricht dem kleinsten relevanten tonhöhenunterschied für die abendländische musiktheorie, einem halbton. zwei einheiten, also zwei halbtöne, sind wiederum ein ganzton.

das wichtigste aus diesem diagramm sei hier nochmal festgehalten: die tonleiter hat sieben stufen und wiederholt sich dann, und die tatsächlichen tonhöhenabstände sind nicht konstant, sondern es gibt derer zwei, nämlich die oben erwähnten halb- und ganztonschritte. der oben gezeigte ausschnitt aus der sich endlos wiederholenden reihe der töne ist nur eine der möglichen, tatsächlich könnte man überall beginnen und die stufen dementsprechend von dort zählen, aber die abstände zwischen den tönen bleiben immer gleich (also halbtonschritt zwischen e und f bzw. zwischen h und c und sonst ganztonschritt).

die töne, die wir jetzt kennengelernt haben, kann man aber auch versetzen, nämlich erhöhen und erniedrigen (klingt nach sado-maso, ist es aber nicht). man erhöht einen ton, indem man ihn mit einem # (=kreuz) versieht, in den noten geschieht dies direkt vor der note und gilt für den ganzen takt, aber mit der buchstabenschreibweise ist es besser, das # nach dem buchstaben und für jeden betroffenen ton einzeln zu setzen. ein ton mit einem # wird um einen halbton erhöht, und der notenname bekommt beim aussprechen die silbe -is hinten drangehängt. c# heißt also cis, die weiteren erhöhten töne heißen logischerweise dis, eis, fis, gis, ais und his2.

wenn man die töne erniedrigen möchte, braucht man dafür ein b (sieht in der notenschrift ein wenig anders aus, ist aber tatsächlich ein b). ein b erniedrigt den ton um einen halbton, an den namen wird die silbe -es angehängt, mit ausnahme von e->es, a->as und h->b3. will man eine versetzung rückgängig machen, spricht man von auflösen, und das geschieht mit einem auflösungszeichen, das man so im text nicht wirklich darstellen kann und auch nicht muß, wir schreiben dann einfach den entsprechenden notennamen ohne versetzungszeichen.

soweit so gut, und wie sieht das in der praxis aus? wenn man ein # oder ein b vor eine note schreibt, sieht man an der note selbst keine veränderung, aber mit unserem diagramm sehr wohl. erhöhen wir zb. mal das f zu einem f#:
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VIII.=I.                                                  c
    VII.                                              h
     VI.                                      a
      V.                              g
     IV.                          f#
    III.                  e
     II.          d
      I.  c
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das sieht jetzt genauso aus wie erwartet: das f# befindet sich nun einen halbton höher als vorhin, wie man es an der x-achse erkennen kann. ganz wichtig ist aber folgendes: der ton hat sich verändert, befindet sich aber immer noch auf der selben stufe wie vorher. das erhöhen oder erniedrigen eines tones ändert nichts an der zugehörigkeit zu einer stufe!

der findige und aufmerksame leser hat es schon erahnt: theoretisch könnte man jetzt das g zu einem gb erniedrigen, und man wäre auf der selben tonhöhe wie das f#. das kommt in der freien wildbahn zwar nie vor, aber das soll uns nicht davon abhalten, das gedankenexperiment durchzuführen:
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VIII.=I.                                                  c
    VII.                                              h
     VI.                                      a
      V.                          gb
     IV.                          f#
    III.                  e
     II.          d
      I.  c
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und tatsächlich, die beiden töne haben nun die selbe tonhöhe4. du weißt ja sicher auch, daß du auf dem klavier die selbe taste, auf der gitarre den selben bund, auf der flöte den selben griff verwendest, um die beiden töne zu spielen. aber, und das ist in diesem fall die wichtigere erkenntnis, sie sind weiterhin auf zwei unterschiedlichen stufen zu finden. es handelt sich also um die selbe tonhöhe, nicht aber um den selben ton! f# ist nicht gleich gb, d# ist nicht gleich eb, und das gilt auch für den rest. ein erhöhter ton ist immer ein erhöhter ton und unterscheidet sich demnach auch logisch und funktional von einem erniedrigten ton gleicher tonhöhe. die logik und die funktion werden wir in den folgenden kapiteln behandeln.

man kann töne gleicher tonhöhe unter bestimmten umständen gleichsetzen, dann spricht man von der sog. enharmonischen verwechlung. das zieht aber bestimmte konsequenzen nach sich, zum beispiel ändert sich die tonart der relevanten stelle mit der umdeutung der tonhöhe (das ist auch logisch, weil man ja von einer stufe auf eine andere wechselt, also muß sich das bezugssystem auch ändern). auch darüber später mehr.

zusammenfassend kann man also folgendes festhalten: es gibt sieben stammtöne (c, d, e, f, g, a und h), die sich jeweils erhöhen und ernierdigen lassen. insgesamt kommen wir also auf 21 verschiedene töne5, die sich auf 12 verschiedenen tonhöhen tummeln. ein nicht ganz sauberer, aber zu illustrationszwecken durchaus ausreichender vergleich könnte jener mit buchstaben und lauten sein: in der deutschen sprache werden die laute e und ä, f und ph, ss und ß und oft auch j und y bzw. v und w jeweils gleich oder sehr ähnlich ausgesprochen; trotzdem sind für sie die verschiedenen zeichen, die aufschluß über herkunft und funktion geben, in verwendung.

das war ja mal ein großer, aber sehr wichtiger brocken, aus den hier vorgestellen prinzipien kann man nämlich alles weitere relativ einfach ableiten. schön setzen lassen, fragen und anregungen als kommentar schreiben, und in der nächsten lektion geht es dann um die intervalle. bis dann!


1 das h heißt auf englisch b, was manchmal für verwirrung sorgt. auf deutsch und in vielen anderen sprachen heißt das h eben h, also auch hier.
2 auf englisch sagt man einfach sharp zu der erhöhten note, also zb. c sharp.
3 auf englisch heißen die erniedrigten noten flat, das b also konsequenterweise (siehe 1) b flat.
4 der vollständigkeit halber sei erwähnt, daß es in einigen stimmungen durchaus einen minimalen, aber meßbaren tonhöhenunterschied gibt. das soll uns aber nicht weiter beschäftigen.
5 das ist jetzt auch wieder nur eine vereinfachung. man kann auch bereits erhöhte töne nochmal erhöhen und erniedrigte weiter erniedrigen und das spiel kann man immer wieter treiben, hat aber in der praxis nur wenig relevanz.