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ein bißchen musiktheorie und all das andere zeug

Posts tagged with "dissonanz"

neue videos

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wir sind ja hier unter anderem ein musiktheorieblog und wollen zur musikalischen bildung der menschheit beitragen. es ist vermutlich etwas vermessen von mir, aber ich habe schon lange das gefühl, daß ich zu den wenigen auf dieser welt gehöre, die musiktheorie nicht nur verstehen, sondern auch verständlich erklären können. die reaktionen auf meine ersten drei videos damals haben mir gezeigt, daß es durchaus auch eine handvoll leute gibt, die das ähnlich sehen.

man verstehe mich nicht falsch, es gibt genug andere, zum teil sogar auf den ersten blick simplere musiktheorieerklärmethoden. viele machen es einfach mit halbtonschritten, und ich gebe zu, fürs klavier ist das eine recht gute sache, wenn man weiß, daß ein durdreiklang aus 4+3 halbtonschritten aufgebaut ist. allerdings führt diese sichtweise früher oder später zu offenen fragen oder gar mißverständnissen, und meines erachtens sind harmonische zusammenhänge mehr als unklar, wenn man nicht weiß, ob der leitton jetzt fis oder ges heißt. man sieht, ich bin ein großer fan enharmonischer korrektheit.

meine alten videos waren graphisch und sind sehr mühsam mit paint gemacht worden, ich kann ja sonst nix. ich wollte danach eigentlich auf flash umsteigen, dazu hatte ich aber weder die einlernzeit noch die software, also kam mir die muße auch irgendwann abhanden. bis vor kurzem...

ich habe im laufe des letzten schuljahres einerseits meine ursprünglich leiterförmige darstellung in eine zirkuläre weiterentwickelt, was meinen jüngsten bruder dazu veranlaßt hat, mir eine patentierung derselben nahezulegen, und andererseits einen einfachen mechanismus erdacht, die mir ermöglicht, diese zirkuläre darstellung mitsamt der erforderlicher chromatischer bewegungsfreiheit physisch zu verwirklichen. das ergebnis sieht man hier:



außerdem habe ich zum geburtstag eine wunderbare digitalkamera bekommen (hier einen blumigen dank an meine bessere hälfte, die sich manchmal beschwert, daß sie in meinem blog gar nicht vorkommt, was aufmerksame blogleser sofort falsifizieren können) und mich daraufhin entschlossen, aus der graphischen anonymität in die öffentlichkeit zu treten und nebst meiner stimme auch meine hand (und manchmal meinen behaarten unterarm) in den mittelpunkt der aufmerksamkeit zu lassen.

die neue videoproduktionsmethode führt einerseits zu wesentlich größeren dateien (musiktheoriehilfsmittelding, 3:16, noch mit windows movie maker gemacht, als wmv 12,6 mb; intervalle grobbestimmung, 3:28, mit kamera auf der mittleren qualitätsstufe als mov 299 mb), was an sich wurscht ist, und erfordert eine one-shot-technik und damit technische präzision, eloquenz und sowas. manchmal mache ich doch kleine fehler, aber die verzeiht man mir ja hoffentlich. einige videos muß ich 2-3mal beginnen, aber nach einer weile läufts dann eh.

gut, ich bin technisch nicht ganz so versiert wie der gute klaus kauker, sondern eher die low-budget-variante, dafür meine ich, die dinge für anfänger, schüler und sonstige laien etwas besser auf den punkt zu bringen. trotzdem schöne grüße an klaus, wenn er das hier zufällig liest, ich find deine videos sehr cool!

hier also meine videos, und ihr seht, da ist in der letzten woche einiges weitergegangen. ich bin mit der neuen darstellung bei youtube nicht wirklich zufrieden, weil jemand, der zum ersten mal da hinkommt, das erste video erst suchen muß, aber es gibt ja praktischerweise den "zurück! ich möchte meinen alten kanal zurück"-button, der zwar nicht funktioniert ("möchten sie wirklich fortfahren?" und danach müßte eigentlich zumindest höflichkeitshalber ein "tja, wir wollen aber nicht daß du den alten kanal benutzt, du loser" oder sowas kommen), aber zumindest vermittelt, was technisch möglich wäre.

die alte darstellung hat mir schon allein deswegen besser gefallen, weil ich auf einen blick sehen konnte, bei welchem video es neue kommentare gibt. irgendwie ist das der sinn von web 2.0, daß man kommentiert wird und darauf reagiert (ob mit kommentaren oder verbesserungen oder sonst wie). finde ich doof, daß das nicht mehr so leicht ersichtlich ist, ich mußte erst die seite finden, wo ich all meine videos auf einen, wenn auch scrollbedürftigen blick sehen kann. und wenn wir schon am raunzen sind, hier bei opera gab es das auch eine zeitlang, aber jetzt nicht mehr. ich müßte jetzt alle posts durchschauen, um eventuelle neue kommentare zu finden. doof.

zurück zum thema. die motivation für meine musiktheorievideos kommt nicht zuletzt daher, daß es wesentlich einfacher ist, kindern ein dreiminütiges video als hausübung zu geben, als es eine stunde lang mit einer schulklasse selbst zu erarbeiten. gesetzt den fall, alle hätten sich das video zumindest halbherzig reingezogen, könnte man es in der klasse in 5-10 minuten wiederholen und dann zum üben übergehen. ob das wirklich funktioniert, wird die zukunft weisen. die grobbestimmung der intervalle jedenfalls, die seit einer woche und nur noch bis morgen eine hausübung für die 5a ist, hat gerade mal 17 aufrufe, und ich wette, davon sind 16 nicht von der 5a. wir werden ja sehen, ich habe ihnen freigelassen, sich woanders zu informieren. vielleicht finden sie ja klaus kauker cooler.

die videos gehen jedenfalls weiter, gleich heute, wenn der akku meiner kamera wieder aufgeladen ist. und dann steht dem weltruhm als musiktheorievideotutorialsuperstar fast nichts mehr im wege.

surströmming

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heute ist ein kindheitstraum in erfüllung gegangen. kindheitstraum sei hiermit etwas flexibler als sonst definiert, nach dem motto "es ist nie zu spät für eine erfüllte kindheit", und außerdem sei hiermit gleich am anfang festgehalten, daß manche träume besser träume bleiben sollten.

das ganze fing nicht erst an, als mein norwegischer bruder letztens aus schweden gefacebookt und damit indirekt angeboten hat, mir was mirzunehmen. meine faszination für grausliches essen ist hoffentlich allseits bekannt, und so überrascht es kaum jemanden, daß ich mir surströmming (bitte zuerst studieren und erst dann weiterlesen) gewünscht habe. und wer wenn nicht gergô ist auch manns genug, solche indirekten angebote auch in die tat umzusetzen, selbst wenn das auf dem flug explosionsgefahr bedeuten sollte.

die zutaten für ein surströmmings-fest: surströmming, gekochte kartoffeln, rote zwiebel, sauerrahm, svenskt tunnbröd, milch und viel wasser

wir haben uns heute bestens ausgerüstet auf der donauinsel getroffen, ich sage lieber nicht genau wo, um einer eventuellen strafverfolgung zu entgehen. trotz eines zeitgerechten und ausnehmend einladend formulierten aufrufs bei facebook kam nur bodi, der alte schwede, dazu, und er auch mit einer fast einstündigen verspätung. da war fast schon der ganze spaß vorbei.

gergô hat die dose in einem eimer wasser geöffnet, was dann blubberbläschen und gestank produziert hat. beides hielt sich in grenzen, wobei der geruch qualitativ durchaus penetrant war, eine mischung aus verwesung und fisch zum quadrat. wir konnten auf jeden fall erahnen, wie es ohne wasser gerochen hätte.

die blubberbläschen. das wasser war vorher kristallklar, die trübheit ist direkt proportional zur wurzel des gestanks.

nachdem die dose ausgeblubbert war, haben wir sie ganz aufgemacht und in einem frischen eimer wasser fertigstinken lassen, danach die fische entnommen und wieder in einem frischen eimer wasser ein bißchen ausgelüftet und dann noch unter fließendem wasser abgewaschen.

die fische selber haben recht unschuldig wie jeder andere tote hering ausgeschaut, und ich habe schon die hoffnung gehegt, daß der geschmack doch recht interessant sein könnte. bei hákarl etwa ist es ja so, daß man, wenn man den ammoniakgeruch ignoriert, mit einem durchaus spannenden geschmackserlebnis nach reifem käse belohnt wird. muß auch nicht jedem schmecken, aber ich habs gemocht.

leider hält sich surströmming nicht an diese einfache regel und schmeckt auch abseits des geruchs eher penetrant, sauer, verwest und extrem salzig. selbst mit viel beiwerk haben wir uns eher zwingen müssen, um ihn runterzukriegen. bodi hat überhaupt gekniffen und hat sich rein vegetarisch ernährt.

ein festmahl. wenn man nicht wüßte, was es ist, möchte man fast mitessen...

der wunderbare geruch, den wir zu diesem zeitpunkt kaum noch wahrnahmen, hat auch freunde gefunden: ungefähr alle fliegen und wespen der donauinsel haben sich auf unseren tellern und um den eimer herum (die dümmeren unter ihnen gleich im eimer) versammelt. wir haben ihnen nahegelegt, sich nach schweden zu verabschieden, aber wie ich glaube erfolglos.

nachdem wir satt waren (recht bald also), haben wir alle reste umwelt- und mitmenschengerecht entsorgt und alles, was mit dem fisch oder mit etwas, was mit dem fisch in berührung gekommen ist, in berührung gekommen ist, schön mit seife ab-, aus- und einfach nur so gewaschen. und nach ein paar kilo schwedischer schokolade und diversen kaugummis war das erlebnis rückwirkend eigentlich total witzig.

heute abend gibt es dann matjesfilets mit sardellenpaste und eine ungarische fischsuppe, und fischstäbchen oder diese wunderbar öligen makrelen vom billa habe ich auch schon lang nicht gegessen. und sollte jemand bald in japan sein, ich würde mich über funazushi freuen.

was ich aus dem heutigen tag gelernt habe:
a) man muß die ferien ordentlich verabschieden, wenn man sich schon nicht auf die schule freut.
b) manches klingt nicht nur grauslich, sondern ist es auch.
c) die schweden sind ein spinnertes volk (darüber kann man sicher diskutieren).
d) facebookmenschen sind feig und unspontan.

making the band: the sequel

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ein mann muß tun, was ein mann tun muß. und da die experience in ermangelung ausreichender motivation darnieder liegt (an der zeit kann es nicht liegen, ich war auch mal student), pflichttermin in ermangelung einer rhythmusgruppe ausg'steckt is' und die vielversprechende lehrer-schüler-band STUPЯOF in ermangelung von respekt und dankbarkeit seitens der schüler seitens der lehrer nicht fortgeführt wurde, jucken die finger.

STUPЯOF wurde vor einem guten jahr mit dem ziel schulball (ende april) gegründet, und ich hielt es von anfang an für keine wahnsinnig gute idee. schüler nehmen gerne und geben etwas weniger gerne, und selbst wenn sich einer von drei wirklich reinhaut, ist es noch nicht selbstverständlich, daß er unseren mindestens ebenso hohen einsatz würdigt. das knappe jahr haben wir auch wirklich gebraucht, um uns a) auf vier lieder zu einigen, die allen genehm waren, b) alle paar monate mal einen probentermin zu finden, der allen genehm war und c) all das, was zwischen den proben in vergessenheit geraten ist, wieder aufzufrischen. das spontane fernbleiben von proben von schülerseite war zwar nichts, womit man nicht hätte rechnen können, aber wir haben nicht damit gerechnet.

der auftritt war dennoch ganz cool und ein großer erfolg. hätten die jungs ihre karten danach brauchbar gespielt und zumindest einen hauch von dankbarkeit für unseren einsatz (wir haben auch unsere freizeit dafür geopfert. und wir waren ausnahmslos bei jeder probe anwesend) gezeigt, hätte es wohl auch weitergehen können. so aber hatten wir schon wenige tage nach dem ball keine lust darauf.

praktischerweise kam sogar von höchster stelle so viel lob, daß der erwachsene teil der band (PЯOF sozusagen) beschlossen hat, weiterzumachen. ebenso praktischerweise hatten wir einen potentiellen schlagzeuger, der schon seit einem jahr in den startlöchern scharrte, nämlich unseren lieben herrn prof. michi "das katapult" schneyder, der die idee einer reinen lehrerband unpraktischerweise wenige tage nach der gründung von STUPЯOF und damit fürs erste das nachsehen hatte.

die band war noch nicht mal gegründet und schon gar nicht getestet (daß michi schlagzeug spielt, wußten wir bis dahin nur aus seinen eigenen aussagen, und wir wissen alle, daß das noch nix bedeuten muß), als der auftrittstermin schon fixiert war: das gartenfest. die namensfindung erfolgte ebenso spontan und unter druck, und zu meiner verteidigung muß ich sagen, daß ich maturavorbereitung hatte und daher nur per sms vom ergebnis informiert worden war: hör[by]spiel. es gibt bessere namen. aber auch schlechtere.

um die sache spannend zu halten, haben wir uns dann noch ein wenig zeit gelassen. ich habe zwar mit michi eine kurze proberunde gespielt und ihn für gut genug befunden, aber das richtige proben hat noch auf sich warten lassen. dafür haben wir uns zu viert recht schnell und unkompliziert auf sieben lieder geeinigt (von denen wir schlußendlich nur eins nicht spielen) und dann zwecks koordination eine geheime facebook-gruppe gegründet (bezeichnenderweise hat sie sechs mitglieder und damit genau um eins weniger als die offene und seit über zwei jahren existente experience-gruppe. pflichttermin hat 113). und dann, bereits vorletzte woche, also zwei wochen vor dem auftritt, haben wir zu proben begonnen.

es ging alles ganz gut, bis auf leichte technische schwierigkeiten (der bass mit dem schulbassverstärker wummert immer, zumindest nach aussage von herrn prof. thorwartl. die bereits im vorfeld durch allzu exzessives weihnachtsoratoriumhören arg belasteten boxen haben sich mit dem e-schlagzeug nicht ganz vertragen und ihre elastischen teile durch den raum gespuckt. das von mir um 30 € erstandene schulmikro hat das viermal so teure SM-58 von frau prof. "roaring" eder locker in die tasche gesteckt.) und temposchwankungen, die wir aber von STUPЯOF schon mehr als gewohnt waren. um das ganze noch fetter zu machen, haben wir meine zwei lieben lehrerzimmertischnachbarinnen als background vocals dazugeholt.

wir haben dann die letzte woche quasi durchgeprobt (mittwoch, donnerstag, freitag und sonntag!) und uns soweit zusammengespielt, daß ich überzeugt bin, der auftritt wird den vom schulball in den schatten stellen (außerdem sind diesmal auch die unterstufen dabei, also potentiell wirklich viel publikum). die lieder sind alle cool, knackig arrangiert und fetzig, die band rockt, die sängerinnen singen... was will man mehr.

außerdem spiele ich nicht nur zum ersten mal leadgitarre, sondern auch noch die einzige, was ich mir früher nicht so richtig vorstellen konnte. kein klavier, kein akkordeon, nix, ich bin das einzige akkordinstrument. und ich muß sagen, die billige rote strat-kopie aus der schule kommt erstaunlich fett, ich werde meine teure gibson-kopie nur als ersatz für den notfall mitnehmen. für nichtgitarristen mag das wurscht sein, musiker vom fach werden das aber zu würdigen wissen.

jetzt ist halt die frage, was passiert, wenn am freitag schlechtes wetter ist. am freitag ist nämlich schlechtes wetter. das heißt wohl, daß das gartenfest ein festsaalfest wird. zum glück entfallen dann zumindest das mühsame lehrer-schüler-gemischt-völkerballspiel nach den katholischen regeln (ja, sowas gibt es!) und das vermutlich ziemlich anstrengende lehrer-gegen-schüler-fußballspiel nach sonst irgendwelchen konservativen spezialregeln (begrüßung mit "sport frei!" usw.), bei denen der männliche teil von hör[by]spiel eingespannt ist. damit steigen die chancen, daß wir uns nix brechen, was einem bandauftritt irgendwie wenig entgegenkommen würde.

und dann ist die soundcheckfrage noch überhaupt nicht geklärt, weil aufgrund des schlechten wetters morgen kein am vortag des gartenfests üblicher soundcheck stattfinden wird. wir kommen also vor dem auftritt auf die bühne und müssen erstmal alles hinstellen und aufbauen und abmischen. vor zwei jahren hat das eine gute halbe stunde gedauert, wobei der arme soundmensch auch ziemlich überfordert war, weil ich ihm im vorfeld nur viermal gesagt habe, was wir wo brauchen werden. theoretisch gibt es diesmal ja eine halbe stunde pause vor uns, praktisch hat sich aber der zeitplan vom gartenfest noch nie auch nur ansatzweise an den zeitplan gehalten. also mal sehen.

ich bin jedenfalls guter dinge, und außerdem ist das schöne am gemeinsam musizieren, daß man, selbst wenn man es beim auftritt versemmelt, im vorfeld idealerweise bereits einige richtig geile proben hatte. auch das hatten wir bei STUPЯOF nicht wirklich und bei hör[by]spiel schon ein paarmal. wir sind einfach besser. und viel spontaner. und egal wie es kommt, wir werden nächstes jahr weitermachen (vielleicht diskutieren wir den namen nochmal?). sport frei!

maturus 3

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dreizehn jahre ist es bei mir schon her, und ich bin noch immer nicht reif (außer für die ferien, das immer, außer natürlich in den ferien selbst. aber so ab dem ersten schultag). damals vor dreizehn jahren haben wir bei der maturafeier meine selbstkomponierte maturakantate gesungen, was sehr cool war, und das obwohl sie auch selbstgetextet war. irgendwo gibt es sogar noch ein legendäres video davon, haben wir zumindest vor drei jahren fürs maturatreffen ausgegraben, aber nachdem sich alle gesehen und für wahnsinnig uncool befunden haben (hey, das waren die 90er), ist es vermutlich irgendwo in der versenkung verschwunden.

der phänomenale (und etwas zu schwierige) schlußchor hatte am anfang den text "maturus 3 heißt reif, erwachsen", um dann mit einem durch den ganzen quintenzirkel mäandernden polyphonen "wir sind nicht reif" fortzufahren und zu enden. ich war damals jedenfalls sehr stolz darauf (und auf meine ganzen mitschüler, die es freundlicherweise gesungen haben).

mal sehen, was wir in eineinhalb wochen singen, aber meine maturanten sind auch nicht reif. gut, das ist am ende der 8. klasse offenbar so üblich, aber wir waren wenigstens bis auf einige wenige ausnahmen ganz gut auf die matura vorbereitet. ich kann vermutlich nicht für alle sprechen, aber ich habe all meine spezialgebiete tatsächlich vor weihnachten abgegeben. von meinen maturanten hat es gerade mal einer vor ostern geschafft, wenn ich mich recht erinnere, und von einem hab ich bis heute nicht wirklich was schriftliches bekommen (was an sich kein problem ist, muß ja nicht sein, aber wenn ich nicht weiß, was er gelernt hat, kann ich ihn irgendwas fragen, und das wiederum kann ein problem sein).

bei uns damals war es auch nicht üblich, literweise durch die matura zu rasseln, und die zwei, denen es damals doch passiert ist, haben es im herbst beim zweiten anlauf geschafft. wir haben am montag einen, der jetzt den vierten termin hat, wobei er einen nicht wahrgenommen hat. und vor ein paar monaten war er beim dritten termin auch nicht allein. hmm, sag ich nur.

ich habe meine eigene matura bzw. die meines jahrganges als sehr angenehm und positiv im kopf, auch wenn einige sicher zu kämpfen hatten. ich weiß aber noch, daß sehr viele von uns nach ihrer eigenen noch tagelang ausgeharrt haben, um den anderen mut einzuflößen, sie seelisch zu unterstützen, bei interessanten themen zuzuhören oder árons leider verlorengegangenen trickfilm "the snack" (ach, war das ein nachmittag damals, als wir ihn geschnitten haben... einer der coolsten tage ever) zu sehen.

vermutlich verkläre ich das jetzt ein bißchen, und ich bin sehr gespannt, wie die stimmung am montag sein wird. ich bin ein wenig nervös, ist ja mein erstes mal, seit ich zum feind übergelaufen bin, und ich hoffe, meine beiden montagsmaturanten enttäuschen nicht die hoffnungen, die ich in sie setze. sie sind ganz gut vorbereitet, und theoretisch können sie sich auch beide ganz gut ausdrücken (was am mittwoch nicht unbedingt so sein wird, wie ich fürchte). aber man weiß es ja nie.

außerdem muß ich mich festlich kleiden, was nach aussage meiner kolleginnen eindeutig einen anzug bedeutet, nach aussage der kollegen aber (schwarze) jeans mit sakko und eventuell, falls ich sowas zur hand habe, eine krawatte. ich hasse krawatten. und ich habe leider welche zur hand. ich glaube, ich werde eine art zwischenlösung anstreben, auch wenn mir noch nicht klar ist, wie sie aussehen könnte. blöd ist nur, daß ich am montag den ganzen vormittag unterrichten muß, also sollte ich bekleidungstechnisch eher modular konzipieren. und heiß wird es sicher auch...

außerdem, auch wieder ein grund zur nervosität, muß ich trompete spielen, weil nämlich eine meiner maturantinnen selbige als spezialgebietthema gewählt und ein stück für zwei selbige zum vorspielen vorgeschlagen hat. vorspielen ist ja grundsätzlich gut, lockert die stimmung und zählt nicht zur prüfung, kann also nix kaputtmachen, aber sehr viel zu einer wohlwollenden kommission beitragen. wäre da nicht der haken, daß ich auch spielen muß. ich hab das stück schon strategisch zusammengeschnitten, indem ich alle teile, die mir zu hoch/anstrengend/schwer waren, ihr zugeschanzt und mir stattdessen die einfachen parts geschnappt habe, aber das ist noch bei weitem keine garantie. und zu zweit auf zwei trompeten können wir erst am montag kurz vor der matura proben. doof.

eigentlich solle ich ja trompete üben statt zu bloggen. und dann muß ich mir nochmal meine fragen genau anschauen und überlegen, welche antworten ich hören will. und dann die fragen für mittwoch vorbereiten, was einigermaßen anstrengend sein wird. da soll noch einer sagen, die matura ist einfach...

kommunikationsproblem

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langsam nervt mich die ganze lehrerdebatte. nicht nur weil fast jeden tag darüber berichtet wird, daß noch immer nix weitergegangen ist, sondern weil es in meinen augen absolut billig wäre, daß was weitergeht. ich halte das ganze für ein großes und ziemlich ungeschicktes kommunikationsproblem von beiden seiten.

die frau ministerin hats vermasselt, als sie damals noch im februar so mir nichts dir nichts verlautbart hat, daß wir lehrer ab nun zwei stunden länger in der klasse stehen sollen. keine frage, in dieser form ist das schwachsinn. seither macht sie lauter zugeständnisankündigungen, die aber am ausgangsproblem scheinbar nicht wirklich was ändern.

gleichzeitig bin ich der meinung, daß das, was sie will, in wirklichkeit eine super sache ist. im wesentlichen geht es ja darum: flächendeckend kleinere klassen, zum teil durch zwei lehrer betreut, das bedeutet weniger vor- und nachbereitungsaufwand (zumindest in der theorie, in der praxis ist es vermutlich wesentlich aufwendiger, erst mal zwei lehrer zu koordinieren und abzustimmen, als allein eine stunde vorzubereiten), weniger korrekturen, weniger disziplinierung und so weiter, also all das, was wir uns wünschen. gleichzeitig haben wir dann zeit, zwei stunden mehr in der klasse zu stehen. so gesehen wird ohne weiteres ein schuh daraus.

wie gesagt, sie hat es einfach wahnsinig schlecht verkauft, daran braucht man gar nicht zu rütteln. doof. hätte sie ihr make-up-budget einem coach oder kommunikationsprofi zukommen lassen, würde sie jetzt auch ohne schminke wesentlich besser aussehen.

die lehrergewerkschaft hingegen nimmt mir die lust an der ganzen debatte, indem sie jede aussage der frau ministerin äußerst polemisch in der luft zerreißt. bei uns im lehrerzimmer hängen immer wieder gewerkschaftsinformationen, die zum teil schon in ihrer aufmachung wenig niveau versprechen. soll nicht bedeuten, daß die gewerkschaft keine gute arbeit macht, im gegenteil, gerade der kleine lehrer von der straße wird ganz gut vertreten, aber diese art der manipulation führt dann genau dazu, daß die fronten total verhärtet sind und wir auf einen streik, einen öffentlichen aufschrei und erst recht auf die ungewollte mehrarbeit (in dieser form wäre sie ja definitiv mehr arbeit) zusteuern. über die rolle der ÖVP, die nach meinung mancher im hintergrund die fäden zieht, will ich hier gar nicht erst spekulieren.

ich verstehe nicht, wieso in politischen diskussionen kein mediator oder verhandlungsfachmann hinzugezogen wird. das allseits bekannte und beliebte harvard-konzept (eine verhandlungsmethode, die auf win-win-situationen abzielt) besagt ja, man solle keine positionen, sondern interessen vertreten. im moment werden positionen diskutiert, von denen keine partei auch nur einen millimeter abrücken will, und dabei bin ich sicher, daß die interessen aller akteure (ministerium, lehrer, eltern, schüler) in wesentlichen punkten absolut deckungsgleich sein könnten. jetzt sitzen also nur leute, die von der materie selbst nur jeweils einseitig, wenn überhaupt eine ahnung haben (wann hat die frau ministerin mal auch nur eine woche in einem lehrerzimmer gearbeitet? und wann haben die damen und herren gewerkschafter ein unternehmen geleitet?), am verhandlungstisch, aber niemand, der sich mit verhandlungen oder entscheidungsprozessen auskennt. eigentlich würde ja wahrscheinlich schon ein drittklassiger workshopmoderator mit einem kleinen koffer voller gelber kärtchen reichen. und klebepunkten, ganz wichtig.

dabei liegt die lösung, wie oben beschrieben, auf der hand. wenn jemand sagen würde, ab september gäbe es aufgrund struktureller veränderungen weniger verwaltungsaufwand, und man könnte die frei gewordene zeit als zweitlehrer nutzen oder neue, kleinere gruppen übernehmen, hätte sich jeder mit handkuß bedankt. es würde nicht mal wirklich was kosten. das einzige problem wäre dann ein räumliches, und dem kann man auch recht einfach begegnen. es wäre ja nicht ganz aus der luft gegriffen, wenn zb. oberstufen nicht ab 8 uhr, sondern erst ab 10 unterricht hätten, dafür aber am nachmittag länger. das raumproblem wäre wesentlich geringer, und die schulen würden nicht den halben tag weitgehend leerstehen. und durch geschickte fächeraufteilung und stundenplanung müßte auch nicht unbedingt jeder lehrer durchgehend in der schule sitzen (was manche so auch schon tun müssen).

die lehrerzimmerproblematik bleibt zugegeben erhalten, wobei es da auch diverse lösungsmöglichkeiten gäbe. wir haben letztes jahr vorgeschlagen, ablage- und arbeitsplatz voneinander zu trennen, was im wesentlichen auch dem modell entspricht, das die frau ministerin ins spiel gebracht hat. im moment kann sowieso niemand auf seinem tisch arbeiten, weil dort lauter sachen liegen (meine liebe kollegin und lehrerzimmernachbarin frau prof. a. legt zb. ihre halben sachen auf meinen tisch, weil ich dort meistens nicht viel rumliegen hab... meistens...). würden die sachen in einem regal liegen, und hätte nicht jeder lehrer einen fixen tisch, könnte jeder, der gerade möchte oder muß, an größeren arbeitsinseln arbeiten, ohne irgendwem in die quere zu kommen. im gegensatz zu büroarbeitsplätzen sitzen wir nämlich nicht den ganzen tag am schreibtisch, das will sicher auch keiner, somit hinken ja alle vergleiche in diese richtung.

man sieht, es bräuchte nicht viel geld, nur ein bißchen kreativität und flexibilität, um strukturell einiges zu bewegen und alle betroffenen zufriedenzustellen. verhärtete positionen führen aber zu konflikten und entweder zu politischem stillstand, was auf dem bildungssektor leider tödlich wäre, oder zu kleinen, erzwungenen kosmetischen reförmchen, was nicht unbedingt besser ist.

so oder so, ich sehe ein wesentlich größeres problem auf uns zukommen, als dies irgendwelche strukturellen fragen je sein könnten. die eltern nämlich. es gibt einige tolle eltern, ich kenne selbst ein paar, nur sind das meist diejenigen, deren kinder auch in ordnung sind. es gibt aber auch die anderen, die aus welchen gründen auch immer ihre kinder auf die welt gebracht haben und sie nun zur erziehung bei uns abgeben. selbst ohne ganztagsschule wird diese einstellung immer stärker, und ich bin mir fast sicher, daß die lustigen 15-jährigen, die bei ihrem ersten sex schwanger werden, es in zehn jahren auch nicht viel anders machen können.

wir haben also plötzlich eine partei in der schule, die forderungen stellt und selbst kaum bereit ist, irgendwas zu leisten. wir haben immer mehr eltern, die ungefragt und unerlaubt in der klasse auftauchen, ihrem kind am gang auflauern oder lehrer weit außerhalb ihrer sprechstunden, zum teil sogar privat, belästigen, gleichzeitig aber nicht schaffen, täglich eine halbe stunde mit dem kind zu verbringen, mal nach der schule zu fragen oder gar hausübungen kurz durchzuschauen. und das sind die selben, die die klappe am weitesten aufreißen, über die schule und die lehrer schimpfen und sie bei höheren instanzen grundlos anschwärzen.

ich habe das glück, daß meine qualifikationen es erlauben, ja sogar nahelegen, der schule irgendwann, wenn es mir reicht, ganz den rücken zu kehren, und für gutes geld den menschen all das beizubringen, was sie eigentlich in einer halbwegs brauchbaren schule bzw. in einem halbwegs brauchbaren elternhaus gratis und ohne aufwand lernen hätten können. der einzige nachteil daran ist, daß ich dabei eine krawatte tragen sollte, um seriös zu wirken. aber nachdem ich in ein paar jahren auch kinder in die schule schicken möchte, liegt es doppelt in meinem interesse, daß da was weitergeht, und zwar in die richtige richtung. und eigentlich sollte das im interesse aller sein.

meine stimme, das singen und ich...

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seit einiger zeit gehe ich wieder auf die uni, wenn auch nur in ein seminar, das die uni gütigerweise für studenten und lehrer gemeinsam anbietet, unter anderem damit beide gruppen von den erfahrungen der anderen profitieren können. das ganze heißt sehnsucht:singen (man beachte die hippe schreib:weise) und geht eigentlich genau um das.

der grundtenor (hmm, das war zufall, aber man sieht, das hier ist eine sehr gute gelegenheit für allerlei gesangsmetaphern) des seminars ist, daß man schülern unmittelbare musikalische erlebnisse bescheren soll, was am unaufwendigsten mittels singen geht. ich muß sagen, dem kann ich einiges abgewinnen, und ich bin in vorletzter zeit leider etwas von diesen unmittelbaren erlebnissen weggekommen, was ich in letzter zeit wiederum nachzuholen versuche.

seminarbegleitend sollen wir stichworte sammeln, was sich während der zeit zum thema "meine stimme, das singen und ich..." tut, weil wir wahrscheinlich in der letzten einheit mit unseren erkenntnissen arbeiten werden. ich schlage natürlich gern zwei fliegen mit einer klappe, wenn es leicht geht, und diesmal geht es leicht: blog und sammeln.

irgendwie war ich in den letzten jahren etwas gesangsfaul, zwar nicht in meinen bands, aber sowas wie chorsingen hat mich wenig interessiert, und im unterricht hab ich singen selten bis nie einfach um des singens willen eingesetzt, sondern eben fast ausschließlich zur erkenntnisgewinnung oder wissensvermittlung (ja, auch das geht). chorsingen interessiert mich zwar immer noch nicht besonders, aber die lust am singen bzw. am ausprobieren mit der stimme ist durchaus zurückgekommen, und auch das singen um des singens willen hat jetzt einen festen platz in vielen stunden. eigentlich ist es sogar eine relativ billige und einfache methode, (vor- und nachbereitungs)zeit zu sparen, so gesehen erfülle ich schon heute die ministerialen vorgaben.

am wochenende nach dem ersten seminar hab ich an einem obertongesangsworkshop teilgenommen, den eine ehemalige studienkollegin gänzlich ohne esoterischen hintergrund gehalten hat (dafür ist auch was weitergegangen, was man von eso-obertongesangsworkshops angeblich nicht behaupten kann). das hat in verbindung mit dem seminar auf der uni einiges in mir ausgelöst bzw. klar werden lassen. die wichtigste erkenntnis beim obertonsingen ist: vor dem klingen kommt das hören. am anfang hört man nämlich gar nicht, was man da tut, und nicht weil man es noch nicht kann, sondern weil man nicht gewohnt ist, darauf zu hören. die obertöne sind ja immer da, wir nehmen sie nur nicht isoliert wahr, sondern hören sie nur als klangfarbe. man braucht einen guten halbtag, bis man ungefähr erahnt, was man da überhaupt produziert. und das hören braucht es aber, um die obertöne dann halbwegs klar isolieren und steuern zu können.

praktischerweise ging es dann in der zweiten seminareinheit auch ums hören bzw. um stille, und wir haben ein paar sehr schöne übungen dazu gemacht, die ich sogar erfolgreich in meinem unterricht reproduzieren konnte (was sonst nicht unbedingt der fall ist. also das reproduzieren schon, das erfolgreich nicht unbedingt). jetzt mache ich in einigen klassen regelmäßig zuhörübungen, und das trägt schon erste früchte. wobei damit definitiv nicht gemeint ist, irgendwelche intervalle oder formen zu hören (das mache ich auch immer wieder, aber das ist eher kapitel erkenntnisgewinnung), sondern einfach zuhören als elementare und heute sehr selten gewordene erfahrung mit unterschiedlichen anleitungen und aufgabenstellungen.

im bezug auf meine stimme hat sich nicht so viel getan, außer daß ich jetzt auch ein bißchen obertonsingen kann und mich autodidaktisch auch am untertonsingen versuche. beides wirkt sich glaube ich auch auf die stimme aus, aber noch mehr auf die wahrnehmung, und die ist glaube ich deutlich sensibler geworden, und zwar in viele richtungen. richtig cool ist zb., daß man, wenn die akustik halbwegs stimmt und man gerade durch stundenlanges obertonsingen sensibilisiert worden ist, in der eigenen sprechstimme die obertöne hört, die je nach vokal schön die obertonreihe rauf- und runtersausen. als hätte man einen vogel (bezogen aufs zwitschern natürlich, nicht auf irgendwas anderes).

im seminar müssen wir auch eine vokale mutprobe für uns ausdenken und uns ihr stellen. meine ist, mal mit einer expertengruppe vokal zu arbeiten. praktischerweise reicht mir schon die expertenheit der gruppe im seminar, da sitzen ja recht versierte musikstudenten und auch ein paar musiklehrer drin, also vom niveau her ist das so ungefähr das höchste, womit zu arbeiten ich je die gelegenheit hatte. das ist für mich durchaus eine mutprobe, denn abgesehen von 2-3 ensembleleitungsstunden anno dazumal habe ich noch nie was vergleichbares mit profis gemacht, und das war auch nicht vergleichbar.

ich habe mich, nachdem ich schon das vorletzte mal meine mutprobe bekanntgegeben habe, schon darauf eingestellt, beim letzten mal spontan was machen zu müssen, aber ich habe nur den auftrag bekommen, das nächste oder übernächste mal spontan was zu machen. jetzt weiß ich nicht ganz, was.

einerseits würde ich gern ein bißchen was anderes machen, als was wir sonst so tun (nämlich singen), zum beispiel sowas wie beatboxen, andererseits wäre das zwar eine vokale betätigung, aber keine mutprobe, denn auf dem gebiet bin ich der gruppe vermutlich (von eventuellen ausnahmen abgesehen) ein wenig voraus. wäre natürlich billig, meine mutprobe ohne mutprobe hinter mich bringen zu wollen, also nein, so nicht. stattdessen denke ich mir jeden tag irgendwas neues aus oder krame was aus meinem gedächtnis hervor, kleine kanons und sowas, und aus diversen gründen fallen sie doch immer durch, und ich muß mir was neues ausdenken oder aus meinem gedächtnis hervorkramen. kreativer zwang sozusagen. ganz schrecklich. das hilft nur ein kräftiges OooMmm...

petras gastkommentar über lehrermehrstunden

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ich habe am wochenende mit dem gedanken gespielt, einen eintrag über die geplanten mehrstunden für lehrer zu schreiben. das thema ist ja in aller munde, und kaum einer hat wirklich eine ahnung davon (leider, wie ich finde). allerdings bin ich am wochenende nicht dazugekommen, und daher hats mich besonders gefreut, daß ich per mail den text einer ehemaligen studienkollegin bekommen habe. ich hätte manches anders geschrieben, aber im großen und ganzen sind wir natürlich auf einer ähnlichen linie. sie hat mir die erlaubnis gegeben, ihren text hier abzudrucken. manches werde ich per fußnote aus meiner sicht hinzufügen. los gehts!

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Liebe alle!

Sicherlich habt ihr alle die derzeit laufende Diskussion über die Pläne unserer lieben Frau Bundesministerin verfolgt, die Unterrichtszeit der Lehrer um 2 Stunden pro Woche zu erhöhen, freilich bei gleichbleibendem Gehalt.
Ich schreibe dieses mail aus dem Grund, weil mich diese öffentliche Diskussion wahnsinnig aufregt, da ich immer mehr den Eindruck bekomme, dass das Bild von uns LehrerInnen in der Gesellschaft ein unglaublich verzerrtes ist. Der Tenor der Bevölkerung ist nämlich nicht, so wie ein denkender informierter Mensch meinen würde, ein unglaublicher Aufschrei ob dieser geplanten Maßnahme und neuerlichen Attacke auf unser Bildungssystem, sondern mehr oder weniger offen geäußerte Zustimmung nach dem Motto "Endlich sollen die mit ihrem Halbtagsjob auch mal was hackeln."
Ich möchte hiermit einige Dinge klarstellen, von denen ich nach wiederholten Erfahrungen in Gesprächen mit Außenstehenden (Eltern, Angehörigen anderer Berufsgruppen) weiß, dass sie der Öffentlichkeit einfach nicht bewusst sind oder sich niemand die Mühe macht, darüber nachzudenken.
Erstens: 2 Stunden mehr unterrichten heißt nicht 2 Stunden mehr arbeiten. Es heißt diese Stunden auch vor- und nachbereiten (=: sich ein pädagogisches Konzept machen, wie man was wann am besten rüberbringt = nachdenken. Dann dazu Material suchen = im Internet, Lehrbüchern, Journalen.... recherchieren. Dann das Ganze aufbereiten = selber ausarbeiten, möglichst noch in ein "Offenes Lernen"-Konzept verpackt = Arbeitsblätter+Lösungsblätter machen,...); das ist aber noch nicht alles, weil das Zeug, das man vorbereitet hat, muss man dann auch noch kopieren / folieren / zusammenschnipseln... Ergo: 2 Stunden mehr unterrichten heißt 4 Stunden mehr arbeiten. Da ist aber noch nicht eingerechnet, dass man mitunter Schularbeiten und Tests macht, Hausübungen verbessert oder gar einen Lehrausgang organisiert. (Von erzieherischer und/oder Betreuungsarbeit wie Streitereien der SchülerInnen schlichten oder Elterngespäche führen, ganz abgesehen.) Natürlich gibt's Schulbücher, die einem einen Großteil der Arbeit abnehmen, aber der gute alte Frontalunterricht (= Buch aufschlagen, vorlesen, Buch zumachen, gehen) ist doch nicht, was wir alle wollen, oder? Weiters: eine Stunde unterrichten ist nicht wie eine Stunde im Büro sitzen. Unterrichten heißt, 50 Minuten ohne Pause ständig konzentriert sein und dabei 20-30 Leute im Auge behalten. Vielleicht ist es so wie als Anwalt verhandeln oder als Arzt operieren (ich sage vielleicht, denn mir ist bewusst, von wessen Arbeit ich eine Ahnung habe und von wessen nicht). Und das mitunter 6 Stunden durchgehend - wenn ich von 8h bis halb zwei ohne Freistunde dazwischen unterrichte, komme ich, man verzeihe die Ausdrucksweise, mitunter nicht mal zum Sch... (und wir wissen alle, wie ungesund das ist). Nach so einem Schultag gehe ich nach Hause und muss erst mal eine Stunde schlafen, um dann die Arbeit von s.o. erledigen zu können.
Zweitens: Es ist ein Humbug, groß zu verkünden, diese Maßnahme gehe nicht auf Kosten der SchülerInnen. Wer, glaubt ihr, zahlt denn drauf, wenn für Vorbereitungen, Projektarbeit oder auch das bloße Korrigieren von Übungszetteln zwei Stunden pro Woche weniger Zeit ist? Die Kinder wird's natürlich vorerst mal freuen, wenn es weniger kontrollierte Hausübungen gibt oder in Fächern, wo es nicht dringend vorgeschrieben ist, keine Tests mehr stattfinden. Dann sind auch die Eltern zufriedener, weil sich die Kinder weniger beklagen, und alle sind glücklich...In Summe bekommen wir aber freilich schlechter ausgebildete Kinder, wird also NATÜRLICH bei der Bildung unserer Kinder gespart und damit bei der Zukunft unseres Landes.
Elternvertreter in den Medien behaupten jedoch, endlich hätten die LehrerInnen mehr Zeit für ihre Kinder, weil sie länger bei ihnen in der Klasse sind. Das erklär mir mal einer: Zwei Stunden unterrichten heißt in meinem Fall, eine Klasse mehr in Musik, also statt 330 360 SchülerInnen. Mehr Zeit für die Kinder???????
Mich ärgert weiters die Aussage, die derzeit oft in diversen Zeitungen zu lesen ist, dass es nämlich den Lehrern nur um ihren eigenen Job ginge und nicht um die Bildung der Kinder, dass also pädagogische Interessen gar nicht diskutiert werden. Also, langsam, zum Mitdenken: Lehrer sind Lehrer geworden, weil sie Kindern etwas beibringen wollen. Verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen der Lehrer, verschlechtern sich also die Rahmenbedingungen, Kindern etwas beizubringen. Es verschlechtert sich also das, warum ich diesen Beruf ergriffen habe. Und das war jetzt nochmal was?.... Ganz klar, um die Kinder kann es hier wohl kaum gehen....
Drittens: Es ist zu hören und zu lesen, dass die Lehrer es mit Effizienzsteigerung, so wie das in der Privatwirtschaft gang und gäbe sei, locker schaffen würden, zwei Stunden weniger Vorbereitungszeit hereinzuarbeiten. Man wirft uns also implizit vor, ineffizient zu arbeiten (oder, wie die Frau Ministerin meinte, ob sie denn eine Gehaltseinbuße von 10% in Kauf nehmen würde - "Ich arbeite mit voller Kraft" - wir das nicht täten.) Erinnert euch an eure eigene Schulzeit und stellt euch einen Lehrer vor, der mit halber Kraft in eine pubertierende 5.Klasse hineingeht...Na? Erraten. Die lieben SchülerInnen tragen ihn auf den Händen wieder hinaus. Außerdem, auch wenn das jetzt hochnäsig klingt: Ich bin klug (IQ = 140). Ich bin konzentriert. Ich bin verdammt effizient bei allem, was ich tue. Schneller geht's nicht - außer man nimmt Qualitätsverluste in Kauf.
Es gibt eine Lehrerarbeitszeitstudie aus dem Jahr 2000, die zu 2/3 vom Ministerium (!) finanziert wurde. Es scheint, dass die Frau Ministerin diese nicht gelesen hat (vielleicht weil sie von der anderen Partei stammt?), in der belegt wird, dass LehrerInnen, legt man ihre wöchentliche Arbeitszeit auch auf die Ferien um, MEHR ALS 40 Stunden in der Woche arbeiten. Dies deshalb, weil es während des Schuljahres Wochen gibt, in denen aufgrund von s.o.(erstens) mehr als 50 Stunden gearbeitet wird.
Woher kommt also die Mär, wir LehrerInnen würden nix hackeln?
Mehrere Gründe fallen mir dazu ein: LehreInnen gehen, sobald sie nicht mehr unterrichten müssen, nach Hause. Was dort passiert, sieht keiner. Warum gehen wir nach Hause? Weil wir dort ARBEITEN KÖNNEN. Zuhause habe ich meinen (wohlgemerkt selbst erworbenen) Computer (in der Schule haben wir 5 Computer für 75 Lehrer1). Ich habe meine (wohlgemerkt selbst erworbenen) Materialien (Bücher, Zeitschriften, Tonträger) und vor allem, ich habe einen Schreibtisch. In der Schule habe ich einen "Arbeitsplatz", gegen den der Käfig einer Legebatteriehenne einem Luxusschloss gleichkommt. Ich kann nicht mal zwei Bücher nebeneinander hinlegen, ohne die des Kollegen nebenan runterzustoßen.
Ein weiterer Grund wäre wohl, dass es natürlich - wie in jedem anderen Job auch - Leute gibt, die einfach unfähig sind, diesen auszuüben. Die Crux der LehrerInnen ist jedoch, dass fast jeder in der Bevölkerung irgendwann mit so einem Mitglied unseres Berufsstandes in Kontakt gekommen ist - weil man im Laufe seiner (höheren) Schullaufbahn doch auf ungefähr 30 -40 Lehrerkontakte kommt. Nehmen wir im Vergleich dazu, sagen wir mal, einen Richter. Auch bei denen wird es wohl unfähige geben, doch merkt der Großteil der Bevölkerung davon halt nix, weil ja nicht jeder mal ein Verbrechen begeht oder anderweitig in einen Rechtsstreit verwickelt ist.
Außerdem: Jeder war mal in der Schule. Was dort passiert, ist nicht immer lustig, ganz einfach deshalb, weil arbeiten nicht immer lustig ist. Kinder werden in der Schule also mitunter zu etwas gezwungen, was in diesem Moment nicht ihr Primärbedürfnis ist. Und das in einem Alter, in dem sie von ihrer psychischen Entwicklung her noch gar nicht in der Lage sind, unangenehme Anweisungen (wie z.B. die Aufforderung, jetzt das Arbeitsblatt auszufüllen anstatt zu spielen) von der Person zu abstrahieren, die diese Anweisung gibt. Was bleibt, ist das Gefühl: der Lehrer ist jetzt zu mir gemein. Später, wenn Menschen über diese psychische Fähigkeit verfügen sollten, geht leider keiner mehr in die Schule, ist also niemand gezwungen, darüber nachzudenken, ob jetzt der Lehrer wirklich gemein war oder nicht. Es wird also dieses unreflektierte Gefühl ganz einfach als Urteil übernommen.
Dann machen Zeitungen Umfragen, ob die Forderung, Lehrer sollten mehr arbeiten (! was ja so nicht stimmt, siehe erstens!), gerechtfertigt sei, und heraus kommt eine Zustimmungsrate von 65%. Würde man eine Umfrage machen, ob, sagen wir, Billa-VerkäuferInnen, Zoodirektoren oder Bundesforstbedienstete 2 Stunden mehr arbeiten sollen, würde die Mehrheit der Menschen doch sagen: Was für eine absurde Frage, ich hab ja keine Ahnung, was die hackeln. Aber bei den Lehrern sind alle Experten, schließlich war doch jeder mal in der Schule und kennt sich daher aus...
Viertens: Die Frau Ministerin verlangt angesichts der schlechten Wirtschaftslage einen Solidaritätsbeitrag von uns LehrerInnen. Ich möchte eines klarstellen: Wenn es unserem Land tatsächlich so schlecht geht, dass eine nationale Kraftanstrengung erforderlich ist, um den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen, bin ich die letzte, die dagegen ist. Aber dann verlange ich dieselbe Kraftanstrengung von allen, die der Staat zahlt, seien das jetzt Ärzte, Richter und Staatsanwälte, Finanzbeamte, Orchestermusiker, Verwaltungsbedienstete, Postler, Bundesforstbedienstete, Politiker oder AUA-Vorstände. Warum gerade wir Lehrer?
Dazu fallen mir wieder zwei Gründe ein: Erstens ist es populär, so etwas zu sagen. Und zweitens muss ja gerade im Bildungsministerium ein Schulversuch finanziert werden (ich rede von der Neuen Mittelschule), bei dem in Fächern wie Deutsch, Mathematik oder Englisch nicht ein, sondern zwei Lehrer in der Klasse sind. Das kostet also...mal zwei rechnen kann wohl jeder selbst. Aber, soweit ich weiß, wird der zweite Lehrer eh nur halb bezahlt. Außerdem - was wohl die meisten nicht wissen: Hauptschullehrer werden von den Ländern bezahlt, Lehrer der Mittelschule jedoch vom Bund. Und es sind fast ausschließlich Hauptschulen, die an diesem Schulversuch teilnehmen...Weiters braucht die Frau Bildungsministerin Geld für die versprochene Ganztagesbetreuung (selbst wenn man, so wie ich, für die Betreuung von 20 Kindern am Nachmittag pro Stunde netto € 6,25 bekommt, ist das ein Haufen Geld. Als ich mir das ausgerechnet hatte, wollte ich mit der Putzfrau tauschen, weil die putzt nämlich immer nur ein Klo gleichzeitig, das noch dazu auch nicht frech ist).
Ich möchte abschließend folgendes klarstellen: Ich mache eine verdammt harte Arbeit2. Und es ist eine verdammt wichtige Arbeit. Und: Ich mache sie gerne3. 90% meiner Kollegen machen sie auch gerne und arbeiten engagiert. Wir haben gerade wieder eine Kollegin mit 55 Jahren aufgrund von Burn-Out in die (natürlich schlecht bezahlte) Frühpension verloren. Ich beklage mich nicht darüber, dass meine Arbeit mitunter mühsam ist. Ich beklage mich nicht, dass ich dafür soviel bezahlt bekomme wie eine bessere Sekretärin (und die 57.000 Dollar Jahresverdienst, die die Kronenzeitung berichtet hat, soll mir diese Zeitung bitte auch bezahlen). Aber ich wünsche mir, dass meine Arbeitsbedingungen nicht verschlechtert werden, und ich wünsche mir, dass ich für meine Arbeit die Anerkennung bekomme, die ihr gebührt.
Und abschließend die Bemerkung einer Zwölfjährigen, als ich gestern mit einer 2.Klasse diese Problematik diskutiert habe und wir überlegt haben, was denn an der Schule nun so teuer ist und als ein Punkt die Ausweitung der Nachmittagsbetreuung aufgetaucht ist: "Aber wir wollen doch gar nicht in der Schule von irgendwelchen Lehrern betreut werden. Wir wollen, dass unsere Eltern Zeit für uns haben."
Wer immer von euch Kinder hat: Sie brauchen eure Zeit. Sie brauchen gar nicht ständig immer eure volle Aufmerksamkeit. Aber sie brauchen eure Anwesenheit. Das kann niemand ersetzen. Und bitte geht mal zu den Lehrern eurer Kinder, auch wenn ihr denkt, da passt eh alles. Bedankt euch für ihre Arbeit. Es tut nämlich sonst keiner.

Liebe Grüße,
eine sehr verärgerte
Petra

P.S.: Wer bis zum Schluss durchgehalten hat - ihr könnt und sollt dieses mail bitte auch weiterschicken, an alle, die's interessiert, wie es wirklich ist. Und auch an alle, die's nicht interessiert.

P.P.S.: Wer es nicht weiß: Ich unterrichte Musik und Russisch an einem Gymnasium.

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1 wir haben 2. aber vielleicht sind wir ja auch keine 75, sondern nur um die 65 lehrer... muß ich direkt mal nachzählen.
2 ich auch!
3 ich auch!

homo bürokraticus

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sehr schöne sache. ich muß für die bundesrepublik österreich ein von der republik ungarn ausgestelltes schriftstück X produzieren, das beweisen soll, daß ich x bin (was das inhaltlich ist, ist unerheblich, und man kann es sich eh denken). nun, das vorhaben hat mich von anfang an etwas verstört, kann ich doch getrost davon ausgehen, daß die republik ungarn seit gut 20 jahren nicht wirklich was über mich weiß - schon gar nicht, ob ich x bin oder nicht.

im naiven glauben, ein reisepass und eine geburtsurkunde würden ausreichen, ging ich mit meinem reisepass und meiner nigelnagelneuen geburtsurkunde (eigentlich auszug aus dem geburtenbuch, aber das ist in ungarn das selbe) (nigelnagelneu deswegen, weil ich meine alte, sprich originale, schon länger nicht gesehen habe, obwohl ich an all den üblicherweise zu erwartenden stellen nachgeschaut habe) (sind solche doppel- bzw. jetzt sogar dreifachklammern überhaupt erlaubt? ich weiß, ich hätte es auch eleganter lösen können, indem ich die zweite gleich nach nigelnagelneu eingefügt hätte, aber jetzt ist es wohl zu spät.) zur botschaft. nach einer kurzen suche (sie hat sich versteckt! das letzte mal war sie noch woanders!) habe ich die botschaft, die konsularabteilung und eine gerade nicht beschäftigte ansprechpartnerin gefunden.

ich habe ihr mein anliegen vorgetragen, worauf sie mir mit einem müden lächeln die unmöglichkeit meines vorhabens mitteilte: das ganze geht natürlich nur in begleitung, also brauche ich es allein gar nicht erst versuchen. und außerdem reichen meine schriftstücke sicher nicht aus, aber das weiß sie nicht so genau, und ich soll bitte auf die zuständige dame warten.

nach einer ganzen weile kam dann eine andere, offenbar halb zuständige dame, die mir einen zettel, der die ganze zeit in reichweite des schalters und daher auch der ersten dame lag, unter die nase hielt, die eine wunderbar ausführliche liste aller erforderlichen schriftstücke enthielt. unter anderem würden sie all meine meldezettel seit meiner ankunft nach österreich vor 20 jahren brauchen, weiters diverse bestätigungen, die bestätigen, daß ich einen wohnsitz in ungarn habe, daß ich keinen wohnsitz in ungarn habe, daß ich mich erlaubterweise in österreich aufhalte (erlaubt nicht durch die bundesrepublik, denn das dürfte aus aufenthaltsgenehmigung und tonnen von meldezetteln ersichtlich sein, sondern durch die republik ungarn) und sowas.

ja, das habe ich mir auch schon gedacht: es ist mathematisch unmöglich, all diese schriftstücke vorzulegen, weil sie einander teilweise widersprechen. aber, das sagt mir mein gesunder menschenverstand, es würde vermutlich ausreichen, einfach meinen status mit tonnen von papier zu belegen, und es würde schon klappen. vermutlich deswegen, weil man es nie so genau weiß.

ich habe mir also diverse weiterführende unterlagen organisiert. eine besagt, daß ich in ungarn nicht mehr gemeldet bin (zumindest dort nicht, wo ich vorher gemeldet war, aber wo das war, mußte ich nicht nachweisen, also ist da schon eine potentielle lücke gegeben), eine andere ist die bestätigung, daß ich ungarn tatsächlich verlassen habe und nicht mehr dort wohne. redundant, würdet ihr sagen, aber das ist bei solchen dingen nie falsch.

mit wie ich dachte allen erforderlichen dokumenten ging ich wieder zur botschaft, einfach mal um zu fragen, ob ich denn nun wirklich alles habe. die selbe dame wie letztens schaute sich meine papiere mit hilfe der genannten liste an, sagte, daß sie glaube, es würde passen, aber ich soll mal auf die zuständige dame warten. die andere, halb zuständige, war auch in der nähe, fühlte sich aber diesmal offenbar ganz und gar unzuständig. also setzte ich mich hin.

in der knappen halben stunde (ich weiß, das ist für amtswege nicht sonderlich lang, aber dafür, daß ich nur fragen wollte, ob alles paßt, meiner meinung nach schon) habe ich bekanntschaft mit diversen persönlichen schicksalen und ihrem kampf gegen die bürokratie machen dürfen. aus datenschutzgründen und weil sie nacherzähl nicht halb so spektakulär sind wie in echt, werde ich sie nicht nacherzählen.

nach der halben stunde ging ich wieder zum schalter und drängelte mich frech vor. manche leute müssen ja arbeiten, und die schule wartet nicht, und meine unterlagen lagen direkt beim schalter, aber auf der innenseite. ich bat die dame, mir selbige wieder auszuhändigen oder einfach frech zur zuständigen dame vorzudringen und sie um begutachtung meiner dokumente bitten, was sie auch tat, wenngleich widerwillig.

die diagnose der expertin lautete: fast vollständig. ein schriftstück (dasjenige, das beweist, daß ich an meinem ehemaligen wohnsitz nicht mehr gemeldet bin) muß ich mir auch original schicken lassen, das war nur eine kopie (das sehe ich fast noch ein, selbst wenn es ob dieser redundanz nicht unbedingt notwendig wäre. amtspersonen haben eine natürlich abneigung gegen kopien, das verstehe ich.), und mein aktueller meldezettel ist ihnen zu alt. ich meine, hallo, meldezettel! hat jemand in österreich jemals was anderes gebraucht, um seinen meldestatus zu bestätigen? nein. wieso dann gerade für die ungarn? aber gut.

nächste station: bezirksamt brigittenau, meldedingsbums. da gab es dann auch so moderne errungenschaften wie nummern, und ich hatte sogar eine, die bald dran war. bald ist relativ, aber drei nummern lang warten ist durchaus im rahmen des erträglichen. da habe ich dann bei einer freundlichen und überraschend sympatischen dame mein bedürfnis nach einer meldebestätigung vorgebracht und mit einem amtlichen lichtbildausweis unterstrichen. sie fand meine daten im computer und begann sie umständlich per hand auf ein formular zu schreiben. ich saß daneben und sah ihr beim handschreiben zu.

als sie dann fertig war, mußte ich mit einem ausdruck (wo kam der denn plötzlich her?) zur kassa, um meine drei obulonen zu entrichten. drei nur deshalb, weil ich die bestätigung der ungarischen botschaft widmen (sonst 13,20 € zeugnisgebühr) und weil ich die dame den wisch selbst handschriftlich schreiben ließ (sonst 13,20 € antragsgebühr! offenbar ist das selber schreiben weniger aufwendig als das lesen meiner schrift). auf dem weg zur kassa im dritten stock sah ich einige schicksalsgenossen, die in bester asterix- und obelixmanier (asterix erobert rom, 1975) die stufen rauf- und runterhetzen mußten, von schalter zu schalter. ich mußte nur einmal hinauf und dann wieder runter (ich bin bei behördengängen schon sowas wie ein profi, bei mir klappt das meiste beim ersten versuch) und durfte dann sogar ganz ohne nummer wieder ins zimmer und meine meldebestätigung abholen, die in der zwischenzeit (etwa 2 minuten) auf wundersame weise aus dem drucker wuchs. das ganze hat nur ein handbeschriebenes und drei quasi identische, ca. zu je einem fünftel bedruckte A4-blätter verbraucht, natürlich exklusive der eigentlichen bestätigung.

jetzt muß ich nur noch auf mein original aus ungarn warten, und dann kann ich endlich mit meiner begleitperson zur botschaft, wo ich nur noch die zuständige dame zu gesicht bekommen muß. ich bin sicher, irgendwas wird ihr nicht passen, aber diesmal ist mir das egal. denn wie ich mitgekriegt habe, läuft es jetzt eh auf folgendes hinaus:

die republik ungarn kann nicht bestätigen, daß ich x bin. dazu ist sie nicht in der lage, weil ich nicht in ungarn registriert bin. die ganzen dokumente brauche ich nur, um das beweisen zu können. ich muß ihnen also beweisen, daß sie nix über mich wissen. und wenn das geklappt hat, darf ich eine erklärung abgeben, daß ich x bin. nachdem ich alles andere schriftlich belegen mußte, werden sie mir genau das wesentliche einfach so glauben und mir ein zeugnis darüber ausstellen. und die bundesrepublik österreich wird ihnen das abnehmen.

denkt ihr das selbe was ich denke? ja, es ginge auch einfacher - es würde ja reichen, wenn mir die bundesrepublik diese erklärung abnehmen würde. hier bin ich ja lückenlos belegt und registriert, dokumentiert und alles. eigentlich, aber das sage ich nur unter vorgehaltener hand, müßte ich strenggenommen ja gar nichts dergleichen erklären oder belegen, weil die bundesrepublik die erste instanz wäre, die wüßte, wenn ich nicht x wäre... denn wenn sich der zustand ändert (das steht bald bevor, dafür brauch ich ja erst den ganzen papierkram), ist die bundesrepublik live dabei.

na jedenfalls scheint die ganze odyssee auf ein ziel zuzusteuern. wenn ich das original aus ungarn habe und mit meiner begleitperson bei der botschaft nach stundenlangem warten die erklärung abgeben durfte, werde ich noch gerichtlich beglaubigte übersetzungen anfertigen lassen dürfen, und schon kann ich alle unterlagen bei der bundesrepublik einreichen. übersetzungen deswegen, weil a) nicht davon auszugehen ist, daß eine österreischische vertretung der republik ungarn in einer anderen als der ungarischen sprache irgendwelche zeugnisse ausstellen kann und b) die bundesrepublik österreich nicht einmal mit einer in drei sprachen (u, e, f) ausgestellten geburtsurkunde viel anfangen kann.

immerhin habe ich im zuge der suche nach meinen alten meldezetteln meine originale geburtsurkunde gefunden. jetzt habe ich also zwei. man weiß ja nie, wo diese dünnen biester immer verschwinden, ich habe diverse dokumente doppelt, und das ist gut so (jetzt wißt ihr auch, wieso ich so ein profi bin - übung macht den meister). so kann ich mir also ein amtsschimmelkäsebrot gönnen und auf meinem amtsschimmel dem sonnenuntergang entgegenreiten. yippieh!

babyfotos, private meinungen und was man sonst noch im internet (nicht) veröffentlichen sollte

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ich habe gerade heute früh einen ganzen haufen von meinem vater eingescannter baby- und kinderfotos von mir und meinen geschwisterchen bekommen. für den privaten gebrauch wohlgemerkt, also werde ich sie hier nicht alle veröffentlichen. ein kleiner rest privatsphäre darf sein.

aufmerksamen bloglesern und irgendwelchen cyberstalkern aus der 5a wird aber schon mal mein foto auf dem töpfchen aufgefallen sein, das hier eine ganze weile mein profilfoto war und woanders noch immer ist. das war bisher leider auch das einzige, das ich digital hatte, aber das hat sich ja jetzt geändert. mein neues lieblingsfoto ist dieses hier, weil es auch meine spätere berufung vorwegnimmt:
nun wissen wir ja, daß man heutzutage einigermaßen aufpassen sollte, was man in welcher form wo ins internet stellt, denn wenn etwas in die falschen hände gerät, einen zweifelhaften eindruck erweckt oder sonst irgendwie belastend wirkt, wirkt es eben belastend.

ich glaube, mit zwei kinderfotos bin ich halbwegs noch auf der sicheren seite, überhaupt bin ich der meinung, daß es recht wenige bis gar keine richtig kompromittierende fotos von mir geben dürfte, sofern zb. biertrinken an einem gemütlichen abend nach einem anstrengenden hundeschlittenfahrtag nicht kompromittierend ist. peinlich ist wieder eine andere geschichte, wir alle haben ja in unserer jugend modische und frisurtechnische fehltritte begangen, und ich war eben auch auf diesem gebiet ein furchtloser wegbereiter. das war zum glück noch vor der digitalära, und wenn ich glück habe, landen diese bilder nie im netz. und ich habe einen guten anwalt.

bei anderen dingen muß man natürlich besser aufpassen. ich finde, man darf ruhig eine private meinung haben und im gegebenen kontext artikulieren, die sich von der offiziellen meinung, die man im beruf vertreten sollte, unterscheidet. vermutlich finden das die islamlehrer auch, die jetzt als ach so böse und antidemokratisch hingestellt werden. wo und wann der geeignete kontext ist, ist natürlich nicht immer ganz leicht zu entscheiden.

[das hat jetzt mit dem thema nur am rande zu tun, aber der eigentliche skandal ist, daß eine angeblich anonymisierte umfrage mit derart suggestiv gestellten fragen solche reaktionen auslöst, aber selbst nicht hinterfragt wird. mit der statistik kann man vielen leuten ein ei legen, und genau das ist hier wohl auch passiert (ob bewußt oder unbewußt, sei dahingestellt, jedenfalls wars extrem dumm). vor allen dingen müßte man prüfen, ob die umformulierung der fragen oder auch das befragen einer anderen bevölkerungsgruppe andere ergebnisse erbringen würde. und auch das ist aufmerksamen lesern meines blogs nicht entgangen: wenn ich in einer anonymen umfrage meine private meinung über die in österreich praktizierte parlamentarische demokratie preisgeben müßte, wäre sie auch negativ. wobei ich bei anonymen umfragen, wo man zb. seine unterrichtsfächer angeben muß, sowieso alles andere als anonym bin.]

ich habe jedenfalls kein problem damit, meine privat geäußerte politische meinung hier zu argumentieren. kann natürlich schon sein, daß irgendjemand mal drüberstolpert, dem das nicht gefällt, aber es herrscht hierzulande immerhin meinungsfreiheit (ein sehr schöner aspekt einer echten und nahezu uneingeschränkt gültig auch in einer pseudodemokratie). andererseits gibt es wiederum themen, die so privat oder so öffentlich sind, daß es sich nicht wirklich schickt, darüber zu schreiben. so zum beispiel das thema selbstmord(versuche), zu dem ich einen leider wirklich sehr direkten persönlichen bezug und eine sehr konkrete meinung habe und dieser tage auch einen anlaß und eine sagen wir mal etwas unerwartete literaturempfehlung gehabt hätte. aber wie gesagt, zu privat oder zu öffentlich, wie mans haben will. daher bleibts also bei kinderfotos und privaten meinungen über die demokratie.

unverbindlicher musikalischer neujahrsvorsatz

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gestern war ich im theater an der wien. pelléas et mélisande. von debussy. gratis. das war zwar kein neujahrsvorsatz, sondern ein spontaner generalprobenbesuch, paßt aber halbwegs ins thema.

es war eine interessante erfahrung. gute inszenierung, geniales bühnenbild, tolle sänger und eine wahnsinnig lange oper, bei der recht viel unnötiges zeug gequatscht-gesungen wird. symbolismus halt. manche symbole sind leicht zu durchschauen, manche eher weniger, und wenn man kein französisch kann und ohne brille die deutschen übertitel gerade nicht sieht, macht das die sache auch nicht einfacher. die musik war allerdings recht spannend, und die oper ist eher ein musikdrama, also so eine art endlos langes rezitativ ohne irgendwelche angebernummern.

ich war ja in den letzten jahren nicht unbedingt der fleißige konzert- und schon gar kein operngeher. das ist ja an sich auch kein muß, in der pension bleibt genug zeit für sowas, aber nachdem ich zuhause auch wenig bis gar keine klassische musik höre, habe ich diesbezüglich eindeutig ein paar lücken. ich hab das zeug ja studiert, unbeleckt bin ich auch nicht, aber sagen wir es so: ich erkenne eine beethoven-symphonie, weil ich weiß, wie eine beethoven-symphonie klingt, nicht weil ich sie wiedererkenne (von den ganz berühmten mal abgesehen). aber man könnte mich vermutlich mit einer frühen schubert durchaus in die irre führen.

einer meiner nicht formulierten und daher komplett unverbindlichen neujahrsvorsätze könnte also sein, mein repertoire und damit ein bißchen auch meinen horizont zu erweitern. eine gelegenheit dazu könnte zb. der vollständige ring sein, womit wir wieder beim musikdrama wären. dazu gibt es dieses jahr drei gelegenheiten, und sollte sich jemand finden, der hardcore genug ist, würde ich mir das vielleicht wirklich durch den kopf gehen lassen.

mit wagner habe ich bisher sowieso nicht viel am hut gehabt. naja, ich habe mal den hochzeitsmarsch aus lohengrin in einer verjazzten und mit dem mendelssohn vermischten version auf einer hochzeit geklimpert, aber das ist jetzt noch keine sehr intensive beschäftigung mit dem thema. bei wagner schrecken mich einfach die dimensionen ab. aber ich spüre schon seit jahren den inneren drang, ein bißchen in seine welt einzutauchen. untere anderem deswegen darf sich die 6A derweil mit dem ring beschäftigen.

das andere, was für mich eine eindeutige repertoireerweiterung darstellen und wozu sich dieses jahr gelegenheit bieten wird, ist haydn. auch da weiß ich seit jahren, daß er viel interessantes zu bieten hat, bin aber noch nie richtig weit in sein schaffen eingedrungen. nachdem ich aber mit der 7B fast ein ganzes semester zeit für die wiener klassik haben werde, können wir das mit haydn aufziehen und damit auch aktiv von den vielen events des haydn-jahres gebrauch machen.

und wenn wir schon dabei sind, gehe ich vielleicht noch zum oasis-konzert. aber das ist eine andere geschichte...