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ein bißchen musiktheorie und all das andere zeug

Posts tagged with "feng shui"

surströmming

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heute ist ein kindheitstraum in erfüllung gegangen. kindheitstraum sei hiermit etwas flexibler als sonst definiert, nach dem motto "es ist nie zu spät für eine erfüllte kindheit", und außerdem sei hiermit gleich am anfang festgehalten, daß manche träume besser träume bleiben sollten.

das ganze fing nicht erst an, als mein norwegischer bruder letztens aus schweden gefacebookt und damit indirekt angeboten hat, mir was mirzunehmen. meine faszination für grausliches essen ist hoffentlich allseits bekannt, und so überrascht es kaum jemanden, daß ich mir surströmming (bitte zuerst studieren und erst dann weiterlesen) gewünscht habe. und wer wenn nicht gergô ist auch manns genug, solche indirekten angebote auch in die tat umzusetzen, selbst wenn das auf dem flug explosionsgefahr bedeuten sollte.

die zutaten für ein surströmmings-fest: surströmming, gekochte kartoffeln, rote zwiebel, sauerrahm, svenskt tunnbröd, milch und viel wasser

wir haben uns heute bestens ausgerüstet auf der donauinsel getroffen, ich sage lieber nicht genau wo, um einer eventuellen strafverfolgung zu entgehen. trotz eines zeitgerechten und ausnehmend einladend formulierten aufrufs bei facebook kam nur bodi, der alte schwede, dazu, und er auch mit einer fast einstündigen verspätung. da war fast schon der ganze spaß vorbei.

gergô hat die dose in einem eimer wasser geöffnet, was dann blubberbläschen und gestank produziert hat. beides hielt sich in grenzen, wobei der geruch qualitativ durchaus penetrant war, eine mischung aus verwesung und fisch zum quadrat. wir konnten auf jeden fall erahnen, wie es ohne wasser gerochen hätte.

die blubberbläschen. das wasser war vorher kristallklar, die trübheit ist direkt proportional zur wurzel des gestanks.

nachdem die dose ausgeblubbert war, haben wir sie ganz aufgemacht und in einem frischen eimer wasser fertigstinken lassen, danach die fische entnommen und wieder in einem frischen eimer wasser ein bißchen ausgelüftet und dann noch unter fließendem wasser abgewaschen.

die fische selber haben recht unschuldig wie jeder andere tote hering ausgeschaut, und ich habe schon die hoffnung gehegt, daß der geschmack doch recht interessant sein könnte. bei hákarl etwa ist es ja so, daß man, wenn man den ammoniakgeruch ignoriert, mit einem durchaus spannenden geschmackserlebnis nach reifem käse belohnt wird. muß auch nicht jedem schmecken, aber ich habs gemocht.

leider hält sich surströmming nicht an diese einfache regel und schmeckt auch abseits des geruchs eher penetrant, sauer, verwest und extrem salzig. selbst mit viel beiwerk haben wir uns eher zwingen müssen, um ihn runterzukriegen. bodi hat überhaupt gekniffen und hat sich rein vegetarisch ernährt.

ein festmahl. wenn man nicht wüßte, was es ist, möchte man fast mitessen...

der wunderbare geruch, den wir zu diesem zeitpunkt kaum noch wahrnahmen, hat auch freunde gefunden: ungefähr alle fliegen und wespen der donauinsel haben sich auf unseren tellern und um den eimer herum (die dümmeren unter ihnen gleich im eimer) versammelt. wir haben ihnen nahegelegt, sich nach schweden zu verabschieden, aber wie ich glaube erfolglos.

nachdem wir satt waren (recht bald also), haben wir alle reste umwelt- und mitmenschengerecht entsorgt und alles, was mit dem fisch oder mit etwas, was mit dem fisch in berührung gekommen ist, in berührung gekommen ist, schön mit seife ab-, aus- und einfach nur so gewaschen. und nach ein paar kilo schwedischer schokolade und diversen kaugummis war das erlebnis rückwirkend eigentlich total witzig.

heute abend gibt es dann matjesfilets mit sardellenpaste und eine ungarische fischsuppe, und fischstäbchen oder diese wunderbar öligen makrelen vom billa habe ich auch schon lang nicht gegessen. und sollte jemand bald in japan sein, ich würde mich über funazushi freuen.

was ich aus dem heutigen tag gelernt habe:
a) man muß die ferien ordentlich verabschieden, wenn man sich schon nicht auf die schule freut.
b) manches klingt nicht nur grauslich, sondern ist es auch.
c) die schweden sind ein spinnertes volk (darüber kann man sicher diskutieren).
d) facebookmenschen sind feig und unspontan.

kommunikationsproblem

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langsam nervt mich die ganze lehrerdebatte. nicht nur weil fast jeden tag darüber berichtet wird, daß noch immer nix weitergegangen ist, sondern weil es in meinen augen absolut billig wäre, daß was weitergeht. ich halte das ganze für ein großes und ziemlich ungeschicktes kommunikationsproblem von beiden seiten.

die frau ministerin hats vermasselt, als sie damals noch im februar so mir nichts dir nichts verlautbart hat, daß wir lehrer ab nun zwei stunden länger in der klasse stehen sollen. keine frage, in dieser form ist das schwachsinn. seither macht sie lauter zugeständnisankündigungen, die aber am ausgangsproblem scheinbar nicht wirklich was ändern.

gleichzeitig bin ich der meinung, daß das, was sie will, in wirklichkeit eine super sache ist. im wesentlichen geht es ja darum: flächendeckend kleinere klassen, zum teil durch zwei lehrer betreut, das bedeutet weniger vor- und nachbereitungsaufwand (zumindest in der theorie, in der praxis ist es vermutlich wesentlich aufwendiger, erst mal zwei lehrer zu koordinieren und abzustimmen, als allein eine stunde vorzubereiten), weniger korrekturen, weniger disziplinierung und so weiter, also all das, was wir uns wünschen. gleichzeitig haben wir dann zeit, zwei stunden mehr in der klasse zu stehen. so gesehen wird ohne weiteres ein schuh daraus.

wie gesagt, sie hat es einfach wahnsinig schlecht verkauft, daran braucht man gar nicht zu rütteln. doof. hätte sie ihr make-up-budget einem coach oder kommunikationsprofi zukommen lassen, würde sie jetzt auch ohne schminke wesentlich besser aussehen.

die lehrergewerkschaft hingegen nimmt mir die lust an der ganzen debatte, indem sie jede aussage der frau ministerin äußerst polemisch in der luft zerreißt. bei uns im lehrerzimmer hängen immer wieder gewerkschaftsinformationen, die zum teil schon in ihrer aufmachung wenig niveau versprechen. soll nicht bedeuten, daß die gewerkschaft keine gute arbeit macht, im gegenteil, gerade der kleine lehrer von der straße wird ganz gut vertreten, aber diese art der manipulation führt dann genau dazu, daß die fronten total verhärtet sind und wir auf einen streik, einen öffentlichen aufschrei und erst recht auf die ungewollte mehrarbeit (in dieser form wäre sie ja definitiv mehr arbeit) zusteuern. über die rolle der ÖVP, die nach meinung mancher im hintergrund die fäden zieht, will ich hier gar nicht erst spekulieren.

ich verstehe nicht, wieso in politischen diskussionen kein mediator oder verhandlungsfachmann hinzugezogen wird. das allseits bekannte und beliebte harvard-konzept (eine verhandlungsmethode, die auf win-win-situationen abzielt) besagt ja, man solle keine positionen, sondern interessen vertreten. im moment werden positionen diskutiert, von denen keine partei auch nur einen millimeter abrücken will, und dabei bin ich sicher, daß die interessen aller akteure (ministerium, lehrer, eltern, schüler) in wesentlichen punkten absolut deckungsgleich sein könnten. jetzt sitzen also nur leute, die von der materie selbst nur jeweils einseitig, wenn überhaupt eine ahnung haben (wann hat die frau ministerin mal auch nur eine woche in einem lehrerzimmer gearbeitet? und wann haben die damen und herren gewerkschafter ein unternehmen geleitet?), am verhandlungstisch, aber niemand, der sich mit verhandlungen oder entscheidungsprozessen auskennt. eigentlich würde ja wahrscheinlich schon ein drittklassiger workshopmoderator mit einem kleinen koffer voller gelber kärtchen reichen. und klebepunkten, ganz wichtig.

dabei liegt die lösung, wie oben beschrieben, auf der hand. wenn jemand sagen würde, ab september gäbe es aufgrund struktureller veränderungen weniger verwaltungsaufwand, und man könnte die frei gewordene zeit als zweitlehrer nutzen oder neue, kleinere gruppen übernehmen, hätte sich jeder mit handkuß bedankt. es würde nicht mal wirklich was kosten. das einzige problem wäre dann ein räumliches, und dem kann man auch recht einfach begegnen. es wäre ja nicht ganz aus der luft gegriffen, wenn zb. oberstufen nicht ab 8 uhr, sondern erst ab 10 unterricht hätten, dafür aber am nachmittag länger. das raumproblem wäre wesentlich geringer, und die schulen würden nicht den halben tag weitgehend leerstehen. und durch geschickte fächeraufteilung und stundenplanung müßte auch nicht unbedingt jeder lehrer durchgehend in der schule sitzen (was manche so auch schon tun müssen).

die lehrerzimmerproblematik bleibt zugegeben erhalten, wobei es da auch diverse lösungsmöglichkeiten gäbe. wir haben letztes jahr vorgeschlagen, ablage- und arbeitsplatz voneinander zu trennen, was im wesentlichen auch dem modell entspricht, das die frau ministerin ins spiel gebracht hat. im moment kann sowieso niemand auf seinem tisch arbeiten, weil dort lauter sachen liegen (meine liebe kollegin und lehrerzimmernachbarin frau prof. a. legt zb. ihre halben sachen auf meinen tisch, weil ich dort meistens nicht viel rumliegen hab... meistens...). würden die sachen in einem regal liegen, und hätte nicht jeder lehrer einen fixen tisch, könnte jeder, der gerade möchte oder muß, an größeren arbeitsinseln arbeiten, ohne irgendwem in die quere zu kommen. im gegensatz zu büroarbeitsplätzen sitzen wir nämlich nicht den ganzen tag am schreibtisch, das will sicher auch keiner, somit hinken ja alle vergleiche in diese richtung.

man sieht, es bräuchte nicht viel geld, nur ein bißchen kreativität und flexibilität, um strukturell einiges zu bewegen und alle betroffenen zufriedenzustellen. verhärtete positionen führen aber zu konflikten und entweder zu politischem stillstand, was auf dem bildungssektor leider tödlich wäre, oder zu kleinen, erzwungenen kosmetischen reförmchen, was nicht unbedingt besser ist.

so oder so, ich sehe ein wesentlich größeres problem auf uns zukommen, als dies irgendwelche strukturellen fragen je sein könnten. die eltern nämlich. es gibt einige tolle eltern, ich kenne selbst ein paar, nur sind das meist diejenigen, deren kinder auch in ordnung sind. es gibt aber auch die anderen, die aus welchen gründen auch immer ihre kinder auf die welt gebracht haben und sie nun zur erziehung bei uns abgeben. selbst ohne ganztagsschule wird diese einstellung immer stärker, und ich bin mir fast sicher, daß die lustigen 15-jährigen, die bei ihrem ersten sex schwanger werden, es in zehn jahren auch nicht viel anders machen können.

wir haben also plötzlich eine partei in der schule, die forderungen stellt und selbst kaum bereit ist, irgendwas zu leisten. wir haben immer mehr eltern, die ungefragt und unerlaubt in der klasse auftauchen, ihrem kind am gang auflauern oder lehrer weit außerhalb ihrer sprechstunden, zum teil sogar privat, belästigen, gleichzeitig aber nicht schaffen, täglich eine halbe stunde mit dem kind zu verbringen, mal nach der schule zu fragen oder gar hausübungen kurz durchzuschauen. und das sind die selben, die die klappe am weitesten aufreißen, über die schule und die lehrer schimpfen und sie bei höheren instanzen grundlos anschwärzen.

ich habe das glück, daß meine qualifikationen es erlauben, ja sogar nahelegen, der schule irgendwann, wenn es mir reicht, ganz den rücken zu kehren, und für gutes geld den menschen all das beizubringen, was sie eigentlich in einer halbwegs brauchbaren schule bzw. in einem halbwegs brauchbaren elternhaus gratis und ohne aufwand lernen hätten können. der einzige nachteil daran ist, daß ich dabei eine krawatte tragen sollte, um seriös zu wirken. aber nachdem ich in ein paar jahren auch kinder in die schule schicken möchte, liegt es doppelt in meinem interesse, daß da was weitergeht, und zwar in die richtige richtung. und eigentlich sollte das im interesse aller sein.

meine stimme, das singen und ich...

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seit einiger zeit gehe ich wieder auf die uni, wenn auch nur in ein seminar, das die uni gütigerweise für studenten und lehrer gemeinsam anbietet, unter anderem damit beide gruppen von den erfahrungen der anderen profitieren können. das ganze heißt sehnsucht:singen (man beachte die hippe schreib:weise) und geht eigentlich genau um das.

der grundtenor (hmm, das war zufall, aber man sieht, das hier ist eine sehr gute gelegenheit für allerlei gesangsmetaphern) des seminars ist, daß man schülern unmittelbare musikalische erlebnisse bescheren soll, was am unaufwendigsten mittels singen geht. ich muß sagen, dem kann ich einiges abgewinnen, und ich bin in vorletzter zeit leider etwas von diesen unmittelbaren erlebnissen weggekommen, was ich in letzter zeit wiederum nachzuholen versuche.

seminarbegleitend sollen wir stichworte sammeln, was sich während der zeit zum thema "meine stimme, das singen und ich..." tut, weil wir wahrscheinlich in der letzten einheit mit unseren erkenntnissen arbeiten werden. ich schlage natürlich gern zwei fliegen mit einer klappe, wenn es leicht geht, und diesmal geht es leicht: blog und sammeln.

irgendwie war ich in den letzten jahren etwas gesangsfaul, zwar nicht in meinen bands, aber sowas wie chorsingen hat mich wenig interessiert, und im unterricht hab ich singen selten bis nie einfach um des singens willen eingesetzt, sondern eben fast ausschließlich zur erkenntnisgewinnung oder wissensvermittlung (ja, auch das geht). chorsingen interessiert mich zwar immer noch nicht besonders, aber die lust am singen bzw. am ausprobieren mit der stimme ist durchaus zurückgekommen, und auch das singen um des singens willen hat jetzt einen festen platz in vielen stunden. eigentlich ist es sogar eine relativ billige und einfache methode, (vor- und nachbereitungs)zeit zu sparen, so gesehen erfülle ich schon heute die ministerialen vorgaben.

am wochenende nach dem ersten seminar hab ich an einem obertongesangsworkshop teilgenommen, den eine ehemalige studienkollegin gänzlich ohne esoterischen hintergrund gehalten hat (dafür ist auch was weitergegangen, was man von eso-obertongesangsworkshops angeblich nicht behaupten kann). das hat in verbindung mit dem seminar auf der uni einiges in mir ausgelöst bzw. klar werden lassen. die wichtigste erkenntnis beim obertonsingen ist: vor dem klingen kommt das hören. am anfang hört man nämlich gar nicht, was man da tut, und nicht weil man es noch nicht kann, sondern weil man nicht gewohnt ist, darauf zu hören. die obertöne sind ja immer da, wir nehmen sie nur nicht isoliert wahr, sondern hören sie nur als klangfarbe. man braucht einen guten halbtag, bis man ungefähr erahnt, was man da überhaupt produziert. und das hören braucht es aber, um die obertöne dann halbwegs klar isolieren und steuern zu können.

praktischerweise ging es dann in der zweiten seminareinheit auch ums hören bzw. um stille, und wir haben ein paar sehr schöne übungen dazu gemacht, die ich sogar erfolgreich in meinem unterricht reproduzieren konnte (was sonst nicht unbedingt der fall ist. also das reproduzieren schon, das erfolgreich nicht unbedingt). jetzt mache ich in einigen klassen regelmäßig zuhörübungen, und das trägt schon erste früchte. wobei damit definitiv nicht gemeint ist, irgendwelche intervalle oder formen zu hören (das mache ich auch immer wieder, aber das ist eher kapitel erkenntnisgewinnung), sondern einfach zuhören als elementare und heute sehr selten gewordene erfahrung mit unterschiedlichen anleitungen und aufgabenstellungen.

im bezug auf meine stimme hat sich nicht so viel getan, außer daß ich jetzt auch ein bißchen obertonsingen kann und mich autodidaktisch auch am untertonsingen versuche. beides wirkt sich glaube ich auch auf die stimme aus, aber noch mehr auf die wahrnehmung, und die ist glaube ich deutlich sensibler geworden, und zwar in viele richtungen. richtig cool ist zb., daß man, wenn die akustik halbwegs stimmt und man gerade durch stundenlanges obertonsingen sensibilisiert worden ist, in der eigenen sprechstimme die obertöne hört, die je nach vokal schön die obertonreihe rauf- und runtersausen. als hätte man einen vogel (bezogen aufs zwitschern natürlich, nicht auf irgendwas anderes).

im seminar müssen wir auch eine vokale mutprobe für uns ausdenken und uns ihr stellen. meine ist, mal mit einer expertengruppe vokal zu arbeiten. praktischerweise reicht mir schon die expertenheit der gruppe im seminar, da sitzen ja recht versierte musikstudenten und auch ein paar musiklehrer drin, also vom niveau her ist das so ungefähr das höchste, womit zu arbeiten ich je die gelegenheit hatte. das ist für mich durchaus eine mutprobe, denn abgesehen von 2-3 ensembleleitungsstunden anno dazumal habe ich noch nie was vergleichbares mit profis gemacht, und das war auch nicht vergleichbar.

ich habe mich, nachdem ich schon das vorletzte mal meine mutprobe bekanntgegeben habe, schon darauf eingestellt, beim letzten mal spontan was machen zu müssen, aber ich habe nur den auftrag bekommen, das nächste oder übernächste mal spontan was zu machen. jetzt weiß ich nicht ganz, was.

einerseits würde ich gern ein bißchen was anderes machen, als was wir sonst so tun (nämlich singen), zum beispiel sowas wie beatboxen, andererseits wäre das zwar eine vokale betätigung, aber keine mutprobe, denn auf dem gebiet bin ich der gruppe vermutlich (von eventuellen ausnahmen abgesehen) ein wenig voraus. wäre natürlich billig, meine mutprobe ohne mutprobe hinter mich bringen zu wollen, also nein, so nicht. stattdessen denke ich mir jeden tag irgendwas neues aus oder krame was aus meinem gedächtnis hervor, kleine kanons und sowas, und aus diversen gründen fallen sie doch immer durch, und ich muß mir was neues ausdenken oder aus meinem gedächtnis hervorkramen. kreativer zwang sozusagen. ganz schrecklich. das hilft nur ein kräftiges OooMmm...

schneechaos und gotik, sprich dritte dimension und wechselnde blickwinkel

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letzten montag hat es in london so extrem geschneit, daß alle ryanair-flüge nach stansted gestrichen waren und angeblich der zug- und busverkehr in und um london komplett darnieder lag (komischerweise kenne ich persönlich eine person, die trotzdem in stansted landen und dann über london nach oxford fahren konnte. offenbar sind die news aus aller welt auch nicht ganz verläßlich). aus den medien hatte man hier den eindruck, england würde im chaos komplett untergehen.

tatsächlich kam es wohl am montag zu einigen beeinträchtigungen, die auch gute gründe hatten. die engländer haben eher selten schnee und sind demnach nicht wirklich dafür gerüstet. in stansted gibt es angeblich gar keine schneeräumungsgeräte, in heathrow gibt es welche, die auch in aktion waren, bis ihnen der platz zum schnee hinräumen ausging, und die züge können bei schnee nicht fahren, weil die weichen im gegensatz zu unseren nicht geheizt und daher bei eis und schnee nicht funktionstüchtig sind (die genannten infos habe ich alle aus erster hand von diversen in england lebenden personen).

dienstag früh war der spuk dann vorbei, wir konnten wie geplant landen, die züge fuhren mit wenigen ausnahmen und der schnee war weitestgehend weg oder zumindest auf dem rückzug. aber das nur am rande.

gleichzeitig habe ich mich gewundert, wieso alle welt so ein theater drum macht. ich meine, hierzulande schneit es doch einigermaßen regelmäßig, und es gibt auch einigermaßen regelmäßig mehrere schneechaosse im jahr. im november, wenn der erste schnee fällt; im dezember oder jänner, wenn der zweite schnee (der erste richtige, der dann auch bleibt) fällt; und wenn es so schneeregnet wie gestern, dann auch wieder. gut, bei uns steht nicht die ganze infrastruktur still, aber stundenlange staus, u-bahnausfälle und sehr unverläßliche öffis gibt es trotzdem. da finde ich es fast eleganter, wenn man weiß, bei schnee geht nix, denn dann geht man gar nicht erst aus dem haus, die schüler und die arbeitende bevölkerung bekommen automatisch frei, und alle wichtigen termine sind einfach auf den nächsten tag verschoben. bei uns hingegen wird man in falsche sicherheit gewiegt und kommt dann erst recht stunden zu spät und ist auch noch selbst schuld.

so gesehen dürfen wir schneechaostechnisch niemandem was vorwerfen, denn andere haben es womöglich nur alle 15 jahre und gehen damit trotzdem cooler um als wir, die es mehrmals im jahr heimsucht. sind wir nicht eine große schneenation, die ein bißchen schnee problemlos schnupfen können sollte? ein schneechaos in england ist eine laune der natur, bei uns aber ein deutliches zeichen für dummheit, fehlplanung und versagen.

den wunderschönen sonnigen dienstag haben wir dann im leicht gezuckerten cambridge verbracht, was mich an meine früheren reisen durch südengland erinnert hat. einige meiner intensivsten erfahrungen damals hatten mit gotischer architektur zu tun, und davon sieht man in cambridge wirklich viel. die gotik hat schon was geniales, gar nicht so wegen den ornamenten, sondern wegen dieser art, in den raum hineinzuragen und ihn dadurch zu strukturieren und zu zerreißen. das finde ich einfach wahnsinnig faszinierend. und die gotik betritt die dritte dimendion nicht nur, indem sie hineinragt, also zum beispiel in die höhe wächst, sondern sie spielt auch mit ihr, indem sie zum beispiel wunderbare windschiefe (im geometrischen sinne des wortes, nicht im abschätzig-landläufigen) und aus jedem blickwinkel anders wirkende strukturen erlaubt und auch enthält. das macht architektur erst wieder in der moderne, wenn ich mich nicht irre.

die beiden dinge haben nun auf den ersten blick wieder nix miteinander zu tun, aber für mich persönlich sehr wohl. ich bin nämlich gar kein besonderer schneefan, jedenfalls nicht, wenn er schon liegt und öde dahinschmilzt. wenn er aber fällt, dann finde ich das schon sehr cool. wenn ich wollte (will ich nicht, aber wenn!), könnte ich stundenlang im schneegestöber stehen, mit kindlicher faszination nach oben blicken und mit offenem mund den dreidimensionalen tanz der schneeflocken beobachten. und diese dreidimensionalität ist das, was für mich schnee und gotik gemeinsam haben. und das (und nur das) ist auch an american football und sonstigen ansonsten nicht sonderlich interessanten sportarten ästhetisch oder sonstwie ansprechend.

zum thema dreidimensionalität und wechselnden blickwinkeln gab es auch im tate modern viel zu sehen, zum beispiel diverse skulpturen von henry moore und konsorten, aber auch sehr interessante und mir bisher unbekannte von hélio oiticica, die zum teil die grenze der dritten dimension gerade nur so ein wenig penetrieren, oder auch minimalistische spiegelskulpturen, die leider nicht wirklich begehbar waren. es ist schon ganz was anderes, wenn man sich in einem kunstwerk befindet, wie auch zb. im jüdischen mahnmal in berlin, als einfach nur davor zu stehen. und ich muß sagen, im tate modern habe ich die skulpturen fast durchwegs interessanter gefunden als die an sich auch nicht gerade uninteressanten gemälde. es war also insgesamt eine reise voller dreidimensionalitäten und wechselnder blickwinkel.

und wenn wir schon bei wechselnden blickwinkeln sind, laßt mich bitte noch ein thematisch mit den bisherigen ganz und gar unzusammenhängendes thema mit den bisherigen zusammenhängen. in england ist so vieles anders als hier, nicht nur der umgang mit dem schnee. in den pubs herrscht rauchverbot, aber es stört niemanden, und tausende engländer stehen selbst bei minusgraden und schnee hemdsärmelig mit einem ale in der einen und einer zigarette in der anderen hand draußen vor dem pub, und es funktioniert auch (überhaupt sind in london viele schanigärten in betrieb und werden auch frequentiert, sogar trotz fehlender heizstrahler). und viele pubs schließen um elf, sprich bis dahin herrscht wirklich hochbetrieb (wirklich! da stehen die leute in der tür und können sich kaum bewegen), und es funktioniert trotzdem, da ist kein kellner überfordert und alle bekommen ihre getränke, und um elf sind die meisten besoffen genug, um heimzugehen und zuhause noch ein bißchen abendprogramm zu gucken.

was wir daraus lernen, ist nichts anderes als daß man die selben dinge auf eine million unterschiedliche arten regeln kann. und wer könnte von sich behaupten, die ultimative und allen gleichermaßen entgegenkommende regelung zu finden? niemand. und deswegen, aber das wissen wir bereits aus anderen posts, bin ich absolut kein fan davon, daß jemand anderen sagt, wo und wie es langgeht. und so kann ein unschuldiger post über schnee und gotik auf umwegen zu einer grundlegenden sehr politischen aussage führen.

die vergangenheit ausmisten

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man könnte es als frühjahrsputz bezeichnen oder mir irgendwelche feng-shui-beweggründe unterstellen, tatsächlich ist es alles nur für meine älteste nichte in spe. soll heißen, die älteste nichte meiner definitiv besseren hälfte, die sich übrigens immer wieder beschwert, daß sie hier nicht so richtig vorkommt. stimmt nicht, denn so oft ich "wir" schreibe, ist sie in der regel mitgemeint. außerdem haben wir ja einen gemeinsamen blog, sogar mit fotos, und dies hier ist eben mein blog. wenn sie einen blog hätte, würde ich auch nicht unbedingt dauernd darin vorkommen wollen. aber jetzt kommt sie ja eh vor.

der langen rede kurzer sinn: meine älteste nichte in spe zieht zwecks schlagwerkstudium nach wien und bekommt als übergangslösung unser gästezimmer. das bedeutet einerseits weniger fernsehen, weil dort eben der fernseher rumsteht und ich nicht dauernd auf besuch gehen kann, wenn ich zwischendurch mal zehn minuten schauen will (schon gar nicht, wenn diese zehn minuten sich regelmäßig spontan auf halbe stunden ausdehnen), und andererseits bedeutet das, daß sie platz braucht und wir daher einiges ausmisten müssen.

das ausmisten umfaßt zum teil ganze möbelstücke, vor allem werden wir uns des korbsessels, der unter den reviermarkierungen der erneut rolligen szüri in den letzten tagen erheblich gelitten hat, entledigen, des weiteren wird unsere ("unsere") riesige und seit über neun jahren nicht wirklich angerührte videosammlung (wer sich fragt, wieso "wir" sie aus der alten wohnung überhaupt mitgenommen haben, fragt den falschen) dran glauben müssen. und für die drei meter stephen king müssen wir uns auch was überlegen. nein, bücher verbrennt man selbst dann nicht.

bis jetzt hab ich mir mal die laden von meinem alten schreibtisch vorgenommen. darin befanden sich im wesentlichen meine ersten studienjahre inklusive privatem material. und ich habe es geschafft, mich von dem meisten zu lösen. es ist ja an sich gar nicht so schwer, man muß es nur mal tun. wie das eigentlich mit den meisten dingen so ist. bis jetzt spüre ich die postulierte feng-shui-erleichterung noch nicht so richtig, ich bin aber auch noch nicht ganz fertig.

weggeschmissen habe ich unter anderem einen haufen postkarten aus aller welt, und ich muß schwer hoffen, daß mir deswegen keiner böse ist, sonst hätte ich bald ziemlich viele hasser. weggeschmissen habe ich auch einen haufen alter briefe; nein, liebesbriefe waren keine darunter, ich habe ja nie welche bekommen, obgleich ich selbst doch einige geschrieben habe. wir waren alle mal jung (wer nicht, der wird es noch). es waren briefe aus einer phase meines lebens, die schon zu lang vorbei ist, um sich jetzt noch an erinnerungsstücke zu klammern, die außerdem vollkommen unerheblich sind. an das wesentliche erinnert man sich so auch, und alle details muß man gar nicht wieder hervorholen, finde ich.

ebenfalls dem aufräumen zum opfer gefallen sind meine ganzen unisachen, also der teil, der dort und nicht im arbeitszimmer gelagert war, jedenfalls bis auf kleine ausnahmen, siehe später. ein prominentes kernstück war mein legendärer block, in dem ich die ersten beiden semester meiner studienzeit komplett verewigt habe. darin befinden sich alle meine mitschriften, die ich damals durch jeweils unterschiedliche schreibstile und layouts auseinanderhalten konnte, gemeinsam mit quasi tagebuchartigen einträgen, erinnerungs- und einkaufslisten, kommentaren von freunden, schachproblemen und rätseln aller art, skizzen zu zellautomaten, kompositionen, zeichnungen, kalligraphieexperimenten und weiß der [beliebigen vogel mit männlichem artikel einsetzen] was, und zwar nicht nur wild durcheinander, sondern meistens auch mehrere dieser dinge auf einer seite.

irgendwie ist es blöd, wenn man weiß, daß die nachwelt nicht meine legendären skizzen finden und in die wissenschaftliche literatur über mich aufnehmen können wird, aber seis drum. mein frühwerk ist sowieso nicht unbedingt von belang, und personenkult liegt mir sowieso gaaanz fern (*hust*). wer trotzdem der meinung ist, unbedingt diesen block haben zu müssen, soll mir bitte bescheid geben, bevor ich das altpapier wegschmeiße. was, wie ich mich kenne, noch ein paar tage dauern könnte, auch wenn ich es mir fest für heute vormittag vorgenommen habe.

unisachen sind sonst sagen wir einigermaßen überflüssig. zum einen findet man heutzutage das meiste ziemlich einfach im internet. zum anderen hab ich keinen wirklichen überblick mehr darüber, was ich wo wie am schnellsten finden würde. drittens will ich vieles davon gar nicht mehr finden. und ich muß ganz ehrlich gestehen, ein skriptum zum thema "einsatz des computers im musikunterricht" aus dem jahre schätzomativ 1999 (man beachte, das war noch im letzten jahrtausend) ist, selbst wenn es vom nunmehrigen direktor des musikgymnasiums neustiftgasse (das übrigens zwei meiner neffen in spe besuchen. lauter musiker in der familie in spe. cool, nicht?) geschrieben wurde, über weite strecken nicht mehr wirklich zeitgemäß.

nicht weggeschmissen habe ich habe ich einige wenige persönliche erinnerungsstücke, allen voran eine postkarte, die wir uns aus unserem ersten gemeinsamen urlaub selbst geschrieben haben (wir haben sie beide schon vergessen, aber es war wirklich nett, sie wiederzuentdecken) und einen pappteller, auf dem sich meine freunde an jenem unvergeßlichen abend vor über neun jahren verewigt hatten, bevor sie sich dezent und unbemerkt von meiner party geschlichen haben. ich muß den stapel dann noch aufteilen und die einzelnen teilstapel woanders verstauen, wo wir sie dann in einigen jahren erneut wiederentdecken können.

an unisachen habe ich nur einige ganz ausgewählte dinge behalten. vieles davon ist von stilkunde, einem interessanten und kontroversen fach, und zwar schlicht und einfach deswegen, weil die jeweiligen konvolute, zb. zum thema kurzer oder langer vorhalt (das ist, ihr werdet lachen, ein wirklich kontroverses und spannendes thema, wenn man sich dafür interessiert. was man natürlich definitiv nicht muß), dutzende gezielt ausgewählte zitate und notenbeispiele enthalten, was man so in dieser form weder im internet noch ohne weiteres in der fachliteratur finden könnte. sollte ich also jemals in eine diskussion zu diesem thema (oder zum modalen rhythmus, oder hab ich den weggeschmissen? na egal) kommen, bin ich gewappnet.

ebenfalls aufgehoben habe ich zwei hausübungen, die ich für die ungarischen sprachübungen geschrieben habe. ich muß gestehen, ich war ganz gut in ungarisch und hätte die sprachübungen recht langweilig gefunden, wenn einerseits márta nicht immer wieder wege gefunden hätte, mich mitzureißen (danke márta!), und ich andererseits nicht die hausübungen (zumindest jene, die ich tatsächlich gemacht habe) als eine gewisse herausforderung gesehen hätte, die über das gewünschte hinausging. und diese beiden sind wirkliche perlen der hausübungsliteratur, die ich meinem kleinen bruder, der inzwischen selbst ungarisch studiert, vermachen werde.

eine der beiden hausübungen ist ein aufsatz zu einer bildergeschichte, inhaltlich nicht sehr interessant, aber ich habe ihn so geschrieben, als wäre er aus dem 16. jhdt., zumindest bis mir der alte stil zu mühsam wurde und ich in einen zeitgemäßeren zurückgerutscht bin. an sich nicht so aufregend, aber ihm wirds gefallen (und dann haut er den zettel weg, eh klar. würde ich auch machen.).

die andere hausübung ist schon etwas kustvoller, und daher nehme ich mir die freiheit, sie hier zu reproduzieren. auch sie beruht auf einer bildergeschichte, übrigens aus einem buch, das wir (diesmal ist das andere wir gemeint, wie es sich gleich aus dem kontext erschließen wird) noch in ungarn besessen haben, aber keine ahnung mehr, wie es geheißen hat oder von wem es war. es wird irgendwas deutsches gewesen sein, weil márta es, wie sie mir damals auf meine diesbezügliche anfragen verraten hat, im budapester goethe-institut gefunden und kopiert hatte, allerdings hat sie die genauen daten auch schon vergessen. es befinden sich halblustige bildergeschichten drin, wie zb. von einem jungen, der ein sparschwein geschenkt bekommt, seine einzige münze darin verstaut, dann draufkommt, daß er sich gern was kaufen möchte, ungefähr eine halbe seite lang erfolglos versucht, selbige wieder herauszubekommen, und das sparschwein anschließend mit einem hammer zertrümmert, um sich um das geld ein neues zu kaufen. ha ha. vielleicht erinnert sich ja jemand, das buch schon mal in händen gehalten zu haben.

die bildergeschichte, um die es hier geht, handelt von zwei frauen, die sich beim einkaufen treffen und in der hitze der unterhaltung ihre beiden wagen vertauschen, nur daß es sich beim einen um einen einkaufs-, beim anderen aber um einen kinderwagen handelt. so weit so gut. das nachzuerzählen erschien mir einigermaßen fad, daher habe ich folgendes gedicht verfaßt, das meines erachtens einfach zu gut ist, um im müll zu landen (wird es so auch, aber wenigstens steht es dann hier für alle zeiten), und das ich hier daher reproduziere, auch wenn die meisten meiner leser wenig damit anfangen können werden.

[titel war, etwas ungelenk: Gyuri házija]

Két háziasszony vásárolni ment. Az
Egyik magával vitte kisbabáját,
Ki némán szundított hintója mélyén,
Vagy mélán tátogatta ujjnyi száját.

Az üzletben találkozott a két nõ,
És ismervén egymást, jól eldumáltak,
Aztán csevegtek és tereferéltek,
És ontották a szót [,] és meg nem álltak.

Csak órák múlva jöttek rá, hogy mint az
Asszonyhoz illik, túl sokat beszéltek,
S ahogy sietve útnak indulának,
Nem vették észre, hogy kocsit cseréltek.

És kétdimenziós személyek lévén
A ballépést otthon se vették észre:
Egy vekni évekig járt iskolába,
S a csecsemõbõl pörkölt lett - ebédre.

[Nagyon jó kis vers!
(Csak kicsit morbid)
SM]

soweit so gut, jetzt muß ich dann weiter aufräumen gehen. es wartet noch eine lade mit pfeifen, alten brillen und sonstigem zeug auf mich. ich hoffe, feng shui wird sich irgendwann entsprechend revanchieren.