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Sunday, 8. November 2009, 22:44:54
experience, wunschzettel, intervalle, schulalltag
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in letzter zeit hört man immer wieder von einem bereits 2001 erfundenen begriff für die generationen, die mit den digitalen medien aufgewachsen sind und sich daher mit bzw. in ihnen zuhause fühlen (sollen). nach der ursprünglichen definition beginnt man die digital natives so ab geburtsjahrgang 1980 zu zählen, und da ich aus einer informatikerfamilie komme und schon relativ früh kontakt mit computern hatte, würde ich mich hier durchaus dazuzählen.
in dem sinne allerdings, in dem der begriff in den österreichischen medien verwendet wird, wären in erster linie eher meine schüler digital natives, weil sie wirklich von klein auf kontakt mit computern, internet, mp3, mobiltelefonie und sowas hatten. und ich muß sagen, das ist wirklich eine andere generation, zu der ich mich sicher nicht zugehörig fühle.
auf dem papier zeichnen sich digital natives unter anderem dadurch aus, daß sie sich wie selbstverständlich auf dem schlüpfrigen parkett der digitalen medien bewegen, vernetzt agieren, den direkten informationszugriff schätzen und exzessiv verwenden, informationen schneller verarbeiten und sowas. und auf dem papier klingt das auch richtig toll.
ich weiß nicht ganz genau, woran es liegt, aber offenbar habe ich es tagtäglich mit einer ganz und gar unrepräsentativen gruppe angeblicher digital natives zu tun. ich werde sie nicht namentlich erwähnen, aber ich vermute, daß einige von ihnen digital naiv genug sind, um sich hier in dem einen oder anderen kommentar zu outen.
erstens gibt es die besonders coolen schüler, die auf ihrem nigelnagelhyperneuen mac mitschreiben, wenn es der lehrer erlaubt (wenn er es nicht erlaubt, schreiben sie demonstativ nicht mit, weil sie nix analoges mithaben). das wäre ja an sich nix schlimmes, solange sie nicht, wenn der laptop dann mal den geist aufgibt (was bei nigelnagelhyperneuen rechnern eigentlich seltener passieren sollte als es passiert), komplett aufgeschmissen wären, sprich mitschriften-, hausübungs- und ahnungslos. oder wenn sie ein stundenprotokoll zwar gemacht, aber nicht ausgedruckt haben, weil der drucker nicht geht. auf die idee, daß sie es dann auch mailen könnten, kommen nur die wenigsten.
daß die digitale umwelt auch tatsächliche vernetzung über MSN hinaus erlaubt, ist auch nicht selbstverständlich. ich wurde letztens gebeten, besagte stundenprotokolle, die in einer öffentlich zugänglichen mappe rumstehen und jederzeit zum kopieren von mir verborgt werden würden, doch gleich pauschal immer für alle herumzukopieren, damit niemand außer dem jeweiligen protokollanten mitschreiben muß. daß ein protokoll nicht immer alles enthält, was für den einen oder anderen, der selbst mitschreibt, festhaltenswert wäre (ich schau zwar immer grob drüber, ob das wichtigste eh drinsteht, aber es gibt ja auch noch in der 8. klasse schülerInnen, die sich zur sicherheit die reihenfolge der töne notieren, wenn wir sie wiederholen), ist dabei ebensowenig eine überlegung wert, wie das übliche schicksal der zetteln, die ich kopiere und nach der stunde wieder vom boden einsammle. aber daß sie sich gegenseitig die stundenprotokolle einfach mailen könnten, ist offenbar komplett außerhalb der weltsicht meiner digitalen nativlinge.
alte menschen wie ich mußten mühsam lernen, dokumente, an denen wir gearbeitet haben, immer wieder zu speichern (und vielleicht auch backups zu machen). ich gehöre wohl zu den wenigen, die das glück hatten, nie eine längere ungespeicherte arbeit verloren zu haben, und auch meine größtenteils ungebackupte festplatte hat sich noch nie verabschiedet (ich hab mir gerade dreimal über die schulter gespuckt und etliche holzgegenstände zerklopft). aber ich kann mit stolz behaupten: wir haben es gelernt! und dabei auch festgestellt, daß die meisten programme zumindest nach einstellung diverser hebel und schrauben durchaus auch bereit und in der lage sind, in regelmäßigen abständen selbst zu speichern.
wenn ich allerdings einen absolut rohen CD-rohling bekomme, auf der sich idealerweise ein selbst bearbeitetes MP3 befinden soll, und zwar mit der erklärung, das programm sei abgestürzt, als die bereits vier stunden lang bearbeitete und bis dahin ungespeicherte datei sich nicht direkt auf der CD speichern ließ, wundere ich mich schon. wenn auf der CD statt MP3 nur ein bloßes audacity-projekt ohne die notwendigen datenordner drauf ist, sage ich ja gar nichts, aber komplett leer? hallo?
sehr schön finde ich auch die ausrede, ein auf papier abgegebenes, nicht ganz meinen wünschen und vorstellungen entsprechendes und daher zurückgegebenes dokument eine woche später unverändert wiederzubekommen, weil die originaldatei bereits gelöscht worden ist, weil "ich geglaubt hab, ich brauchs eh nimma". in diesem speziellen fall wäre zumindest der drucker vermutlich funktionstüchtig gewesen, aber wenn die sonstige statistik stimmt, ist auf dem druckersektor technisch sowieso einiges faul.
heute habe ich eine wunderbare mail bekommen, in der der admin eines klassenforums die (übrigens zu etwa 50% neue und daher auf diesem gebiet unwissende) klasse einlädt, das erneuerte forum bitte zu nutzen. ich bin gespannt, wann die URL nachkommt.
auch die schnelle informationsverarbeitung aus der digital-natives-legende muß ein mißverständnis sein. wenn damit gemeint ist, daß es schnell geht, information vom bildschirm auf ein ausgedrucktes blatt zu verarbeiten, dann bin ich, sofern die druckermafia mitspielt, tatsächlich beeindruckt. allerdings passiert es dabei äußerst selten, daß auf den solchermaßen erstellen handouts, hausübungen usw. nicht noch das impressum der jeweiligen seiten, irgendwelche weiterführenden links und sowas zu finden sind. daß die kinder ihre eignenen texte vorlesen können oder gar verstehen, ist trotz all meiner bemühungen bloßes wunschdenken.
das sind allerdings alles ausnahmesituationen, da könnte ich doch glatt drüber hinwegsehen. es gibt aber eine sache, die ich nie verstehen werde.
es sitzen in einer durchschnittlichen klasse inzwischen gut 3-4 kinder mit iphone und etliche andere mit anderen internettauglichen gerätschaften. sie dürfen sie laut hausordnung normalerweise nicht verwenden, was sie allerdings nicht davon abhält, es zu tun, und ich habe gelernt, das zum vorteil aller zu nutzen. letztens haben wir zum beispiel das seikilos-lied auf youtube gesucht und abgespielt, weil ich mein handy mit dem MP3 im lehrerzimmer vergessen habe, und auch beim lustigen musikgeschichtespiel war es sehr praktisch, als es um die geburtsdaten von michael jackson und madonna ging. so gesehen finde ich es echt toll, daß die kinder heutzutage ihre ausgelagerte intelligenz einfach so mitnehmen können.
dann wiederum stehe ich oft vor fragen, die a) mit dem stoff oder meinem fach überhaupt nichts zu tun haben, b) mit meiner person überhaupt nichts zu tun haben und c) durch einfaches googlen oder wikipedieren innerhalb weniger sekunden zu beantworten wären, was, wie ich gerade ausgeführt habe, technisch ohne weiteres möglich wäre. und ich blicke dann in die verständnislosen augen von zig digitalen eingeborenen, die mich ansehen, als wäre ich von einem anderen planeten, wenn ich vorschlage, in dieser frage doch einfach das internet zu bemühen.
ich sehe, wie die theorie, also durchaus eine tatsächliche kluft zwischen meiner generation und der heutigen AHS-schülerInnenschaft. wer allerdings sich intelligenter in der welt der digitalen medien bewegt, wer informationen schneller verarbeiten kann, wer vernetzt agiert, darin gehe ich wohl nicht mit der theorie konform.
gestern habe ich allerdings etwas gefunden, was für mich erklärt, wieso die kinder der 90er (und damit meine ich jene, die tatsächlich in den 90ern geboren wurden) sich auf facbook so wohl fühlen. ich habe ein paar gegenüberstellungen gemacht mit kinderbüchern aus den spätern 90ern, man beachte die inhaltliche und farblich-typographische übereinstimmung:



Thursday, 3. September 2009, 10:27:54
experience, dominante, intervalle, integrieren
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eigentlich hatte ich vor, das jubiläum irgendwie ausführlicher zu besprechen, aber so viel fällt mir dazu auch nicht ein. wenn mich nicht alles täuscht, bin ich heute vor 20 jahren mit meiner familie nach wien gezogen. jippie!
in den 20 jahren ist so viel passiert, daß ich eh nicht alles aufschreiben kann. 20 jahre sind eine sehr lange zeit, würde man meinen, und damals war die welt definitiv noch eine andere. bezeichnen ist, daß ich von diesen 20 jahren mehr als die hälfte mit meiner besseren hälfte erlebt habe, daß mich meine schulfreunde seit 16-19 jahren kennen und trotzdem noch immer aushalten und daß die experience schon ein fünftel dieser zeit existiert.
das wars eigentlich auch schon, man hat ja dieser tage nicht mehr ewig zeit, belanglosigkeiten zu bloggen.
Wednesday, 24. June 2009, 23:51:44
experience, schulalltag, versetzungszeichen, kunst
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ein mann muß tun, was ein mann tun muß. und da die experience in ermangelung ausreichender motivation darnieder liegt (an der zeit kann es nicht liegen, ich war auch mal student), pflichttermin in ermangelung einer rhythmusgruppe ausg'steckt is' und die vielversprechende lehrer-schüler-band STUPЯOF in ermangelung von respekt und dankbarkeit seitens der schüler seitens der lehrer nicht fortgeführt wurde, jucken die finger.
STUPЯOF wurde vor einem guten jahr mit dem ziel schulball (ende april) gegründet, und ich hielt es von anfang an für keine wahnsinnig gute idee. schüler nehmen gerne und geben etwas weniger gerne, und selbst wenn sich einer von drei wirklich reinhaut, ist es noch nicht selbstverständlich, daß er unseren mindestens ebenso hohen einsatz würdigt. das knappe jahr haben wir auch wirklich gebraucht, um uns a) auf vier lieder zu einigen, die allen genehm waren, b) alle paar monate mal einen probentermin zu finden, der allen genehm war und c) all das, was zwischen den proben in vergessenheit geraten ist, wieder aufzufrischen. das spontane fernbleiben von proben von schülerseite war zwar nichts, womit man nicht hätte rechnen können, aber wir haben nicht damit gerechnet.
der auftritt war dennoch ganz cool und ein großer erfolg. hätten die jungs ihre karten danach brauchbar gespielt und zumindest einen hauch von dankbarkeit für unseren einsatz (wir haben auch unsere freizeit dafür geopfert. und wir waren ausnahmslos bei jeder probe anwesend) gezeigt, hätte es wohl auch weitergehen können. so aber hatten wir schon wenige tage nach dem ball keine lust darauf.
praktischerweise kam sogar von höchster stelle so viel lob, daß der erwachsene teil der band (PЯOF sozusagen) beschlossen hat, weiterzumachen. ebenso praktischerweise hatten wir einen potentiellen schlagzeuger, der schon seit einem jahr in den startlöchern scharrte, nämlich unseren lieben herrn prof. michi "das katapult" schneyder, der die idee einer reinen lehrerband unpraktischerweise wenige tage nach der gründung von STUPЯOF und damit fürs erste das nachsehen hatte.
die band war noch nicht mal gegründet und schon gar nicht getestet (daß michi schlagzeug spielt, wußten wir bis dahin nur aus seinen eigenen aussagen, und wir wissen alle, daß das noch nix bedeuten muß), als der auftrittstermin schon fixiert war: das gartenfest. die namensfindung erfolgte ebenso spontan und unter druck, und zu meiner verteidigung muß ich sagen, daß ich maturavorbereitung hatte und daher nur per sms vom ergebnis informiert worden war: hör[by]spiel. es gibt bessere namen. aber auch schlechtere.
um die sache spannend zu halten, haben wir uns dann noch ein wenig zeit gelassen. ich habe zwar mit michi eine kurze proberunde gespielt und ihn für gut genug befunden, aber das richtige proben hat noch auf sich warten lassen. dafür haben wir uns zu viert recht schnell und unkompliziert auf sieben lieder geeinigt (von denen wir schlußendlich nur eins nicht spielen) und dann zwecks koordination eine geheime facebook-gruppe gegründet (bezeichnenderweise hat sie sechs mitglieder und damit genau um eins weniger als die offene und seit über zwei jahren existente experience-gruppe. pflichttermin hat 113). und dann, bereits vorletzte woche, also zwei wochen vor dem auftritt, haben wir zu proben begonnen.
es ging alles ganz gut, bis auf leichte technische schwierigkeiten (der bass mit dem schulbassverstärker wummert immer, zumindest nach aussage von herrn prof. thorwartl. die bereits im vorfeld durch allzu exzessives weihnachtsoratoriumhören arg belasteten boxen haben sich mit dem e-schlagzeug nicht ganz vertragen und ihre elastischen teile durch den raum gespuckt. das von mir um 30 € erstandene schulmikro hat das viermal so teure SM-58 von frau prof. "roaring" eder locker in die tasche gesteckt.) und temposchwankungen, die wir aber von STUPЯOF schon mehr als gewohnt waren. um das ganze noch fetter zu machen, haben wir meine zwei lieben lehrerzimmertischnachbarinnen als background vocals dazugeholt.
wir haben dann die letzte woche quasi durchgeprobt (mittwoch, donnerstag, freitag und sonntag!) und uns soweit zusammengespielt, daß ich überzeugt bin, der auftritt wird den vom schulball in den schatten stellen (außerdem sind diesmal auch die unterstufen dabei, also potentiell wirklich viel publikum). die lieder sind alle cool, knackig arrangiert und fetzig, die band rockt, die sängerinnen singen... was will man mehr.
außerdem spiele ich nicht nur zum ersten mal leadgitarre, sondern auch noch die einzige, was ich mir früher nicht so richtig vorstellen konnte. kein klavier, kein akkordeon, nix, ich bin das einzige akkordinstrument. und ich muß sagen, die billige rote strat-kopie aus der schule kommt erstaunlich fett, ich werde meine teure gibson-kopie nur als ersatz für den notfall mitnehmen. für nichtgitarristen mag das wurscht sein, musiker vom fach werden das aber zu würdigen wissen.
jetzt ist halt die frage, was passiert, wenn am freitag schlechtes wetter ist. am freitag ist nämlich schlechtes wetter. das heißt wohl, daß das gartenfest ein festsaalfest wird. zum glück entfallen dann zumindest das mühsame lehrer-schüler-gemischt-völkerballspiel nach den katholischen regeln (ja, sowas gibt es!) und das vermutlich ziemlich anstrengende lehrer-gegen-schüler-fußballspiel nach sonst irgendwelchen konservativen spezialregeln (begrüßung mit "sport frei!" usw.), bei denen der männliche teil von hör[by]spiel eingespannt ist. damit steigen die chancen, daß wir uns nix brechen, was einem bandauftritt irgendwie wenig entgegenkommen würde.
und dann ist die soundcheckfrage noch überhaupt nicht geklärt, weil aufgrund des schlechten wetters morgen kein am vortag des gartenfests üblicher soundcheck stattfinden wird. wir kommen also vor dem auftritt auf die bühne und müssen erstmal alles hinstellen und aufbauen und abmischen. vor zwei jahren hat das eine gute halbe stunde gedauert, wobei der arme soundmensch auch ziemlich überfordert war, weil ich ihm im vorfeld nur viermal gesagt habe, was wir wo brauchen werden. theoretisch gibt es diesmal ja eine halbe stunde pause vor uns, praktisch hat sich aber der zeitplan vom gartenfest noch nie auch nur ansatzweise an den zeitplan gehalten. also mal sehen.
ich bin jedenfalls guter dinge, und außerdem ist das schöne am gemeinsam musizieren, daß man, selbst wenn man es beim auftritt versemmelt, im vorfeld idealerweise bereits einige richtig geile proben hatte. auch das hatten wir bei STUPЯOF nicht wirklich und bei hör[by]spiel schon ein paarmal. wir sind einfach besser. und viel spontaner. und egal wie es kommt, wir werden nächstes jahr weitermachen (vielleicht diskutieren wir den namen nochmal?). sport frei!
Tuesday, 7. April 2009, 16:54:11
experience, schulalltag, feng shui, versetzungszeichen
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seit einiger zeit gehe ich wieder auf die uni, wenn auch nur in ein seminar, das die uni gütigerweise für studenten und lehrer gemeinsam anbietet, unter anderem damit beide gruppen von den erfahrungen der anderen profitieren können. das ganze heißt sehnsucht:singen (man beachte die hippe schreib:weise) und geht eigentlich genau um das.
der grundtenor (hmm, das war zufall, aber man sieht, das hier ist eine sehr gute gelegenheit für allerlei gesangsmetaphern) des seminars ist, daß man schülern unmittelbare musikalische erlebnisse bescheren soll, was am unaufwendigsten mittels singen geht. ich muß sagen, dem kann ich einiges abgewinnen, und ich bin in vorletzter zeit leider etwas von diesen unmittelbaren erlebnissen weggekommen, was ich in letzter zeit wiederum nachzuholen versuche.
seminarbegleitend sollen wir stichworte sammeln, was sich während der zeit zum thema "meine stimme, das singen und ich..." tut, weil wir wahrscheinlich in der letzten einheit mit unseren erkenntnissen arbeiten werden. ich schlage natürlich gern zwei fliegen mit einer klappe, wenn es leicht geht, und diesmal geht es leicht: blog und sammeln.
irgendwie war ich in den letzten jahren etwas gesangsfaul, zwar nicht in meinen bands, aber sowas wie chorsingen hat mich wenig interessiert, und im unterricht hab ich singen selten bis nie einfach um des singens willen eingesetzt, sondern eben fast ausschließlich zur erkenntnisgewinnung oder wissensvermittlung (ja, auch das geht). chorsingen interessiert mich zwar immer noch nicht besonders, aber die lust am singen bzw. am ausprobieren mit der stimme ist durchaus zurückgekommen, und auch das singen um des singens willen hat jetzt einen festen platz in vielen stunden. eigentlich ist es sogar eine relativ billige und einfache methode, (vor- und nachbereitungs)zeit zu sparen, so gesehen erfülle ich schon heute die ministerialen vorgaben.
am wochenende nach dem ersten seminar hab ich an einem obertongesangsworkshop teilgenommen, den eine ehemalige studienkollegin gänzlich ohne esoterischen hintergrund gehalten hat (dafür ist auch was weitergegangen, was man von eso-obertongesangsworkshops angeblich nicht behaupten kann). das hat in verbindung mit dem seminar auf der uni einiges in mir ausgelöst bzw. klar werden lassen. die wichtigste erkenntnis beim obertonsingen ist: vor dem klingen kommt das hören. am anfang hört man nämlich gar nicht, was man da tut, und nicht weil man es noch nicht kann, sondern weil man nicht gewohnt ist, darauf zu hören. die obertöne sind ja immer da, wir nehmen sie nur nicht isoliert wahr, sondern hören sie nur als klangfarbe. man braucht einen guten halbtag, bis man ungefähr erahnt, was man da überhaupt produziert. und das hören braucht es aber, um die obertöne dann halbwegs klar isolieren und steuern zu können.
praktischerweise ging es dann in der zweiten seminareinheit auch ums hören bzw. um stille, und wir haben ein paar sehr schöne übungen dazu gemacht, die ich sogar erfolgreich in meinem unterricht reproduzieren konnte (was sonst nicht unbedingt der fall ist. also das reproduzieren schon, das erfolgreich nicht unbedingt). jetzt mache ich in einigen klassen regelmäßig zuhörübungen, und das trägt schon erste früchte. wobei damit definitiv nicht gemeint ist, irgendwelche intervalle oder formen zu hören (das mache ich auch immer wieder, aber das ist eher kapitel erkenntnisgewinnung), sondern einfach zuhören als elementare und heute sehr selten gewordene erfahrung mit unterschiedlichen anleitungen und aufgabenstellungen.
im bezug auf meine stimme hat sich nicht so viel getan, außer daß ich jetzt auch ein bißchen obertonsingen kann und mich autodidaktisch auch am untertonsingen versuche. beides wirkt sich glaube ich auch auf die stimme aus, aber noch mehr auf die wahrnehmung, und die ist glaube ich deutlich sensibler geworden, und zwar in viele richtungen. richtig cool ist zb., daß man, wenn die akustik halbwegs stimmt und man gerade durch stundenlanges obertonsingen sensibilisiert worden ist, in der eigenen sprechstimme die obertöne hört, die je nach vokal schön die obertonreihe rauf- und runtersausen. als hätte man einen vogel (bezogen aufs zwitschern natürlich, nicht auf irgendwas anderes).
im seminar müssen wir auch eine vokale mutprobe für uns ausdenken und uns ihr stellen. meine ist, mal mit einer expertengruppe vokal zu arbeiten. praktischerweise reicht mir schon die expertenheit der gruppe im seminar, da sitzen ja recht versierte musikstudenten und auch ein paar musiklehrer drin, also vom niveau her ist das so ungefähr das höchste, womit zu arbeiten ich je die gelegenheit hatte. das ist für mich durchaus eine mutprobe, denn abgesehen von 2-3 ensembleleitungsstunden anno dazumal habe ich noch nie was vergleichbares mit profis gemacht, und das war auch nicht vergleichbar.
ich habe mich, nachdem ich schon das vorletzte mal meine mutprobe bekanntgegeben habe, schon darauf eingestellt, beim letzten mal spontan was machen zu müssen, aber ich habe nur den auftrag bekommen, das nächste oder übernächste mal spontan was zu machen. jetzt weiß ich nicht ganz, was.
einerseits würde ich gern ein bißchen was anderes machen, als was wir sonst so tun (nämlich singen), zum beispiel sowas wie beatboxen, andererseits wäre das zwar eine vokale betätigung, aber keine mutprobe, denn auf dem gebiet bin ich der gruppe vermutlich (von eventuellen ausnahmen abgesehen) ein wenig voraus. wäre natürlich billig, meine mutprobe ohne mutprobe hinter mich bringen zu wollen, also nein, so nicht. stattdessen denke ich mir jeden tag irgendwas neues aus oder krame was aus meinem gedächtnis hervor, kleine kanons und sowas, und aus diversen gründen fallen sie doch immer durch, und ich muß mir was neues ausdenken oder aus meinem gedächtnis hervorkramen. kreativer zwang sozusagen. ganz schrecklich. das hilft nur ein kräftiges OooMmm...
Wednesday, 4. March 2009, 17:04:10
wunschzettel, schulalltag, versetzungszeichen, vorzeichen
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ich habe am wochenende mit dem gedanken gespielt, einen eintrag über die geplanten mehrstunden für lehrer zu schreiben. das thema ist ja in aller munde, und kaum einer hat wirklich eine ahnung davon (leider, wie ich finde). allerdings bin ich am wochenende nicht dazugekommen, und daher hats mich besonders gefreut, daß ich per mail den text einer ehemaligen studienkollegin bekommen habe. ich hätte manches anders geschrieben, aber im großen und ganzen sind wir natürlich auf einer ähnlichen linie. sie hat mir die erlaubnis gegeben, ihren text hier abzudrucken. manches werde ich per fußnote aus meiner sicht hinzufügen. los gehts!
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Liebe alle!
Sicherlich habt ihr alle die derzeit laufende Diskussion über die Pläne unserer lieben Frau Bundesministerin verfolgt, die Unterrichtszeit der Lehrer um 2 Stunden pro Woche zu erhöhen, freilich bei gleichbleibendem Gehalt.
Ich schreibe dieses mail aus dem Grund, weil mich diese öffentliche Diskussion wahnsinnig aufregt, da ich immer mehr den Eindruck bekomme, dass das Bild von uns LehrerInnen in der Gesellschaft ein unglaublich verzerrtes ist. Der Tenor der Bevölkerung ist nämlich nicht, so wie ein denkender informierter Mensch meinen würde, ein unglaublicher Aufschrei ob dieser geplanten Maßnahme und neuerlichen Attacke auf unser Bildungssystem, sondern mehr oder weniger offen geäußerte Zustimmung nach dem Motto "Endlich sollen die mit ihrem Halbtagsjob auch mal was hackeln."
Ich möchte hiermit einige Dinge klarstellen, von denen ich nach wiederholten Erfahrungen in Gesprächen mit Außenstehenden (Eltern, Angehörigen anderer Berufsgruppen) weiß, dass sie der Öffentlichkeit einfach nicht bewusst sind oder sich niemand die Mühe macht, darüber nachzudenken.
Erstens: 2 Stunden mehr unterrichten heißt nicht 2 Stunden mehr arbeiten. Es heißt diese Stunden auch vor- und nachbereiten (=: sich ein pädagogisches Konzept machen, wie man was wann am besten rüberbringt = nachdenken. Dann dazu Material suchen = im Internet, Lehrbüchern, Journalen.... recherchieren. Dann das Ganze aufbereiten = selber ausarbeiten, möglichst noch in ein "Offenes Lernen"-Konzept verpackt = Arbeitsblätter+Lösungsblätter machen,...); das ist aber noch nicht alles, weil das Zeug, das man vorbereitet hat, muss man dann auch noch kopieren / folieren / zusammenschnipseln... Ergo: 2 Stunden mehr unterrichten heißt 4 Stunden mehr arbeiten. Da ist aber noch nicht eingerechnet, dass man mitunter Schularbeiten und Tests macht, Hausübungen verbessert oder gar einen Lehrausgang organisiert. (Von erzieherischer und/oder Betreuungsarbeit wie Streitereien der SchülerInnen schlichten oder Elterngespäche führen, ganz abgesehen.) Natürlich gibt's Schulbücher, die einem einen Großteil der Arbeit abnehmen, aber der gute alte Frontalunterricht (= Buch aufschlagen, vorlesen, Buch zumachen, gehen) ist doch nicht, was wir alle wollen, oder? Weiters: eine Stunde unterrichten ist nicht wie eine Stunde im Büro sitzen. Unterrichten heißt, 50 Minuten ohne Pause ständig konzentriert sein und dabei 20-30 Leute im Auge behalten. Vielleicht ist es so wie als Anwalt verhandeln oder als Arzt operieren (ich sage vielleicht, denn mir ist bewusst, von wessen Arbeit ich eine Ahnung habe und von wessen nicht). Und das mitunter 6 Stunden durchgehend - wenn ich von 8h bis halb zwei ohne Freistunde dazwischen unterrichte, komme ich, man verzeihe die Ausdrucksweise, mitunter nicht mal zum Sch... (und wir wissen alle, wie ungesund das ist). Nach so einem Schultag gehe ich nach Hause und muss erst mal eine Stunde schlafen, um dann die Arbeit von s.o. erledigen zu können.
Zweitens: Es ist ein Humbug, groß zu verkünden, diese Maßnahme gehe nicht auf Kosten der SchülerInnen. Wer, glaubt ihr, zahlt denn drauf, wenn für Vorbereitungen, Projektarbeit oder auch das bloße Korrigieren von Übungszetteln zwei Stunden pro Woche weniger Zeit ist? Die Kinder wird's natürlich vorerst mal freuen, wenn es weniger kontrollierte Hausübungen gibt oder in Fächern, wo es nicht dringend vorgeschrieben ist, keine Tests mehr stattfinden. Dann sind auch die Eltern zufriedener, weil sich die Kinder weniger beklagen, und alle sind glücklich...In Summe bekommen wir aber freilich schlechter ausgebildete Kinder, wird also NATÜRLICH bei der Bildung unserer Kinder gespart und damit bei der Zukunft unseres Landes.
Elternvertreter in den Medien behaupten jedoch, endlich hätten die LehrerInnen mehr Zeit für ihre Kinder, weil sie länger bei ihnen in der Klasse sind. Das erklär mir mal einer: Zwei Stunden unterrichten heißt in meinem Fall, eine Klasse mehr in Musik, also statt 330 360 SchülerInnen. Mehr Zeit für die Kinder???????
Mich ärgert weiters die Aussage, die derzeit oft in diversen Zeitungen zu lesen ist, dass es nämlich den Lehrern nur um ihren eigenen Job ginge und nicht um die Bildung der Kinder, dass also pädagogische Interessen gar nicht diskutiert werden. Also, langsam, zum Mitdenken: Lehrer sind Lehrer geworden, weil sie Kindern etwas beibringen wollen. Verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen der Lehrer, verschlechtern sich also die Rahmenbedingungen, Kindern etwas beizubringen. Es verschlechtert sich also das, warum ich diesen Beruf ergriffen habe. Und das war jetzt nochmal was?.... Ganz klar, um die Kinder kann es hier wohl kaum gehen....
Drittens: Es ist zu hören und zu lesen, dass die Lehrer es mit Effizienzsteigerung, so wie das in der Privatwirtschaft gang und gäbe sei, locker schaffen würden, zwei Stunden weniger Vorbereitungszeit hereinzuarbeiten. Man wirft uns also implizit vor, ineffizient zu arbeiten (oder, wie die Frau Ministerin meinte, ob sie denn eine Gehaltseinbuße von 10% in Kauf nehmen würde - "Ich arbeite mit voller Kraft" - wir das nicht täten.) Erinnert euch an eure eigene Schulzeit und stellt euch einen Lehrer vor, der mit halber Kraft in eine pubertierende 5.Klasse hineingeht...Na? Erraten. Die lieben SchülerInnen tragen ihn auf den Händen wieder hinaus. Außerdem, auch wenn das jetzt hochnäsig klingt: Ich bin klug (IQ = 140). Ich bin konzentriert. Ich bin verdammt effizient bei allem, was ich tue. Schneller geht's nicht - außer man nimmt Qualitätsverluste in Kauf.
Es gibt eine Lehrerarbeitszeitstudie aus dem Jahr 2000, die zu 2/3 vom Ministerium (!) finanziert wurde. Es scheint, dass die Frau Ministerin diese nicht gelesen hat (vielleicht weil sie von der anderen Partei stammt?), in der belegt wird, dass LehrerInnen, legt man ihre wöchentliche Arbeitszeit auch auf die Ferien um, MEHR ALS 40 Stunden in der Woche arbeiten. Dies deshalb, weil es während des Schuljahres Wochen gibt, in denen aufgrund von s.o.(erstens) mehr als 50 Stunden gearbeitet wird.
Woher kommt also die Mär, wir LehrerInnen würden nix hackeln?
Mehrere Gründe fallen mir dazu ein: LehreInnen gehen, sobald sie nicht mehr unterrichten müssen, nach Hause. Was dort passiert, sieht keiner. Warum gehen wir nach Hause? Weil wir dort ARBEITEN KÖNNEN. Zuhause habe ich meinen (wohlgemerkt selbst erworbenen) Computer (in der Schule haben wir 5 Computer für 75 Lehrer1). Ich habe meine (wohlgemerkt selbst erworbenen) Materialien (Bücher, Zeitschriften, Tonträger) und vor allem, ich habe einen Schreibtisch. In der Schule habe ich einen "Arbeitsplatz", gegen den der Käfig einer Legebatteriehenne einem Luxusschloss gleichkommt. Ich kann nicht mal zwei Bücher nebeneinander hinlegen, ohne die des Kollegen nebenan runterzustoßen.
Ein weiterer Grund wäre wohl, dass es natürlich - wie in jedem anderen Job auch - Leute gibt, die einfach unfähig sind, diesen auszuüben. Die Crux der LehrerInnen ist jedoch, dass fast jeder in der Bevölkerung irgendwann mit so einem Mitglied unseres Berufsstandes in Kontakt gekommen ist - weil man im Laufe seiner (höheren) Schullaufbahn doch auf ungefähr 30 -40 Lehrerkontakte kommt. Nehmen wir im Vergleich dazu, sagen wir mal, einen Richter. Auch bei denen wird es wohl unfähige geben, doch merkt der Großteil der Bevölkerung davon halt nix, weil ja nicht jeder mal ein Verbrechen begeht oder anderweitig in einen Rechtsstreit verwickelt ist.
Außerdem: Jeder war mal in der Schule. Was dort passiert, ist nicht immer lustig, ganz einfach deshalb, weil arbeiten nicht immer lustig ist. Kinder werden in der Schule also mitunter zu etwas gezwungen, was in diesem Moment nicht ihr Primärbedürfnis ist. Und das in einem Alter, in dem sie von ihrer psychischen Entwicklung her noch gar nicht in der Lage sind, unangenehme Anweisungen (wie z.B. die Aufforderung, jetzt das Arbeitsblatt auszufüllen anstatt zu spielen) von der Person zu abstrahieren, die diese Anweisung gibt. Was bleibt, ist das Gefühl: der Lehrer ist jetzt zu mir gemein. Später, wenn Menschen über diese psychische Fähigkeit verfügen sollten, geht leider keiner mehr in die Schule, ist also niemand gezwungen, darüber nachzudenken, ob jetzt der Lehrer wirklich gemein war oder nicht. Es wird also dieses unreflektierte Gefühl ganz einfach als Urteil übernommen.
Dann machen Zeitungen Umfragen, ob die Forderung, Lehrer sollten mehr arbeiten (! was ja so nicht stimmt, siehe erstens!), gerechtfertigt sei, und heraus kommt eine Zustimmungsrate von 65%. Würde man eine Umfrage machen, ob, sagen wir, Billa-VerkäuferInnen, Zoodirektoren oder Bundesforstbedienstete 2 Stunden mehr arbeiten sollen, würde die Mehrheit der Menschen doch sagen: Was für eine absurde Frage, ich hab ja keine Ahnung, was die hackeln. Aber bei den Lehrern sind alle Experten, schließlich war doch jeder mal in der Schule und kennt sich daher aus...
Viertens: Die Frau Ministerin verlangt angesichts der schlechten Wirtschaftslage einen Solidaritätsbeitrag von uns LehrerInnen. Ich möchte eines klarstellen: Wenn es unserem Land tatsächlich so schlecht geht, dass eine nationale Kraftanstrengung erforderlich ist, um den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen, bin ich die letzte, die dagegen ist. Aber dann verlange ich dieselbe Kraftanstrengung von allen, die der Staat zahlt, seien das jetzt Ärzte, Richter und Staatsanwälte, Finanzbeamte, Orchestermusiker, Verwaltungsbedienstete, Postler, Bundesforstbedienstete, Politiker oder AUA-Vorstände. Warum gerade wir Lehrer?
Dazu fallen mir wieder zwei Gründe ein: Erstens ist es populär, so etwas zu sagen. Und zweitens muss ja gerade im Bildungsministerium ein Schulversuch finanziert werden (ich rede von der Neuen Mittelschule), bei dem in Fächern wie Deutsch, Mathematik oder Englisch nicht ein, sondern zwei Lehrer in der Klasse sind. Das kostet also...mal zwei rechnen kann wohl jeder selbst. Aber, soweit ich weiß, wird der zweite Lehrer eh nur halb bezahlt. Außerdem - was wohl die meisten nicht wissen: Hauptschullehrer werden von den Ländern bezahlt, Lehrer der Mittelschule jedoch vom Bund. Und es sind fast ausschließlich Hauptschulen, die an diesem Schulversuch teilnehmen...Weiters braucht die Frau Bildungsministerin Geld für die versprochene Ganztagesbetreuung (selbst wenn man, so wie ich, für die Betreuung von 20 Kindern am Nachmittag pro Stunde netto € 6,25 bekommt, ist das ein Haufen Geld. Als ich mir das ausgerechnet hatte, wollte ich mit der Putzfrau tauschen, weil die putzt nämlich immer nur ein Klo gleichzeitig, das noch dazu auch nicht frech ist).
Ich möchte abschließend folgendes klarstellen: Ich mache eine verdammt harte Arbeit2. Und es ist eine verdammt wichtige Arbeit. Und: Ich mache sie gerne3. 90% meiner Kollegen machen sie auch gerne und arbeiten engagiert. Wir haben gerade wieder eine Kollegin mit 55 Jahren aufgrund von Burn-Out in die (natürlich schlecht bezahlte) Frühpension verloren. Ich beklage mich nicht darüber, dass meine Arbeit mitunter mühsam ist. Ich beklage mich nicht, dass ich dafür soviel bezahlt bekomme wie eine bessere Sekretärin (und die 57.000 Dollar Jahresverdienst, die die Kronenzeitung berichtet hat, soll mir diese Zeitung bitte auch bezahlen). Aber ich wünsche mir, dass meine Arbeitsbedingungen nicht verschlechtert werden, und ich wünsche mir, dass ich für meine Arbeit die Anerkennung bekomme, die ihr gebührt.
Und abschließend die Bemerkung einer Zwölfjährigen, als ich gestern mit einer 2.Klasse diese Problematik diskutiert habe und wir überlegt haben, was denn an der Schule nun so teuer ist und als ein Punkt die Ausweitung der Nachmittagsbetreuung aufgetaucht ist: "Aber wir wollen doch gar nicht in der Schule von irgendwelchen Lehrern betreut werden. Wir wollen, dass unsere Eltern Zeit für uns haben."
Wer immer von euch Kinder hat: Sie brauchen eure Zeit. Sie brauchen gar nicht ständig immer eure volle Aufmerksamkeit. Aber sie brauchen eure Anwesenheit. Das kann niemand ersetzen. Und bitte geht mal zu den Lehrern eurer Kinder, auch wenn ihr denkt, da passt eh alles. Bedankt euch für ihre Arbeit. Es tut nämlich sonst keiner.
Liebe Grüße,
eine sehr verärgerte
Petra
P.S.: Wer bis zum Schluss durchgehalten hat - ihr könnt und sollt dieses mail bitte auch weiterschicken, an alle, die's interessiert, wie es wirklich ist. Und auch an alle, die's nicht interessiert.
P.P.S.: Wer es nicht weiß: Ich unterrichte Musik und Russisch an einem Gymnasium.
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1 wir haben 2. aber vielleicht sind wir ja auch keine 75, sondern nur um die 65 lehrer... muß ich direkt mal nachzählen.
2 ich auch!
3 ich auch!
Saturday, 21. February 2009, 16:26:59
tonika, experience, dominante, wunschzettel
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es ist eigentlich zufall, aber irgendwie doch nicht, jedenfalls passiert es immer wieder, daß ein unterrichtsthema in verschiedenen klassen und schulstufen, oft auch von ganz verschiedenen seiten kommend, mehr oder weniger gleichzeitig behandelt wird. ich mache meine jahresplanung sicher nicht extra danach, aber manchmal taucht etwas zeitnah in verschiedenen umgebungen auf und kumuliert dann aufgrund des betriebenen aufwandes und benötigten materials. letztes schuljahr waren es zum beispiel diverse mittelalterliche themen, wobei das in erster linie am mittelalter-schwepunkt lag, dieses jahr unter anderem der generalbass, und der nächste heiße kandidat ist haydn. im moment ist es jedoch der blues, und das paßt mal wieder auch auf anderen ebenen.
mir liegt der blues ziemlich am herzen, weil sich im wesentlichen die gesamte pop- und rockgeschichte auf irgendwelche spielarten dessen zurückführen läßt. die abstammung ist nicht immer ganz offensichtlich, aber gerade das ist ja so spannend daran. und faszinierend ist der blues allemal, weil er seit gut 100 jahren nach den selben einfachen prinzipien funktioniert und sein wesen beibehält, obwohl er sich sehr gut in verschiedene strömungen und moden integrieren kann.
eines dieser prinzipien ist das blues-schema, und das bedeutet, ich kann mal wieder ein wenig musiktheorie hineinstreuen, aber es wird nicht viel, versprochen. beeindruckend am blues-schema ist ihre einfachheit und ihr gleichzeitiges potential zur vielschichtigkeit. außerdem fällt es aus dem rahmen üblicherweise symmetrisch oder periodisch gebauter musikalischer formen, ohne daß das irgendwem unangenehm auffallen würde.
wie man weiß, hat das blues-schema drei zeilen, in deren erster sich fast nix, der zweiten nicht viel und der dritten dafür umso mehr tut. es kommt mit den drei hauptstufen aus und wäre daher eindeutig durbezogen und diatonisch, was allerdings durch andere elemente des blues verwischt wird. mit stufenbezeichnungen sieht es in der einfachsten üblichen form so aus:
I - I - I - I
IV - IV - I - I
V - IV - I - (V)
das ist noch nicht sonderlich spektakulär, und statistiker würden sofort anmerken, daß sieben der zwölf akkorde auf der ersten stufe stehen. die V. kommt überhaupt nur einmal, am anfang der dritten zeile, tatsächlich stilbildend zum tragen, am ende ist sie nämlich nur ein sogenanntes turnaround, also eine kadenz zur I. stufe des anfangs zurück, und kann auch weggelassen werden. aber gerade durch dieses statistische ungleichgewicht ist das funktionale gewicht der IV. und V. stufe umso höher, und irgendwie ist es beim blues nicht die I. stufe, die man herbeisehnt, sondern die anderen beiden.
die dreizeiligkeit wird in vielen (nicht allen) songs, die auf dem blues-schema basieren, textlich auf eine interessante art und weise unterstützt, indem die erste textzeile wiederholt wird (melodisch übrigens meistens auch). klassische bluestexte haben also nur zwei geschriebene textzeilen pro strophe, wobei die wiederholung in verbindung mit dem harmonieschema eine ganz andere wirkung hat.
man könnte fast sagen, der blues sei eine dialektische form. die erste zeile, durchgehend auf der I. stufe, ist sozusagen die these. die zweite bekommt allerdings durch den wechsel auf die IV. stufe eine ganz andere ausstrahlung, und zumindest ich nehme sie trotz der gleichbleibenden melodie und der wörtlichen wiederholung des textes ganz anders, nämlich als eine art antithese wahr. für mich ist der blues dadurch im hinblick auf die verschmelzung von musik und text bzw. auf die ausdeutung des textes durch die musik eine der intensivsten musikformen überhaupt.
die dritte zeile, in der zum ersten und zum letzten mal die V. (an dieser stelle ganz und gar nicht dominante!) stufe betreten wird, wirkt musikalisch wie meist auch textlich als synthese, pointe, schlußfolgerung oder wie man sie auch haben oder hören will. und ich glaube, daß diese klassische dreiteiligkeit dazu führt, daß man den blues als eine kompakte, geschlossene, logisch notwendige form hört - bzw. zumindest nicht als schief, assymetrisch oder sowas. die logiker unter uns könnten natürlich statt meinen dialektischen termini auch ihre eigenen nehmen und von prämissen und konklusion sprechen, das käme wohl auch hin.
soviel zur theorie. in der praxis ist es gar nicht so einfach, den blues rüberzubringen (vielleicht gilt hier: entweder man hat ihn oder auch nicht). es ist für schüler oft sehr witzig und interessant, die erfahrung zu machen, daß ihnen zu einem bloßen, von melodie und text befreitem instrumentalen blues-schema sofort zehn verschiedene lieder einfallen (und wenn nicht, brauche ich nur einige melodiefetzen anbieten), allerdings scheint sich das erwachte interesse sehr schnell wieder zu legen. das ist schade, weil meiner meinung nach das bißchen theoretischer einblick sehr viel zur faszination des blues beiträgt.
die praktische beschäftigung damit hat meiner bisherigen erfahrung nach auch noch nicht viel mehr interesse wecken können. es ist recht simpel, selbst mit einer supplierten zweiten klasse in einer einzigen stunde brauchbare blues-schemata zu erarbeiten, zumindest mit bass und schlagzeug, aber zum beispiel mein wahlpflichtfach weigert sich recht konsequent, ein bißchen weiter in die materie hineinzutauchen. dabei kommen sie nicht drum rum, weil von selber lernen sie nicht spielen, und die einfachste möglichkeit, mehrere lieder ohne mehraufwand zu lernen oder eine gute grundlage zum improvisieren zu haben, bietet nun mal der blues. da werden wir also noch einige wochen investieren.
gleichzeitig führt diese erfahrung nebst anderen bei mit zu einer klassischen blues-stimmung. irgendwie freuts mich im moment nicht so. dabei ist es gar nicht november. ich weiß nicht genau, wieso junge leute, die sich selbst als auf diesem gebiet wißbegierig bezeichnen, von mir erwarten, ihnen alles hinterherzutragen und ins hirn zu stopfen (bildlich gesprochen wohlgemerkt, bevor sich irgendwelche rechtlichen konsequenzen daraus ergeben sollten), ohne dabei ohren und augen aus eigener kraft aufzumachen. ich wüßte sehr gern, was ich anders machen soll, und bin für konstruktive vorschläge offen. aber wenns mir keinen spaß macht, müssen wir ja genau diese dinge gar nicht machen, das musikbuch bietet genügend andere themen, die ich gleichermaßen faszinierend finde.
Monday, 9. February 2009, 22:41:00
experience, dominante, dienstag, wunschzettel
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letzten montag hat es in london so extrem geschneit, daß alle ryanair-flüge nach stansted gestrichen waren und angeblich der zug- und busverkehr in und um london komplett darnieder lag (komischerweise kenne ich persönlich eine person, die trotzdem in stansted landen und dann über london nach oxford fahren konnte. offenbar sind die news aus aller welt auch nicht ganz verläßlich). aus den medien hatte man hier den eindruck, england würde im chaos komplett untergehen.
tatsächlich kam es wohl am montag zu einigen beeinträchtigungen, die auch gute gründe hatten. die engländer haben eher selten schnee und sind demnach nicht wirklich dafür gerüstet. in stansted gibt es angeblich gar keine schneeräumungsgeräte, in heathrow gibt es welche, die auch in aktion waren, bis ihnen der platz zum schnee hinräumen ausging, und die züge können bei schnee nicht fahren, weil die weichen im gegensatz zu unseren nicht geheizt und daher bei eis und schnee nicht funktionstüchtig sind (die genannten infos habe ich alle aus erster hand von diversen in england lebenden personen).
dienstag früh war der spuk dann vorbei, wir konnten wie geplant landen, die züge fuhren mit wenigen ausnahmen und der schnee war weitestgehend weg oder zumindest auf dem rückzug. aber das nur am rande.
gleichzeitig habe ich mich gewundert, wieso alle welt so ein theater drum macht. ich meine, hierzulande schneit es doch einigermaßen regelmäßig, und es gibt auch einigermaßen regelmäßig mehrere schneechaosse im jahr. im november, wenn der erste schnee fällt; im dezember oder jänner, wenn der zweite schnee (der erste richtige, der dann auch bleibt) fällt; und wenn es so schneeregnet wie gestern, dann auch wieder. gut, bei uns steht nicht die ganze infrastruktur still, aber stundenlange staus, u-bahnausfälle und sehr unverläßliche öffis gibt es trotzdem. da finde ich es fast eleganter, wenn man weiß, bei schnee geht nix, denn dann geht man gar nicht erst aus dem haus, die schüler und die arbeitende bevölkerung bekommen automatisch frei, und alle wichtigen termine sind einfach auf den nächsten tag verschoben. bei uns hingegen wird man in falsche sicherheit gewiegt und kommt dann erst recht stunden zu spät und ist auch noch selbst schuld.
so gesehen dürfen wir schneechaostechnisch niemandem was vorwerfen, denn andere haben es womöglich nur alle 15 jahre und gehen damit trotzdem cooler um als wir, die es mehrmals im jahr heimsucht. sind wir nicht eine große schneenation, die ein bißchen schnee problemlos schnupfen können sollte? ein schneechaos in england ist eine laune der natur, bei uns aber ein deutliches zeichen für dummheit, fehlplanung und versagen.
den wunderschönen sonnigen dienstag haben wir dann im leicht gezuckerten cambridge verbracht, was mich an meine früheren reisen durch südengland erinnert hat. einige meiner intensivsten erfahrungen damals hatten mit gotischer architektur zu tun, und davon sieht man in cambridge wirklich viel. die gotik hat schon was geniales, gar nicht so wegen den ornamenten, sondern wegen dieser art, in den raum hineinzuragen und ihn dadurch zu strukturieren und zu zerreißen. das finde ich einfach wahnsinnig faszinierend. und die gotik betritt die dritte dimendion nicht nur, indem sie hineinragt, also zum beispiel in die höhe wächst, sondern sie spielt auch mit ihr, indem sie zum beispiel wunderbare windschiefe (im geometrischen sinne des wortes, nicht im abschätzig-landläufigen) und aus jedem blickwinkel anders wirkende strukturen erlaubt und auch enthält. das macht architektur erst wieder in der moderne, wenn ich mich nicht irre.
die beiden dinge haben nun auf den ersten blick wieder nix miteinander zu tun, aber für mich persönlich sehr wohl. ich bin nämlich gar kein besonderer schneefan, jedenfalls nicht, wenn er schon liegt und öde dahinschmilzt. wenn er aber fällt, dann finde ich das schon sehr cool. wenn ich wollte (will ich nicht, aber wenn!), könnte ich stundenlang im schneegestöber stehen, mit kindlicher faszination nach oben blicken und mit offenem mund den dreidimensionalen tanz der schneeflocken beobachten. und diese dreidimensionalität ist das, was für mich schnee und gotik gemeinsam haben. und das (und nur das) ist auch an american football und sonstigen ansonsten nicht sonderlich interessanten sportarten ästhetisch oder sonstwie ansprechend.
zum thema dreidimensionalität und wechselnden blickwinkeln gab es auch im tate modern viel zu sehen, zum beispiel diverse skulpturen von henry moore und konsorten, aber auch sehr interessante und mir bisher unbekannte von hélio oiticica, die zum teil die grenze der dritten dimension gerade nur so ein wenig penetrieren, oder auch minimalistische spiegelskulpturen, die leider nicht wirklich begehbar waren. es ist schon ganz was anderes, wenn man sich in einem kunstwerk befindet, wie auch zb. im jüdischen mahnmal in berlin, als einfach nur davor zu stehen. und ich muß sagen, im tate modern habe ich die skulpturen fast durchwegs interessanter gefunden als die an sich auch nicht gerade uninteressanten gemälde. es war also insgesamt eine reise voller dreidimensionalitäten und wechselnder blickwinkel.
und wenn wir schon bei wechselnden blickwinkeln sind, laßt mich bitte noch ein thematisch mit den bisherigen ganz und gar unzusammenhängendes thema mit den bisherigen zusammenhängen. in england ist so vieles anders als hier, nicht nur der umgang mit dem schnee. in den pubs herrscht rauchverbot, aber es stört niemanden, und tausende engländer stehen selbst bei minusgraden und schnee hemdsärmelig mit einem ale in der einen und einer zigarette in der anderen hand draußen vor dem pub, und es funktioniert auch (überhaupt sind in london viele schanigärten in betrieb und werden auch frequentiert, sogar trotz fehlender heizstrahler). und viele pubs schließen um elf, sprich bis dahin herrscht wirklich hochbetrieb (wirklich! da stehen die leute in der tür und können sich kaum bewegen), und es funktioniert trotzdem, da ist kein kellner überfordert und alle bekommen ihre getränke, und um elf sind die meisten besoffen genug, um heimzugehen und zuhause noch ein bißchen abendprogramm zu gucken.
was wir daraus lernen, ist nichts anderes als daß man die selben dinge auf eine million unterschiedliche arten regeln kann. und wer könnte von sich behaupten, die ultimative und allen gleichermaßen entgegenkommende regelung zu finden? niemand. und deswegen, aber das wissen wir bereits aus anderen posts, bin ich absolut kein fan davon, daß jemand anderen sagt, wo und wie es langgeht. und so kann ein unschuldiger post über schnee und gotik auf umwegen zu einer grundlegenden sehr politischen aussage führen.
Thursday, 29. January 2009, 07:56:35
kein tag wie jeder andere, dissonanz, rätsel, politik
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ich habe gerade heute früh einen ganzen haufen von meinem vater eingescannter baby- und kinderfotos von mir und meinen geschwisterchen bekommen. für den privaten gebrauch wohlgemerkt, also werde ich sie hier nicht alle veröffentlichen. ein kleiner rest privatsphäre darf sein.
aufmerksamen bloglesern und irgendwelchen cyberstalkern aus der 5a wird aber schon mal mein foto auf dem töpfchen aufgefallen sein, das hier eine ganze weile mein profilfoto war und woanders noch immer ist. das war bisher leider auch das einzige, das ich digital hatte, aber das hat sich ja jetzt geändert. mein neues lieblingsfoto ist dieses hier, weil es auch meine spätere berufung vorwegnimmt:

nun wissen wir ja, daß man heutzutage einigermaßen aufpassen sollte, was man in welcher form wo ins internet stellt, denn wenn etwas in die falschen hände gerät, einen zweifelhaften eindruck erweckt oder sonst irgendwie belastend wirkt, wirkt es eben belastend.
ich glaube, mit zwei kinderfotos bin ich halbwegs noch auf der sicheren seite, überhaupt bin ich der meinung, daß es recht wenige bis gar keine richtig kompromittierende fotos von mir geben dürfte, sofern zb. biertrinken an einem gemütlichen abend nach einem anstrengenden hundeschlittenfahrtag nicht kompromittierend ist. peinlich ist wieder eine andere geschichte, wir alle haben ja in unserer jugend modische und frisurtechnische fehltritte begangen, und ich war eben auch auf diesem gebiet ein furchtloser wegbereiter. das war zum glück noch vor der digitalära, und wenn ich glück habe, landen diese bilder nie im netz. und ich habe einen guten anwalt.
bei anderen dingen muß man natürlich besser aufpassen. ich finde, man darf ruhig eine private meinung haben und im gegebenen kontext artikulieren, die sich von der offiziellen meinung, die man im beruf vertreten sollte, unterscheidet. vermutlich finden das die islamlehrer auch, die jetzt als ach so böse und antidemokratisch hingestellt werden. wo und wann der geeignete kontext ist, ist natürlich nicht immer ganz leicht zu entscheiden.
[das hat jetzt mit dem thema nur am rande zu tun, aber der eigentliche skandal ist, daß eine angeblich anonymisierte umfrage mit derart suggestiv gestellten fragen solche reaktionen auslöst, aber selbst nicht hinterfragt wird. mit der statistik kann man vielen leuten ein ei legen, und genau das ist hier wohl auch passiert (ob bewußt oder unbewußt, sei dahingestellt, jedenfalls wars extrem dumm). vor allen dingen müßte man prüfen, ob die umformulierung der fragen oder auch das befragen einer anderen bevölkerungsgruppe andere ergebnisse erbringen würde. und auch das ist aufmerksamen lesern meines blogs nicht entgangen: wenn ich in einer anonymen umfrage meine private meinung über die in österreich praktizierte parlamentarische demokratie preisgeben müßte, wäre sie auch negativ. wobei ich bei anonymen umfragen, wo man zb. seine unterrichtsfächer angeben muß, sowieso alles andere als anonym bin.]
ich habe jedenfalls kein problem damit, meine privat geäußerte politische meinung hier zu argumentieren. kann natürlich schon sein, daß irgendjemand mal drüberstolpert, dem das nicht gefällt, aber es herrscht hierzulande immerhin meinungsfreiheit (ein sehr schöner aspekt einer echten und nahezu uneingeschränkt gültig auch in einer pseudodemokratie). andererseits gibt es wiederum themen, die so privat oder so öffentlich sind, daß es sich nicht wirklich schickt, darüber zu schreiben. so zum beispiel das thema selbstmord(versuche), zu dem ich einen leider wirklich sehr direkten persönlichen bezug und eine sehr konkrete meinung habe und dieser tage auch einen anlaß und eine sagen wir mal etwas unerwartete literaturempfehlung gehabt hätte. aber wie gesagt, zu privat oder zu öffentlich, wie mans haben will. daher bleibts also bei kinderfotos und privaten meinungen über die demokratie.
Monday, 12. January 2009, 07:37:35
dominante, wunschzettel, experience, intervalle
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gestern war ich im theater an der wien. pelléas et mélisande. von debussy. gratis. das war zwar kein neujahrsvorsatz, sondern ein spontaner generalprobenbesuch, paßt aber halbwegs ins thema.
es war eine interessante erfahrung. gute inszenierung, geniales bühnenbild, tolle sänger und eine wahnsinnig lange oper, bei der recht viel unnötiges zeug gequatscht-gesungen wird. symbolismus halt. manche symbole sind leicht zu durchschauen, manche eher weniger, und wenn man kein französisch kann und ohne brille die deutschen übertitel gerade nicht sieht, macht das die sache auch nicht einfacher. die musik war allerdings recht spannend, und die oper ist eher ein musikdrama, also so eine art endlos langes rezitativ ohne irgendwelche angebernummern.
ich war ja in den letzten jahren nicht unbedingt der fleißige konzert- und schon gar kein operngeher. das ist ja an sich auch kein muß, in der pension bleibt genug zeit für sowas, aber nachdem ich zuhause auch wenig bis gar keine klassische musik höre, habe ich diesbezüglich eindeutig ein paar lücken. ich hab das zeug ja studiert, unbeleckt bin ich auch nicht, aber sagen wir es so: ich erkenne eine beethoven-symphonie, weil ich weiß, wie eine beethoven-symphonie klingt, nicht weil ich sie wiedererkenne (von den ganz berühmten mal abgesehen). aber man könnte mich vermutlich mit einer frühen schubert durchaus in die irre führen.
einer meiner nicht formulierten und daher komplett unverbindlichen neujahrsvorsätze könnte also sein, mein repertoire und damit ein bißchen auch meinen horizont zu erweitern. eine gelegenheit dazu könnte zb. der vollständige ring sein, womit wir wieder beim musikdrama wären. dazu gibt es dieses jahr drei gelegenheiten, und sollte sich jemand finden, der hardcore genug ist, würde ich mir das vielleicht wirklich durch den kopf gehen lassen.
mit wagner habe ich bisher sowieso nicht viel am hut gehabt. naja, ich habe mal den hochzeitsmarsch aus lohengrin in einer verjazzten und mit dem mendelssohn vermischten version auf einer hochzeit geklimpert, aber das ist jetzt noch keine sehr intensive beschäftigung mit dem thema. bei wagner schrecken mich einfach die dimensionen ab. aber ich spüre schon seit jahren den inneren drang, ein bißchen in seine welt einzutauchen. untere anderem deswegen darf sich die 6A derweil mit dem ring beschäftigen.
das andere, was für mich eine eindeutige repertoireerweiterung darstellen und wozu sich dieses jahr gelegenheit bieten wird, ist haydn. auch da weiß ich seit jahren, daß er viel interessantes zu bieten hat, bin aber noch nie richtig weit in sein schaffen eingedrungen. nachdem ich aber mit der 7B fast ein ganzes semester zeit für die wiener klassik haben werde, können wir das mit haydn aufziehen und damit auch aktiv von den vielen events des haydn-jahres gebrauch machen.
und wenn wir schon dabei sind, gehe ich vielleicht noch zum oasis-konzert. aber das ist eine andere geschichte...
Monday, 16. June 2008, 13:36:30
dilemma, montag, vorzeichen, da ist der wurm drin
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das wirklich verwunderliche ist, daß die meisten tatsächlich daran glauben. ich meine, natürlich, die chancen, daß österreich heute abend deutschland schlägt, sind potentiell vorhanden, der ball ist rund und die schiedsrichter nicht immer ganz auf der höhe. aber darum soll es hier auch nicht unbedingt gehen.
ich habs ja leicht, weil ich kein österreicher bin. ich sehe mich nicht mal wirklich als wahlösterreicher, ich hatte nie so richtig die wahl, ich lebe einfach hier, und es paßt ganz gut. jedenfalls wird sogar mir immer wieder mangelnder patriotismus vorgeworfen. anlaß genug, meine gedanken zu diesen unsäglichen begriff zu verewigen.
ich gebe offen zu, daß sich der sinn des konzepts "patriotismus" mir nicht wirklich ganz entschließt. angeblich geht es ja darum, stolz auf sein land zu sein. ja gut, klingt irgendwie logisch, aber wenn man das ein wenig hinterfragt, bleibt nicht viel über.
ich bin gern stolz. ich bin stolz auf dinge, die ich selbst erreicht, getan oder ermöglicht habe. ich bin stolz auf menschen, die ich zumindest einen teil ihres lebensweges begleiten durfte und die leistungen vollbracht haben, mit denen ich zumindest in einen indirekten bezug stehe. aber kann ich auf dinge oder menschen stolz sein, mit denen ich nix zu tun habe? wenn ja, dann kann ich beliebig auf alles stolz sein - oder eben auch nicht.
warum ist man stolz auf ein land? ein nicht unerheblicher teil der patrioten ist es, weil sie rein zufällig da geboren worden sind. wären sie also in ghana oder auf den falkland-inseln geboren, wären sie eben auf ghana oder die falkland-inseln stolz. diesen leuten fallen dann so tolle begründungen ein wie "österreich ist doch ein schönes land. wir haben berge und seen." (nachzulesen in aktuellen falter). na wenn das die basis des patriotismus ist, hut ab. kaum ein land hat berge und seen.
anders sieht es natürlich bei all jenen aus, die sich freiwillig für ein land entschieden haben. klar, wenn jemand nach österreich kommt und hier bleiben will, weil es ihn hier so gut gefällt (so viele berge und seen!), dann hat er eine bewußte wahl getroffen. diese leute dürfen auch in meinen weltbild das land ihrer wahl gut finden (von mir aus auch stolz darauf sein). witzigerweise werden gerade einwanderer von den oben erwähnten geburtspatrioten selten als einheimische akzeptiert. wer ist jetzt der echte patriot? der, der grundlos auf sein geburtsland stolz ist, oder der andere, der es sich ausgesucht hat? und wenn der einwanderer zusätzlich auch noch stolz auf sein geburtsland ist? ist er dann doppelpatriot? gilt das überhaupt?
das gefährliche am patriotismus ist, daß er in einen auf den ersten blick unschuldigen gewand daherkommt ("ich bin ja nur stolz auf mein land, weil berge und seen und so"), tatsächlich aber nur vor den hintergrund einer einstellung "wir sind besser als die anderen" einen sinn ergibt. als wären wir nicht alle menschen, die - natürlich nicht alle gleich, wie es fälschlicherweise immer wieder behauptet wird - alle das gleiche recht auf unterschiedlichkeit haben und in größeren ansammlungen durchaus die gleiche oder zumindest eine vergleichbare mittelmäßige mischung ergeben wie andere menschen in ähnlich großen ansammlungen. das bevorzugen einer beliebigen gruppe bedarf also einer gewissen begründung, die tiefer geht als berge und seen.
tatsächlich ist diese unterschwellig vorhandene annahme aber der grund für vieles, was in der welt schief läuft. es müssen ja nicht mal immer kriege oder ausländerhetze sein, es geht auch viel subtiler. es ist ja so, daß die weltbevökerung immer größer wird, was eine nicht unerhebliche rolle in all den umwelt- und ressourcenproblemen spielt. österreichs bevölkerung wächst übrigens auch, obwohl die geburtenrate ja bekanntlich sooo niedrig liegt, weil es eben auch die zuwanderung gibt. ganz abgesehen davon, daß bevölkerungswachstum offenbar auch nicht unbedingt aus jeder perspektive wünschenswert ist (klar, aus der der kurzsichtigen politik schon, denn mehr steuerzahler bedeuten mehr einnahmen), wird diese entwicklung nicht einfach hingenommen, sondern auch noch in die falsche richtung beschleunigt, indem man die österreicher auch noch ermutigt, mehr kinder zu bekommen. das ergibt nur dann einen sinn, wenn man stillschweigend davon ausgeht, die österreicher müßten ihre mehrheit im land bewahren, weil sie schließlich besser seien als die zuwanderer.
ich frage mich also ernsthaft, ob jemand ohne diese unterschwellige annahme patriot sein kann. wenn ja, gut. muß ich trotzdem nicht haben oder gut finden, aber ich könnte es akzeptieren. wer aber zum gleichen schluß kommt wie ich, daß nämlich patriotismus nur eine oberflächlich entschärfte erscheinungsform des nationalismus ist und nicht von ihn getrennt werden kann, sollte seinen patriotismus ganz schnell wieder überdenken.
aber gut, selbst wenn man auf sein land stolz ist, was genau hat das mit den leistungen eines nationalteams zu tun? haben die auch berge und seen? ist man an der leistung irgendwie beteiligt? ganz abgesehen davon, daß die besten "österreicher" ein kroate, ein türke, ein albaner und ein ungar und die besten "deutschen" zwei polen, ein spanier, ein schweizer und ein ungarischstämmiger brasilianer sind. wie national ist denn so eine nationalmannschaft? aber stimmt ja, merlene ottey ist auch slowenin... nationalitäten sind inzwischen genauso willkürlich wie sonst was, und gerade deshalb sollten sie eigentlich keine rolle spielen. dennoch nehmen viele sie zum anlaß, um über andere menschen zu urteilen, wen gut und wen anderen weniger gut zu finden und "stolz" zu empfinden, ohne irgendeinen persönlichen bezug zu haben.
gehen wir trotz allem mal einen moment vom unwahrscheinlichen aus, und nehmen wir an, österreich würde heute abend tatsächlich gewinnen. es hat in vorfeld geheißen, córdoba sei schon zu lang her, wir bräuchten ein neues wunder (autsch! allein das impliziert schon, daß österreich sich nicht zutraut, aus eigener kraft die deutschen zu schlagen. kann man eigentlich auf wunder stolz sein? oder auf fehlentscheidungen des schiris, siehe schweiz gegen portugal?). das problem ist, daß "córdoba" eine perfekte synekdoche (oder was auch immer, die experten waren sich nicht ganz einig) ist, "wien" hingegen würde nicht so eindeutig funktionieren. und außerdem, was qualifiziert denn einen angenommenen knappen sieg über deutschland zum wunder von wien, was das 4:1 in jahre 1986 oder auch das 3:0 1989 gegen die DDR nicht vorweisen konnten?
das blöde wäre also, daß man das wunder von wien vermutlich eine zeitlang "zweites córdoba" nennen und dann relativ schnell wieder vergessen würde, denn wofür es keinen namen gibt, das streicht man aus dem kollektiven gedächtnis. patriotismus hin oder her, stolz auf die nationalmannschaft sowieso, córdoba ist und bleibt córdoba und kann nicht so einfach überschrieben werden. und natürlich würde niemandem einfallen, auf eine leistung, die irgendwelche leute irgendwo auf der welt irgendwann, als wir noch nicht mal auf der welt waren (ähm, hust... die meisten von uns jedenfalls noch nicht), erbracht haben, nicht stolz sein zu dürfen.
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