Skip navigation.

ein bißchen musiktheorie und all das andere zeug

Posts tagged with "monty python"

lesestoff

, , , ...

bücher zu verschenken ist zu weihnachten ja zum glück recht üblich, wobei buchgutscheine gewisse vorteile haben (nachteile auch, zb. wenn man dauernd welche vom amadeus bekommt und selbst eher bei amazon einkauft). wenn man aber ein und das selbe buch (keine sorge, verschiedene exemplare) gefühlte vierzehnmal verschenkt und damit auch noch in den meisten fällen einen treffer landet, ist das schon was besonderes.

meine bessere hälfte hat letztes jahr zu ihrem geburtstag ein sonderbar aussehendes buch bekommen. auf dem cover steckt ein bunt bemalter porsche die schnauze durch eine romantische englische landschaft. hmm, haben wir uns gedacht. und weil das buch auf englisch war, haben wir es zunächst eine ganze weile liegengelassen.

wenn man sich dann aber entschließt, the eyre affair (dt. der fall jane eyre) von jaspar fforde zu lesen, und sich durch die ziemlich verwirrenden ersten paar seiten kämpft, kann man recht leicht süchtig werden. eine affinität zum englischen humor ist durchaus erwünscht und die grobe kenntnis der englischen kulturgeschichte ist definitiv nicht von nachteil, aber es geht auch ohne.

in der inzwischen fünfteiligen serie geht es unter anderem um die macht der phantasie und der literatur. letztere ist sowas wie ein paralleluniversum, das theoretisch von jedem menschen betreten werden könnte, und in dem es ähnlich schräg zugeht wie auch in unserem eigenen. romanfiguren gehen in urlaub oder laufen amok, neue bücher entstehen im keller einer riesigen bibliothek, über die die grinsekatze wacht, und natürlich gibt es auch verbrecher und bürokraten.

fforde trägt so ziemlich alles zusammen, was durchgeknallt ist, inklusive zeitreisen und deren paradoxa, geklonter mammuts und dodos, einer bösen und fast allmächtigen firma, interessanter religionskonzepte und absolut hirnrissiger spezialagenten. und das ist auch gut so. gleichzeitig ist die ganze serie (trotz aller kleinen widersprüche und inkonsistenzen, die man bei der schaffung einer parallelwelt wohl schwer vermeiden kann) um welten phantasievoller als harry potter, intellektueller als terry pratchett und bietet bessere schlüsse als douglas adams. und seeehr witzig.

es darf also, selbst wenn man sich weder mit den brontë-schwestern noch lewis carroll oder charles dickens auskennt, bei jedem ein fforde auf dem nachtkastl liegen (das ist defintitiv eine aufforderung [das war zufall, aber ein guter]). und selbst wenn die bücher keine lust auf die englischen klassiker machen (also ich muß jetzt weder jane eyre noch great expectations dringend lesen, geb ich zu, obwohl das geniale bücher sein sollen), bekommt man von ihnen vielleicht gerade so viel mit, daß man ein referat drüber halten könnte (das ist wiederum definitiv keine aufforderung!).

richtig schade finde ich, daß meine großmutter, die mir immer sinnlosen postmodernismus vorgeworfen hat, diesen meilenstein postmoderner literatur gerade nicht mehr mitbekommen konnte. nicht nur, weil sie mit granny next ein alter ego in der serie hat, sondern auch weil ich mir sehr sicher bin, daß sie es wahnsinnig genossen hätte. schade.

wenn schon lesestoff, dann richtig. unsere kinder in der schule müssen ja sehr viel lesen, und wie wir alle aus eigener erfahrung wissen, passiert das zu einem gewissen teil nur virtuell (heutzutage vermutlich noch mehr, wir hatten ja keine wikipedia). was schade ist, denn ein buch besteht aus wesentlich mehr als dem bloßen inhalt, und das kann man bei fforde sehr gut nachvollziehen. sollte irgendwer durch diesen blogeintrag zum freiwilligen lesen irgendeines buches angeregt werden, bitte unbedingt ein kommentar hinterlassen.

wir werden übrigens in der schule für die oberstufen probeweise bookcrossing einführen. ich werde es hoffentlich bei der nächsten konferenz im lehrerzimmer vorstellen und dann in den klassen propagieren, und dann schauen wir wie es läuft. kann ja sein, daß unsere schüler überraschenderweise mal etwas sinnvolles als sinnvoll erkennen und was gutes damit anfangen. und wenn das passiert, dann gibts noch mehr lesestoff für alle. und wenn es gut rennt, spendiere ich vielleicht sogar einen fforde fürs schulbookcrossing.

tit for tat

, , , ...

tja, lange hat es gedauert, aber jetzt muß ich langsam die neu zugestiegenen gäste offiziell begrüßen: ein herzliches hallo an alle meinen blog lesenden schülerInnen des SC! ich hab sogar schon ein kleines kompliment bekommen, von wegen ich schreibe angeblich gut. sowas hört man doch immer gern, auch wenn das jetzt leistungsdruck bedeutet.

heute geht es um etwas, was besonders meine A-klassen interessieren könnte, nämlich um spieltheorie im kontext des schulalltags, insbesondere im musikunterricht bei mir. ich habe nämlich heute im gespräch mit einer früheren studien- und nunmehr musiklehrerkollegin festgestellt, daß wir, obwohl man das auf der uni sicher nicht speziell so lernt, sehr ähnliche strategien anwenden.

tit for tat ist eine sehr schöne strategie, die im iterierten gefangenendilemma (und was ist das leben anderes als parallele iterierte gefangenendilemmata) ganz gut, wenn nicht auf dauer am besten, fährt. sie ist ganz einfach: man verhält sich grundsätzlich kooperativ, wenn aber das gegenüber in einer phase unkooperativ handelt, dann "rächt" man sich damit, daß man in der nächsten phase auch unkooperativ ist. sobald das gegenüber aber wieder kooperativ ist, ist man es auch (und bleibt es solange, bis das gegenüber eh scho wissen). und man läßt sein gegenüber erkennen, daß es genau so einfach funktioniert.

das klingt jetzt natürlich wie graue theorie, ist aber genau der ansatz, den ich seit jeher (also seit mitte dezember, vorher hatte ich ja keine gelegenheit dazu) in der schule anwende: grundsätzlich kooperativ sein, wenn aber jemand blöd kommt, dann nix gefallen lassen, sondern auch blöd kommen. und dann wieder kooperativ.

kooperatives verhalten heißt in meinem fall: wir finden gemeinsam heraus, was die klasse interessiert, was sie erreichen möchte und wie wir dazu kommen, und wir setzen es auch gemeinsam in die tat um. aktuelles beispiel: die 5B komponiert im moment ihre eigenen lieder, wobei wir mehrere ansätze parallel verfolgen und damit auf verschiedenen wegen zu sicherlich tollen ergebnissen kommen werden. die 5B ist, wie ihr unschwer erraten könnt, sehr kooperativ, und hat auch was davon.

unkooperatives verhalten heißt in meinem fall: hefte raus, notendiktat oder musikgeschichtewiederholung oder eh scho wissen. ihr wißt alle ganz genau, daß ich euch lang genug zeit gegeben hab, selbst herauszufinden, wie ihr das vermeiden könnt. und jetzt wißt ihr vielleicht auch, was ihr tun könnt bzw. sollt, um dem zu entkommen.

jutta, die oben erwähnte kollegin, hat mir heute von ihrem unterrichtsstil erzählt, und sie folgt dabei ziemlich genau dem selben konzept. ich weiß eh, daß wir (der jahrgang 96 der musikuni) die coolsten sind, aber ich muß hier ganz offen die vermutung aussprechen, daß die meisten lehrer nicht grundsätzlich gemein sind, sondern (wie man annehmen kann, unbewußt, aber einem natürlichen instinkt folgend) von sich aus eher gern guten, lustigen, kooperativen unterricht machen würden.

soll natürlich auch nicht bedeuten, daß es nur an den schülern liegt, daß unterricht nicht immer von gegenseitiger kooperation geprägt ist. vermutlich ist das einfach eine sache, die seit generationen weitergegeben wird: eine postulierte urlehrerschaft, die noch nicht genügend pädagogisch ausgebildet war (ja, solche zeiten soll es gegeben haben, aber dank liesl g. sind sie ja längst vorbei), um mit kleinen, lächerlichen abweichungen von der norm konstruktiv umzugehen, hat irgendwann vor jahrmillionen ihre schüler blöd behandelt. die urschüler reagierten ihrerseits mit unkooperativem verhalten, was natürlich wiederum unkooperatives verhalten der lehrer und wieder die entsprechende konsequenz nach sich gezogen hat. das hat sich dann einfach fortgesetzt bis heute.

überlegt mal: ihr könntet diesen teufelskreis einfach mal durchbrechen. keine ahnung, warum es die 5B bei mir tut, denn die 5B gilt gemeinhin nicht unbedingt als pflegeleichte klasse. sie sind vermutlich einfach gscheit genug, um zu checken, daß sie bei mir einfach auch was lernen können, was sie interessiert, was sie später brauchen können und was ihnen auch noch spaß macht. wer will das sonst noch?

an all jene, die sich bisher nicht angesprochen gefühlt haben: das hier gesagte läßt sich natürlich auch auf andere bereiche des lebens übertragen. und das sag ich ganz ohne erhobenen zeigefinger (tatsächlich sind beide passiv am tippen beteiligt, das ist teil meines ausgeklügelten 3-finger-systems).

and now for something completely different (das erinnert mich daran: wer will, soll mich bitte persönlich nach meinem heutigen familie-gumby-erlebnis fragen, war wirklich schräg) - worte des tages:
transagieren ["ich transagiere mit X (wegen einer karte für das planet-konzert)"]
vic/zinität (mein fremdwortduden kennt beides nicht, ein googlefight geht interessanterweise ganz anders aus, als die händische google-suche, also was ist jetzt richtig?) ["der 5. bezirk weist eine vic/zinität zum 10. auf"]
hierfür [no comment]
und das wort, das offenbar "dämonenabwehrend" bedeutet und das ich leider schon wieder vergessen habe. wenigstens weiß ich, wen ich fragen muß, wenn ich es wieder wissen will.