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ein bißchen musiktheorie und all das andere zeug

Posts tagged with "politik"

kommunikationsproblem

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langsam nervt mich die ganze lehrerdebatte. nicht nur weil fast jeden tag darüber berichtet wird, daß noch immer nix weitergegangen ist, sondern weil es in meinen augen absolut billig wäre, daß was weitergeht. ich halte das ganze für ein großes und ziemlich ungeschicktes kommunikationsproblem von beiden seiten.

die frau ministerin hats vermasselt, als sie damals noch im februar so mir nichts dir nichts verlautbart hat, daß wir lehrer ab nun zwei stunden länger in der klasse stehen sollen. keine frage, in dieser form ist das schwachsinn. seither macht sie lauter zugeständnisankündigungen, die aber am ausgangsproblem scheinbar nicht wirklich was ändern.

gleichzeitig bin ich der meinung, daß das, was sie will, in wirklichkeit eine super sache ist. im wesentlichen geht es ja darum: flächendeckend kleinere klassen, zum teil durch zwei lehrer betreut, das bedeutet weniger vor- und nachbereitungsaufwand (zumindest in der theorie, in der praxis ist es vermutlich wesentlich aufwendiger, erst mal zwei lehrer zu koordinieren und abzustimmen, als allein eine stunde vorzubereiten), weniger korrekturen, weniger disziplinierung und so weiter, also all das, was wir uns wünschen. gleichzeitig haben wir dann zeit, zwei stunden mehr in der klasse zu stehen. so gesehen wird ohne weiteres ein schuh daraus.

wie gesagt, sie hat es einfach wahnsinig schlecht verkauft, daran braucht man gar nicht zu rütteln. doof. hätte sie ihr make-up-budget einem coach oder kommunikationsprofi zukommen lassen, würde sie jetzt auch ohne schminke wesentlich besser aussehen.

die lehrergewerkschaft hingegen nimmt mir die lust an der ganzen debatte, indem sie jede aussage der frau ministerin äußerst polemisch in der luft zerreißt. bei uns im lehrerzimmer hängen immer wieder gewerkschaftsinformationen, die zum teil schon in ihrer aufmachung wenig niveau versprechen. soll nicht bedeuten, daß die gewerkschaft keine gute arbeit macht, im gegenteil, gerade der kleine lehrer von der straße wird ganz gut vertreten, aber diese art der manipulation führt dann genau dazu, daß die fronten total verhärtet sind und wir auf einen streik, einen öffentlichen aufschrei und erst recht auf die ungewollte mehrarbeit (in dieser form wäre sie ja definitiv mehr arbeit) zusteuern. über die rolle der ÖVP, die nach meinung mancher im hintergrund die fäden zieht, will ich hier gar nicht erst spekulieren.

ich verstehe nicht, wieso in politischen diskussionen kein mediator oder verhandlungsfachmann hinzugezogen wird. das allseits bekannte und beliebte harvard-konzept (eine verhandlungsmethode, die auf win-win-situationen abzielt) besagt ja, man solle keine positionen, sondern interessen vertreten. im moment werden positionen diskutiert, von denen keine partei auch nur einen millimeter abrücken will, und dabei bin ich sicher, daß die interessen aller akteure (ministerium, lehrer, eltern, schüler) in wesentlichen punkten absolut deckungsgleich sein könnten. jetzt sitzen also nur leute, die von der materie selbst nur jeweils einseitig, wenn überhaupt eine ahnung haben (wann hat die frau ministerin mal auch nur eine woche in einem lehrerzimmer gearbeitet? und wann haben die damen und herren gewerkschafter ein unternehmen geleitet?), am verhandlungstisch, aber niemand, der sich mit verhandlungen oder entscheidungsprozessen auskennt. eigentlich würde ja wahrscheinlich schon ein drittklassiger workshopmoderator mit einem kleinen koffer voller gelber kärtchen reichen. und klebepunkten, ganz wichtig.

dabei liegt die lösung, wie oben beschrieben, auf der hand. wenn jemand sagen würde, ab september gäbe es aufgrund struktureller veränderungen weniger verwaltungsaufwand, und man könnte die frei gewordene zeit als zweitlehrer nutzen oder neue, kleinere gruppen übernehmen, hätte sich jeder mit handkuß bedankt. es würde nicht mal wirklich was kosten. das einzige problem wäre dann ein räumliches, und dem kann man auch recht einfach begegnen. es wäre ja nicht ganz aus der luft gegriffen, wenn zb. oberstufen nicht ab 8 uhr, sondern erst ab 10 unterricht hätten, dafür aber am nachmittag länger. das raumproblem wäre wesentlich geringer, und die schulen würden nicht den halben tag weitgehend leerstehen. und durch geschickte fächeraufteilung und stundenplanung müßte auch nicht unbedingt jeder lehrer durchgehend in der schule sitzen (was manche so auch schon tun müssen).

die lehrerzimmerproblematik bleibt zugegeben erhalten, wobei es da auch diverse lösungsmöglichkeiten gäbe. wir haben letztes jahr vorgeschlagen, ablage- und arbeitsplatz voneinander zu trennen, was im wesentlichen auch dem modell entspricht, das die frau ministerin ins spiel gebracht hat. im moment kann sowieso niemand auf seinem tisch arbeiten, weil dort lauter sachen liegen (meine liebe kollegin und lehrerzimmernachbarin frau prof. a. legt zb. ihre halben sachen auf meinen tisch, weil ich dort meistens nicht viel rumliegen hab... meistens...). würden die sachen in einem regal liegen, und hätte nicht jeder lehrer einen fixen tisch, könnte jeder, der gerade möchte oder muß, an größeren arbeitsinseln arbeiten, ohne irgendwem in die quere zu kommen. im gegensatz zu büroarbeitsplätzen sitzen wir nämlich nicht den ganzen tag am schreibtisch, das will sicher auch keiner, somit hinken ja alle vergleiche in diese richtung.

man sieht, es bräuchte nicht viel geld, nur ein bißchen kreativität und flexibilität, um strukturell einiges zu bewegen und alle betroffenen zufriedenzustellen. verhärtete positionen führen aber zu konflikten und entweder zu politischem stillstand, was auf dem bildungssektor leider tödlich wäre, oder zu kleinen, erzwungenen kosmetischen reförmchen, was nicht unbedingt besser ist.

so oder so, ich sehe ein wesentlich größeres problem auf uns zukommen, als dies irgendwelche strukturellen fragen je sein könnten. die eltern nämlich. es gibt einige tolle eltern, ich kenne selbst ein paar, nur sind das meist diejenigen, deren kinder auch in ordnung sind. es gibt aber auch die anderen, die aus welchen gründen auch immer ihre kinder auf die welt gebracht haben und sie nun zur erziehung bei uns abgeben. selbst ohne ganztagsschule wird diese einstellung immer stärker, und ich bin mir fast sicher, daß die lustigen 15-jährigen, die bei ihrem ersten sex schwanger werden, es in zehn jahren auch nicht viel anders machen können.

wir haben also plötzlich eine partei in der schule, die forderungen stellt und selbst kaum bereit ist, irgendwas zu leisten. wir haben immer mehr eltern, die ungefragt und unerlaubt in der klasse auftauchen, ihrem kind am gang auflauern oder lehrer weit außerhalb ihrer sprechstunden, zum teil sogar privat, belästigen, gleichzeitig aber nicht schaffen, täglich eine halbe stunde mit dem kind zu verbringen, mal nach der schule zu fragen oder gar hausübungen kurz durchzuschauen. und das sind die selben, die die klappe am weitesten aufreißen, über die schule und die lehrer schimpfen und sie bei höheren instanzen grundlos anschwärzen.

ich habe das glück, daß meine qualifikationen es erlauben, ja sogar nahelegen, der schule irgendwann, wenn es mir reicht, ganz den rücken zu kehren, und für gutes geld den menschen all das beizubringen, was sie eigentlich in einer halbwegs brauchbaren schule bzw. in einem halbwegs brauchbaren elternhaus gratis und ohne aufwand lernen hätten können. der einzige nachteil daran ist, daß ich dabei eine krawatte tragen sollte, um seriös zu wirken. aber nachdem ich in ein paar jahren auch kinder in die schule schicken möchte, liegt es doppelt in meinem interesse, daß da was weitergeht, und zwar in die richtige richtung. und eigentlich sollte das im interesse aller sein.

meine stimme, das singen und ich...

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seit einiger zeit gehe ich wieder auf die uni, wenn auch nur in ein seminar, das die uni gütigerweise für studenten und lehrer gemeinsam anbietet, unter anderem damit beide gruppen von den erfahrungen der anderen profitieren können. das ganze heißt sehnsucht:singen (man beachte die hippe schreib:weise) und geht eigentlich genau um das.

der grundtenor (hmm, das war zufall, aber man sieht, das hier ist eine sehr gute gelegenheit für allerlei gesangsmetaphern) des seminars ist, daß man schülern unmittelbare musikalische erlebnisse bescheren soll, was am unaufwendigsten mittels singen geht. ich muß sagen, dem kann ich einiges abgewinnen, und ich bin in vorletzter zeit leider etwas von diesen unmittelbaren erlebnissen weggekommen, was ich in letzter zeit wiederum nachzuholen versuche.

seminarbegleitend sollen wir stichworte sammeln, was sich während der zeit zum thema "meine stimme, das singen und ich..." tut, weil wir wahrscheinlich in der letzten einheit mit unseren erkenntnissen arbeiten werden. ich schlage natürlich gern zwei fliegen mit einer klappe, wenn es leicht geht, und diesmal geht es leicht: blog und sammeln.

irgendwie war ich in den letzten jahren etwas gesangsfaul, zwar nicht in meinen bands, aber sowas wie chorsingen hat mich wenig interessiert, und im unterricht hab ich singen selten bis nie einfach um des singens willen eingesetzt, sondern eben fast ausschließlich zur erkenntnisgewinnung oder wissensvermittlung (ja, auch das geht). chorsingen interessiert mich zwar immer noch nicht besonders, aber die lust am singen bzw. am ausprobieren mit der stimme ist durchaus zurückgekommen, und auch das singen um des singens willen hat jetzt einen festen platz in vielen stunden. eigentlich ist es sogar eine relativ billige und einfache methode, (vor- und nachbereitungs)zeit zu sparen, so gesehen erfülle ich schon heute die ministerialen vorgaben.

am wochenende nach dem ersten seminar hab ich an einem obertongesangsworkshop teilgenommen, den eine ehemalige studienkollegin gänzlich ohne esoterischen hintergrund gehalten hat (dafür ist auch was weitergegangen, was man von eso-obertongesangsworkshops angeblich nicht behaupten kann). das hat in verbindung mit dem seminar auf der uni einiges in mir ausgelöst bzw. klar werden lassen. die wichtigste erkenntnis beim obertonsingen ist: vor dem klingen kommt das hören. am anfang hört man nämlich gar nicht, was man da tut, und nicht weil man es noch nicht kann, sondern weil man nicht gewohnt ist, darauf zu hören. die obertöne sind ja immer da, wir nehmen sie nur nicht isoliert wahr, sondern hören sie nur als klangfarbe. man braucht einen guten halbtag, bis man ungefähr erahnt, was man da überhaupt produziert. und das hören braucht es aber, um die obertöne dann halbwegs klar isolieren und steuern zu können.

praktischerweise ging es dann in der zweiten seminareinheit auch ums hören bzw. um stille, und wir haben ein paar sehr schöne übungen dazu gemacht, die ich sogar erfolgreich in meinem unterricht reproduzieren konnte (was sonst nicht unbedingt der fall ist. also das reproduzieren schon, das erfolgreich nicht unbedingt). jetzt mache ich in einigen klassen regelmäßig zuhörübungen, und das trägt schon erste früchte. wobei damit definitiv nicht gemeint ist, irgendwelche intervalle oder formen zu hören (das mache ich auch immer wieder, aber das ist eher kapitel erkenntnisgewinnung), sondern einfach zuhören als elementare und heute sehr selten gewordene erfahrung mit unterschiedlichen anleitungen und aufgabenstellungen.

im bezug auf meine stimme hat sich nicht so viel getan, außer daß ich jetzt auch ein bißchen obertonsingen kann und mich autodidaktisch auch am untertonsingen versuche. beides wirkt sich glaube ich auch auf die stimme aus, aber noch mehr auf die wahrnehmung, und die ist glaube ich deutlich sensibler geworden, und zwar in viele richtungen. richtig cool ist zb., daß man, wenn die akustik halbwegs stimmt und man gerade durch stundenlanges obertonsingen sensibilisiert worden ist, in der eigenen sprechstimme die obertöne hört, die je nach vokal schön die obertonreihe rauf- und runtersausen. als hätte man einen vogel (bezogen aufs zwitschern natürlich, nicht auf irgendwas anderes).

im seminar müssen wir auch eine vokale mutprobe für uns ausdenken und uns ihr stellen. meine ist, mal mit einer expertengruppe vokal zu arbeiten. praktischerweise reicht mir schon die expertenheit der gruppe im seminar, da sitzen ja recht versierte musikstudenten und auch ein paar musiklehrer drin, also vom niveau her ist das so ungefähr das höchste, womit zu arbeiten ich je die gelegenheit hatte. das ist für mich durchaus eine mutprobe, denn abgesehen von 2-3 ensembleleitungsstunden anno dazumal habe ich noch nie was vergleichbares mit profis gemacht, und das war auch nicht vergleichbar.

ich habe mich, nachdem ich schon das vorletzte mal meine mutprobe bekanntgegeben habe, schon darauf eingestellt, beim letzten mal spontan was machen zu müssen, aber ich habe nur den auftrag bekommen, das nächste oder übernächste mal spontan was zu machen. jetzt weiß ich nicht ganz, was.

einerseits würde ich gern ein bißchen was anderes machen, als was wir sonst so tun (nämlich singen), zum beispiel sowas wie beatboxen, andererseits wäre das zwar eine vokale betätigung, aber keine mutprobe, denn auf dem gebiet bin ich der gruppe vermutlich (von eventuellen ausnahmen abgesehen) ein wenig voraus. wäre natürlich billig, meine mutprobe ohne mutprobe hinter mich bringen zu wollen, also nein, so nicht. stattdessen denke ich mir jeden tag irgendwas neues aus oder krame was aus meinem gedächtnis hervor, kleine kanons und sowas, und aus diversen gründen fallen sie doch immer durch, und ich muß mir was neues ausdenken oder aus meinem gedächtnis hervorkramen. kreativer zwang sozusagen. ganz schrecklich. das hilft nur ein kräftiges OooMmm...

petras gastkommentar über lehrermehrstunden

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ich habe am wochenende mit dem gedanken gespielt, einen eintrag über die geplanten mehrstunden für lehrer zu schreiben. das thema ist ja in aller munde, und kaum einer hat wirklich eine ahnung davon (leider, wie ich finde). allerdings bin ich am wochenende nicht dazugekommen, und daher hats mich besonders gefreut, daß ich per mail den text einer ehemaligen studienkollegin bekommen habe. ich hätte manches anders geschrieben, aber im großen und ganzen sind wir natürlich auf einer ähnlichen linie. sie hat mir die erlaubnis gegeben, ihren text hier abzudrucken. manches werde ich per fußnote aus meiner sicht hinzufügen. los gehts!

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Liebe alle!

Sicherlich habt ihr alle die derzeit laufende Diskussion über die Pläne unserer lieben Frau Bundesministerin verfolgt, die Unterrichtszeit der Lehrer um 2 Stunden pro Woche zu erhöhen, freilich bei gleichbleibendem Gehalt.
Ich schreibe dieses mail aus dem Grund, weil mich diese öffentliche Diskussion wahnsinnig aufregt, da ich immer mehr den Eindruck bekomme, dass das Bild von uns LehrerInnen in der Gesellschaft ein unglaublich verzerrtes ist. Der Tenor der Bevölkerung ist nämlich nicht, so wie ein denkender informierter Mensch meinen würde, ein unglaublicher Aufschrei ob dieser geplanten Maßnahme und neuerlichen Attacke auf unser Bildungssystem, sondern mehr oder weniger offen geäußerte Zustimmung nach dem Motto "Endlich sollen die mit ihrem Halbtagsjob auch mal was hackeln."
Ich möchte hiermit einige Dinge klarstellen, von denen ich nach wiederholten Erfahrungen in Gesprächen mit Außenstehenden (Eltern, Angehörigen anderer Berufsgruppen) weiß, dass sie der Öffentlichkeit einfach nicht bewusst sind oder sich niemand die Mühe macht, darüber nachzudenken.
Erstens: 2 Stunden mehr unterrichten heißt nicht 2 Stunden mehr arbeiten. Es heißt diese Stunden auch vor- und nachbereiten (=: sich ein pädagogisches Konzept machen, wie man was wann am besten rüberbringt = nachdenken. Dann dazu Material suchen = im Internet, Lehrbüchern, Journalen.... recherchieren. Dann das Ganze aufbereiten = selber ausarbeiten, möglichst noch in ein "Offenes Lernen"-Konzept verpackt = Arbeitsblätter+Lösungsblätter machen,...); das ist aber noch nicht alles, weil das Zeug, das man vorbereitet hat, muss man dann auch noch kopieren / folieren / zusammenschnipseln... Ergo: 2 Stunden mehr unterrichten heißt 4 Stunden mehr arbeiten. Da ist aber noch nicht eingerechnet, dass man mitunter Schularbeiten und Tests macht, Hausübungen verbessert oder gar einen Lehrausgang organisiert. (Von erzieherischer und/oder Betreuungsarbeit wie Streitereien der SchülerInnen schlichten oder Elterngespäche führen, ganz abgesehen.) Natürlich gibt's Schulbücher, die einem einen Großteil der Arbeit abnehmen, aber der gute alte Frontalunterricht (= Buch aufschlagen, vorlesen, Buch zumachen, gehen) ist doch nicht, was wir alle wollen, oder? Weiters: eine Stunde unterrichten ist nicht wie eine Stunde im Büro sitzen. Unterrichten heißt, 50 Minuten ohne Pause ständig konzentriert sein und dabei 20-30 Leute im Auge behalten. Vielleicht ist es so wie als Anwalt verhandeln oder als Arzt operieren (ich sage vielleicht, denn mir ist bewusst, von wessen Arbeit ich eine Ahnung habe und von wessen nicht). Und das mitunter 6 Stunden durchgehend - wenn ich von 8h bis halb zwei ohne Freistunde dazwischen unterrichte, komme ich, man verzeihe die Ausdrucksweise, mitunter nicht mal zum Sch... (und wir wissen alle, wie ungesund das ist). Nach so einem Schultag gehe ich nach Hause und muss erst mal eine Stunde schlafen, um dann die Arbeit von s.o. erledigen zu können.
Zweitens: Es ist ein Humbug, groß zu verkünden, diese Maßnahme gehe nicht auf Kosten der SchülerInnen. Wer, glaubt ihr, zahlt denn drauf, wenn für Vorbereitungen, Projektarbeit oder auch das bloße Korrigieren von Übungszetteln zwei Stunden pro Woche weniger Zeit ist? Die Kinder wird's natürlich vorerst mal freuen, wenn es weniger kontrollierte Hausübungen gibt oder in Fächern, wo es nicht dringend vorgeschrieben ist, keine Tests mehr stattfinden. Dann sind auch die Eltern zufriedener, weil sich die Kinder weniger beklagen, und alle sind glücklich...In Summe bekommen wir aber freilich schlechter ausgebildete Kinder, wird also NATÜRLICH bei der Bildung unserer Kinder gespart und damit bei der Zukunft unseres Landes.
Elternvertreter in den Medien behaupten jedoch, endlich hätten die LehrerInnen mehr Zeit für ihre Kinder, weil sie länger bei ihnen in der Klasse sind. Das erklär mir mal einer: Zwei Stunden unterrichten heißt in meinem Fall, eine Klasse mehr in Musik, also statt 330 360 SchülerInnen. Mehr Zeit für die Kinder???????
Mich ärgert weiters die Aussage, die derzeit oft in diversen Zeitungen zu lesen ist, dass es nämlich den Lehrern nur um ihren eigenen Job ginge und nicht um die Bildung der Kinder, dass also pädagogische Interessen gar nicht diskutiert werden. Also, langsam, zum Mitdenken: Lehrer sind Lehrer geworden, weil sie Kindern etwas beibringen wollen. Verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen der Lehrer, verschlechtern sich also die Rahmenbedingungen, Kindern etwas beizubringen. Es verschlechtert sich also das, warum ich diesen Beruf ergriffen habe. Und das war jetzt nochmal was?.... Ganz klar, um die Kinder kann es hier wohl kaum gehen....
Drittens: Es ist zu hören und zu lesen, dass die Lehrer es mit Effizienzsteigerung, so wie das in der Privatwirtschaft gang und gäbe sei, locker schaffen würden, zwei Stunden weniger Vorbereitungszeit hereinzuarbeiten. Man wirft uns also implizit vor, ineffizient zu arbeiten (oder, wie die Frau Ministerin meinte, ob sie denn eine Gehaltseinbuße von 10% in Kauf nehmen würde - "Ich arbeite mit voller Kraft" - wir das nicht täten.) Erinnert euch an eure eigene Schulzeit und stellt euch einen Lehrer vor, der mit halber Kraft in eine pubertierende 5.Klasse hineingeht...Na? Erraten. Die lieben SchülerInnen tragen ihn auf den Händen wieder hinaus. Außerdem, auch wenn das jetzt hochnäsig klingt: Ich bin klug (IQ = 140). Ich bin konzentriert. Ich bin verdammt effizient bei allem, was ich tue. Schneller geht's nicht - außer man nimmt Qualitätsverluste in Kauf.
Es gibt eine Lehrerarbeitszeitstudie aus dem Jahr 2000, die zu 2/3 vom Ministerium (!) finanziert wurde. Es scheint, dass die Frau Ministerin diese nicht gelesen hat (vielleicht weil sie von der anderen Partei stammt?), in der belegt wird, dass LehrerInnen, legt man ihre wöchentliche Arbeitszeit auch auf die Ferien um, MEHR ALS 40 Stunden in der Woche arbeiten. Dies deshalb, weil es während des Schuljahres Wochen gibt, in denen aufgrund von s.o.(erstens) mehr als 50 Stunden gearbeitet wird.
Woher kommt also die Mär, wir LehrerInnen würden nix hackeln?
Mehrere Gründe fallen mir dazu ein: LehreInnen gehen, sobald sie nicht mehr unterrichten müssen, nach Hause. Was dort passiert, sieht keiner. Warum gehen wir nach Hause? Weil wir dort ARBEITEN KÖNNEN. Zuhause habe ich meinen (wohlgemerkt selbst erworbenen) Computer (in der Schule haben wir 5 Computer für 75 Lehrer1). Ich habe meine (wohlgemerkt selbst erworbenen) Materialien (Bücher, Zeitschriften, Tonträger) und vor allem, ich habe einen Schreibtisch. In der Schule habe ich einen "Arbeitsplatz", gegen den der Käfig einer Legebatteriehenne einem Luxusschloss gleichkommt. Ich kann nicht mal zwei Bücher nebeneinander hinlegen, ohne die des Kollegen nebenan runterzustoßen.
Ein weiterer Grund wäre wohl, dass es natürlich - wie in jedem anderen Job auch - Leute gibt, die einfach unfähig sind, diesen auszuüben. Die Crux der LehrerInnen ist jedoch, dass fast jeder in der Bevölkerung irgendwann mit so einem Mitglied unseres Berufsstandes in Kontakt gekommen ist - weil man im Laufe seiner (höheren) Schullaufbahn doch auf ungefähr 30 -40 Lehrerkontakte kommt. Nehmen wir im Vergleich dazu, sagen wir mal, einen Richter. Auch bei denen wird es wohl unfähige geben, doch merkt der Großteil der Bevölkerung davon halt nix, weil ja nicht jeder mal ein Verbrechen begeht oder anderweitig in einen Rechtsstreit verwickelt ist.
Außerdem: Jeder war mal in der Schule. Was dort passiert, ist nicht immer lustig, ganz einfach deshalb, weil arbeiten nicht immer lustig ist. Kinder werden in der Schule also mitunter zu etwas gezwungen, was in diesem Moment nicht ihr Primärbedürfnis ist. Und das in einem Alter, in dem sie von ihrer psychischen Entwicklung her noch gar nicht in der Lage sind, unangenehme Anweisungen (wie z.B. die Aufforderung, jetzt das Arbeitsblatt auszufüllen anstatt zu spielen) von der Person zu abstrahieren, die diese Anweisung gibt. Was bleibt, ist das Gefühl: der Lehrer ist jetzt zu mir gemein. Später, wenn Menschen über diese psychische Fähigkeit verfügen sollten, geht leider keiner mehr in die Schule, ist also niemand gezwungen, darüber nachzudenken, ob jetzt der Lehrer wirklich gemein war oder nicht. Es wird also dieses unreflektierte Gefühl ganz einfach als Urteil übernommen.
Dann machen Zeitungen Umfragen, ob die Forderung, Lehrer sollten mehr arbeiten (! was ja so nicht stimmt, siehe erstens!), gerechtfertigt sei, und heraus kommt eine Zustimmungsrate von 65%. Würde man eine Umfrage machen, ob, sagen wir, Billa-VerkäuferInnen, Zoodirektoren oder Bundesforstbedienstete 2 Stunden mehr arbeiten sollen, würde die Mehrheit der Menschen doch sagen: Was für eine absurde Frage, ich hab ja keine Ahnung, was die hackeln. Aber bei den Lehrern sind alle Experten, schließlich war doch jeder mal in der Schule und kennt sich daher aus...
Viertens: Die Frau Ministerin verlangt angesichts der schlechten Wirtschaftslage einen Solidaritätsbeitrag von uns LehrerInnen. Ich möchte eines klarstellen: Wenn es unserem Land tatsächlich so schlecht geht, dass eine nationale Kraftanstrengung erforderlich ist, um den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen, bin ich die letzte, die dagegen ist. Aber dann verlange ich dieselbe Kraftanstrengung von allen, die der Staat zahlt, seien das jetzt Ärzte, Richter und Staatsanwälte, Finanzbeamte, Orchestermusiker, Verwaltungsbedienstete, Postler, Bundesforstbedienstete, Politiker oder AUA-Vorstände. Warum gerade wir Lehrer?
Dazu fallen mir wieder zwei Gründe ein: Erstens ist es populär, so etwas zu sagen. Und zweitens muss ja gerade im Bildungsministerium ein Schulversuch finanziert werden (ich rede von der Neuen Mittelschule), bei dem in Fächern wie Deutsch, Mathematik oder Englisch nicht ein, sondern zwei Lehrer in der Klasse sind. Das kostet also...mal zwei rechnen kann wohl jeder selbst. Aber, soweit ich weiß, wird der zweite Lehrer eh nur halb bezahlt. Außerdem - was wohl die meisten nicht wissen: Hauptschullehrer werden von den Ländern bezahlt, Lehrer der Mittelschule jedoch vom Bund. Und es sind fast ausschließlich Hauptschulen, die an diesem Schulversuch teilnehmen...Weiters braucht die Frau Bildungsministerin Geld für die versprochene Ganztagesbetreuung (selbst wenn man, so wie ich, für die Betreuung von 20 Kindern am Nachmittag pro Stunde netto € 6,25 bekommt, ist das ein Haufen Geld. Als ich mir das ausgerechnet hatte, wollte ich mit der Putzfrau tauschen, weil die putzt nämlich immer nur ein Klo gleichzeitig, das noch dazu auch nicht frech ist).
Ich möchte abschließend folgendes klarstellen: Ich mache eine verdammt harte Arbeit2. Und es ist eine verdammt wichtige Arbeit. Und: Ich mache sie gerne3. 90% meiner Kollegen machen sie auch gerne und arbeiten engagiert. Wir haben gerade wieder eine Kollegin mit 55 Jahren aufgrund von Burn-Out in die (natürlich schlecht bezahlte) Frühpension verloren. Ich beklage mich nicht darüber, dass meine Arbeit mitunter mühsam ist. Ich beklage mich nicht, dass ich dafür soviel bezahlt bekomme wie eine bessere Sekretärin (und die 57.000 Dollar Jahresverdienst, die die Kronenzeitung berichtet hat, soll mir diese Zeitung bitte auch bezahlen). Aber ich wünsche mir, dass meine Arbeitsbedingungen nicht verschlechtert werden, und ich wünsche mir, dass ich für meine Arbeit die Anerkennung bekomme, die ihr gebührt.
Und abschließend die Bemerkung einer Zwölfjährigen, als ich gestern mit einer 2.Klasse diese Problematik diskutiert habe und wir überlegt haben, was denn an der Schule nun so teuer ist und als ein Punkt die Ausweitung der Nachmittagsbetreuung aufgetaucht ist: "Aber wir wollen doch gar nicht in der Schule von irgendwelchen Lehrern betreut werden. Wir wollen, dass unsere Eltern Zeit für uns haben."
Wer immer von euch Kinder hat: Sie brauchen eure Zeit. Sie brauchen gar nicht ständig immer eure volle Aufmerksamkeit. Aber sie brauchen eure Anwesenheit. Das kann niemand ersetzen. Und bitte geht mal zu den Lehrern eurer Kinder, auch wenn ihr denkt, da passt eh alles. Bedankt euch für ihre Arbeit. Es tut nämlich sonst keiner.

Liebe Grüße,
eine sehr verärgerte
Petra

P.S.: Wer bis zum Schluss durchgehalten hat - ihr könnt und sollt dieses mail bitte auch weiterschicken, an alle, die's interessiert, wie es wirklich ist. Und auch an alle, die's nicht interessiert.

P.P.S.: Wer es nicht weiß: Ich unterrichte Musik und Russisch an einem Gymnasium.

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1 wir haben 2. aber vielleicht sind wir ja auch keine 75, sondern nur um die 65 lehrer... muß ich direkt mal nachzählen.
2 ich auch!
3 ich auch!

homo bürokraticus

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sehr schöne sache. ich muß für die bundesrepublik österreich ein von der republik ungarn ausgestelltes schriftstück X produzieren, das beweisen soll, daß ich x bin (was das inhaltlich ist, ist unerheblich, und man kann es sich eh denken). nun, das vorhaben hat mich von anfang an etwas verstört, kann ich doch getrost davon ausgehen, daß die republik ungarn seit gut 20 jahren nicht wirklich was über mich weiß - schon gar nicht, ob ich x bin oder nicht.

im naiven glauben, ein reisepass und eine geburtsurkunde würden ausreichen, ging ich mit meinem reisepass und meiner nigelnagelneuen geburtsurkunde (eigentlich auszug aus dem geburtenbuch, aber das ist in ungarn das selbe) (nigelnagelneu deswegen, weil ich meine alte, sprich originale, schon länger nicht gesehen habe, obwohl ich an all den üblicherweise zu erwartenden stellen nachgeschaut habe) (sind solche doppel- bzw. jetzt sogar dreifachklammern überhaupt erlaubt? ich weiß, ich hätte es auch eleganter lösen können, indem ich die zweite gleich nach nigelnagelneu eingefügt hätte, aber jetzt ist es wohl zu spät.) zur botschaft. nach einer kurzen suche (sie hat sich versteckt! das letzte mal war sie noch woanders!) habe ich die botschaft, die konsularabteilung und eine gerade nicht beschäftigte ansprechpartnerin gefunden.

ich habe ihr mein anliegen vorgetragen, worauf sie mir mit einem müden lächeln die unmöglichkeit meines vorhabens mitteilte: das ganze geht natürlich nur in begleitung, also brauche ich es allein gar nicht erst versuchen. und außerdem reichen meine schriftstücke sicher nicht aus, aber das weiß sie nicht so genau, und ich soll bitte auf die zuständige dame warten.

nach einer ganzen weile kam dann eine andere, offenbar halb zuständige dame, die mir einen zettel, der die ganze zeit in reichweite des schalters und daher auch der ersten dame lag, unter die nase hielt, die eine wunderbar ausführliche liste aller erforderlichen schriftstücke enthielt. unter anderem würden sie all meine meldezettel seit meiner ankunft nach österreich vor 20 jahren brauchen, weiters diverse bestätigungen, die bestätigen, daß ich einen wohnsitz in ungarn habe, daß ich keinen wohnsitz in ungarn habe, daß ich mich erlaubterweise in österreich aufhalte (erlaubt nicht durch die bundesrepublik, denn das dürfte aus aufenthaltsgenehmigung und tonnen von meldezetteln ersichtlich sein, sondern durch die republik ungarn) und sowas.

ja, das habe ich mir auch schon gedacht: es ist mathematisch unmöglich, all diese schriftstücke vorzulegen, weil sie einander teilweise widersprechen. aber, das sagt mir mein gesunder menschenverstand, es würde vermutlich ausreichen, einfach meinen status mit tonnen von papier zu belegen, und es würde schon klappen. vermutlich deswegen, weil man es nie so genau weiß.

ich habe mir also diverse weiterführende unterlagen organisiert. eine besagt, daß ich in ungarn nicht mehr gemeldet bin (zumindest dort nicht, wo ich vorher gemeldet war, aber wo das war, mußte ich nicht nachweisen, also ist da schon eine potentielle lücke gegeben), eine andere ist die bestätigung, daß ich ungarn tatsächlich verlassen habe und nicht mehr dort wohne. redundant, würdet ihr sagen, aber das ist bei solchen dingen nie falsch.

mit wie ich dachte allen erforderlichen dokumenten ging ich wieder zur botschaft, einfach mal um zu fragen, ob ich denn nun wirklich alles habe. die selbe dame wie letztens schaute sich meine papiere mit hilfe der genannten liste an, sagte, daß sie glaube, es würde passen, aber ich soll mal auf die zuständige dame warten. die andere, halb zuständige, war auch in der nähe, fühlte sich aber diesmal offenbar ganz und gar unzuständig. also setzte ich mich hin.

in der knappen halben stunde (ich weiß, das ist für amtswege nicht sonderlich lang, aber dafür, daß ich nur fragen wollte, ob alles paßt, meiner meinung nach schon) habe ich bekanntschaft mit diversen persönlichen schicksalen und ihrem kampf gegen die bürokratie machen dürfen. aus datenschutzgründen und weil sie nacherzähl nicht halb so spektakulär sind wie in echt, werde ich sie nicht nacherzählen.

nach der halben stunde ging ich wieder zum schalter und drängelte mich frech vor. manche leute müssen ja arbeiten, und die schule wartet nicht, und meine unterlagen lagen direkt beim schalter, aber auf der innenseite. ich bat die dame, mir selbige wieder auszuhändigen oder einfach frech zur zuständigen dame vorzudringen und sie um begutachtung meiner dokumente bitten, was sie auch tat, wenngleich widerwillig.

die diagnose der expertin lautete: fast vollständig. ein schriftstück (dasjenige, das beweist, daß ich an meinem ehemaligen wohnsitz nicht mehr gemeldet bin) muß ich mir auch original schicken lassen, das war nur eine kopie (das sehe ich fast noch ein, selbst wenn es ob dieser redundanz nicht unbedingt notwendig wäre. amtspersonen haben eine natürlich abneigung gegen kopien, das verstehe ich.), und mein aktueller meldezettel ist ihnen zu alt. ich meine, hallo, meldezettel! hat jemand in österreich jemals was anderes gebraucht, um seinen meldestatus zu bestätigen? nein. wieso dann gerade für die ungarn? aber gut.

nächste station: bezirksamt brigittenau, meldedingsbums. da gab es dann auch so moderne errungenschaften wie nummern, und ich hatte sogar eine, die bald dran war. bald ist relativ, aber drei nummern lang warten ist durchaus im rahmen des erträglichen. da habe ich dann bei einer freundlichen und überraschend sympatischen dame mein bedürfnis nach einer meldebestätigung vorgebracht und mit einem amtlichen lichtbildausweis unterstrichen. sie fand meine daten im computer und begann sie umständlich per hand auf ein formular zu schreiben. ich saß daneben und sah ihr beim handschreiben zu.

als sie dann fertig war, mußte ich mit einem ausdruck (wo kam der denn plötzlich her?) zur kassa, um meine drei obulonen zu entrichten. drei nur deshalb, weil ich die bestätigung der ungarischen botschaft widmen (sonst 13,20 € zeugnisgebühr) und weil ich die dame den wisch selbst handschriftlich schreiben ließ (sonst 13,20 € antragsgebühr! offenbar ist das selber schreiben weniger aufwendig als das lesen meiner schrift). auf dem weg zur kassa im dritten stock sah ich einige schicksalsgenossen, die in bester asterix- und obelixmanier (asterix erobert rom, 1975) die stufen rauf- und runterhetzen mußten, von schalter zu schalter. ich mußte nur einmal hinauf und dann wieder runter (ich bin bei behördengängen schon sowas wie ein profi, bei mir klappt das meiste beim ersten versuch) und durfte dann sogar ganz ohne nummer wieder ins zimmer und meine meldebestätigung abholen, die in der zwischenzeit (etwa 2 minuten) auf wundersame weise aus dem drucker wuchs. das ganze hat nur ein handbeschriebenes und drei quasi identische, ca. zu je einem fünftel bedruckte A4-blätter verbraucht, natürlich exklusive der eigentlichen bestätigung.

jetzt muß ich nur noch auf mein original aus ungarn warten, und dann kann ich endlich mit meiner begleitperson zur botschaft, wo ich nur noch die zuständige dame zu gesicht bekommen muß. ich bin sicher, irgendwas wird ihr nicht passen, aber diesmal ist mir das egal. denn wie ich mitgekriegt habe, läuft es jetzt eh auf folgendes hinaus:

die republik ungarn kann nicht bestätigen, daß ich x bin. dazu ist sie nicht in der lage, weil ich nicht in ungarn registriert bin. die ganzen dokumente brauche ich nur, um das beweisen zu können. ich muß ihnen also beweisen, daß sie nix über mich wissen. und wenn das geklappt hat, darf ich eine erklärung abgeben, daß ich x bin. nachdem ich alles andere schriftlich belegen mußte, werden sie mir genau das wesentliche einfach so glauben und mir ein zeugnis darüber ausstellen. und die bundesrepublik österreich wird ihnen das abnehmen.

denkt ihr das selbe was ich denke? ja, es ginge auch einfacher - es würde ja reichen, wenn mir die bundesrepublik diese erklärung abnehmen würde. hier bin ich ja lückenlos belegt und registriert, dokumentiert und alles. eigentlich, aber das sage ich nur unter vorgehaltener hand, müßte ich strenggenommen ja gar nichts dergleichen erklären oder belegen, weil die bundesrepublik die erste instanz wäre, die wüßte, wenn ich nicht x wäre... denn wenn sich der zustand ändert (das steht bald bevor, dafür brauch ich ja erst den ganzen papierkram), ist die bundesrepublik live dabei.

na jedenfalls scheint die ganze odyssee auf ein ziel zuzusteuern. wenn ich das original aus ungarn habe und mit meiner begleitperson bei der botschaft nach stundenlangem warten die erklärung abgeben durfte, werde ich noch gerichtlich beglaubigte übersetzungen anfertigen lassen dürfen, und schon kann ich alle unterlagen bei der bundesrepublik einreichen. übersetzungen deswegen, weil a) nicht davon auszugehen ist, daß eine österreischische vertretung der republik ungarn in einer anderen als der ungarischen sprache irgendwelche zeugnisse ausstellen kann und b) die bundesrepublik österreich nicht einmal mit einer in drei sprachen (u, e, f) ausgestellten geburtsurkunde viel anfangen kann.

immerhin habe ich im zuge der suche nach meinen alten meldezetteln meine originale geburtsurkunde gefunden. jetzt habe ich also zwei. man weiß ja nie, wo diese dünnen biester immer verschwinden, ich habe diverse dokumente doppelt, und das ist gut so (jetzt wißt ihr auch, wieso ich so ein profi bin - übung macht den meister). so kann ich mir also ein amtsschimmelkäsebrot gönnen und auf meinem amtsschimmel dem sonnenuntergang entgegenreiten. yippieh!

schneechaos und gotik, sprich dritte dimension und wechselnde blickwinkel

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letzten montag hat es in london so extrem geschneit, daß alle ryanair-flüge nach stansted gestrichen waren und angeblich der zug- und busverkehr in und um london komplett darnieder lag (komischerweise kenne ich persönlich eine person, die trotzdem in stansted landen und dann über london nach oxford fahren konnte. offenbar sind die news aus aller welt auch nicht ganz verläßlich). aus den medien hatte man hier den eindruck, england würde im chaos komplett untergehen.

tatsächlich kam es wohl am montag zu einigen beeinträchtigungen, die auch gute gründe hatten. die engländer haben eher selten schnee und sind demnach nicht wirklich dafür gerüstet. in stansted gibt es angeblich gar keine schneeräumungsgeräte, in heathrow gibt es welche, die auch in aktion waren, bis ihnen der platz zum schnee hinräumen ausging, und die züge können bei schnee nicht fahren, weil die weichen im gegensatz zu unseren nicht geheizt und daher bei eis und schnee nicht funktionstüchtig sind (die genannten infos habe ich alle aus erster hand von diversen in england lebenden personen).

dienstag früh war der spuk dann vorbei, wir konnten wie geplant landen, die züge fuhren mit wenigen ausnahmen und der schnee war weitestgehend weg oder zumindest auf dem rückzug. aber das nur am rande.

gleichzeitig habe ich mich gewundert, wieso alle welt so ein theater drum macht. ich meine, hierzulande schneit es doch einigermaßen regelmäßig, und es gibt auch einigermaßen regelmäßig mehrere schneechaosse im jahr. im november, wenn der erste schnee fällt; im dezember oder jänner, wenn der zweite schnee (der erste richtige, der dann auch bleibt) fällt; und wenn es so schneeregnet wie gestern, dann auch wieder. gut, bei uns steht nicht die ganze infrastruktur still, aber stundenlange staus, u-bahnausfälle und sehr unverläßliche öffis gibt es trotzdem. da finde ich es fast eleganter, wenn man weiß, bei schnee geht nix, denn dann geht man gar nicht erst aus dem haus, die schüler und die arbeitende bevölkerung bekommen automatisch frei, und alle wichtigen termine sind einfach auf den nächsten tag verschoben. bei uns hingegen wird man in falsche sicherheit gewiegt und kommt dann erst recht stunden zu spät und ist auch noch selbst schuld.

so gesehen dürfen wir schneechaostechnisch niemandem was vorwerfen, denn andere haben es womöglich nur alle 15 jahre und gehen damit trotzdem cooler um als wir, die es mehrmals im jahr heimsucht. sind wir nicht eine große schneenation, die ein bißchen schnee problemlos schnupfen können sollte? ein schneechaos in england ist eine laune der natur, bei uns aber ein deutliches zeichen für dummheit, fehlplanung und versagen.

den wunderschönen sonnigen dienstag haben wir dann im leicht gezuckerten cambridge verbracht, was mich an meine früheren reisen durch südengland erinnert hat. einige meiner intensivsten erfahrungen damals hatten mit gotischer architektur zu tun, und davon sieht man in cambridge wirklich viel. die gotik hat schon was geniales, gar nicht so wegen den ornamenten, sondern wegen dieser art, in den raum hineinzuragen und ihn dadurch zu strukturieren und zu zerreißen. das finde ich einfach wahnsinnig faszinierend. und die gotik betritt die dritte dimendion nicht nur, indem sie hineinragt, also zum beispiel in die höhe wächst, sondern sie spielt auch mit ihr, indem sie zum beispiel wunderbare windschiefe (im geometrischen sinne des wortes, nicht im abschätzig-landläufigen) und aus jedem blickwinkel anders wirkende strukturen erlaubt und auch enthält. das macht architektur erst wieder in der moderne, wenn ich mich nicht irre.

die beiden dinge haben nun auf den ersten blick wieder nix miteinander zu tun, aber für mich persönlich sehr wohl. ich bin nämlich gar kein besonderer schneefan, jedenfalls nicht, wenn er schon liegt und öde dahinschmilzt. wenn er aber fällt, dann finde ich das schon sehr cool. wenn ich wollte (will ich nicht, aber wenn!), könnte ich stundenlang im schneegestöber stehen, mit kindlicher faszination nach oben blicken und mit offenem mund den dreidimensionalen tanz der schneeflocken beobachten. und diese dreidimensionalität ist das, was für mich schnee und gotik gemeinsam haben. und das (und nur das) ist auch an american football und sonstigen ansonsten nicht sonderlich interessanten sportarten ästhetisch oder sonstwie ansprechend.

zum thema dreidimensionalität und wechselnden blickwinkeln gab es auch im tate modern viel zu sehen, zum beispiel diverse skulpturen von henry moore und konsorten, aber auch sehr interessante und mir bisher unbekannte von hélio oiticica, die zum teil die grenze der dritten dimension gerade nur so ein wenig penetrieren, oder auch minimalistische spiegelskulpturen, die leider nicht wirklich begehbar waren. es ist schon ganz was anderes, wenn man sich in einem kunstwerk befindet, wie auch zb. im jüdischen mahnmal in berlin, als einfach nur davor zu stehen. und ich muß sagen, im tate modern habe ich die skulpturen fast durchwegs interessanter gefunden als die an sich auch nicht gerade uninteressanten gemälde. es war also insgesamt eine reise voller dreidimensionalitäten und wechselnder blickwinkel.

und wenn wir schon bei wechselnden blickwinkeln sind, laßt mich bitte noch ein thematisch mit den bisherigen ganz und gar unzusammenhängendes thema mit den bisherigen zusammenhängen. in england ist so vieles anders als hier, nicht nur der umgang mit dem schnee. in den pubs herrscht rauchverbot, aber es stört niemanden, und tausende engländer stehen selbst bei minusgraden und schnee hemdsärmelig mit einem ale in der einen und einer zigarette in der anderen hand draußen vor dem pub, und es funktioniert auch (überhaupt sind in london viele schanigärten in betrieb und werden auch frequentiert, sogar trotz fehlender heizstrahler). und viele pubs schließen um elf, sprich bis dahin herrscht wirklich hochbetrieb (wirklich! da stehen die leute in der tür und können sich kaum bewegen), und es funktioniert trotzdem, da ist kein kellner überfordert und alle bekommen ihre getränke, und um elf sind die meisten besoffen genug, um heimzugehen und zuhause noch ein bißchen abendprogramm zu gucken.

was wir daraus lernen, ist nichts anderes als daß man die selben dinge auf eine million unterschiedliche arten regeln kann. und wer könnte von sich behaupten, die ultimative und allen gleichermaßen entgegenkommende regelung zu finden? niemand. und deswegen, aber das wissen wir bereits aus anderen posts, bin ich absolut kein fan davon, daß jemand anderen sagt, wo und wie es langgeht. und so kann ein unschuldiger post über schnee und gotik auf umwegen zu einer grundlegenden sehr politischen aussage führen.

babyfotos, private meinungen und was man sonst noch im internet (nicht) veröffentlichen sollte

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ich habe gerade heute früh einen ganzen haufen von meinem vater eingescannter baby- und kinderfotos von mir und meinen geschwisterchen bekommen. für den privaten gebrauch wohlgemerkt, also werde ich sie hier nicht alle veröffentlichen. ein kleiner rest privatsphäre darf sein.

aufmerksamen bloglesern und irgendwelchen cyberstalkern aus der 5a wird aber schon mal mein foto auf dem töpfchen aufgefallen sein, das hier eine ganze weile mein profilfoto war und woanders noch immer ist. das war bisher leider auch das einzige, das ich digital hatte, aber das hat sich ja jetzt geändert. mein neues lieblingsfoto ist dieses hier, weil es auch meine spätere berufung vorwegnimmt:
nun wissen wir ja, daß man heutzutage einigermaßen aufpassen sollte, was man in welcher form wo ins internet stellt, denn wenn etwas in die falschen hände gerät, einen zweifelhaften eindruck erweckt oder sonst irgendwie belastend wirkt, wirkt es eben belastend.

ich glaube, mit zwei kinderfotos bin ich halbwegs noch auf der sicheren seite, überhaupt bin ich der meinung, daß es recht wenige bis gar keine richtig kompromittierende fotos von mir geben dürfte, sofern zb. biertrinken an einem gemütlichen abend nach einem anstrengenden hundeschlittenfahrtag nicht kompromittierend ist. peinlich ist wieder eine andere geschichte, wir alle haben ja in unserer jugend modische und frisurtechnische fehltritte begangen, und ich war eben auch auf diesem gebiet ein furchtloser wegbereiter. das war zum glück noch vor der digitalära, und wenn ich glück habe, landen diese bilder nie im netz. und ich habe einen guten anwalt.

bei anderen dingen muß man natürlich besser aufpassen. ich finde, man darf ruhig eine private meinung haben und im gegebenen kontext artikulieren, die sich von der offiziellen meinung, die man im beruf vertreten sollte, unterscheidet. vermutlich finden das die islamlehrer auch, die jetzt als ach so böse und antidemokratisch hingestellt werden. wo und wann der geeignete kontext ist, ist natürlich nicht immer ganz leicht zu entscheiden.

[das hat jetzt mit dem thema nur am rande zu tun, aber der eigentliche skandal ist, daß eine angeblich anonymisierte umfrage mit derart suggestiv gestellten fragen solche reaktionen auslöst, aber selbst nicht hinterfragt wird. mit der statistik kann man vielen leuten ein ei legen, und genau das ist hier wohl auch passiert (ob bewußt oder unbewußt, sei dahingestellt, jedenfalls wars extrem dumm). vor allen dingen müßte man prüfen, ob die umformulierung der fragen oder auch das befragen einer anderen bevölkerungsgruppe andere ergebnisse erbringen würde. und auch das ist aufmerksamen lesern meines blogs nicht entgangen: wenn ich in einer anonymen umfrage meine private meinung über die in österreich praktizierte parlamentarische demokratie preisgeben müßte, wäre sie auch negativ. wobei ich bei anonymen umfragen, wo man zb. seine unterrichtsfächer angeben muß, sowieso alles andere als anonym bin.]

ich habe jedenfalls kein problem damit, meine privat geäußerte politische meinung hier zu argumentieren. kann natürlich schon sein, daß irgendjemand mal drüberstolpert, dem das nicht gefällt, aber es herrscht hierzulande immerhin meinungsfreiheit (ein sehr schöner aspekt einer echten und nahezu uneingeschränkt gültig auch in einer pseudodemokratie). andererseits gibt es wiederum themen, die so privat oder so öffentlich sind, daß es sich nicht wirklich schickt, darüber zu schreiben. so zum beispiel das thema selbstmord(versuche), zu dem ich einen leider wirklich sehr direkten persönlichen bezug und eine sehr konkrete meinung habe und dieser tage auch einen anlaß und eine sagen wir mal etwas unerwartete literaturempfehlung gehabt hätte. aber wie gesagt, zu privat oder zu öffentlich, wie mans haben will. daher bleibts also bei kinderfotos und privaten meinungen über die demokratie.

willkommen am freien markt

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2009 soll ja ein wirtschafskrisengebeuteltes jahr werden. eigentlich ein guter anlaß, um mal ein paar gedanken loszuwerden, die mich schon eine weile beschäftigen. mag sein, daß ich total daneben liege, aber zumindest bin ich in dieser causa nicht der einzige.

so wie ich es sehe, ist die ganze wirtschaftskrise in erster linie ein großes kommunikationsproblem. es geht ja nicht darum, daß irgendwer jetzt plötzlich weniger geld zur verfügung hätte (gut, die leute mit fremdwährungskrediten, immofinanz-aktien und dergleichen schon, aber die hätten wissen können [oder sollen], daß sowas risikobehaftet ist), aber darum gehts ja in der wirtschaft auch gar nicht. der wirtschaft geht es gut, wenn das geld hin- und herfließt, und schlecht, wenn es das nicht tut. und eine wirtschaftskrise zeichnet sich eben dadurch aus, daß keiner sich traut, sein geld zu investieren, weil er angst davor hat, daß er das, was er sich üblicherweise von solchen investitionen verspricht (und damit sind bei weitem nicht nur, und schon gar nicht in erster linie wertpapiere oder dergleichen gemeint), nicht zurückbekommen wird.

als die wirtschaftskrise noch eine finanzkrise war, hat es schon geheißen, daß das problem darin liegt, daß die banken sich nicht mehr trauen, einander oder irgendwem geld zu borgen. das vertrauen in den kreditnehmer ist also verschwunden. und wie wird aus einer solchen finanzkrise eine wirtschaftskrise? auch das wurde schon im spätsommer, aber auch schon in den jahren und jahrhunderten davor festgestellt: indem man schlechte stimmung verbreitet und damit das vertrauen aller menschen ins wirtschaftssystem ins wanken bringt. man hätte sich also durchaus erwarten können, auch mal etwas positives zu hören.

leider, und das ist meines erachtens das größte problem, hört man kaum etwas positives. ja, das weihnachtsgeschäft ist so gut gelaufen wie noch nie, ABER das wird sich sicher rächen... ja, der euro ist mal wieder total stark, ABER das ist wiederum schlecht für die exporte... blablabla. es wäre auch ein wunder, wenn es der wirtschaft nicht schlechter ginge, wenn man täglich mit sowas bombardiert wird.

ok, ich hab leicht reden, ich hab einen krisensicheren job, eine schöne wohnung, keine kredite laufen, keine wahnsinnig riskanten wertpapiergeschäfte und kein auto. aber ich bin offenbar nicht der einzige, der sich leisten kann, das weihnachtsgeschäft zu beleben - und damit auch nicht der einzige, der der meinung ist, uns gehe es doch recht gut und wir könnten die sache wieder ins positive kehren. wieso spricht das nur niemand laut genug aus?

wenn ich so zurückdenke, waren die wirtschaftsnachrichten eigentlich schon lange eher negativ. das platzen der dot-com-blase ist jetzt schon ein gutes jahrzehnt her, und auch 9/11 war nicht erst gestern, und ich habe immer erwartet, daß es der wirtschaft auch mal besser geht. heute heißt es, wir hätten eine phase der hochkonjunktur durchlebt, und ich frage mich, wieso ich das wort hochkonjunktur in den letzten zehn jahren (zumindest in den medien, die ich konsumiere) nicht wahrgenommen habe. was hat man stattdessen wahrgenommen? massenentlassungen, zurückgeschraubte investitionen, sparmaßnahmen und sowas. hat irgendwer hier irgendwann in den letzten jahren das gefühl gehabt, wir hätten gerade hochkonjunktur? ja, uns ging es gut, aber in den nachrichten hat man immer das gegenteil gehört.

es stimmt, es gibt viele firmen, denen es nicht mehr so gut geht wie vor einem jahr, das hängt aber meines erachtens nur zum teil mit banken und aktien zusammen. ich glaube, viele probleme sind hausgemacht, und jetzt, in vermeintlichen krisenzeiten, werden sie erst sichtbar und führen dazu, daß die krise wirklich eine wird.

allein in den vergangenen paar jahren sind einige wirklich gute haushaltsprodukte, die wir regelmäßig konsumiert haben, durch minderwertigere ersetzt worden. was mache ich zum beispiel mit müllsäcken des selben fabrikats, die seit neuestem halb so dünn sind und damit eine normale portion haushaltsmüll nicht mehr zusammenhalten können? was mache ich mit dermatologisch getesteten hygieneartikeln, wenn meine haut auf die neue, verbesserte formel mit reizungen reagiert? oder einer zahnpasta, die einen würgereiz erzeugt?

man kann nicht ohne ende sparen, indem man das produkt immer billiger macht. irgendwann ist es zu billig und kann nix mehr, und der kunde wandert zur konkurrenz ab - und dann hat man umsonst gespart, weil man noch mehr daran verdient. das gleiche macht zb. auch die post, die auf die wachsende konkurrenz damit reagiert, ihren einzigen echten strategischen vorteil, die flächendeckend vorhandene infrastruktur, aufzugeben. schlau.

das ist übrigens das gleiche, wie wenn firmen die weihnachtsfeier streichen. ja, auf den ersten blick kommt es billiger, auf den zweiten ist das aber eine jährliche investition, die wesentlich weniger kostet als vieles nur marginal notwendige im laufenden betrieb, den angestellten aber sehr viel gibt. wie reagiert ein angestellter, wenn ihm alles, was spaß macht, genommen wird? nun ja, er wird nicht unbedingt härter arbeiten.

man kann also sowohl am konsumenten als auch am mitarbeiter vorbeimanagen. sehr schön sieht man es auch an der autobranche, der es im moment wirklich schlecht geht. ich behaupte, daß das nur teilweise mit der finanzkrise zusammenhängt. klar, es wollen plötzlich weniger leute autos kaufen. aber warum? vielleicht nicht nur wegen den fremdwährungskrediten, nein. ich glaube, das könnte auch damit zusammenhängen, daß die autoindustrie in den letzten jahren sehr viele wichtige ausfahrten verpaßt hat. gibt es denn billige, umweltfreundliche, flexible und hippe familienautos für die stadt? es will halt nicht jeder ein SUV oder einen hummer, und auch das viel gehypte KTM-auto ist eher was für männermagazine als für menschen. es war nur eine frage der zeit, bis der markt irgendwann ablehnend reagiert. die finanzkrise war wohl eine willkommene ausrede, und jetzt gibt es zum glück die politik, die die autobranche retten darf... und damit den steuerzahler, der dafür blechen darf, daß etwas, was er nicht wollte, weiter bestehen bleibt.

und damit wären wir schon beim nächsten stichwort. wie es hier schon einige male nachzulesen war, bin ich kein großer freund von staatlichen eingriffen. der allgemeine tenor geht aber gerade jetzt eher dahin, daß der freie markt an allem schuld ist und wir mehr staatliche eingriffe brauchen und bekommen werden. nun ja, schöne theorie, nur mit einem kleinen schönheitsfehler: es gibt und gab niemals einen freien markt.

die fiesen neoliberalisten haben uns gleich zwei eier gelegt. erstens haben sie jetzt mehr möglichkeiten zum eingriff, und wer sitzt in der politik, wenn nicht die fiesen, reichen und damit auch politisch mächtigen neoliberalisten, die die spielregeln jetzt noch mehr nach ihren vorstellungen gestalten können, und zweitens haben sie uns für jahrzehnte den freien markt ausgeredet. dabei war der markt nie frei, denn es gab schon immer zölle, steuern, regulative eingriffe, höchstgrenzen und andere regelungen, und schon immer haben die sie gestalten dürfen, die das nötige kleingeld dazu hatten.

ich bin mehr als überzeugt, daß ein freier markt, der diesen namen verdient (vorzugsweise in einer demokratie, die diesen namen verdient), sich tatsächlich selbst reguliert. ein wirklich freier markt hat unserem pseudo-fm nämlich einiges voraus: natürliche regelkreise, die die dinge ohne eingriffe von außen regeln, und mündige konsumenten.

es gibt eine menge sehr einfacher mechanismen, die im jeweiligen kontext sehr deutlich zeigen, wie simpel es ist, ein laufendes system stabil zu halten. den fliehkraftregler, der aufgrund seiner trägheit die geschwindigkeit von windmühlen und dampfmaschinen auf konstantem niveau hält, oder ein seil, mit dessen gewicht man die flughöhe (ich weiß, man sagt ballonfahren, nicht -fliegen, aber heißt es dann auch fahrhöhe?) eines heißluftballons stabilisieren kann, kennt man seit jahrhunderten. und genauso gibt es auch regelsysteme am freien markt, die aber nur greifen können, wenn nicht irgendwer daherkommt und von außen drüberregelt.

es gibt einige probleme mit eingriffen von außen, besonders seitens der politik. erstens sind sie immer langsam. jeder, der mit leicht kippenden dingen arbeitet oder spielt, wird bestätigen, daß es schon zu spät ist, wenn man das kippen wahrnimmt - eingreifen müßte man viel früher, wenn höchstens mal ein leichtes trudeln zu spüren ist, oder vielleicht noch früher, indem man das kippen voraussieht. das wird eine regulierende behörde niemals leisten können. zweitens sind komplexe systeme nicht trivial zu durchschauen, was man ja auch daran sieht, daß es viele voneinander deutlich abweichende blicke auf die wirtschaft und dementsprechend auch viele voneinander deutlich abweichende vorschläge gibt, was nun zu tun wäre. die entscheidung darüber wird immer eine interpretation der beobachtungen erfordern, die potentiell falsch ist, und dann womöglich noch mühsame diskussionen und faule kompromisse, die jede mögliche positive auswirkung noch abschwächen werden.

wir erinnern uns an die bösen leerverkäufe. sie sind ja ganz schnell zum sündenbock ernannt und zum glück ganz schnell eingeschränkt oder gar verboten worden. daß sie aber eigentlich ein wichtiges korrektiv an der börse darstellen und dem allgemeinen trend entgegenwirken könnten, wenn man sie ließe, wird offenbar ignoriert. und der freie markt hat noch ganz andere solche regelmechanismen eingebaut. wir haben also auf der einen seite ein system, das sich auf natürliche weise selbst stabilistert, und auf der einen seite mächtige männer mit viel geld und einfluß, die es besser wissen. das ganze erinnert frappant an george w. bush auf dem segway... und wie das ausgegangen ist, wissen wir ja.

wenn es so weitergeht, wird die krise also durchaus noch tiefer gehen. wie jede krise hat sie aber auch ein paar gute seiten, zb. ist man definitiv in einigen dingen zum umdenken gezwungen (es lebe das müllsackerl vom spar!). wenn man schon etwas aufgeben muß, und das wird man in einigen punkten sicher müssen, kann man sich ja gleich nach sinnvollen und nachhaltigen alternativen umsehen. das wiederum bedeutet, daß es sicher nicht ohne massenentlassungen und dergleichen gehen wird, denn auf lange sicht wird eben die autoindustrie nicht mehr so viele leute in den gleichen positionen wie bisher beschäftigen können, aber wenn man es klug angeht, findet man neue nischen.

der große vorteil gegenüber 1929 ist die tatsache, daß wir sehr stark vernetzt sind und daß information eine mächtige waffe darstellt, die jeder zuhause hat oder bei sich trägt. mag sein, daß die mächtigen größere waffen haben, aber wir sind mehr. und wenn wir die panikmache ignorieren, weiterhin, wenn auch mit bedacht, unser geld investieren, die richtigen leute und firmen unterstützen und unser schicksal selbst in die hand nehmen, anstatt auf den gelben brief zu warten, könnte es durchaus sein, daß es uns in absehbarer zeit noch besser geht als davor.

in diesem sinne: fuck wirtschaftskrise!

patriotismus, córdoba und falsche fälle (alles was der fußball braucht)

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das wirklich verwunderliche ist, daß die meisten tatsächlich daran glauben. ich meine, natürlich, die chancen, daß österreich heute abend deutschland schlägt, sind potentiell vorhanden, der ball ist rund und die schiedsrichter nicht immer ganz auf der höhe. aber darum soll es hier auch nicht unbedingt gehen.

ich habs ja leicht, weil ich kein österreicher bin. ich sehe mich nicht mal wirklich als wahlösterreicher, ich hatte nie so richtig die wahl, ich lebe einfach hier, und es paßt ganz gut. jedenfalls wird sogar mir immer wieder mangelnder patriotismus vorgeworfen. anlaß genug, meine gedanken zu diesen unsäglichen begriff zu verewigen.

ich gebe offen zu, daß sich der sinn des konzepts "patriotismus" mir nicht wirklich ganz entschließt. angeblich geht es ja darum, stolz auf sein land zu sein. ja gut, klingt irgendwie logisch, aber wenn man das ein wenig hinterfragt, bleibt nicht viel über.

ich bin gern stolz. ich bin stolz auf dinge, die ich selbst erreicht, getan oder ermöglicht habe. ich bin stolz auf menschen, die ich zumindest einen teil ihres lebensweges begleiten durfte und die leistungen vollbracht haben, mit denen ich zumindest in einen indirekten bezug stehe. aber kann ich auf dinge oder menschen stolz sein, mit denen ich nix zu tun habe? wenn ja, dann kann ich beliebig auf alles stolz sein - oder eben auch nicht.

warum ist man stolz auf ein land? ein nicht unerheblicher teil der patrioten ist es, weil sie rein zufällig da geboren worden sind. wären sie also in ghana oder auf den falkland-inseln geboren, wären sie eben auf ghana oder die falkland-inseln stolz. diesen leuten fallen dann so tolle begründungen ein wie "österreich ist doch ein schönes land. wir haben berge und seen." (nachzulesen in aktuellen falter). na wenn das die basis des patriotismus ist, hut ab. kaum ein land hat berge und seen.

anders sieht es natürlich bei all jenen aus, die sich freiwillig für ein land entschieden haben. klar, wenn jemand nach österreich kommt und hier bleiben will, weil es ihn hier so gut gefällt (so viele berge und seen!), dann hat er eine bewußte wahl getroffen. diese leute dürfen auch in meinen weltbild das land ihrer wahl gut finden (von mir aus auch stolz darauf sein). witzigerweise werden gerade einwanderer von den oben erwähnten geburtspatrioten selten als einheimische akzeptiert. wer ist jetzt der echte patriot? der, der grundlos auf sein geburtsland stolz ist, oder der andere, der es sich ausgesucht hat? und wenn der einwanderer zusätzlich auch noch stolz auf sein geburtsland ist? ist er dann doppelpatriot? gilt das überhaupt?

das gefährliche am patriotismus ist, daß er in einen auf den ersten blick unschuldigen gewand daherkommt ("ich bin ja nur stolz auf mein land, weil berge und seen und so"), tatsächlich aber nur vor den hintergrund einer einstellung "wir sind besser als die anderen" einen sinn ergibt. als wären wir nicht alle menschen, die - natürlich nicht alle gleich, wie es fälschlicherweise immer wieder behauptet wird - alle das gleiche recht auf unterschiedlichkeit haben und in größeren ansammlungen durchaus die gleiche oder zumindest eine vergleichbare mittelmäßige mischung ergeben wie andere menschen in ähnlich großen ansammlungen. das bevorzugen einer beliebigen gruppe bedarf also einer gewissen begründung, die tiefer geht als berge und seen.

tatsächlich ist diese unterschwellig vorhandene annahme aber der grund für vieles, was in der welt schief läuft. es müssen ja nicht mal immer kriege oder ausländerhetze sein, es geht auch viel subtiler. es ist ja so, daß die weltbevökerung immer größer wird, was eine nicht unerhebliche rolle in all den umwelt- und ressourcenproblemen spielt. österreichs bevölkerung wächst übrigens auch, obwohl die geburtenrate ja bekanntlich sooo niedrig liegt, weil es eben auch die zuwanderung gibt. ganz abgesehen davon, daß bevölkerungswachstum offenbar auch nicht unbedingt aus jeder perspektive wünschenswert ist (klar, aus der der kurzsichtigen politik schon, denn mehr steuerzahler bedeuten mehr einnahmen), wird diese entwicklung nicht einfach hingenommen, sondern auch noch in die falsche richtung beschleunigt, indem man die österreicher auch noch ermutigt, mehr kinder zu bekommen. das ergibt nur dann einen sinn, wenn man stillschweigend davon ausgeht, die österreicher müßten ihre mehrheit im land bewahren, weil sie schließlich besser seien als die zuwanderer.

ich frage mich also ernsthaft, ob jemand ohne diese unterschwellige annahme patriot sein kann. wenn ja, gut. muß ich trotzdem nicht haben oder gut finden, aber ich könnte es akzeptieren. wer aber zum gleichen schluß kommt wie ich, daß nämlich patriotismus nur eine oberflächlich entschärfte erscheinungsform des nationalismus ist und nicht von ihn getrennt werden kann, sollte seinen patriotismus ganz schnell wieder überdenken.

aber gut, selbst wenn man auf sein land stolz ist, was genau hat das mit den leistungen eines nationalteams zu tun? haben die auch berge und seen? ist man an der leistung irgendwie beteiligt? ganz abgesehen davon, daß die besten "österreicher" ein kroate, ein türke, ein albaner und ein ungar und die besten "deutschen" zwei polen, ein spanier, ein schweizer und ein ungarischstämmiger brasilianer sind. wie national ist denn so eine nationalmannschaft? aber stimmt ja, merlene ottey ist auch slowenin... nationalitäten sind inzwischen genauso willkürlich wie sonst was, und gerade deshalb sollten sie eigentlich keine rolle spielen. dennoch nehmen viele sie zum anlaß, um über andere menschen zu urteilen, wen gut und wen anderen weniger gut zu finden und "stolz" zu empfinden, ohne irgendeinen persönlichen bezug zu haben.

gehen wir trotz allem mal einen moment vom unwahrscheinlichen aus, und nehmen wir an, österreich würde heute abend tatsächlich gewinnen. es hat in vorfeld geheißen, córdoba sei schon zu lang her, wir bräuchten ein neues wunder (autsch! allein das impliziert schon, daß österreich sich nicht zutraut, aus eigener kraft die deutschen zu schlagen. kann man eigentlich auf wunder stolz sein? oder auf fehlentscheidungen des schiris, siehe schweiz gegen portugal?). das problem ist, daß "córdoba" eine perfekte synekdoche (oder was auch immer, die experten waren sich nicht ganz einig) ist, "wien" hingegen würde nicht so eindeutig funktionieren. und außerdem, was qualifiziert denn einen angenommenen knappen sieg über deutschland zum wunder von wien, was das 4:1 in jahre 1986 oder auch das 3:0 1989 gegen die DDR nicht vorweisen konnten?

das blöde wäre also, daß man das wunder von wien vermutlich eine zeitlang "zweites córdoba" nennen und dann relativ schnell wieder vergessen würde, denn wofür es keinen namen gibt, das streicht man aus dem kollektiven gedächtnis. patriotismus hin oder her, stolz auf die nationalmannschaft sowieso, córdoba ist und bleibt córdoba und kann nicht so einfach überschrieben werden. und natürlich würde niemandem einfallen, auf eine leistung, die irgendwelche leute irgendwo auf der welt irgendwann, als wir noch nicht mal auf der welt waren (ähm, hust... die meisten von uns jedenfalls noch nicht), erbracht haben, nicht stolz sein zu dürfen.

feminismus, chorgesang und sammelbilder

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gestern abend war ich bei einem konzert, wo meine wesentlich bessere hälfte mit ihrem chor lauter kompositionen von frauen aufgeführt hat. das machen sie immer wieder mal, jedenfalls gabs schon mal vor ein paar jahren ein ähnliches programm fast ausschließlich von komponistinnen (damals hat sich irgendwie der herr von webern hineingeschmuggelt, wenn mich nicht alles täuscht), und diesmal so richtig mit konsequent und ausschließlich und so, und das ganze gleich im radiokulturhaus mit einer moderatorin, die mit radiosprecherstimme durchs programm geleitet hat.

ich finde es natürlich interessant, wenn man sowas macht, schließlich sind komponierende frauen nicht nur in der unterzahl, sondern in der regel auch unterrepräsentiert. andererseits geht es nicht nur ums was, sondern auch ums wie, und da muß man schon ein bißchen aufpassen, daß man sich dabei nicht zu sehr verkrampft.

die dargebotene musik hatte durchaus das niveau, das man sich bei einem mehr oder weniger zusammengewürfelten programm erwartet (außer dem geschlecht der komponistinnen gab es für mich keinen erkennbaren roten faden), zur ausführung kommen wir später, und die fragen, die das ganze und im speziellen auch die moderation aufwarfen, sind zumindest interessant.

es ist schon richtig, daß man frauen, die auf der bühne der kulturgeschichte bestenfalls zweite geige spielen, ins rampenlicht rückt, aber muß das immer mit einem nicht offen ausgesprochenen, unterschwelligen feminismus einhergehen? der ist nicht nur überholt, sondern besonders dann einigermaßen peinlich, wenn die betreffenden frauen gleichzeitig immer wieder (bewußt? unbewußt?) an männern gemessen, mit männern verglichen oder sonstwie an ihr geschlecht (im sozialen sinn, gender hätte also besser gepaßt, mir ist aber trotz mehrerer verschiedener düden und -pedias nicht gelungen, das grammatikalische geschlecht von "gender" zu eruieren [germanistin? hilfe!]. soviel zum thema geschlechterproblematik.) erinnert werden. will sagen: wer mit steinen wirft, sollte drumherum kein glashaus bauen.

die moderatorin hat zb. alle erwähnten frauen in ein großes soziokulturelles umfeld eingebettet, indem sie ihre überwiegend männlichen lehrer, förderer, verwandte usw. erwähnt hat. das könnte zwar in manchen punkten durchaus interessant sein, zb. ob felix m.-b. seine schwester fanny viel gehenselt hat, spätestens bei einer langen liste an lehrern, die eh keiner kennt (ok, mir als studiertem musikerzieher sagt der name franz schmidt etwas. die anderen haben selbst mir als studiertem musikerzieher nix gesagt. und wem außer mir sagt der name franz schmidt etwas? eben.), hört es aber auf, interessant zu sein, und man beginnt zu überlegen, inwiefern es wohl von belang ist, eine fast zweistellige anzahl von männern anzuführen, um die reputation einer frau zu unterstreichen. interessanterweise hat die dame auch selbst einmal festgestellt, daß sie sich eigentlich genau das verkneifen wollte, hat aber dann genauso weitergemacht.

man kann aber auch vom regen in die traufe kommen (auf ungarisch könnte man jetzt das mit der anderen seite vom pferd anführen, das trifft es eigentlich viel besser), indem frau sich dann bemüht, einer der beiden persönlich anwesenden komponistinnen unbedingt die nennung einer frau, die sie stark geprägt hat, zu entlocken. ich meine, mich persönlich haben viele menschen geprägt, frauen wie männer, und wenn jemand darauf bestünde, unbedingt nur über die frauen was zu erfahren, würde er ihnen damit unrecht tun, denn das unterstellt, daß ich sie sonst (wenn das geschlecht egal wäre) nicht erwähnt hätte. entweder es gab eine frau, die ich auch so nennen würde (und die gab es, mehrere sogar), oder eben nicht. also ich weiß nicht.

die angesprochene komponistin, und das erwähne ich nur, weil es genau dem entspricht, was die fachliteratur sagt, nämlich daß frauen dann anders behandelt werden als männer, wenn sie sich anders verhalten (ganz ohne die wertung, ob das gut oder schlecht ist, einfach als feststellung), gab einmal eine bemerkung von sich, die man leicht in die kategorie "typisch frau" stecken könnte, wenn man gern irgendwelche dinge irgendwohin steckt. die moderatorin las einen kurzen, von besagter komponistin verfaßten text vor, in dem jene nicht nur wahnsinnig gscheite sachen festgestellt (so, daß ich mir sogar überlegt habe, diesen text meinen siebenten vorzulegen, weil genau das, worum es ging, bei uns im moment ein thema ist), sondern auch noch die perfekte balance zwischen eingängigen gemeinplätzen und vielsagenden, sehr interessanten überlegungen gefunden hat, und schickte ein lob hinterher, das im allgemeinen applaus fast unterging. die komponistin bedankte sich daraufhin und fügte hinzu: "das hab ich nur schnell mal im zug geschrieben...". und das ist dann genau der punkt, wo man denken darf: dieses sich-kleiner-machen-als-man-ist (und das ist nicht gleichzusetzen mit durchaus sympatischer demut, selbst wenn dieses wort für manche vielleicht etwas anachronistisch klingt, sondern geht weit darüber hinaus) könnte genau der punkt sein, wo man sich erst bewußtmacht, daß die wirklich klugen worte zuvor von einer frau geschrieben worden sind.

die grundidee des feminismus, frauen die gleichen rechte und möglichkeiten einzuräumen wie männern, ist sehr gut (und ist nur eine teilmenge der absolut wichtigsten humanistischen forderung, allen menschen die gleichen rechte und möglichkeiten einzuräumen), das kann aber nur dann funktionieren, wenn frauen eben in erster linie als menschen und nur in zweiter als menschen mit einem bestimmten gender gesehen werden. frauen sind toll, und zwar in jeder hinsicht, und was täten wir ohne sie? aber in manchen punkten ist es kontraproduktiv, sie durch ihr soziales geschlecht zu definieren, insbesondere dann, wenn das eigentlich vorrangig durch den vergleich mit dem anderen sozialen geschlecht geschieht. so wirds nix, mädels.

die ausführung des konzerts war durchaus ok, wenngleich ich sagen muß, daß die männer mich nicht überzeugt haben (das ist jetzt nicht als gender, sondern als musikalischer fachausdruck gemeint). irgendwie zu weich und schwammig und zu oft unsicher, was besonders bei prägnanten einsätzen sehr stark durchkam. allerdings gab mir dies gelegenheit dazu, ein bißchen über chorgesang nachzusinnen.

ich weiß nicht ob ihr es wußtet, aber in meiner späteren schulzeit war ich recht aktiv als chorsänger unterwegs. ich war natürlich im schulchor, daneben in einem evangelischen kirchenchor, einem gospel- und jazzchor, habe aus mitgliedern des schulchors ein quartett rekrutiert (nur ein auftritt mit mäßigem erfolg) und dann in der siebenten dem schwächelnden schulchor meinen eigenen, zum teil aus bis dahin absolut schulchorignoranten mitschülern zusammengewürfelten chor entgegengesetzt (mehrere auftritte, verhältnismäßig großer erfolg, wir durften neben schulmessen auch bei der hochzeit einer lehrerin und einer messe einer anderen schule singen). eigentlich arg.

ich kann mich auch noch an zwei schlüsselerlebnisse erinnern, also eigentlich ein schlüsselerlebnis mit zwei werken. es muß '95 gewesen sein, als ich in dem kleinen kammeln in alterlaa, wo wir unseren PC (man beachte den singular!) stehen hatten, auf der encarta-CD jeweils kurze ausschnitte aus zwei renaissance-messen gehört habe. schon das erste mal war eine intensive erfahrung, aber ich habe mir die paar takte immer wieder angehört und mir sogar die entsprechenden CDs gekauft, um auch den rest genießen zu können. es handelt sich um das den anfang des sanctus aus der missa pange lingua und das "gloria patri" aus der missa in tempore paschali. sowohl der zweistimmige kontrapunkt von josquin als auch die komplexe, im betreffenden abschnitt aus der homophonie gerade nur stellenweise ein bißchen ausbrechende klangfülle von byrd haben es mir wirklich wirklich wirklich angetan. ich denke seit gestern darüber nach, aber unter all meinen vielen passiven musikalischen schlüsselerlebnissen würde ich wohl eindeutig diese beiden hervorheben.

gleichzeitig muß ich feststellen, daß mir chorgesang inzwischen nicht mehr wahnsinnig viel gibt. mag daran liegen, daß ich viele mittelmäßige chorproduktionen gehört habe, oder auch an anderen dingen, wer weiß das schon. interessanterweise finde ich den chorklang im vergleich zu gemischter oder rein instrumentaler musik auch wesentlich weniger substanziell. das geht so weit, daß ich chorgesang weit weniger analytisch höre und mir sogar schwer tu, klänge zu erkennen, besonders wenn sie rein akkordisch ablaufen (etwaige kontrapunktische floskeln bieten dann schon eine gewisse orientierung). und typisch für diese empfindung ist auch, daß ich mir lange nicht wirklich vorstellen konnte, wie die engelsgleiche (ebenfalls ein schlüsselerlebnis um '95, eigentlich sogar ein metaschlüsselerlebnis, schiller beschreibt in maria stuart genau diesen eindruck: "Wie wurde mir, als ich ins Innre nun / Der Kirchen trat und die Musik der Himmel / Herunterstieg und der Gestalten Fülle / Verschwenderisch aus Wand und Decke quoll", nur daß ich im gegensatz zu mortimer dadurch nicht katholisch wurde) musik von byrd in sowas profanem wie notendruck existieren könnte (diese illusion habe ich mir dann in der bibliothek der musikuni selbst zerstört).

allerdings bin ich dabei, meine wertschätzung für den chor schön behutsam von unten wieder aufzubauen, z.b. mit hilfe der 6B, die gefallen an archaischem chorklang gefunden zu haben scheint und sich langsam mit mir in die spannende welt der frühen mehrstimmigkeit vorwagt. ein bißchen an der basis zementieren, dann nochmal renaissance, barock und klassik drüber festigen, und wer weiß, vielleicht fange ich bald auch was mit romantischer chormusik an. mal sehen.

damit die lange rede auch einen kurzen sinn bekommt, muß ich noch eine idee präsentieren. als ich heute beim mäci einem bedürftigen mann mein gratis panini-sammelbild geschenkt habe, hatte ich nämlich eine. ist jetzt nichts, wo alle vor lauter coolheit in jubel ausbrechen, aber vielleicht witzig. musiktheorie auf sammelbild- bzw. sammelalbumbasis.

natürlich ist es pädagogisch wertvoll, wenn schüler selbst schreiben, denn immerhin aktivieren sie dabei bestimmte gehirnregionen. nur macht man allzu oft die erfahrung, daß sie das gar nicht wollen und dann eben doch nicht mitschreiben, auch nicht wenn sie sollten. ich habe schon hefte abgesammelt, in denen interessante kartoffelförmige gebilde die in den seltensten fällen genau fünf linien bevölkern, und zwar selbst bei näherem hinsehen komplett ohne system. wer also nicht schreiben will, schreibt entweder wirklich nicht oder eben einen kas.

gut, sammelbilder sind auch keine garantie für komplette unterlagen, sind aber vermutlich ein bißchen witziger als fade hefte. es könnte so laufen: ich drucke einen haufen noten auf selbstklebendes etikettenpapier aus und bringe sie in der gewünschten anzahl, aber vermischt unter die leute. die bekommen gleichzeitig arbeitsblätter mit freien feldern, in die sie die jeweils richtigen noten einkleben sollen. dann müssen sie überlegen, tauschen und einpicken. nebst all dem wirbel, den das verursacht (wirbel kann ja auch gut sein), fördert das die kommunikation und die teamarbeit, und die ergebnisse sind auch sauberer und leichter zu kontrollieren (wieviele fehler sind es eigentlich, wenn jemand in einer tonleiter zwei töne zu wenig hat? und wenn die fehlenden töne auch noch fehlende versetzungszeichen aufweisen? ist nicht immer ganz einfach).

ist doch eine gute idee.

kurzstreckengrenze

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ein schöner titel, finde ich. und anhand der gleichnamigen verkehrstechnischen banalität, deren existenz mir heute seit ewigkeiten überhaupt erst wieder aufgefallen ist, werde ich mal wieder einen gewohnten philosophischen rundumschlag starten. oder so. aber vermutlich ist es eh einfach so, daß einem genau das auffällt, was mit seinem momentanen thema irgendwie zusammenhängt. oder zumindest fällt einem der jeweils konstruierte zusammenhang dann auf. wie auch immer.

wie gesagt, heute ist mir in der straßenbahn aufgefallen, daß es diese kurzstrecken tatsächlich noch immer gibt. mal ehrlich, hat irgendjemand schon mal eine dieser kurzstrecken bewußt und sachgemäß in anspruch genommen? oder kennt irgendjemand irgendjemanden, der schon mal eine dieser kurzstrecken bewußt und sachgemäß in anspruch genommen hat? glaube nicht. wie auch immer.

an sich sind diese kurzstrecken schon eine gute erfindung. man nimmt etwas nur zu einem geringen teil in anspruch und zahlt dafür auch nur entsprechend wenig. wobei das wort "wenig" in verbindung mit den wiener verkehrsbetrieben ja einigermaßen ungeschickt gewählt ist, selbst wenn man nur einen geringen teil in anspruch nimmt und dafür entsprechend wenig zahlt. wie auch immer.

jedenfalls wäre das prinzip durchaus auch auf andere bereiche des lebens erweiterbar. zum beispiel auf die politik. man wählt nur für ein jahr und zahlt dafür weniger steuern. ist klarerweise mit mehr arbeit verbunden (öfter wählen), dafür ist man vielleicht mit dem ergebnis zufriedener. soweit man halt mit dem ergebnis solcher wahlen überhaupt zufrieden sein kann. das ist aber eine andere geschichte. wie auch immer.

irgendwie finde ich im moment, daß ich auch an einer art kurzstreckengrenze angekommen bin. es ist keine echte grenze, nur so ein gedankliches konstrukt, aber vom gefühl her durchaus nicht unwichtig. irgendwie glaube ich nämlich, daß mein letztes semester im katholischen privatgymnasium meines vertrauens begonnen hat.

soll nicht heißen, daß ich mich nicht wahnsinnig freuen würde, länger zu bleiben, im gegenteil. ich würde mich wahnsinnig freuen. und zumindest meine wahlpflichtfachkinder würden sich auch ein bißchen freuen. oder so. na jedenfalls habe ich irgendwie im gefühl, daß das trotzdem nix wird. wie das leben so spielt. wenn es doch was wird, freu ich mich umso mehr, wenn nicht, bin ich wenigstens nicht enttäuscht.

sei es wie es ist, ich mach mir jedenfalls noch immer jeden tag (ok, immer wieder. aber das ziemlich regelmäßig) gedanken, was ich anders, idealerweise besser machen könnte. auch wenn ich das den schülerInnen nicht unbedingt so kommuniziere, gehe ich davon aus, daß alles (strenggenommen nur fast alles, liebe 5A), was unterrichtstechnisch schiefgeht, sprich nicht zu einem exzellenten ergebnis führt (mit zufriedenstellend geb ich mich nicht zufrieden), irgendwie auch meine schuld ist. irgendwie.

einfaches beispiel. natürlich ist es pädagogisch total wertvoll und so, daß man schülern, die zb. kein heft mithaben, eine am deckel gibt (pädagogisch natürlich, nicht tatsächlich). manche vergeben dafür minusse (minüsse? mini? minūs?), ich lasse schüler viel lieber die konsequenz spüren, indem alle, die ihre sachen beisammen haben, diese in der regel auch zum nachschauen verwenden dürfen und damit in der regel besser fahren als die schlampigen bzw. vergeßlichen. aber. das ändert nix daran, daß das für manche schüler einfach ein spiel ist und sie sich selbst mit schlechten noten nicht als verlierer empfinden, sondern eher als gewinner, wenn sie den unterricht aufhalten können. und irgendwie haben sie von ihrer warte aus ja auch recht. ich war ja auch zum teil genausoeiner.

aber. mir ist heute eine recht einfache und elegante lösung eingefallen. statt heft machen wir einfach mappe, und die blätter muß keiner mitnehmen, weil die im jeweiligen raum einfach in ausreichender menge verfügbar sind. zahlt klarerweise die klassenkassa, kommt immer noch billiger als wenn jeder ein heft kaufen muß, und es vergehen nicht 10% der unterrichtszeit damit, daß die vergesser sich lauthals zetteln organisieren müssen. und für die paar, die sich am anfang des jahres vollständige hefte kaufen und nach zwei wochen mit drei zerrupften blättern da sitzen, stellt das auch eine gewisse verbesserung dar. somit ist es weiterhin möglich, das mitnehmen bzw. nichtmitnehmen der unterlagen auf diese oder jene weise zu sanktionieren, aber das wird vom eigentlichen arbeitsprozeß getrennt, indem für neuen stoff oder gar für lernzielkontrollen immer ausreichend leicht zugängliches material vorhanden ist. irgendwie genial, oder? werde ich in meiner nächsten schule sicher so machen. man lernt ja dazu.

ich hatte auch noch eine andere idee. ich lasse ja das gelernte in der drauffolgenden stunde immer wiederholen, um zu schauen, ob es überhaupt verstanden worden ist. das funktioniert in den meisten fällen nun sagen wir bescheiden. dabei bin ich ein lehrer, dem das verstehen wichtiger ist als das auswendiglernen, und ich finde, in einem fach wie musik ist das auch durchaus akzeptabel und argumentierbar. blöderweise testen meine wiederholungen aber eher die merkleistung, wenn auch nur dessen, wo sie das besprochene aufgeschrieben haben. ist ja durchaus eine herausforderung für einige.

stattdessen könnte ich mir gut vorstellen, die stunde gleich mit frischem stoff zu beginnen und gegen ende (vor oder nach dem potentiellen singen) jeder stunde eine kleine verständnischeckung durchzuführen. da tauchen dann hoffentlich noch die letzten unklarheiten auf, die man gleich beseitigen kann, und gelegenheit zur mitarbeit ist auch für all jene gegeben, die fest vorhaben, ihre sachen beim nächsten mal nicht mitzuhaben oder sich in der zwischenzeit gedanklich nicht die bohne mit meinem stoff zu beschäftigen. grundsätzlich haben also alle was davon. und das werde ich in nächster zeit mal erproben. ich glaube nämlich, daß so rum sogar die merkleistung automatisch erhöht wird.

eine kurzstrecke endet, die nächste beginnt, aber das ist ja meistens nur an der durchsage zu merken. wer steigt schon an kurzstreckengrenzenstationen aus...? na gut, strenggenommen die meisten, weil das häufig die größeren kreuzungen und umsteigemöglichkeiten sind, aber ihr wißt schon, was ich meine. wie auch immer.