Posts tagged with "tonika"
Saturday, 21. February 2009, 16:26:59
tonika, experience, dominante, wunschzettel
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es ist eigentlich zufall, aber irgendwie doch nicht, jedenfalls passiert es immer wieder, daß ein unterrichtsthema in verschiedenen klassen und schulstufen, oft auch von ganz verschiedenen seiten kommend, mehr oder weniger gleichzeitig behandelt wird. ich mache meine jahresplanung sicher nicht extra danach, aber manchmal taucht etwas zeitnah in verschiedenen umgebungen auf und kumuliert dann aufgrund des betriebenen aufwandes und benötigten materials. letztes schuljahr waren es zum beispiel diverse mittelalterliche themen, wobei das in erster linie am mittelalter-schwepunkt lag, dieses jahr unter anderem der generalbass, und der nächste heiße kandidat ist haydn. im moment ist es jedoch der blues, und das paßt mal wieder auch auf anderen ebenen.
mir liegt der blues ziemlich am herzen, weil sich im wesentlichen die gesamte pop- und rockgeschichte auf irgendwelche spielarten dessen zurückführen läßt. die abstammung ist nicht immer ganz offensichtlich, aber gerade das ist ja so spannend daran. und faszinierend ist der blues allemal, weil er seit gut 100 jahren nach den selben einfachen prinzipien funktioniert und sein wesen beibehält, obwohl er sich sehr gut in verschiedene strömungen und moden integrieren kann.
eines dieser prinzipien ist das blues-schema, und das bedeutet, ich kann mal wieder ein wenig musiktheorie hineinstreuen, aber es wird nicht viel, versprochen. beeindruckend am blues-schema ist ihre einfachheit und ihr gleichzeitiges potential zur vielschichtigkeit. außerdem fällt es aus dem rahmen üblicherweise symmetrisch oder periodisch gebauter musikalischer formen, ohne daß das irgendwem unangenehm auffallen würde.
wie man weiß, hat das blues-schema drei zeilen, in deren erster sich fast nix, der zweiten nicht viel und der dritten dafür umso mehr tut. es kommt mit den drei hauptstufen aus und wäre daher eindeutig durbezogen und diatonisch, was allerdings durch andere elemente des blues verwischt wird. mit stufenbezeichnungen sieht es in der einfachsten üblichen form so aus:
I - I - I - I
IV - IV - I - I
V - IV - I - (V)
das ist noch nicht sonderlich spektakulär, und statistiker würden sofort anmerken, daß sieben der zwölf akkorde auf der ersten stufe stehen. die V. kommt überhaupt nur einmal, am anfang der dritten zeile, tatsächlich stilbildend zum tragen, am ende ist sie nämlich nur ein sogenanntes turnaround, also eine kadenz zur I. stufe des anfangs zurück, und kann auch weggelassen werden. aber gerade durch dieses statistische ungleichgewicht ist das funktionale gewicht der IV. und V. stufe umso höher, und irgendwie ist es beim blues nicht die I. stufe, die man herbeisehnt, sondern die anderen beiden.
die dreizeiligkeit wird in vielen (nicht allen) songs, die auf dem blues-schema basieren, textlich auf eine interessante art und weise unterstützt, indem die erste textzeile wiederholt wird (melodisch übrigens meistens auch). klassische bluestexte haben also nur zwei geschriebene textzeilen pro strophe, wobei die wiederholung in verbindung mit dem harmonieschema eine ganz andere wirkung hat.
man könnte fast sagen, der blues sei eine dialektische form. die erste zeile, durchgehend auf der I. stufe, ist sozusagen die these. die zweite bekommt allerdings durch den wechsel auf die IV. stufe eine ganz andere ausstrahlung, und zumindest ich nehme sie trotz der gleichbleibenden melodie und der wörtlichen wiederholung des textes ganz anders, nämlich als eine art antithese wahr. für mich ist der blues dadurch im hinblick auf die verschmelzung von musik und text bzw. auf die ausdeutung des textes durch die musik eine der intensivsten musikformen überhaupt.
die dritte zeile, in der zum ersten und zum letzten mal die V. (an dieser stelle ganz und gar nicht dominante!) stufe betreten wird, wirkt musikalisch wie meist auch textlich als synthese, pointe, schlußfolgerung oder wie man sie auch haben oder hören will. und ich glaube, daß diese klassische dreiteiligkeit dazu führt, daß man den blues als eine kompakte, geschlossene, logisch notwendige form hört - bzw. zumindest nicht als schief, assymetrisch oder sowas. die logiker unter uns könnten natürlich statt meinen dialektischen termini auch ihre eigenen nehmen und von prämissen und konklusion sprechen, das käme wohl auch hin.
soviel zur theorie. in der praxis ist es gar nicht so einfach, den blues rüberzubringen (vielleicht gilt hier: entweder man hat ihn oder auch nicht). es ist für schüler oft sehr witzig und interessant, die erfahrung zu machen, daß ihnen zu einem bloßen, von melodie und text befreitem instrumentalen blues-schema sofort zehn verschiedene lieder einfallen (und wenn nicht, brauche ich nur einige melodiefetzen anbieten), allerdings scheint sich das erwachte interesse sehr schnell wieder zu legen. das ist schade, weil meiner meinung nach das bißchen theoretischer einblick sehr viel zur faszination des blues beiträgt.
die praktische beschäftigung damit hat meiner bisherigen erfahrung nach auch noch nicht viel mehr interesse wecken können. es ist recht simpel, selbst mit einer supplierten zweiten klasse in einer einzigen stunde brauchbare blues-schemata zu erarbeiten, zumindest mit bass und schlagzeug, aber zum beispiel mein wahlpflichtfach weigert sich recht konsequent, ein bißchen weiter in die materie hineinzutauchen. dabei kommen sie nicht drum rum, weil von selber lernen sie nicht spielen, und die einfachste möglichkeit, mehrere lieder ohne mehraufwand zu lernen oder eine gute grundlage zum improvisieren zu haben, bietet nun mal der blues. da werden wir also noch einige wochen investieren.
gleichzeitig führt diese erfahrung nebst anderen bei mit zu einer klassischen blues-stimmung. irgendwie freuts mich im moment nicht so. dabei ist es gar nicht november. ich weiß nicht genau, wieso junge leute, die sich selbst als auf diesem gebiet wißbegierig bezeichnen, von mir erwarten, ihnen alles hinterherzutragen und ins hirn zu stopfen (bildlich gesprochen wohlgemerkt, bevor sich irgendwelche rechtlichen konsequenzen daraus ergeben sollten), ohne dabei ohren und augen aus eigener kraft aufzumachen. ich wüßte sehr gern, was ich anders machen soll, und bin für konstruktive vorschläge offen. aber wenns mir keinen spaß macht, müssen wir ja genau diese dinge gar nicht machen, das musikbuch bietet genügend andere themen, die ich gleichermaßen faszinierend finde.
Tuesday, 20. February 2007, 12:35:22
tonika, dominante, intervalle, beatles
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nach langer zeit mal wieder ein post in zusammenhang mit dem ursprünglich vorgesehen hauptthema dieses ganzen blogs. es soll ja keiner sagen, daß ich nicht meinem bildungsauftrag nachkomme!
nehmen wir an, der dreizehnjährige hubert aus wien 21 (nickname anarchydevil24), seines zeichens punkrocker der vierten generation, möchte unbedingt ein lied auf seiner gitarre spielen können, findet auf den einschlägigen internetseiten keine fehlerfreien transkriptionen. was tun?
ich habs ja leicht, weil ich beruflich damit zu habe, aber ich sag euch gleich: es ist bei weitem nicht so schwer wie es manche annehmen. daher möchte ich jeden ermutigen, es zu versuchen. manche lieder sind leichter, manche schwerer, aber man kann alles runterhören.
beginnen wir mal damit, daß man grob die tonart des liedes feststellen sollte. dazu empfiehlt es sich, sein instrument bei der hand zu haben, weil es sonst nicht wirklich geht. man läßt einfach das lied spielen und versucht, die grundtöne zu finden. die tonart des liedes ist meistens am anfang und am ende einigermaßen prominent vorhanden, und normalerweise beginnt und endet eine strophe auch mit der haupttonart (nicht immer, aber man kann ja mal mit dieser hypothese arbeiten).
nach und nach sucht man dann einfach alle grundtöne zusammen. die basslinie ist dabei ein guter anhaltspunkt, aber sie spielt nicht nur die grundtöne. trotzdem hört man, ob der ton, den man gerade auf seinem instument spielt, der grundton ist oder nicht. im zweifelsfall empfehle ich, den ton, der um eine quint tiefer liegt, auch auszuprobieren. normalerweise macht es irgendwann klick und es paßt.
das ist natürlich etwas, was auch komplett ohne musiktheorie geht: ausprobieren, bis es hinhaut. es geht allerdings um einiges schneller, wenn man die intervalle, die der grundton macht, halbwegs einschätzen kann. dann findet man nämlich den grundton des nächsten taktes wesentlich leichter. nach und nach sollte man bestimmte akkordverbindungen einfach erkennen lernen.
jetzt kommt der aufwendigere teil: zu jedem grundton muß man den passenden akkord finden. in 99% aller fälle ist er dur oder moll (evtl. als septakkord), sehr selten vermindert, fast nie übermäßig, und manchmal ein sextakkord (das bedeutet, der gefundene ton ist eigentlich gar nicht der grundton, sondern die terz, wie zb. in G/h).
auch hier kann man mit bloßem hören auskommen, aber es schadet auch wieder nicht, wenn man weiß, welche stufen in der jeweiligen tonart eher dur oder eher moll sein sollten. natürlich gibt es kaum ein lied (naja, alles von CCR, aber sonst nicht so viele), wo das komplett konsequent durchgezogen wird, denn sehr oft werden mollstufen zu dur alteriert (tatsächlich gibt es lieder, die zur gänze mit dur-akkorden auskommen), und hin und wieder wird auch aus dur moll (das klingt dann immer ein bißchen nach beatles oder oasis).
es kommt außerdem vor, daß die basslinie wandert, die harmonie aber gleich bleibt. das erkennt man meistens daran, daß der bass stufe für stufe abwärts wandert, die harmonie aber... eben gleich bleibt. sperrt doch einfach die lauscher auf!
so kommt man also schritt für schritt an das harmonische grundgerüst eines liedes. das reicht in den meisten fällen schon, um es nachzuspielen. wenn nicht, weil zb. irgendwelche wichtigen riffs oder licks vorhanden sind, dann hört man die eben ton für ton runter. das geht natürlich leichter, wenn man schon die jeweilige harmonie kennt, weil man damit auch den tonvorrat beschränkt.
es gibt einen schmutzigen trick für zu schnelle riffs: verlangsamt den jeweiligen ausschnitt in einem beliebigen wave-editor. dann hat man plötzlich viel mehr zeit, die schnellen tonfolgen zu identifizieren. wenn das programm mit dem verlangsamen auch immer transponiert, dann empfehle ich eine oktav (halbes tempo), weil man dann nicht erst transponieren muß. wenn das jeweilige riff schon eher tief ist, wird das nicht gut gehen, und generell verwischt ein solches verlangsamen die musik ein bißchen, sodaß es nicht immer ganz leicht ist, das riff wirklich herauszuhören, aber man kann es ja mal probieren.
so, jetzt müßtet ihr also in der lage sein, ein beliebiges lied runterzuhören. wer möchte, kann das als hausübung machen und hier posten, mal sehen obs dann wirklich stimmt.
wem es nur darum geht, irgendwelche lieder nachzuspielen, hab ich einen tipp: transponieren! wenn man den tonumfang der meisten bekannten sänger mit dem eigenen vergleicht, schauts normalerweise für einen selbst nicht so gut aus, und die künstler nützen das schamlos aus, indem sie tonlagen wählen, die für einen normalsterblichen utopisch sind. damit geht allerdings oft hand in hand, daß sie auch in wirklich doofen tonarten spielen. wenn man also transponiert, dann erleichtert man sich sowohl das singen als auch das spielen. zwei klappen mit einer fliege sozusagen. keine sau interessiert es, in welcher tonart ihr ein lied nachspielt, um es dann auf youtube euren freunden zu zeigen. und ich behaupte mal ganz keck, daß die tonartencharakteristik dabei auch ziemlich wurscht ist.
so, das war nicht mal wahnsinnig lang, und ihr habt was fürs leben gelernt. ich hoffe nur, daß die musikindustrie nicht auch bald die verklagt, die lieder runterhören. der nächste schritt wäre dann, alle zu verklagen, die musik hören. aber das ist ja eine andere geschichte...
Sunday, 8. October 2006, 12:17:14
akkord, dissonanz, intervalle, musiktheorie
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so liebe leute, jetzt gehts um die wurst. ihr bekommt hier ein paar schöne aufgaben, die ihr mit hilfe des blogs leicht lösen können solltet. die lösungsvorschläge bitte per mail an mich, wer meine mail nicht hat, kann ja fragen.
01) bilde eine durtonleiter über ab!
02) welcher ton befindet sich eine kleine sext über c?
03) welches intervall bilden die töne g# und d und welches intervall ist komplementär dazu?
04) gib die töne an, die eine dissonanz zu f bilden!
05) konstruiere eine harmonische molltonleiter über e!
06) welche tonarten haben 4 # vorgezeichnet?
07) welche vorzeichen gehören zu f-moll und wie heißt die parallele durtonart?
08) welchen akkord bilden die töne f#-a-c?
09) bilde einen übermäßigen dreiklang auf e!
10) bilde quint sowie dur- und mollterz zu db!
11) welcher ton bildet die IV. stufe zu eb-moll, welcher septakkord steht auf dieser stufe und wie lauten die töne dazu?
12) bilde die dreiklänge auf allen stufen von Db-dur und bezeichne sie!
13) bilde alle mollseptakkorde, die auf den stufen von a melodisch moll stehen, und gib ihre töne an! welche septakkordtypen kommen hier sonst noch vor?
14) welchen akkord in welcher umkehrung bilden die töne e-f#-a-c#?
15) welchen akkord bilden drei kleine terzen von h aus gesehen und wie lauten die töne?
16) bilde eine II-V-I-kadenz mit septakkorden auf F#-dur!
viel erfolg, ich hoffe auf zahlreiche teilnahme! für eine ausreichend korrekte lösung gibt es auf wunsch ein zertifikat.
Sunday, 17. September 2006, 10:46:22
akkord, dissonanz, konsonanz, musiktheorie
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wir erinnern uns, daß die dreiklänge, die wir aus zwei terzen gebildet haben, alle konsonaten intervalle (prim, terz, quart, quint und oktav), aber keine dissonanzen enthalten. damit kommt man ganz schön weit, aber es gibt in der musik auch weitere akkordbildungen, die durch die eine oder andere dissonanz ein bißchen mehr spannung in sich tragen.
die einfachste möglichkeit ist, mit der terzenschichtung weiterzumachen, und auf die quint eine weitere terz draufzulegen. vom grundton aus gesehen ist das eine septim, deswegen heißen solche akkorde septakkorde. und deren gibt es einige.
diesmal ist es einfacher, wenn wir uns zuerst die mollstufen ansehen. wir sind wie üblich in C-dur, und die mollstufen sind die II., die III. und die VI. sie sind aufgebaut aus einer kleinen und danach einer großen terz. welche terz würde hinzukommen, wenn wir weitermachen? oder die analoge frage: welche septim hätten wir vom grundton aus gesehen, die große oder die kleine? die antwort ist nicht schwer, denn wenn man sich das komplementärintervall anschaut, sieht man sofort: unter allen drei grundtönen der mollstufen haben wir eine große sekund, daher nach oben jeweils komplementär dazu die kleine septim (d-c, e-d, a-g). das heißt, wir haben in allen drei fällen den gleichen septakkord: mollterz, quint und kleine septim(d-f-a-c, e-g-h-d, a-c-e-g). und den nennen wir schlicht und einfach mollseptakkord.
bei den durstufen ist es nicht so einheitlich, aber auch nicht schwer. sehen wir uns zunächst einmal die I. stufe an. wir haben eine durterz und eine quint, und die septim ist diesmal groß, das ist der leitton, wie wir wissen (c-e-g-h). dieser akkord heißt major, englisch ausgesprochen. der name enthält gleich zwei wichtige infos, denn 'major' heißt auf englisch sowohl einfach 'dur' (und wir haben ja einen durdreiklang) als auch in verbindung mit einem intervallnamen 'groß', in diesem fall also die große septim. wer den namen major hört, weiß also sofort: durdreiklang und große septim.
schauen wir mal auf der IV. stufe. wir haben ja auch einen durdreiklang, und die septim ist ebenfalls groß (f-a-c-e). demnach ist der septakkord der IV. stufe auch major. bisher also ganz einfach.
auf der V. stufe sieht es nun ein bißchen anders aus. natürlich haben wir auch hier einen durdreiklang, aber die septim ist klein (g-h-d-f). das ist ein ziemlich spannungsreicher akkord, und zwar bedingt durch die verminderte quint zwischen der terz und der septim (h-f). diese verminderte quint möchte unbedingt in die schöne große terz dazwischen aufgelöst werden (c-e), also der leitton einen halbton nach oben (h->c) und die kleine septim, der in diesem fall gleiteton genannt wird, möchte einen halbton nach unten gleiten (f->e).
wir wissen aus dem letzten kapitel, daß die V. stufe, die dominante, meistens zur rückkehr in die tonika, die I. stufe, zwingt oder drängt. das ist beim septakkord der dominante aus dem oben beschriebenen grund noch stärker ausgeprägt. da dieser septakkord (durterz und kleine septim) im normalfall nur auf der dominante vorkommt, heißt er dominantseptakkord, und wenn er auftaucht, kann man sich fast sicher sein, daß danach wieder die tonika dran ist (nicht ganz immer, wir werden noch von trugschlüssen hören).
wenn wir uns unsere bisher schändlich vernachlässigte VII. stufe anschauen, können wir noch eine art von septakord erkennen. der usprüngliche dreiklang war ja vermindert, und da kommt noch eine große terz oben drauf, insgesamt also wieder eine kleine septim (h-d-f-a). dieser akkord heißt halbvermindert.
es gibt noch zwei septakkordtypen, die in der durtonleiter nicht auftauchen, nämlich den verminderten septakkord, der nur aus kleine terzen besteht (zb. g#-h-d-f) und den mollmajor, der ein molldreiklang mit einer großen septim ist (zb. a-c-e-g#). beide kommen unter anderem in harmonisch moll vor. damit hätten wir je zwei septakkorde zu dur (major mit großer septim, dominantseptakkord mit kleiner), zu moll (mollseptakkord mit kleiner septim, mollmajor mit großer) und zum verminderten dreiklang (halbvermindert mit kleiner septim und verminderter septakkord mit verminderter septim). die restlichen theoretisch machbaren typen (verminderter dreiklang mit großer septim, übermäßiger dreiklang mit großer oder kleiner septim usw.) kommen in der praxis nicht vor.
wichtig zu wissen ist folgendes: der dominantseptakkord hat harmonisch ein starkes bedürfnis, aufgelöst zu werden, wie schon oben ausgeführt. das liegt einerseits an der verminderten quint h-f, aber auch an der kleinen sekund g-f. letztere hat auch die tendenz, in die oben genannte terz c-e aufgelöst zu werden, der gleiteton nach unten (f->e), der grundton eine quart hinauf bzw. eine quint hinunter (g->c).
in mollseptakkorden, wo wir zwar keine verminderte quint, aber eine kleine septim haben, besteht eine ähnliche tendenz, aber eben nicht ganz so stark ausgeprägt. das heißt, daß zb. ein d-mollseptakkord d-f-a-c zur terz g-h und damit nach G-dur strebt. das sind melodische tendenzen, und wir werden bald sehen, daß sie mit den harmonischen hand in hand gehen.
wenn man mit der terzenschichtung weitermacht, bekommt man nonenakkorde, undezimenakkorde und so weiter. die sind im jazz relevant, vielleicht werden wir später noch von ihnen hören. für unsere zwecke sind sie momentan nicht unbedingt wichtig.
es gibt noch weitere arten, aus den ursprünglichen dreiklängen andere akkorde zu bilden, und zwar ohne terzenschichtung. man kann zu einem akkord einen zusätzlichen ton (nicht im terzabstand) dazunehmen, sozusagen als färbung. passiert oft mit der sext oder mit der none (dann aber im gegensatz zum nonenakkord ohne septim). ersteres trat schon im barock recht häufig auf und hieß sixte ajoutée, also hinzugefügte sext, was den sachverhalt ja ziemlich treffend beschreibt. kommt oft auf der IV. stufe vor (f-a-c-d) und kann eigentlich auch als septakkordumkehrung gedeutet werden (d-f-a-c). die hinzugefügte none kommt unter anderem in stairway to heaven vor oder auch sehr oft bei bands wie U2, coldplay, keane... hat etwas sphärisches, find ich.
man kann einen ton aber nicht nur als färbung dazunehmen, sondern auch als vorhalt. das bedeutet, daß der ton momentan dissonant ist, und danach trachtet, im selben akkord in eine konsonanz aufgelöst zu werden. am häufigsten kommt der quartvorhalt vor, das bedeutet, daß die quart der terz vorausgeht und in diese aufgelöst wird: c-f-g->c-e-g. wir gitarristen kennen das unter dem namen Csus (zu den akkordbezeichnungen werde ich noch ein eigenes kapitel schreiben, das ist ein einigermaßen komplexes thema).
so, das wärs auch schon wieder. man kann also akkorde mit terzschichtungen basteln oder mit färbe- oder vorhalttönen. für die harmonielehre sind die septakkorde am wichtigsten, weil sie eben die oben beschriebenen auflösungstendenzen in sich tragen und daher stark funktionsgebunden sind.
kleine hausübung, wir hatten ja schon lang keine:
- bilde einen mollseptakkord auf c!
- bilde den dominantseptakkord zu A-dur (das heißt, die dominante von A-dur finden und darauf den septakkord bauen)!
- was ist e-g-b-d für ein akkord?
Tuesday, 12. September 2006, 16:11:03
mando diao, musiktheorie, tonika, dominante
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jetzt tauchen wir nach all den grundlagen endlich in die harmonielehre ein. die, die schon ein paar kapitel vorher ausgestiegen sind, können jetzt wieder so tun, als würden sie etwas verstehen. und die, die die letzte hausübung so brav gelöst haben, werden eh alles verstehen...
wir haben das letzte mal gesehen, daß drei stufen einer durtonleiter durdreiklänge tragen, und zwar die I., die IV. und die V. stufe, die wir ab jetzt hauptstufen nennen. wenn ihr zum quintenzirkel zurückblättert, dann könnt ihr sehen, daß diese drei darin immer benachbart sind: der I. stufe folgt im uhrzeigersinn die V., und die IV. geht ihr voraus. das ist praktisch zu wissen, wenn man zb. ganz schnell mal die hauptstufen von Eb-dur wissen will.
die drei stufen (sowohl die töne als auch die auf ihnen gebildeten akkorde) haben auch lateinische namen. die I. heißt tonika, die IV. subdominante und die V. dominante. die tonika gibt die tonart des stückes an und ist sozusagen der ruhepunkt, von dem die musik ausgeht und zu dem sie zurückkehrt. die dominante dominiert insofern, daß sie meistens zur tonika hin trachtet; wie wir sehen werden, aus gutem grund. die subdominante... subdominiert. mein gott, die heißt einfach so (und für die schlauen köpfe unter euch: die heißt nicht so, weil sie unter der dominante ist, sondern weil sie unter der tonika im dominantabstand ist. aber das werde ich nicht abprüfen).
die akkorde der drei hauptstufen enthalten alle töne der diatonischen tonleiter, manche sogar mehrfach. das heißt, daß diese drei ausreichen, um musik, die die diatonische tonleiter nicht verläßt, auszuharmonisieren. das sind die sprichwörtlichen drei akkorde, die man braucht, um rockstar zu werden (blöd nur, daß es in jeder tonart andere drei sind), und sie genügen zb. auch für einen großteil der österreichischen volksmusik.
wir sehen und nochmal kurz die drei akkorde und ihre töne in C-dur an:
V. (g) (g)
IV. (f)
III. (e)
II. d
VIII.=I. (c) c
VII. h
VI. a
V. g g
IV. f
III. e
II. (d)
I. c (c)die uneingeklammerten töne geben die grundstellung des dreiklangs an, aber wir wissen natürlich, daß die anderen natürlich auch zum akkord gehören. was sich aus dieser auflistung sofort ergibt, ist die tatsache, daß man den grundton, in unserem fall das
c, schrittweise sowohl von oben als auch von unten nur mit tönen der dominante erreichen kann. das, insbesondere der leitton
h, gibt der dominante die macht, die tonika gleichsam zur wiederkehr zu zwingen.
wenn man die drei hauptstufen in eine beziehung setzt, bekommt man eine sogenannte kadenz. das wort stammt aus dem lateinischen und hat was mit schließen, abschließen zu tun, und genau das macht eine kadenz: sie erzeugt eine schlußwirkung. anfangen sollte die kadenz logischerweise mit I, und auch den schluß haben wir schon gesehen: V-I. wenn wir noch die IV unterbringen wollen, haben wir die einfachste mögliche kadenz: I-IV-V-I.
in moll sieht das ganze ein bißchen anders aus. dort sind ja andere stufen dur, trotzdem spricht man auch in moll von der I., IV. und V. stufe als hauptstufen. die I. ist, wir sind ja in moll, moll. die IV. auch. die V. wäre es auch, wenn.... ja wenn... wir haben ja schon bei der harmonischen molltonleiter davon gehört, daß wir künstlich einen leitton erzeugen, und die harmonische heißt nicht umsonst so, denn das bedürfnis nach einem leitton besteht darin, daß wir eine harmonische schlußwirkung erzielen wollen. und mit diesem leitton wird aus dem moll eben doch dur. die V. stufe ist also auch in moll in der regel dur. (theoretisch könnte man auch mit der melodischen molltonleiter hauptstufen bilden, dann wäre die IV. auch dur, dann wäre allerdings die I. ziemlich einsam als moll. lassen wir die IV. also doch mollig sein.)
um das ganze zu erweitern, nimmt man jetzt die nebenstufen dazu. in dur sind es die drei mollstufen, sprich die II., III. und VI. mit deren hilfe können wir unsere kadenz jetzt ziemlich aufpeppen, und jetzt haben wir schon genug material für einige meisterwerke der musikliteratur, angefangen beim
kanon von pachelbel bis hin
you don't understand me von mando diao.
die VII. in dur ist keine nebenstufe, und sie hat harmonisch auch sehr wenig bedeutung. warum, wird sich noch weisen. sie wird überhaupt immer etwas stiefmütterlich behandelt, aber sie ist eh zu doof, um es zu merken. bei bedarf kann ich ja ein spendenkonto für sie einrichten.
sofern man nur haupt- und nebenstufen einer tonart verwendet, werden die akkorde immer mehr oder weniger natürlich zueinander passen. die musiktheorie sagt nicht, was man tun soll oder darf, sie erklärt nur, was maches gut klingt und manches vielleicht etwas schräg. will man also etwas komponieren, was harmonisch keine besonderen überraschungen enthält, sollte man sich an haupt- und nebenstufen halten. daß man trotzdem wunderschöne sachen machen kann, hab ich ja oben schon erwähnt.
ich könnte es mir jetzt leicht machen und den ganzen rest der harmonielehre in einem satz zusammenfassen: mit alteration (grundton eines akkords um ein halbton erhöhen oder erniedrigen) und variantklängen (dur statt moll und moll statt dur) kann man jede harmonisch gebundene musik vollständig erfassen und beschreiben. unsere sieben stufen reichen also aus, mit gewissen erweiterungen ziemlich alles zu erklären. die interessantere frage ist aber, warum man wann was macht (und was man sonst noch tun könnte). und wenn ich diese hier beantworten würde, müßte ich erstens den titel ändern, und zweitens würde ich wieder zu hören bekommen, daß meine kapitel zu lang sind. also erst das nächste oder übernächste mal.