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ein bißchen musiktheorie und all das andere zeug

Posts tagged with "tonleiter"

boomwhackers®

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boomwhackers® sind eine sehr schöne erfindung, von der ich schon lange weiß, die mich aber erst in den letzten monaten zu interessieren begann. es handelt sich um (mehr oder weniger exakt) auf die töne der chromatischen tonleiter gestimmte plastikröhren, die es in verschiedenen sets und mit diversem, teils essentiellem (oktavkappen!), teils unnötigem (alles andere!) zubehör zu kaufen gibt und die man praktisch überall, vorzugsweise an den härteren stellen des eigenen körpers, anhauen kann, um ihnen töne zu entlocken.

boomwhackers® haftet ein bißchen die aura der pseudocoolen und verkrampft alternativen musikerziehung an, und das nicht zu unrecht. wenn man sich die website anschaut, bekommt man leicht das gefühl, es handle sich um technisch nicht sonderlich aufregende (hey, es sind farbige plastikröhrln!), geldbeschaffungstechnisch aber höchst flexible und erfolgreiche produkte. der markt ist tatsächlich voll mit (qualitativ) billigen und einem gewissen musikalischen anspruch unzumutbaren, aber (finanziell) teuren arrangements, songbooks und sonstigen zusatzmaterialien.

was mich dennoch bewogen hat, mir eine grundlegende ausstattung an boomwhackers® (zwei diatonische sets, die chromatische erweiterung, die erweiterung in die höhe und je ein diatonisches und chromatisches bassset sowie eine packung oktavkappen) zuzulegen, ist ihre versteckte, aber tatsächlich vorhandene coolness und ihre vielseitigkeit.

boomwhackers® kann man einerseits jedem in die hand geben, und jeder bringt irgendwas brauchbares raus, ohne angst zu haben, daß sie bei normalem gebrauch kaputtgehen. andererseits sind boomwhackers® aber auch halbwegs ernstzunehmende musikinstrumente, die man einigermaßen beherrschen muß, um wirklich schöne töne rauszukriegen. sie reagieren sehr sensibel auf die richtige haltung, schlagposition und - kraft, und sind daher nicht nur geeignet, die drei wichtigsten aspekte der musik (rhyhtmus, melodie und harmonie) zu vermitteln, sondern animieren auch zum exakten und kontrollierten spielen.

wenn man sich das durchliest, müßte man annehmen, daß boomwhackers® in jeder schule zu finden sind (sie kosten sicher weniger als andere orff-instrumente und sind wesentlich spannender und vielseitiger einsätzbar), tatsächlich ist dem aber nicht mal ansatzweise so. vorletzte woche, als ich einige meiner ehemaligen studienkollegInnen und weitere sehr nette musiklehrerInnen bei einer lustigen veranstaltung im stadtschulrat treffen durfte, konnte ich mich davon überzeugen, daß jeder schon mal von boomwhackers® gehört hat und sie aus offizieller sicht auch zum empfehlenswerten unterrichtsmaterial gehören, daß aber praktisch keine schule sie besitzt.

ich habe meine jedenfalls ein bißchen für meine zwecke selektiert und den relevanten teil (vier pentatonische 6ergruppen) in die schule mitgenommen. sie sind ganz gut angekommen, selbst die ewigen nörgler finden etwas cooles daran, und ihre laserschwertartigkeit hat mir den beinamen 'darth vader' eingebracht (so ein zufall, könnten jetzt meine coachinglehrgangskollegInnen sagen). obwohl der allgemeine kanon eher dahin geht, die boomwhackers® zum gemeinsamen musizieren aus mehr oder weniger uninteressant und kostenungünstig aufbereitetem notenmaterial zu verwenden, setze ich sie bisher fast ausschließlich für gruppenimprovisationen, intervallspiele und erste schritte richtung komposition ein.

das erschöpft ihren gebrauchsspektrum aber bei weitem nicht. nebst bisher nicht sonderlich konkreten gedanken, wie ich sie zb. in kommunikations- und gruppendynamiktrainings verwenden könnte (dazu gibt es vermutlich auch einiges an teurer und unbrauchbarer literatur), sind sie natürlich auch zum tatsächlich ernstzunehmenden musizieren einsetzbar. zwar ist die mikrophonierung nicht ganz einfach, und man kann mit müh und not höchstens vier boomwhackers® gleichzeitig in den händen halten, aber für bestimmte zwecke sind sie durchaus angebracht. beispielsweise gab es beim letzten pflichttermin, bei dem ich musikalisch so schon recht vielseitig tätig war, die gelegenheit, bei der letzten zugabe zwei nette menschen aus dem publikum (die ironischerweise schon vorher, zum teil vermutlich ohne ihr wissen, eine große rolle fürs konzert gespielt haben) aktiv einzubinden, indem sie den grundrhythmus des songs boomwhacker®n durften. und bei diversen zukünftigen unplugged-auftritten werde ich sicher wege finden, die boomwhackers® zum einsatz zu bringen.

ein sehr schöner kommunikativer aspekt kommt natürlich noch hinzu. die boomwhackers® sind knallbunt und (bis auf die ganz hohen) deutlich sichtbar, sofern man sie nicht extra irgendwo einwickelt. als ich sie das erste mal öffentlich transportieren mußte, habe ich selbiges zwar kurz erwogen, mich aber dann ihrer und damit auch meiner auffälligkeit gestellt, und das war auch gut so, denn die resonanz bleibt nicht aus. lehrerkollegInnen fragen mich im lehrerzimmer, was das eigentlich sei und was man damit anstellen könne, schülerinnen der 4C schreien durch die S-bahn-station rennweg: "der herr professof bárány! heute dürfen wir uns wieder schlagen!", und fremde sprechen mich in diversen öffentlichen verkehrsmitteln schüchtern an, ob boomwhackers® denn so eine art didgeridoo sind.

ohne werbung machen zu wollen: falls jemand zufällig musik unterrichtet, aktiv und gerne auch ein bißchen spontan musiziert, kommunikations- und gruppendynamiktrainings abhält oder einfach nur frauen in der straßenbahn kennenlernen möchte, kann ruhig ein bißchen geld in boomwhackers® investieren. sollte sich jemand mal ein bißchen mit ihnen auseinander- oder mit mir diesbezüglich zusammensetzen wollen, bitte einfach melden.

muh!

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ich habe es! das kuh-, oder sollte ich sagen muhlophon, das k6081, das bunte multifunktionsinstrument der nächsten generation!

eigentlich war es gar nicht so schwer. im selben geschäft, in dem mein brüderchen am samstag geschaut hat, habe ich auch geschaut, und dann bei der information gefragt (hat er auch gefragt? man weiß es nicht), woraufhin mir die nette dame es aus dem lager geholt hat. sie war leicht verdutzt, als ich sie nach einer stimmgabel gefragt habe, denn schließlich mußte ich ja testen, ob es auch wirklich in C-dur gestimmt ist, aber dann habe ich es mit hilfe meiner klingeltöne (tja, es schadet nicht, wenn man weiß, in welcher tonart sie sind, nicht wahr?) verifiziert.

es ist leider gar nicht so selbstverständlich, daß tierische kinderxylophone richtig gestimmt sind, denn das winniethepoohlophon von bontempi in einem anderen spielzeuggeschäft (das war noch vorher, nicht daß jemand glaubt, ich hätte an einem heißen tag wie heute nichts besseres zu tun, als nach dem kauf eines kuhlophons weiterhin spielzeugläden zu besuchen) war das nicht. interessanterweise war es in C-lydisch (es leben die kirchentonarten!), sprich mit fis statt f, womit alle auf der rückseite der verpackung angeführten lieder inklusive farbiger analphabetennotation für den hugo waren, weil sie natürlich für C-dur gedacht gewesen wären. gut, bontempi ist ja ein synonym für lo-fi-pseudoinstrumente, aber manches von ihnen hat auch hand und fuß. so hat zb. die caro am freitag auf einem bontempi-keyboard die schrecklichen ruby-geräusche und die wundersamen orgelklänge gezaubert.

ich kann auf dem kuhlophon (an diesem punkt merke ich, daß ich einen namen dafür bräuchte, irgendwas kurzes, prägnantes, was die zoologischen und musikalischen begebenheiten hinreichend reflektiert. vorschläge?) inzwischen nicht nur die relevanten teile von intelligent falling (gut, so wahnsinnig einfach ist das main riff auch nicht, das muß ich noch ein bißchen üben), sondern auch das allseits bekannte und beliebte gebimmel aus mister sandman (nein, nicht das von metallica) und außerdem das nervige geklimpere aus 1000 miles von vanessa carlton (wer sich nicht erinnert, müßte 2002 gewesen sein). damit dürften die muskalischen möglichkeiten auch mehr oder weniger ausgeschöpft sein.

tja, wenn wir schon wieder gar nicht mehr bei klingeltönen sind, kann ich auch noch anmerken, daß ich irgendwann in naher zukunft gekündigt werde, weil wir die polyphone klingeltonproduktion auflassen. somit kann es passieren, daß ich, der ich im moment noch zwei jobs habe, noch vor meinem nahenden geburtstag (zur erinnerung: große geschenke!) für eine weile ganz ohne job dastehen werde. na wenigstens hab ich dann mal wieder zeit, mich ein wenig auszuschlafen. ist schon mühsam, wenn man selbst am wochenende nach einer durchzechten nacht um 7 aufwacht, damit man ja nicht zu spät kommt zur gangaufsicht...

das kuhlophon

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vergeßt fender und stradivari, vergeßt bösendorfer und hohner, vergeßt roland, steinway und gibson: das ultimative musikinstrument ist und bleibt das fisher-price k6081.

als ich vor einer weile mit meinem jüngsten bruder in einer spielwarenfachhandlung auf der suche nach einem geburtstagsgeschenk für unseren vater (es ist vielleicht bezeichnend, daß wir dort gesucht haben - und wir sollten es ihm bald mal geben, der geburtstag ist ja auch schon ein paar wochen her) herumgestöbert habe, ist uns dieses geniale instrument untergekommen. es ist mit dem offiziellen namen ein "moo-sical piano-to-xylo™", der titelgebende name beschreibt es aber auch sehr treffend.

das kuhlophon sieht aus wie (erraten!) eine kuh, ist aber natürlich kein xylo-, sondern ein metallophon, das jedoch nicht nur mit einem schlegel, sondern auch mit einer primitiven klaviatur gespielt werden kann (also quasi eine kindercelesta). es ist diatonisch, hat genau eine oktav tonumfang und ist hoffentlich in C-dur gestimmt und eignet sich damit perfekt für eine unplugged-version von intelligent falling. das hat uns schwer beeindruckt.

nachdem wir in bälde tatsächlich eine unplugged-version von intelligent falling spielen werden, hat sich die anschaffung eines kuhlophons angeboten. das kuhlophon selbst aber nicht mehr, zumindest nicht gestern in jenem spielzeuggeschäft. das wiederum ist doof.

jetzt habe ich weniger als eine woche zeit, ein kuhlophon zu besorgen. ich werde morgen die mir bekannten spielwarenfachhandlungen (hmm, das sind über den daumen gepeilt genau zwei) abklappern und danach bzw. nach einem adäquaten ersatz ausschau halten. die tasten sind insofern wichtig, da sowohl das main riff als auch das interlude von intelligent falling (zweiteres ist, wie alle gebildeten leute wissen, von steve reich entlehnt) für einen nichtxylophonisten mit schlegel absolut unspielbar sind.

eine kurze recherche im internetz hat übrigens viel inspirierendes zutage gefördert. wir, the ingeborg bachmann experience, haben sogar ins auge gefaßt, beizeiten mal ein benefizkonzert für irgendeine kindereinrichtung zu geben, bei dem wir nur auf kinderinstrumenten (da gibt es sooo geile sachen!) spielen und diese danach an ebenjene einrichtung sachspenden.

jedenfalls gibt es auf ebay zwei alternativen zum relativ teuren (~20 €!), aber qualitativ sicherlich hochwertigen kuhlophon, nämlich ein no-name-elephon und ein überhaupt ganz unzoologisches, instrumentenbautechnisch aber äquivalentes etwas. das elephon hat den vorteil, daß es gleich in wien wohnt und daher zeitnah abzuholen ist. blöd nur, daß die auktion gerade dann ausläuft, wenn ich mit meinen lehrerInnenkollegInnen beim heurigen sitze. na mal sehen.

sollte jemand zufällig im besitz eines beliebigen mit schlegeln und tasten bespielbaren zoolophons sein, bitte ich untertänigst um benachrichtigung. als belohnung tätete ich sogar eigens ein stück für das gnädigst hergeborgte instrument klopmphonieren. muh!

neujahrsvorsätze

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andere leute stecken ihre haare hoch, ich (bitte alle späße, in denen der ausdruck "in ermangelung" vorkommt, verkneifen) lieber meine ziele. ich hab nämlich vor, meinen lieben schülerInnen nicht weniger als saugeilen musikunterricht zu bieten.

natürlich muß das ganze lehrplankonform erfolgen, aber das läßt sich bewerkstelligen. einerseits sind die lehrpläne (unterstufe - oberstufe) ja etwas schwammig, andererseits sind da sachen drin, die sicherlich keiner von euch in der mittelschule gelernt hat. also besteht da ein gewisser spielraum.

grundsätzlich ist mir sehr wichtig, mit dem zu arbeiten bzw. von dem auszugehen, was da ist. und im falle von musik ist das das, womit die schülerInnen tagtäglich zu tun haben: die musik auf ihren iPods (ja, die meisten haben einen. das werden wir eh noch diskutieren müssen) und im radio, die daten und fakten, die sie aus dem internetz und vermutlich aus diversen jugendmagazinen kennen, das bißchen was, was sie im klavierunterricht und so aufgeschnappt haben, also eh einiges. wenn musikunterricht nicht funktioniert (und das ist angeblich häufiger der fall), dann deswegen, weil der lehrer auf all dies keine rücksicht und/oder keinen bezug nimmt. selbst schuld.

gleichzeitig gibt es vieles, was man im unterricht durchnehmen sollte, weil allgemeinbildung und so. für mich ist in diesem zusammenhang wichtig, daß es sich dabei nicht um punktuelle daten handelt (der klassiker sind aus dem zusammenhang gerissene jahreszahlen. wer weiß schon, wann beethoven geboren wurde? ungefähr genügt, und wenn man es genau braucht, schaut man nach), sondern um einen groben überblick, an dem man dann die einzelnen details aufhängen kann. und ich finde, einen groben überblick kann man schon relativ schnell bekommen.

das bringt mich schon zu meinen beiden kranken ideen, die ich mal antesten werde. das erste ist "musikgeschichte in einer stunde". natürlich kann man in 50 minuten (gut, eine schulstunde sollte man eher nur auf 30 planen) kein vollständiges bild der musikgeschichte malen, aber andererseits geht das auch in 2 monaten nicht. man kann aber die entwicklung aufzeigen, die wichtigsten epochen (mittelalter, renaissance, barock, klassik, romantik und 20. jhdt.) kurz skizzieren, viele hörbeispiele anspielen und so einen groben, aber ausbaufähigen überblick herstellen, der über punktuelle inhalte, wie sie zu meiner zeit im musikunterricht üblich waren, nicht zu bekommen ist.

in der folge kann ich dann einzelne hörrätsel bringen, die die schülerInnen einer epoche oder vielleicht sogar einem komponisten zuordnen müssen. das erlaubt weiterführende fragen, zb. woran man überhaupt erkannt hat, worum es sich handeln könnte... in meinen augen ist es wichtiger, auch unbekanntere musik ungefähr einordnen zu können, als alle 17 themeneinsätze in einer einzigen bach-fuge oder jeden ton des ersten satzes der kleinen nachtmusik zu kennen (die ironie des schicksals ist, daß kaum einer die anderen sätze kennt. das bringt mich auf eine idee... siehe rätsel weiter unten). wenn also meine schülerInnen am ende des schuljahres (und im idealfall noch in 1-2 jahren) purcell als barockmusik identifizieren können, bin ich damit meines erachtens weiter, als viele musiklehrer in 8 jahren. und außerdem kann man dann werkbetrachtungen, gattungs- und formenlehre und derlei an musikrezeption gebundenes zeug auch wieder schön in einen kontext setzen.

die zweite kranke idee ist "musiktheorie in einer stunde". nachdem wir alle wohl ansätze der musiktheorie in der schule gelernt und wieder vergessen haben, sehe ich da keinen besonderen leistungsdruck. auch da ist mir lieber, die schülerInnen lernen weniger, aber dafür so, daß sie das konzept dahinter verstehen. und ich glaube, in einer stunde geht sich folgendes aus: die töne, die intervalle (grob, ohne die feinheiten), die versetzungszeichen, dur- und natürliche molltonleiter, dur- und molldreiklänge. und paßt schon. niemand muß den quintenzirkel auswendig lernen, wenn er weiß, wie er die töne von F#-dur findet (übrigens halte ich songs in F# major für einen durchaus interessanten albumtitel. ob ich die experience dazu überreden kann, unsere zweite platte so zu nennen? die erste sollte natürlich greatest hits 1965-68 heißen).

das sind die beiden projekte, die mich wirklich reizen. mag sein, daß sie in die hose gehen und nach der einen stunde nix hängenbleibt, aber erstens glaub ich das nicht und zweitens wäre das dann vom ertrag her wohl eine normale unterrichtsstunde. hauptsache wir haben spaß.

was mich weiters beschäftigt, sind praktische dinge wie DJing, tontechnik-basics, algorithmisches komponieren (wozu hab ich meine diplomarbeit darüber geschrieben, wenn ich das nicht umsetze?), grundlagen der liedbegleitung (jeder mensch sollte mal schlagzeug und bass spielen dürfen, bitte die menschenrechte dahingehend erweitern), diskussionen über musikkonsum (iPod, Ö3, last.fm, ...), gegenseitige horizonterweiterung und sowas. zusätzlich zu den referaten, die die schülerInnen halten müssen, eh schon volles programm.

das einzige problem ist, daß gerade die oben genannten praktischen anwendungen ohne praktische anwendung nicht so viel hergeben. also zb. DJing ist nur halb so interessant (nein, eigentlich fast gänzlich uninteressant), wenn man nicht die gelegenheit bekommt, mal ein bißchen beatmatching zu probieren oder den crossfader hin- und herzuziehen. aber wie ermöglicht man das in einer klasse von 31 schülerInnen? besonders wenn die schule klarerweise nicht über solches material verfügt und ich daher einiges ausborgen müßte?

na ja, ich werde mir schon was überlegen. jedenfalls hab ich mir da einiges vorgenommen. viel glück, kann ich da nur sagen. von hals- und beinbruch gar nicht erst zu sprechen.

so, kommen wir mal zum versprochenen rätsel. hier sind vier musikstücke (in schirchem MIDI-format), die sich allesamt in unmittelbarer nachbarschaft von seeeeeeehr bekannten sätzen mehrsätziger werke befinden, also direkt vor oder nach stücken, die sicherlich ausnahmslos jeder von euch kennt. und trotzdem kennt ihr diese vier ziemlich sicher nicht oder nur in einzelfällen. wer den komponisten errät, ist schon mal gut, wer das werk auch noch rausfindet, ist ein streber.

eins zwei drei vier

so, bitte, los gehts.

was geniales

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neulich in graz beim abendessen ist mir was wahrhaft superes eingefallen: eine supercoole darstellungsweise der töne, die so ziemlich alles, was wir bisher über musiktheorie gelernt haben, integriert. ich hab das nicht erfunden, die beim akkordeon üblichen stradella-bässe sind nach einem ähnlichen prinzip aufgebaut, und wahrscheinlich ist sowieso schon jemand anders mal auf die gleiche idee gekommen, aber das macht ja nix.

die grundidee ist folgendes: ich wollte eine art kristalline struktur, in der jeder ton mit jedem, der mit ihm eine konsonanz bildet, verbunden ist. klingt nach einer herausforderung, aber wenn man die komplementärintervalle gelten läßt, ist es gar nicht so arg.

wir nehmen einfach mal die quint auf der waagrechten:
... - f - c - g - d - a - e - h - ...
um prim und oktav kümmern wir uns jetzt mal nicht, jeden ton mit sich selbst verbinden ist irgendwie doof. neben der quint haben wir aber auch gleich die quart hier, nur eben in die andere richtung. praktisch, nicht? und jetzt fehlen uns nur noch terzen und sexten.

die große terz bzw. die kleine sext bekommt einfach ein / als zeichen, die kleine terz bzw. die große sext ein \. und damit kommen wir schon hin.
... d - a - e - h - f#- c#- g#- d#- ...
     \ / \ / \ / \ / \ / \ / \ / \ 
... - f - c - g - d - a - e - h - f#...
man sieht, die töne kommen mehrfach vor. das macht schon mal gar nichts, aber wer besonders fleißig sein möchte, nimmt einen silberzylinder und graviert das ganze so hinein, daß sich eine spirale ergibt, in der jeder ton nur einmal vorkommt. läßt sich aber hier mit den einfachen mitteln dieses blogs nicht ganz so leicht darstellen.

das ganze kann man jetzt natürlich so erweitern, daß alle un- und einfach alterierten töne mindestens einmal vorkommen.
... - a - e - h - f#- c#- g#- d#- a#- e#- h#...
     / \ / \ / \ / \ / \ / \ / \ / \ / \ / 
... f - c - g - d - a - e - h - f#- c#- g#- ...
     \ / \ / \ / \ / \ / \ / \ / \ / \ / \  
... - ab- eb- b - f - c - g - d - a - e - h ...
     / \ / \ / \ / \ / \ / \ / \ / \ / \ / 
... fb- cb- gb- db- ab- eb- b - f - c - g - ...
gar nicht so unübersichtlich, aber seeehr praktisch. wieso? nun ja, schau mal genauer hin. was kann man da nicht alles herauslesen?

zunächst sehen wir wie gesagt alle relevanten töne (und wenn wir auch die mehrfach alterierten haben wollen, einfach weiter ergänzen). und wir sehen auch ganz klar, daß zb. g# und ab nicht identisch sind, weil sie mit jeweils ganz anderen tönen verbunden sind. und wir finden zu jedem ton ihre hochalterierte variante genau zwei reihen drüber, die tiefalterierte zwei reihen drunter, und die sind wiederum teilweise mit den selben tönen verbunden. und das ist auch gut so.

was die intervalle angeht: alle konsonanzen sind direkt miteinander verbunden, alle dissonanzen nicht. man kann aus dem diagramm leicht herauslesen, aus welchen konsonanzen man welche dissonanzen bilden kann und so, generell wie man intervalle zu anderen intervallen summiert. und auch ganz wichtig: wir sehen, daß das ab zu c eine konsonanz (großte terz) bildet, g# zu c jedoch nicht (übermäßige quint). so kommt niemand mehr auf die idee, töne einfach so enharmonisch zu verwechseln.

tonleitern sind zugegeben etwas unübersichtlich verteilt, aber man kann die durtonleiter trotzdem auf zwei arten darin finden (harmonisch und melodisch moll sind leider etwas mühsamer):
  a - e - h                   d - a - e - h 
 / \ / \ / \                   \ / \ / \ /
f - c - g - d                   f - c - g
der quintenzirkel ist wiederum direkt in der struktur angelegt, wir erinnern uns an den ersten schritt zum ganzen. mit den stufen ist es ähnlich einfach: die hauptstufen sind direkt neben einem gewählten ton, die nebenstufen jeweils \ drüber. praktisch, nicht?

dann die akkorde... ein durdreiklang ist immer ein dreieck mit der spitze nach oben, moll mit der spitze nach unten. grundton und quint sind auf der waagrechten seite, die terz die obere (dur) oder untere (moll) spitze. ein verminderter dreiklang besteht aus zwei \-schritten, ein übermäßiger aus zweimal /. auch die septakkorde lassen sich leicht finden.

der langen rede kurzer sinn: wer sich ein bißchen damit beschäftigt, wird in dieser gitterstruktur alles mögliche finden. und dann sind die prüfungsfragen sicherlich ein kinderspiel...

der erste test

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so liebe leute, jetzt gehts um die wurst. ihr bekommt hier ein paar schöne aufgaben, die ihr mit hilfe des blogs leicht lösen können solltet. die lösungsvorschläge bitte per mail an mich, wer meine mail nicht hat, kann ja fragen.

01) bilde eine durtonleiter über ab!

02) welcher ton befindet sich eine kleine sext über c?

03) welches intervall bilden die töne g# und d und welches intervall ist komplementär dazu?

04) gib die töne an, die eine dissonanz zu f bilden!

05) konstruiere eine harmonische molltonleiter über e!

06) welche tonarten haben 4 # vorgezeichnet?

07) welche vorzeichen gehören zu f-moll und wie heißt die parallele durtonart?

08) welchen akkord bilden die töne f#-a-c?

09) bilde einen übermäßigen dreiklang auf e!

10) bilde quint sowie dur- und mollterz zu db!

11) welcher ton bildet die IV. stufe zu eb-moll, welcher septakkord steht auf dieser stufe und wie lauten die töne dazu?

12) bilde die dreiklänge auf allen stufen von Db-dur und bezeichne sie!

13) bilde alle mollseptakkorde, die auf den stufen von a melodisch moll stehen, und gib ihre töne an! welche septakkordtypen kommen hier sonst noch vor?

14) welchen akkord in welcher umkehrung bilden die töne e-f#-a-c#?

15) welchen akkord bilden drei kleine terzen von h aus gesehen und wie lauten die töne?

16) bilde eine II-V-I-kadenz mit septakkorden auf F#-dur!


viel erfolg, ich hoffe auf zahlreiche teilnahme! für eine ausreichend korrekte lösung gibt es auf wunsch ein zertifikat.

exkurs: von der obertonreihe und den stimmungen

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heute hab ich mal zeit, also schreib ich noch was. das folgende kapitel ist für das verständnis der musiktheorie nicht unbedingt wichtig, aber es erklärt manche hintergründe und gibt weiterführende informationen für jene, die sich dafür interessieren. mir liegt das thema am herzen, und es ist vielleicht auf den ersten blick etwas technisch, aber sehr interessant.

die intervalle, die wir bisher kennengelernt haben, gehen auf pythagoras zurück, der sich in seiner freien zeit gern mit seinem monochord vergnügt hat (das klingt jetzt schweinischer als es ist). er hat festgestellt, daß konsonante intervalle kleine ganzzahlige frequenzverhältnisse haben, dissonante intervalle hingegen eher unharmonische. das sieht so aus:
1                       2             3         4       5     6    (7)  8
|-----------------------|-------------I---------|-------I-----I.........|
|         oktav         |    quint    I  quart  | gr. 3 Ikl. 3I  
           2:1                3:2         4:3      4:3    6:5
die obigen zahlen geben die sogenannten teiltöne der sogenannten obertonreihe an. der erste teilton ist der grundton, die anderen sind die obertöne: der zweite teilton ist der erste oberton usw. - nicht besonders kompliziert.

die abstände zeigen nicht die tatsächlichen frequenzunterschiede, sondern den musikalisch sinnvollen abstand. die mit | bezeichneten abstände sind immer eine oktav auseinander und daher konstant. die wahren frequenzverhältnisse werden durch die verhältnisse der nummern der teiltöne angegeben, wie man es auch ganz unten sieht. der zusammenhang ist logarithmisch, und wenn man zwei intervalle addiert oder subtrahiert, muß man ihre frequenzverhältnisse multiplizieren oder dividieren.

das bedeutet: das verhältnis 2:1 klingt immer nach einer oktav. klarerweise ist 4:2, 6:3 und 8:4 usw. auch immer eine oktav. wer das nicht glaubt, kann es mit dem geo-dreieck abmessen, der abstand ist immer gleich. das verhältnis 3:2 ist die quint, und wie man es sehen kann, ergeben die große und die kleine terz zusammen auch eine quint (6:4). 4:3 ist die quart, 5:4 die große und 6:5 die kleine terz. den 7. teilton lassen wir weg, wir haben jetzt mal genug material zusammen, und er paßt eh nicht ganz. aber der rest auf die oktav, also 8:6, ist ja wieder die quart 4:3. schön, sauber, logisch. hallelujah!

wir haben all unsere konsonanzen zusammen, und können den rest relativ einfach basteln. die große sekund zwischen quint und quart ist (3:2)/(4:3)=9:8, das wäre nach der oktav auch der nächste schritt zur großen none. die kleine sekund kann man als unterschied zwischen der quart und der großen terz bilden, nämlich (4:3)/(5:4)=16:15, das wäre der leitton zur nächsten oktav. die sexten und septimen kann man ebenfalls aus den bisherigen intervallen ableiten, zb. ist die große sext die summe von quint und großer sekund (3:2)*(9:8)=27:16.

als konsonant empfinden wir intervalle, die möglichst viele obertöne gemeinsam haben. es ist relativ einfach zu sehen, daß der erste und der zweite teilton sehr viele obertöne gemeinsam haben (tatsächlich ist jeder oberton des zweiten auch ein oberton des ersten), deswegen klingt die oktav so sauber. der grad der konsonanz nimmt dann langsam ab, der dritte teilton hat schon weniger gemeinsame obertöne mit dem zweiten, der vierte mit dem dritten wieder weniger, wer es hardcore mag, kann es sich ja mal durchrechnen. die abendländische musik hat sich ihre konsonanzen brav erarbeitet, zuerst nur oktav, quint und quart, die terzen sind erst später als konsonant empfunden worden. wenn man sich mal eine weile in oktaven, quinten und quarten schwelgt, klingen plötzliche terzen auch fehl am platz, weil sie eine ganz andere qualität haben. und andere verhältnisse, wie die sekunden oder auch die intervalle, in denen der 7. teilton vorkommt, sind dissonant. wie gesagt, selbst rechnen macht spaß ;-)

bis jetzt klang das ja zu schön um wahr zu sein. und tatsächlich gibt es einen haken. nein, eigentlich zwei. die bösen bösen kommata.

wenn man zum quintenzirkel zurückblättert, sieht es so aus, als könnte man von einem ton ausgehen, lauter quintensprünge nach oben machen, irgendwo enharmonisch wechseln und nach 12 quinten wieder zum ausgangston zurückzukehren. wenn man nachrechnet, wieviele oktaven das sind, kommt man auf 7. wer ein richtiges klavier oder eine kirchenorgel zuhause hat, kann es gern ausprobieren, geht sich aus (auf der blockflöte leider nicht). das problem ist nur... wenn wir das mit unseren oben erarbeiteten zahlenverhältnissen ausprobieren, haut es nicht hin.

12 quinten sind mathematisch ausgedrückt (3:2)12, 7 oktaven hingegen (2:1)7. da erkennt auch der nichtmathematiker vielleicht auf den ersten blick, daß sich das nicht ausgeht, weil zweierpotenzen nie mit dreierpotenzen zusammenfallen können. und tatsächlich, wenn man die beiden brüche in verhältnis setzt, kommt das extrem unschöne ergebnis 312:219 raus. das ist zwar nicht nennenswert mehr als 1, aber doch ein bißchen (1,01364). blöde sache... das ist das pythagoräische komma, und hat die musikgeschichte immerhin ein paar hundert jahre lang geprägt, denn das heißt, mit reinen quinten schließt sich der quintenzirkel gar nicht...

das zweite problem: wenn man auf die große sekund (9:8) noch eine drauflegt, trifft man die große terz leider nicht... (9:8)2=81:64, im gegensatz zu den 5:4 oder erweitert 80:64. dieses zweite komma, das verhältnis 81:80, ist das syntonische (es hat laut wikipedia auch einen anderen namen, den ich bisher noch nie gehört habe, also lasse ich ihn weg), und bedeutet, daß wir mit den reinen quinten eh schon tief in die kacke gegriffen haben, weil schon die terz nicht rein ist... von der diäsis schweigen wir mal lieber, da gibt es sogar zwei, aber die sind nicht so präpotent, ähm prominent in der geschichte, die ich gleich erzählen werde...

im mittelalter, als die mönche im kloster einstimmig in ihre gesänge einstimmten, konnte man die reine tonleiter verwenden, die sich aus den obigen überlegungen ergibt. reine quint, reine quart, reine große terz... ein traum! man nahm selbst in kauf, daß es eigentlich zwei verschiedene große sekunden gab, 9:8 zwischen grundton und II. stufe sowie 10:9 zwischen ebendieser und der terz, wenig überraschend ein syntonisches komma kleiner als die andere. das war insofern kein problem, weil man den grundton noch im ohr hatte, sodaß die reine große terz im höreindruck stärker war als der winzige unterschied bei der sekund. das ist die stimmung, die man am sauberten empfindet, aber leider funktioniert sie nur einstimmig.

nun haben die mönche dann irgendwann begonnen, mehrstimmig zu singen, und wie bereits erwähnt, galten zunächst nur oktav, quint und quart als konsonanzen. das heißt, für die stimmung war es wichtig, eher quintlastig zu sein, damit die zusammenklänge alle sauber sind (die quart als komplementärintervall ist ja dann genauso rein). das heißt, man hatte die quint rein, die große sekund natürlich auch, und die große terz mußte darunter leiden und um das syntonische komma zu groß werden (die heißt dann pythagoräische terz). das ist die pythagoräische stimmung.

das wäre noch nicht so schlimm gewesen, die terz war ja sowieso dissonant, also durfte sie auch etwas unsauber klingen. das größere problem war, daß man beim bau von fix gestimmten instrumenten, zb. orgeln, das oben erwähnte pythagoräische komma irgendwo unterbringen mußte. wenn man nur reine quinten verwendet, schließt sich ja der quintenzirkel nicht. wenn man über dem h mit reinen quinten f#, c# und g# bildet, und unter dem f mit ebenfalls reinen quinten b, eb und ab, dann kommt man mit g# und ab nicht zusammen - man muß sich für einen der beiden töne entscheiden. meist nimmt man dann das g#, und nimmt in kauf, daß eb und g# in den seltenen fällen, in denen sie zusammenkommen (wobei g# dann natürlich ein enharmonisch verwechseltes ab ist), scheiße klingen. man nennt das eine pythagoräische wolfsquint.

als man begann, die terz als konsonant zu empfinden, mußte man auch an der stimmung wieder was schrauben. über gewisse zwischenschritte kam man zu der sogenannten mitteltönigen stimmung. bei dieser werden 11 der 12 quinten um jeweils 1/4 des syntonischen kommas verkleinert, damit die große terz, die durch vier quinten bestimmt wird, ganz rein ist. die quinten sind so wenig unrein, daß das nicht auffällt, nur die zwölfte quint ist viel zu groß und heißt auch wieder wolfsquint. außerdem sind dadurch auch ein paar terzen unrein, das sind aber die, die eher selten verwendet werden. die anderen sind dafür picobello sauber, da stören nicht mal die ein wenig unreinen quinten. um die wolfsquint zu entschärfen kann man die anderen quinten um weniger als 1/4 des syntonischen kommas verkleinern, aber dann werden die terzen auch nicht mehr so supersauber. alles in allem eine feine sache, wenn man nicht alle töne und intervalle braucht. sonst... doof. außer man setzt die häßlichen intervalle bewußt als künstlerisches ausdrucksmittel ein. schirch sind sie trotzdem, aber dann sind sie entschuldigt.

im barock begann man dann den gesamten oktavraum ausfüllen zu wollen, und dazu brauchte man eine stimmung, die das erlaubt. es gab ungefähr eine million alternativen, die eines gemeinsam hatten: sie verteilten das pythagöräische komma auf die 12 quinten des quintenzirkels unterschiedlich, sodaß manche tonarten ganz rein, manche eher unrein waren. das sind die sogenannten wohltemperierten stimmungen, und entgegen der landläufigen meinung nicht mit der heutigen gleichschwebend temperierten zu verwechseln! wohltemperiert, weil alle tonarten innerhalb gewisser toleranzgrenzen spielbar waren, nicht so wie in den stimmungen davor. und durch die unterschiedliche sauberkeit der verschiedenen tonarten ergibt sich die sog. tonartencharakteristik, die sehr stark auf die barockmusik zurückwirkt (zb. klingen alle stücke von bach, die in d-moll komponiert sind, ganz eigen, und ganz anders als zb. die in e-moll).

die wohltemperierten stimmungen heißen werckmeister, kirnberger, valotti-young und wie auch immer nach ihren erfindern, und haben zum teil auch nummern. werckmeister war zb. für seine stimmungsschwankungen bekannt (ha ha), und man nimmt heute an, daß bach das wohltemperirte clavier für eine seiner stimmungen komponiert hat oder zumindest den titel auf eine seiner schriften bezieht. in der praxis schaut das so aus, daß man das pythagoräische komma zb. auf vier, fünf oder sechs quinten aufteilt, die dadurch noch immer nicht schlechter sind als die mitteltönigen, die restlichen quinten bleiben aber rein. die terzen sind wieder nicht ganz rein, aber zumindest brauchbar... wer will, kann ja ein bißchen herumrechnen.

rechnerisch war auch schon die der im barock erwünschten tonartencharakteristik keine rechnung tragende gleichschwebend temperierte stimmung lange bekannt. irgendwann hat sie sich auch durchgesetzt... damit war der unterschiedliche klang der tonarten vom tisch. bei der gleichschwebend temperierten stimmung werden alle quinten um ein zwölftel pyth. komma verkleinert. dadurch ist außer der oktav kein intervall rein, aber alle spielbar, und die enharmonische verwechslung haut auch brauchbar hin. transponieren kann man auch alles. super... naja, man kann davon halten, was man will, sie ist nun mal die, die man heute braucht.

das ganze gilt natürlich nur für instrumente mit fixer stimmung. auf einer geige kann man jederzeit ein wenig danebengreifen, mit der stimme kann man auch flexibel umgehen, viele bläser können den ton auch geringfügig ändern, und lauten und gamben haben verschiebbare bünde, um sich bei bedarf der gerade aktuellen tonart exakter anpassen zu können. aber klaviere, orgeln und diverses anderes zeug sowie natürlich elektronische instrumente sind eben gleichschwebend gestimmt.

man hört bei irgendeiner wunderschönen musik (und auch bei anderen von menschenhand geschaffenen meisterwerken) hin und wieder das wort "gottesbeweis". nun, ohne jemandem zu nahe treten zu wollen, finde ich, daß die ganze problematik mit den stimmungen eher einen gegenbeweis darstellt. einem allmächtigen schöpfer hätte ich durchaus ein in sich stimmiges und perfektes system zugetraut... es sei denn, jemand wollte uns verarschen. so haben wir die quahl der wahl, zu jeder musik die passende nicht ganz perfekte alternative zu wählen. musik ist trotzdem schön, und das halte ich für eine wirklich gute errungenschaft der menschheit. hut ab!

von den akkorden, fürs erste dreistimmig

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was die gitarristen oder songwriter unter euch sicher mehr interessiert, als die bisherigen ausführungen, sind die akkorde. als grundlage ist das bisher gesagte aber wichtig, und wenn sich jemand mal nicht auskennt, dann bitte irgendwo weiter vorne nachlesen.

als akkord bezeichnet man den zusammenklang von drei oder mehr unterschiedlichen tönen (wie hat der zusammenklang zweier töne geheißen?). traditionell gesehen ist ein akkord aus terzen aufgebaut, und obwohl es in der neuen musik auch andere akkordkonstruktionen gibt, werden wir uns hier mit diesen terzengeschichteten akkorden befassen.

wenn man einen grundton hat und darüber zwei terzen schichtet, hat man einen dreistimmigen akkord, den wir auch dreiklang nennen. wir wissen ja, daß es verschiedene terzen gibt, und dementsprechend gibt es natürlich auch verschiedene akkordtypen.

zwei terzen ergeben bekanntlich eine quint, und die reine quint klingt gut und sauber, und daher sind die vorrangig verwendeten akkordtypen jene, bei denen die quint rein ist. die reine quint hat ja insgesamt drei ganztonschritte und einen halbtonschritt, was wiederum bedeutet, daß wir eine große und eine kleine terz addieren müssen, um sie zu erhalten.

nimmt man die große terz über dem grundton und die kleine darüber, hat man einen akkord, der der I., III. und V. stufe einer durtonleiter entspricht (zb. c-e-g). in diesem sinne spricht man auch von einem durdreiklang. dementsprechend heißt die andere möglichkeit, zuerst kleine und dann große terz, wie es auch auf der I. stufe der molltonleiter vorkommt (a-c-e), moll. an sich eine relativ einfache geschichte.

wenn man zwei kleine terzen übereinanderschichtet, ist die daraus resultierende quint vermindert, und so heißt auch der dreiklang. analog dazu heißt der akkord aus zwei großen terzen übermäßig. diese beiden werden euch sehr selten begegnen, der verminderte etwas häufiger als der übermäßige. alles zu seiner zeit.

jetzt nehmen wir mal unsere geliebte c-durtonleiter zur hand und sehen nach, welche akkorde wo vorkommen:
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VIII.=I.                                                  c
    VII.                                              h
     VI.                                      a
      V.                              g
     IV.                      f
    III.                  e
     II.          d
      I.  c
          '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '
auf der I. stufe haben wir (das wurde ja schon erwähnt) den durdreiklang c-e-g. jetzt wäre es natürlich am supersten, wenn ihr selbst schauen könntet, was sich da sonst ergibt auf den verschiedenen stufen... nehmt euch zeit und schaut euch genau die terzen an.

[...]

[dumdidum]

[schon fertig?]

[sicher?]

[schau nochmal genau... ja, bei der VII. stufe...]

[na also!]

also, wie ihr es zweifellos herausgefunden habt, hat eine durtonleiter auf der I., der IV. und der V. stufe jeweils einen durdreiklang, auf der II., III. und VI. einen molldreiklang und auf der VII. stufe einen verminderten. wer etwas anderes hat, möge nochmal nachsehen.

jetzt kommt ein punkt, wo so ein logisches puzzlestück plötzlich auf seinen platzt rutscht und für immer einbetoniert wird. wir erinnern uns: auf der VI. stufe der durtonleiter beginnt die molltonleiter, die (in ihrer natürlichen form) mit dem selben tonmaterial auskommt. man spricht auch von der parallelen molltonart, und man findet sie vom grundton der durtonart aus gesehen eine große sext höher oder, was einfacher zu rechnen ist, eine kleine terz tiefer (und das dur findet man vom moll aus entsprechend, indem man die selben intervalle in die andere richtung nimmt). zu C-dur gehört also a-moll und umgekehrt.

jetzt kommt die überraschung, die wahrscheinlich keine mehr ist: es gibt nicht nur gleich viele dur- wie molldreiklänge auf den stufen unserer durtonleiter, sondern sie lassen sich auch leicht als parallele paare ordnen:
I. stufe dur - VI. stufe moll
IV. stufe dur - II. stufe moll
V. stufe dur - III. stufe moll
praktisch, nicht? gut, der verminderte auf der VII. stufe ist ganz einsam, aber den mag eh keiner, und das hat auch seine gründe.

das coole an den dreiklängen ist, daß es eigentlich1 egal ist, in welcher reihenfolge die töne vorkommen. wenn wir irgendwo (von unten nach oben) sagen wir g-e-c nehmen, ist das trotzdem C-dur, weil die ursprüngliche form c-e-g die einzige ist, in der nur terzen vorkommen. man spricht in diesem zusammenhang von grundstellung und umkehrungen. in der strengen abstrakten musiktheorie betrachtet man die dreiklänge in der engen lange, sodaß die drei töne immer aufeinanderfolgen, und dann gibt es neben der grundstellung (grundton-terz-quint) die erste (terz-quint-gt) und die zweite umkehrung (q-t-gt), denn die nächste wäre wieder die grundstellung. da aber bloße dreiklänge in freier wildbahn selten sind und dann auch nicht unbedingt eng vorkommen, soll uns das egal sein. es schadet nicht, es zu wissen, aber ich werde es nicht abprüfen. wissen muß man nur: akkorde kann man beliebig umkehren, und den grundton findet man, indem man die grundstellung, in der nur terzen vorkommen, rekonstruiert. dann kann man auch errechnen, um welchen akkord es sich handelt. gilt übrigens auch für akkorde aus mehr als drei tönen, mit denen wir uns bald beschäftigen werden.

übrigens sind dur- und molldreiklang die antworten auf die hausübung, die niemand machen wollte. es kommen darin alle konsonanten intervalle vor, wenn man die töne nicht als einzeltöne betrachtet, sondern sie öfter vorkommen läßt. oktav und prim sind klar, die terzen haben wir beim aufeinanderschichten, die quint ergibt sich aus zwei terzen und die quart ist der rest auf die oktav. coole konstruktion, wer auch immer sie sich ausgedacht hat, hatte wohl einen wirklich guten tag. respekt!

die obligatorische zusammenfassung: durch terzenschichtung erzeugt man akkorde. eine große und eine kleine terz ergeben einen durdreiklang, kleine plus große moll (und zwei kleine vermindert und zwei große übermäßig). auf den stufen einer durtonleiter kommen drei durdreiklänge (I., IV. und V. stufe) und ebenfalls drei molldreiklänge vor, die sich jeweil im abstand der mollparallele befinden, außerdem gibt es noch einen verminderten dreiklang auf der VII. stufe. und damit hätten wir uns den wichtigsten grundstein für die harmonielehre schon gelegt.

hausübung! wer bisher gut aufgepaßt hat, kann sie wirklich in zwei minuten machen.

bestimme die akkorde, die aus folgenden tönen augebaut sind:

f#-d-a
c-f-ab


1 das wort "eigentlich" ist hier bewußt gewählt. es gibt natürlich gewisse unterschiede, auf die wir später zu sprechen kommen. wenn wir das ganze vereinfachen und nur den akkordnamen betrachten, ist es unerheblich, wie die töne verteilt sind.

von den modi und der molltonleiter

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wie bereits erwähnt, ist es grundsätzlich egal, wo man eine tonleiter beginnt, denn wenn man sie einfach stufe für stufe abgeht, ist und bleibt sie eine tonleiter. aber es gibt viele verschiedene.

wenn man die töne der durtonleiter hernimmt, aber nicht auf der ersten, sondern auf einer anderen stufe beginnt, hat man einen anderen aufbau, weil ja die halbtonschritte, die in der durtonleiter zwischen der III. und IV. bzw. der VII. und der VIII. stufe zu finden sind, vom neuen ausgangston aus gesehen zwischen anderen stufen sind. fangen wir zb. auf dem d an, bleiben aber bei den tönen von C-dur, ergibt sich folgende verteilung:
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VIII.=I.                                                  d
    VII.                                          c
     VI.                                      h
      V.                              a
     IV.                      g
    III.              f
     II.          e
      I.  d
          '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '
wir sehen, daß die terz vom grundton aus gesehen diesmal klein ist, und auch die septim, was wiederum bedeuet, daß es keinen leitton gibt. das sind ja gleich zwei wichtige unterschiede zur durtonleiter.

interessant ist, daß tatsächlich jede tonleiter, die auf einer jeweils anderen stufe der durtonleiter beginnt, unterschiedlich ist. es gibt also zum tonmaterial einer durtonleiter 7 voneinander verschiedene tonleitern. man nennt diese tonleitern modi oder auch kirchentonarten, weil sie in der kirchenmusik, beginnend bei der gregorianik, eine große rolle spielen. jede kirchentonart hat einen eigenen namen:
  • beginnend auf der I. stufe der durtonleiter heißt die kirchentonart ionisch (entspricht unserem heutigen dur)
  • beginnend auf der II. stufe der durtonleiter heißt die kirchentonart dorisch
  • beginnend auf der III. stufe der durtonleiter heißt die kirchentonart phrygisch
  • beginnend auf der IV. stufe der durtonleiter heißt die kirchentonart lydisch
  • beginnend auf der V. stufe der durtonleiter heißt die kirchentonart mixolydisch
  • beginnend auf der VI. stufe der durtonleiter heißt die kirchentonart äolisch (entspricht unserem heutigen moll)
  • beginnend auf der VII. stufe der durtonleiter heißt die kirchentonart lokrisch
jeder modus ist wie gesagt anders aufgebaut, und daraus ergibt sich auch eine unterschiedliche klangwelt und dementsprechend auch eine unterschiedliche wichtigkeit. lokrisch ist zb. die einzige kirchentonart ohne reine quint und daher äußerst unsanglich, dorisch hingegen sehr melodisch und weit verbreitet. sollte sich jemand weiter mit den modi befassen, viel spaß! da gibt es noch viel zu entdecken. für unsere zwecke hier sind sie allerdings nicht besonders relevant und werden vielleicht hin und wieder in einer analyse, aber auch wenn es dann ums solieren geht, kurz auftauchen.

die beiden tonleitern, die sich aus diesem system prominent herauskristallisiert haben, sind eben dur und moll. das hängt unter anderem mit der zunahme des harmonischen denkens gegen ende des mittelalters zusammen und soll uns historich nicht weiter beschäftigen (auch wenn es ein spannendes thema ist). dur haben wir ja schon kennengelernt, und wie sieht moll aus?
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VIII.=I.                                                  a
    VII.                                          g
     VI.                                  f
      V.                              e
     IV.                      d
    III.              c
     II.          h
      I.  a
          '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '
das ist a-moll, wie ihr seht, schreibe ich diesmal auch den namen klein, damit kann man dur und moll schriftlich leicht auseinanderhalten. die molltonleiter hat im gegensatz zur durtonleiter vom grundton aus gesehen eine kleine terz, eine kleine sext und eine kleine septim. und damit fängt es schon an...

moll ist sehr schön, weniger strahlend als dur (das liegt an der kleinen terz), aber entgegen der landläufigen meinung nicht immer traurig, sondern sagen wir eher subtil. das einzige problem von moll ist, daß es keinen leitton gibt, es daher nicht ohne weiteres möglich ist, eine melodie in moll von unten zum grundton hin abzuschließen.

dafür gibt es eine hilfskonstruktion, die in der freien wildbahn nicht so in der form vorkommt, aber die möglichkeit der lösung ganz schön illustriert:
          .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .
VIII.=I.                                                  a
    VII.                                          -> g#
     VI.                                  f
      V.                              e
     IV.                      d
    III.              c
     II.          h
      I.  a
          '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '
das ist die sogenannte harmonische molltonleiter. harmonisch deshalb, weil man dem harmonischen bedüfnis nach einem leitton entgegenkommt, indem man die VII. stufe nach oben alteriert. an sich eine gute sache, und man könnte sich beruhigt schlafen legen, wäre da nicht...

sehr richtig, du hast es sofort entdeckt. zwischen f und g# klafft ein riesiges loch... wer dazu kleine terz sagt, macht sofort 200 liegestütz, das ist nämlich eine übermäßige sekund (stufen zählen!). und diese übermäßige sekund hat eine nervige eigenschaft, nämlich daß sie eigenartig klingt, und zwar besonders in verbindung mit den beiden kleinen sekunden, die sie umrahmen.

aus diesem grund kommt in der klassischen musik die harmonische molltonleiter auch nicht wirklich in dieser form vor, damit dieser unsangliche schritt vermieden wird. da geht man zb. lieber vom f wieder hinunter, bis zum a und dann noch weiter zum g#, und nutzt den leitton aus. oder man macht den komplementären sprung, vom f hinunter zum g#, das ist dann eine...? richtig, verminderte septim. kommt bei bach oft vor, sehr geil.

in anderen musikstilen kann man der harmonischen molltonleiter aber begegnen. durch die übermäßige sekund mutet sie etwas orientalisch an, und tatsächlich verwendet man sie gern, um arabischen, türkischen oder einen anderen exotischen einfluß zu simulieren. auch im jazz oder beim flamenco kann man sie gut verwenden, wenn sie paßt.

die harmonische molltonleiter befriedigt also nicht unbedingt das bedürfnis, eine molltonleiter zu haben, die von unten nach oben melodisch schön verläuft und dennoch einen leitton hat. was machen wir denn da?
          .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .
VIII.=I.                                                  a
    VII.                                          -> g#
     VI.                                  -> f#
      V.                              e
     IV.                      d
    III.              c
     II.          h
      I.  a
          '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '
und so sieht die lösung aus: die melodische molltonleiter. um die übermäßige sekund auszugleichen, wird einfach auch die VI. stufe nach oben alteriert. der mollcharakter bleibt aufgrund der kleinen terz noch erhalten, aber wir haben einen schönen melodischen verlauf und einen leitton. yippie!

strenggenommen ist die melodische molltonleiter noch ein bißchen anders... denn wenn man wieder hinuntergehen will, braucht man ja keinen leitton... und daher hat die melodische molltonleiter nach unten die ursprüngliche form, also ohne die beiden alterierten töne. aber das ist nur so eine art hirnwichserei...

um es nochmal festzuhalten: kein komponist denkt sich jemals: "hmm, ich verwende da jetzt glaube ich eine melodische molltonleiter", sondern das ergibt sich einfach. wenn man in moll herumspielt, kommt man manchmal in die situation, einen leitton zu brauchen und daher die VII. stufe nach oben zu alterieren, und hin und wieder muß man die VI. auch anpassen. wenn man das dann nachträglich analysiert, spricht man von diesen drei (der natürlichen, der harmonischen und der melodischen) molltonleitern, aber tatsächlich sind die beiden letzten nur hilfskonstruktionen, um die alterationen zu verstehen.

das wars auch schon wieder... nicht schwer, oder? bisher haben wir uns mit melodischen, also horizontalen zusammenhängen beschäftigt, das nächste mal kommen wir auf die harmonischen zu sprechen. und ihr werdet sehen, daß das alles mit moll- und durterz und leitton auch aus einem anderen blickwinkel einen sinn ergibt. das ist ja das schöne an der musiktheorie...

von den tonleitern und dem quintenzirkel

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eine tonleiter haben wir schon getroffen, die C-durtonleiter. jetzt werden wir nicht nur enthüllen, wieso diese so heißt, sondern auch, welche anderen es da noch gibt. und dann machen wir bekanntschaft mit dem ominösen quintenzirkel, dem alptraum aller musikschüler, die hoffentlich nach meiner erklärung besser schlafen können werden.

wieso die C-durtonleiter nach dem c benannt ist, ist nicht schwer herauszufinden, immerhin beginnt sie beim c. daraus können wir schon mal ableiten: tonleitern werden nach ihrem grundton, dem ton der I. stufe, benannt. und was bedeutet dur?

tonleitern definiert man nach ihrer genauen zusammensetzung und kann sie auch systematisch gruppieren. die durtonleiter ist eine sog. diatonische tonleiter, was bedeutet, daß die oktave aus 5 großen und 2 kleinen sekunden aufgebaut ist, wobei die beiden kleinen weder aufeinanderfolgen noch weiter als 3 große auseinander sind. wie die sekunden nun genau verteilt sind, bestimmt das tongeschlecht, in unserem fall dur.
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VIII.=I.                                                  c
    VII.                                              h
     VI.                                      a
      V.                              g
     IV.                      f
    III.                  e
     II.          d
      I.  c
          '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '
wir sehen hier, was wir schon einmal gelernt haben: die beiden kleinen sekunden sind zwischen der III. und IV. sowie VII. und VIII.=I. stufe zu finden. das ist die definition von dur, jede solche tonleiter ist eine durtonleiter.

besondere kennzeichen von dur sind außerdem: eine große terz als III. stufe (wir werden später sehen, wieso das wichtig ist), eine reine quart als IV., eine reine quint als V. und eine große septim, ein sogenannter leitton, als VII. stufe. der leitton ist dafür zuständig, daß eine melodie, die von unten schrittweise den grundton erreicht (also den schritt VII.-VIII. macht), eine schlußwirkung hat. daran erkennt unser ohr, daß wir den grundton erreicht haben.

ich habe ja schon mal irgendwo erwähnt, daß man eine tonleiter auf jedem beliebigen ton beginnen könnte. nehmen wir an, wir wollten eine tonleiter auf dem d aufbauen. wenn wir dann die oben genannten töne behalten, ist es offensichtlich keine durtonleiter mehr, denn die kleinen sekunden befinden sich zwischen der II. und III. sowie VI. und VII. stufe. das wäre also irgendeine tonleiter auf d, aber kein dur.

wie können wir nun andere durtonleitern basteln? sehen wir dazu mal die großen sekunden an. bei C-dur haben wir zunächst zwei und dann nach der ersten kleinen drei davon. schreiben wir mal die zahl der jeweils aufeinanderfolgenden großen sekunden und ein k für eine kleine sekund, ergibt sich folgende abstrakte darstellung für die durtonleiter: 2-k-3-k. und das könnte man ja jetzt unendlich fortsetzen, also 2-k-3-k-2-k-3-k-2-k-3-k-2-k-3-k-2-k-3-k-2...

wir wissen ja, daß man eine große sekund zu einer kleinen verkleinern und eine kleine zu einer großen vergrößern kann. wenn wir also aus dem oben genannten muster mit möglichst wenig aufwand eine andere durtonleiter basteln wollen, dann haben wir zwei möglichkeiten:
  • die kleine sekund nach den zwei großen vergrößern, worduch sich die folgende große verkleinert. dann haben wir also statt 2-k-3-k eben 3-k-2-k.... die so geschaffene durtonleiter beginnt bei der 2, also auf der V. stufe der ursprünglichen tonleiter.
  • die dritte der drei großen verkleinern, wodurch sich die folgende kleine vergrößert. dann haben wir statt ...k-3-k-2 eben ...k-2-k-3.... die so geschaffene durtonleiter beginnt bei der 2, das ist die IV. stufe der ursprünglichen tonleiter.
alles klar? man braucht also nur einen ton ändern, um aus einer durtonleiter eine andere zu machen. in der praxis sieht die erste möglichkeit so aus:
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VIII.=I.                                                  c
    VII.                                              h
     VI.                                      a
      V.                              g
     IV.                       -> f#
    III.                  e
     II.          d
      I.  c
          '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '
wir haben die IV. stufe erhöht, damit haben wir auf c keine durtonleiter mehr, aber wenn wir auf dem g beginnen, geht es sich aus:
          .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .
VIII.=I.                                                  g
    VII.                                              f#
     VI.                                      e
      V.                              d
     IV.                      c
    III.                  h
     II.          a
      I.  g
          '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '
das ist also, richtig geraten, G-dur. der erhöhte ton wird hier zum neuen leitton (VII. stufe).

die andere möglichkeit war:
          .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .
VIII.=I.                                                  c
    VII.                                          b <-
     VI.                                      a
      V.                              g
     IV.                      f
    III.                  e
     II.          d
      I.  c
          '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '
die VII. stufe wir erniedrigt, damit haben wir auf c wieder kein dur mehr, aber auf f:
          .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .
VIII.=I.                                                  f
    VII.                                              e
     VI.                                      d
      V.                              c
     IV.                      b
    III.                  a
     II.          g
      I.  f
          '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '
das ist dann F-dur. der erniedrigte ton wird hier zur neuen IV. stufe.

natürlich könnten wir das jetzt auch weiterführen, und bei G-dur wieder die IV. stufe erhöhen oder bei F-dur wie VII. erniedrigen, und damit hätten wir wieder zwei neue durtonarten. wenn wir hingegen bei G-dur die VII. stufe erniedrigen oder bei F-dur die IV. erhöhen, kommen wir zurück zu C-dur, denn das würde genau das, was wir oben gemacht haben, aufheben.

erhöht man also die IV. stufe in einer durtonleiter, erhält man eine, die auf der V. stufe der ausgangstonleiter beginnt. der abstand der beiden tonleitern ist eine quint, mit jedem erhöhten ton steigt man noch eine quint hinauf. und hinunter? der abstand c-f ist ja eine quart, aber rechne mal in die andere richtung, also vom c zum f hinunter! das ist auch eine quint. mit jeder erniedrigten VII. stufe bekommt man also eine durtonleiter, die eine quint tiefer beginnt (oder eine quart höher, das ist ja wie wir wissen komplementär). und so ergibt sich der sogenannte quintenzirkel ganz natürlich. so sieht er aus:was können wir aus dem quintenzirkel herauslesen? ganz oben steht C-dur, und wie wir wissen, kommen darin keine alterierten (erhöhten oder erniedrigten) töne vor. mit einem # haben wir vorhin daraus G-dur gemacht, das sehen wir im uhrzeigersinn. mit einem zweiten # würde daraus D-dur werden, mit einem dritten A-dur usw., immer eine reine quint höher. und gegen den uhrzeigersinn sehen wir die andere möglichkeit: mit einem b haben wir F-dur gebastelt, und wenn man das konsequent weiterdenkt, kommt man mit zwei b also zu B-dur, dann zu Es-dur usw., immer eine quint tiefer.

die beiden arme des quintenzirkels treffen sich unten bei Fis/Ges-dur, wobei wir ja wissen, daß das nicht die selbe tonart ist, sondern nur enharmonisch verwechselbar. wirklich geschlossen ist der quintenzirkel also strenggenommen gar nicht, aber das ist für die praxis nicht sonderlich relevant. theoretisch könnte man sowohl die #- als auch die b-tonarten weiterführen, aber sie wären dann immer enharmonisch zu einer anderen, einfacheren tonart.

# und b sind, wie wir auch schon gelernt haben, versetzungszeichen, weil sie die töne nach oben oder unten versetzen (alterieren). wenn man nun einen ton nicht einmal, sondern jedes mal versetzt, weil es die tonart fordert, wäre es etwas unökonomisch, jedes mal ein versetzungszeichen zu schreiben. hier in meinem textbasierten blog wird mir leider nichts anderes übrigbleiben, aber mit der richtigen notenschrift hat man es leichter: man schreibt einfach ein # oder ein b (oder auch mehrere) ganz an den anfang des stückes, und schon gilt er für alle töne, die er berührt. wenn man also ein # zum f schreibt, dann ist immer ein f# zu spielen, wenn man ein b zum h schreibt, immer ein b. die durtonleitern erkennt man also am vorzeichen, und aus dem quintenzirkel kann man herauslesen, um welche tonart es sind handelt. sind 5 b vorgezeichnet, ist es...? richtig, Des-dur.

ihr könnt euch denken, die position der # und b ist nicht beliebig. wir haben ja vorher gesehen, daß der mit einem # erhöhte ton immer zum neuen leitton wird, und ein leitton ist ja die VII. stufe und vom grundton aus immer ganz leicht zu finden: eine kleine sekund nach unten. bei G-dur ist der erhöhte ton das f#. bei D-dur bleibt das f# in der tonleiter, und es kommt noch der neue leitton, also c# dazu. bei A-dur haben wir den dritten #-ton, nämlich das g#. ihr seht, auch die erhöhten töne folgen dem quintmuster. frage: welche 5 # (in der richtigen reihenfolge natürlich) sind bei H-dur zu finden? der erste mit der richtigen antwort gewinnt... einen gratis musiktheoriekurs auf meinem blog. der zweite auch. für den dritten überleg ich mir was...

mit den b ist es eigentlich noch leichter. das erste b ist ja das b auf der IV. stufe von F-dur. die nächste b-tonart ist B-dur, und wer sich das mit dem quintmuster gemerkt hat, wird sich schon denken können: der neue b-ton der jeweiligen tonart und die jeweils nächste b-tonart haben den selben namen...! demnach müßte für B-dur eben das eb folgen, für Es-dur das ab und so weiter... die abfolge der b-töne kann man ganz einfach aus dem quintenzirkel ablesen. Ges-dur hat demnach welche vorzeichen?1

das schöne an einem logischen system ist, daß man auch andersrum dort hinkommt, wo man hin will. nehmen wir mal an, ich hätte noch nie vom quintenzirkel gehört, wollte aber die A-durtonleiter bilden. wie kann ich vorgehen?

der aufbau der durtonleiter ist ja vorgegeben: zwei große sekunden, eine kleine, dann drei große und noch eine kleine. und wenn man einfach vom a ausgeht und die töne, die nicht in dieses muster passen, entsprechend alteriert, kommt man auch hin.
          .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .
VIII.=I.                                                  a
    VII.                                           -> g#
     VI.                                   -> f#
      V.                              e
     IV.                      d
    III.               -> c#
     II.          h
      I.  a
          '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '
und überraschung, das entsprich genau dem, was der quintenzirkel uns sagt, nämlich: A-dur hat drei #-töne. ist doch schön, recht gehabt zu haben...

so, genug von dur, mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen. und da das kapitel auch schon wieder lang geworden ist, nur noch kurz ein kleiner ausblick:

es gibt neben der durtonleiter auch noch andere. zu den diatonischen (was das ist, steht oben im dritten absatz) gehören noch natürliches und melodisches moll sowie die modi (kirchentonarten), und dann gibt es noch eine ganze menge nichtdiatonische. werden wir zu gegebener zeit alles noch lernen. die gute nachricht ist: alle tonleitern gehorchen dem oben gezeigten quintprinzip, sprich: eine gleiche tonleiter mit jeweils einem vorzeichen mehr ist eine quint höher (#) oder tiefer (b). musik ist schon was schönes...

nochmal eine kurze zusammenfassung: das tongeschlecht ist durch den aufbau der tonleiter definiert, für dur haben wir das genau betrachtet. andere tonarten kann man ganz leicht bilden, und die vorzeichen kommen im quintabstand dazu, was man aus dem quintenzirkel ablesen kann.

ich möchte darauf hinweisen, daß noch eine aufgabe vom letzten mal ausständig ist. oder war die zu schwer?


1 ihr seht, ich bin etwas inkonsequent mit der schreibweise, bei den tönen schreibe ich f# oder es, bei den tonarten Fis-dur oder Es-dur. das hat schon gewisse gründe... bei den tönen ist es meist ein zeichen weniger, und ich bin faul. außerdem sieht man so wirklich sofort, ob es ein #- oder b-ton ist, und vielleicht verwechselt ja jemand gern fis mit fes oder so. bei den tonarten hab ich die schreibweise des bildes übernommen, ich wollte nicht so lang rumsuchen, bis ich ein bild finde, das meinen vorstellungen noch besser genügt (es hätte andere gegeben, die wesentlich weniger gepaßt hätten). in zukunft werde ich auch bei den tonarten meine schreibweise verwenden. ich glaube, damit kann jeder arbeiten, oder?