(i've got the) durchblick
Friday, December 21, 2007 5:51:07 PM
wie es einigen bereits aufgefallen ist, trage ich meine brille im wesentlichen nicht mehr. die einzige wirkliche ausnahme bildet die bildungseinrichtung, aus weiter unten angeführten gründen, und sonst halt wenn ich in einem buchgeschäft etwas konkretes suche oder so. aber sonst nicht.
der grund dafür ist, daß einerseits, wie bereits vor längerem festgehalten, meine augen in den letzten jahren besser geworden sind, und andererseits die tatsache, daß ich es tatsächlich, wie ebendort auch schon angesprochen, entspannender finde, nicht alles scharf zu sehen. eine gewisse sehnsucht danach ist schon vorhanden, aber die wirkt eher als motivation für die augen, noch besser zu werden, denn für meine hände, meine brille auf meine nase zu setzen.
inzwischen haben wir sogar zwei so anti-brillen-bücher, wobei ich wohlgemerkt nicht derjenige bin, der sie kauft (hmm, na gut, rein technisch gesehen bin das schon ich gewesen, ich gebs ja zu) und liest, sondern meine bessere hälfte. sprich, sie kauft (läßt kaufen) und liest, und meine augen werden besser. irgendwie fair, finde ich (sie nicht).
das zweite buch ist im gegensatz zum ersten, wenn ich richtig verstanden habe (ich habs ja nicht gelesen), kein herkömmlicher ratgeber, sondern, zumindest im ersten teil, ein motivationsbuch. es enthält vermutlich sowas wie eine leserbeschimpfung, die dazu dienen soll, sich zu motivieren, seine brille überhaupt erst loswerden zu wollen. es ist jedenfalls so eine anekdote von einem gelähmten könig drin, den kein arzt der welt heilen kann, bis ein heiler ihn dann auf hier nicht näher zu erörternde art und weise mißhandelt und mit seinem geld hinausmarschiert, was den könig wiederum dazu bringt, ihm nachzukriechen und im zuge dessen seine lähmung zu besiegen. klingt jetzt ein bißchen sarkastisch, ist aber glaube ich tatsächlich ein interessantes und empfehlenswertes anti-brillen-buch. vielleicht werde ich es sogar mal lesen.
es ist jedenfalls wirklich so, daß es mir kaum noch auffällt, daß ich nicht scharf sehe (außer ich sehe grad nicht scharf... also außer es fällt mir grad auf... ach, ihr wißt schon was ich meine). inzwischen spiele ich sogar frisbee ohne brille, und bisher hat sich niemand ob der mangelnden qualität meiner langen pässe aufgeregt (jedenfalls nicht mehr als sonst). lesen geht sowieso schon lang ohne brille, computerbildschirm auch, straßenschilder kann ich auch lesen, oft sogar von dere anderen straßenseite... wozu also noch eine brille?
das einzige, was nicht gut geht, sind kleine, weiter entfernte buchstaben, was zb. beim einkaufen schon manchmal schwierig ist, und gesichter. ich erkenne menschen ohne brille (also ich ohne brille, nicht die menschen, außer die, die eh keine tragen) je nach lichtsituation erst so auf 5-10 m entfernung am gesicht, was zum beispiel bei lauter blaueschuluniformtragenden gleichaussehenden schülern ein problem wäre. deswegen ist die schule der einzige ort, wo ich durchgehend meine brille trage.
gut, jetzt könnte man sich fragen, wenn ich eh weiß, wer wo sitzt, muß ich die kinder ja dann nicht jedes mal aufs neue erkennen. stimmt schon, aber das ist ja nicht alles, worum es geht. wenn man jemanden bewußt beobachtet und die zeichen zu deuten weiß, kann man einiges davon erkennen, was gerade in dieser person vor sich geht, wofür sie gerade empfänglich ist und wofür nicht, und so weiter. in trainer- und coachinglehrgängen lernt man sowas, und obwohl ich ehrlich gesagt nicht immer extra drauf achte, wurde mir sogar schon unterstellt, ich könne gedanken lesen (dabei hab ich einfach mal was akustisch mitbekommen, was nicht für meine ohren bestimmt war, und es ein anderesmal geschickt eingebracht. billiger trick, genau wie der mit den fünf gegenständen, aber manche fallen auf sowas gern rein).
wie auch immer, für mich als potentiell erfolgreichen pädagogen ist es sehr wichtig, genau zu sehen, was meine schüler so für anzeichen zeigen, bevor ich pauschal und ignorant drüberfahre - man muß ja nicht jedem entgegenkommen, der mir auch nicht entgegenkommen will. wer mir aber gern entgegenkommt, kann hoffentlich bestätigen, daß ich ganz gut auf ihn eingehen kann, was wie gesagt auch mit den oben erwähnten sichtbaren kommunikationselementen zusammenhängt.
es wird also noch ein bißchen dauern, bis ich in der schule auch ohne brille auskomme (wie schnell sich meine augen verbessern, kann ich schwer sagen, mit der im frühling bewußt unterkorrigierenden brille seh ich jedenfalls inzwischen komplett scharf. wenn ich nicht eben meine brille loswerden wollen würde, müßte ich mir direkt noch eine schwächere zulegen.), aber das eilt ja auch nicht. nach mehreren stunde brilletragen bekomme ich zwar in letzter zeit hin und wieder kopfschmerzen, allerdings könnte daran die 5A auch nicht gerade unschuldig sein.
das experience-konzert am mittwoch habe ich auch ohne brille bestritten, von der bühne aus sieht man ja eh nicht wahnsinnig viel, und die setliste hab ich grad so lesen können. der effekt, unter leuten und trotzdem nicht derjenige zu sein, der andere zuerst erkennt, ist übrigens auch recht entspannend. es nimmt einem die verantwortung, sich an jeden zu erinnern, an den man sich erinnert (und das vielleicht gar nicht möchte - wobei ich davon alle leser dieses blogs ausnehmen möchte). sollte sich jemand mal übersehen fühlen, hab ich ihn tatsächlich übersehen, aber nicht aus persönlichen, sondern rein aus optometrischen gründen.
und jetzt freue ich mich auf zwei wochen ohne brille... wer mich trotzdem mit brille erwischt, darf mich ruhig auf einen punsch einladen. frohe weihnachten!














gyurigyuri77 # Sunday, December 23, 2007 11:54:20 AM
chrischris91 # Sunday, December 23, 2007 4:03:09 PM