surströmming
Sunday, 6. September 2009, 15:16:40
das ganze fing nicht erst an, als mein norwegischer bruder letztens aus schweden gefacebookt und damit indirekt angeboten hat, mir was mirzunehmen. meine faszination für grausliches essen ist hoffentlich allseits bekannt, und so überrascht es kaum jemanden, daß ich mir surströmming (bitte zuerst studieren und erst dann weiterlesen) gewünscht habe. und wer wenn nicht gergô ist auch manns genug, solche indirekten angebote auch in die tat umzusetzen, selbst wenn das auf dem flug explosionsgefahr bedeuten sollte.
wir haben uns heute bestens ausgerüstet auf der donauinsel getroffen, ich sage lieber nicht genau wo, um einer eventuellen strafverfolgung zu entgehen. trotz eines zeitgerechten und ausnehmend einladend formulierten aufrufs bei facebook kam nur bodi, der alte schwede, dazu, und er auch mit einer fast einstündigen verspätung. da war fast schon der ganze spaß vorbei.
gergô hat die dose in einem eimer wasser geöffnet, was dann blubberbläschen und gestank produziert hat. beides hielt sich in grenzen, wobei der geruch qualitativ durchaus penetrant war, eine mischung aus verwesung und fisch zum quadrat. wir konnten auf jeden fall erahnen, wie es ohne wasser gerochen hätte.
nachdem die dose ausgeblubbert war, haben wir sie ganz aufgemacht und in einem frischen eimer wasser fertigstinken lassen, danach die fische entnommen und wieder in einem frischen eimer wasser ein bißchen ausgelüftet und dann noch unter fließendem wasser abgewaschen.
die fische selber haben recht unschuldig wie jeder andere tote hering ausgeschaut, und ich habe schon die hoffnung gehegt, daß der geschmack doch recht interessant sein könnte. bei hákarl etwa ist es ja so, daß man, wenn man den ammoniakgeruch ignoriert, mit einem durchaus spannenden geschmackserlebnis nach reifem käse belohnt wird. muß auch nicht jedem schmecken, aber ich habs gemocht.
leider hält sich surströmming nicht an diese einfache regel und schmeckt auch abseits des geruchs eher penetrant, sauer, verwest und extrem salzig. selbst mit viel beiwerk haben wir uns eher zwingen müssen, um ihn runterzukriegen. bodi hat überhaupt gekniffen und hat sich rein vegetarisch ernährt.
der wunderbare geruch, den wir zu diesem zeitpunkt kaum noch wahrnahmen, hat auch freunde gefunden: ungefähr alle fliegen und wespen der donauinsel haben sich auf unseren tellern und um den eimer herum (die dümmeren unter ihnen gleich im eimer) versammelt. wir haben ihnen nahegelegt, sich nach schweden zu verabschieden, aber wie ich glaube erfolglos.
nachdem wir satt waren (recht bald also), haben wir alle reste umwelt- und mitmenschengerecht entsorgt und alles, was mit dem fisch oder mit etwas, was mit dem fisch in berührung gekommen ist, in berührung gekommen ist, schön mit seife ab-, aus- und einfach nur so gewaschen. und nach ein paar kilo schwedischer schokolade und diversen kaugummis war das erlebnis rückwirkend eigentlich total witzig.
heute abend gibt es dann matjesfilets mit sardellenpaste und eine ungarische fischsuppe, und fischstäbchen oder diese wunderbar öligen makrelen vom billa habe ich auch schon lang nicht gegessen. und sollte jemand bald in japan sein, ich würde mich über funazushi freuen.
was ich aus dem heutigen tag gelernt habe:
a) man muß die ferien ordentlich verabschieden, wenn man sich schon nicht auf die schule freut.
b) manches klingt nicht nur grauslich, sondern ist es auch.
c) die schweden sind ein spinnertes volk (darüber kann man sicher diskutieren).
d) facebookmenschen sind feig und unspontan.














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