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ein bißchen musiktheorie und all das andere zeug

von den modi und der molltonleiter

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wie bereits erwähnt, ist es grundsätzlich egal, wo man eine tonleiter beginnt, denn wenn man sie einfach stufe für stufe abgeht, ist und bleibt sie eine tonleiter. aber es gibt viele verschiedene.

wenn man die töne der durtonleiter hernimmt, aber nicht auf der ersten, sondern auf einer anderen stufe beginnt, hat man einen anderen aufbau, weil ja die halbtonschritte, die in der durtonleiter zwischen der III. und IV. bzw. der VII. und der VIII. stufe zu finden sind, vom neuen ausgangston aus gesehen zwischen anderen stufen sind. fangen wir zb. auf dem d an, bleiben aber bei den tönen von C-dur, ergibt sich folgende verteilung:
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VIII.=I.                                                  d
    VII.                                          c
     VI.                                      h
      V.                              a
     IV.                      g
    III.              f
     II.          e
      I.  d
          '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '
wir sehen, daß die terz vom grundton aus gesehen diesmal klein ist, und auch die septim, was wiederum bedeuet, daß es keinen leitton gibt. das sind ja gleich zwei wichtige unterschiede zur durtonleiter.

interessant ist, daß tatsächlich jede tonleiter, die auf einer jeweils anderen stufe der durtonleiter beginnt, unterschiedlich ist. es gibt also zum tonmaterial einer durtonleiter 7 voneinander verschiedene tonleitern. man nennt diese tonleitern modi oder auch kirchentonarten, weil sie in der kirchenmusik, beginnend bei der gregorianik, eine große rolle spielen. jede kirchentonart hat einen eigenen namen:
  • beginnend auf der I. stufe der durtonleiter heißt die kirchentonart ionisch (entspricht unserem heutigen dur)
  • beginnend auf der II. stufe der durtonleiter heißt die kirchentonart dorisch
  • beginnend auf der III. stufe der durtonleiter heißt die kirchentonart phrygisch
  • beginnend auf der IV. stufe der durtonleiter heißt die kirchentonart lydisch
  • beginnend auf der V. stufe der durtonleiter heißt die kirchentonart mixolydisch
  • beginnend auf der VI. stufe der durtonleiter heißt die kirchentonart äolisch (entspricht unserem heutigen moll)
  • beginnend auf der VII. stufe der durtonleiter heißt die kirchentonart lokrisch
jeder modus ist wie gesagt anders aufgebaut, und daraus ergibt sich auch eine unterschiedliche klangwelt und dementsprechend auch eine unterschiedliche wichtigkeit. lokrisch ist zb. die einzige kirchentonart ohne reine quint und daher äußerst unsanglich, dorisch hingegen sehr melodisch und weit verbreitet. sollte sich jemand weiter mit den modi befassen, viel spaß! da gibt es noch viel zu entdecken. für unsere zwecke hier sind sie allerdings nicht besonders relevant und werden vielleicht hin und wieder in einer analyse, aber auch wenn es dann ums solieren geht, kurz auftauchen.

die beiden tonleitern, die sich aus diesem system prominent herauskristallisiert haben, sind eben dur und moll. das hängt unter anderem mit der zunahme des harmonischen denkens gegen ende des mittelalters zusammen und soll uns historich nicht weiter beschäftigen (auch wenn es ein spannendes thema ist). dur haben wir ja schon kennengelernt, und wie sieht moll aus?
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VIII.=I.                                                  a
    VII.                                          g
     VI.                                  f
      V.                              e
     IV.                      d
    III.              c
     II.          h
      I.  a
          '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '
das ist a-moll, wie ihr seht, schreibe ich diesmal auch den namen klein, damit kann man dur und moll schriftlich leicht auseinanderhalten. die molltonleiter hat im gegensatz zur durtonleiter vom grundton aus gesehen eine kleine terz, eine kleine sext und eine kleine septim. und damit fängt es schon an...

moll ist sehr schön, weniger strahlend als dur (das liegt an der kleinen terz), aber entgegen der landläufigen meinung nicht immer traurig, sondern sagen wir eher subtil. das einzige problem von moll ist, daß es keinen leitton gibt, es daher nicht ohne weiteres möglich ist, eine melodie in moll von unten zum grundton hin abzuschließen.

dafür gibt es eine hilfskonstruktion, die in der freien wildbahn nicht so in der form vorkommt, aber die möglichkeit der lösung ganz schön illustriert:
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VIII.=I.                                                  a
    VII.                                          -> g#
     VI.                                  f
      V.                              e
     IV.                      d
    III.              c
     II.          h
      I.  a
          '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '
das ist die sogenannte harmonische molltonleiter. harmonisch deshalb, weil man dem harmonischen bedüfnis nach einem leitton entgegenkommt, indem man die VII. stufe nach oben alteriert. an sich eine gute sache, und man könnte sich beruhigt schlafen legen, wäre da nicht...

sehr richtig, du hast es sofort entdeckt. zwischen f und g# klafft ein riesiges loch... wer dazu kleine terz sagt, macht sofort 200 liegestütz, das ist nämlich eine übermäßige sekund (stufen zählen!). und diese übermäßige sekund hat eine nervige eigenschaft, nämlich daß sie eigenartig klingt, und zwar besonders in verbindung mit den beiden kleinen sekunden, die sie umrahmen.

aus diesem grund kommt in der klassischen musik die harmonische molltonleiter auch nicht wirklich in dieser form vor, damit dieser unsangliche schritt vermieden wird. da geht man zb. lieber vom f wieder hinunter, bis zum a und dann noch weiter zum g#, und nutzt den leitton aus. oder man macht den komplementären sprung, vom f hinunter zum g#, das ist dann eine...? richtig, verminderte septim. kommt bei bach oft vor, sehr geil.

in anderen musikstilen kann man der harmonischen molltonleiter aber begegnen. durch die übermäßige sekund mutet sie etwas orientalisch an, und tatsächlich verwendet man sie gern, um arabischen, türkischen oder einen anderen exotischen einfluß zu simulieren. auch im jazz oder beim flamenco kann man sie gut verwenden, wenn sie paßt.

die harmonische molltonleiter befriedigt also nicht unbedingt das bedürfnis, eine molltonleiter zu haben, die von unten nach oben melodisch schön verläuft und dennoch einen leitton hat. was machen wir denn da?
          .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .
VIII.=I.                                                  a
    VII.                                          -> g#
     VI.                                  -> f#
      V.                              e
     IV.                      d
    III.              c
     II.          h
      I.  a
          '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '   '
und so sieht die lösung aus: die melodische molltonleiter. um die übermäßige sekund auszugleichen, wird einfach auch die VI. stufe nach oben alteriert. der mollcharakter bleibt aufgrund der kleinen terz noch erhalten, aber wir haben einen schönen melodischen verlauf und einen leitton. yippie!

strenggenommen ist die melodische molltonleiter noch ein bißchen anders... denn wenn man wieder hinuntergehen will, braucht man ja keinen leitton... und daher hat die melodische molltonleiter nach unten die ursprüngliche form, also ohne die beiden alterierten töne. aber das ist nur so eine art hirnwichserei...

um es nochmal festzuhalten: kein komponist denkt sich jemals: "hmm, ich verwende da jetzt glaube ich eine melodische molltonleiter", sondern das ergibt sich einfach. wenn man in moll herumspielt, kommt man manchmal in die situation, einen leitton zu brauchen und daher die VII. stufe nach oben zu alterieren, und hin und wieder muß man die VI. auch anpassen. wenn man das dann nachträglich analysiert, spricht man von diesen drei (der natürlichen, der harmonischen und der melodischen) molltonleitern, aber tatsächlich sind die beiden letzten nur hilfskonstruktionen, um die alterationen zu verstehen.

das wars auch schon wieder... nicht schwer, oder? bisher haben wir uns mit melodischen, also horizontalen zusammenhängen beschäftigt, das nächste mal kommen wir auf die harmonischen zu sprechen. und ihr werdet sehen, daß das alles mit moll- und durterz und leitton auch aus einem anderen blickwinkel einen sinn ergibt. das ist ja das schöne an der musiktheorie...

maestro, musik!kurze zwischenfrage

Comments

Anonymous 14. December 2007, 15:00

Iris writes:

Super erklärt, lerne gerade mich sängerisch damit auszudrücken (Tangos) und brauche immer wieder thereotische Hilfe. Habt Ihr einen newsletter zu weiteren Themen, dann mailt mich bitte an:
irismaria@gmx.net

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