von hauptstufen, nebenstufen und kadenzen
Tuesday, September 12, 2006 4:11:03 PM
wir haben das letzte mal gesehen, daß drei stufen einer durtonleiter durdreiklänge tragen, und zwar die I., die IV. und die V. stufe, die wir ab jetzt hauptstufen nennen. wenn ihr zum quintenzirkel zurückblättert, dann könnt ihr sehen, daß diese drei darin immer benachbart sind: der I. stufe folgt im uhrzeigersinn die V., und die IV. geht ihr voraus. das ist praktisch zu wissen, wenn man zb. ganz schnell mal die hauptstufen von Eb-dur wissen will.
die drei stufen (sowohl die töne als auch die auf ihnen gebildeten akkorde) haben auch lateinische namen. die I. heißt tonika, die IV. subdominante und die V. dominante. die tonika gibt die tonart des stückes an und ist sozusagen der ruhepunkt, von dem die musik ausgeht und zu dem sie zurückkehrt. die dominante dominiert insofern, daß sie meistens zur tonika hin trachtet; wie wir sehen werden, aus gutem grund. die subdominante... subdominiert. mein gott, die heißt einfach so (und für die schlauen köpfe unter euch: die heißt nicht so, weil sie unter der dominante ist, sondern weil sie unter der tonika im dominantabstand ist. aber das werde ich nicht abprüfen).
die akkorde der drei hauptstufen enthalten alle töne der diatonischen tonleiter, manche sogar mehrfach. das heißt, daß diese drei ausreichen, um musik, die die diatonische tonleiter nicht verläßt, auszuharmonisieren. das sind die sprichwörtlichen drei akkorde, die man braucht, um rockstar zu werden (blöd nur, daß es in jeder tonart andere drei sind), und sie genügen zb. auch für einen großteil der österreichischen volksmusik.
wir sehen und nochmal kurz die drei akkorde und ihre töne in C-dur an:
V. (g) (g)
IV. (f)
III. (e)
II. d
VIII.=I. (c) c
VII. h
VI. a
V. g g
IV. f
III. e
II. (d)
I. c (c)die uneingeklammerten töne geben die grundstellung des dreiklangs an, aber wir wissen natürlich, daß die anderen natürlich auch zum akkord gehören. was sich aus dieser auflistung sofort ergibt, ist die tatsache, daß man den grundton, in unserem fall das c, schrittweise sowohl von oben als auch von unten nur mit tönen der dominante erreichen kann. das, insbesondere der leitton h, gibt der dominante die macht, die tonika gleichsam zur wiederkehr zu zwingen.wenn man die drei hauptstufen in eine beziehung setzt, bekommt man eine sogenannte kadenz. das wort stammt aus dem lateinischen und hat was mit schließen, abschließen zu tun, und genau das macht eine kadenz: sie erzeugt eine schlußwirkung. anfangen sollte die kadenz logischerweise mit I, und auch den schluß haben wir schon gesehen: V-I. wenn wir noch die IV unterbringen wollen, haben wir die einfachste mögliche kadenz: I-IV-V-I.
in moll sieht das ganze ein bißchen anders aus. dort sind ja andere stufen dur, trotzdem spricht man auch in moll von der I., IV. und V. stufe als hauptstufen. die I. ist, wir sind ja in moll, moll. die IV. auch. die V. wäre es auch, wenn.... ja wenn... wir haben ja schon bei der harmonischen molltonleiter davon gehört, daß wir künstlich einen leitton erzeugen, und die harmonische heißt nicht umsonst so, denn das bedürfnis nach einem leitton besteht darin, daß wir eine harmonische schlußwirkung erzielen wollen. und mit diesem leitton wird aus dem moll eben doch dur. die V. stufe ist also auch in moll in der regel dur. (theoretisch könnte man auch mit der melodischen molltonleiter hauptstufen bilden, dann wäre die IV. auch dur, dann wäre allerdings die I. ziemlich einsam als moll. lassen wir die IV. also doch mollig sein.)
um das ganze zu erweitern, nimmt man jetzt die nebenstufen dazu. in dur sind es die drei mollstufen, sprich die II., III. und VI. mit deren hilfe können wir unsere kadenz jetzt ziemlich aufpeppen, und jetzt haben wir schon genug material für einige meisterwerke der musikliteratur, angefangen beim kanon von pachelbel bis hin you don't understand me von mando diao.
die VII. in dur ist keine nebenstufe, und sie hat harmonisch auch sehr wenig bedeutung. warum, wird sich noch weisen. sie wird überhaupt immer etwas stiefmütterlich behandelt, aber sie ist eh zu doof, um es zu merken. bei bedarf kann ich ja ein spendenkonto für sie einrichten.
sofern man nur haupt- und nebenstufen einer tonart verwendet, werden die akkorde immer mehr oder weniger natürlich zueinander passen. die musiktheorie sagt nicht, was man tun soll oder darf, sie erklärt nur, was maches gut klingt und manches vielleicht etwas schräg. will man also etwas komponieren, was harmonisch keine besonderen überraschungen enthält, sollte man sich an haupt- und nebenstufen halten. daß man trotzdem wunderschöne sachen machen kann, hab ich ja oben schon erwähnt.
ich könnte es mir jetzt leicht machen und den ganzen rest der harmonielehre in einem satz zusammenfassen: mit alteration (grundton eines akkords um ein halbton erhöhen oder erniedrigen) und variantklängen (dur statt moll und moll statt dur) kann man jede harmonisch gebundene musik vollständig erfassen und beschreiben. unsere sieben stufen reichen also aus, mit gewissen erweiterungen ziemlich alles zu erklären. die interessantere frage ist aber, warum man wann was macht (und was man sonst noch tun könnte). und wenn ich diese hier beantworten würde, müßte ich erstens den titel ändern, und zweitens würde ich wieder zu hören bekommen, daß meine kapitel zu lang sind. also erst das nächste oder übernächste mal.














Anonymous # Monday, February 25, 2008 6:52:38 PM
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gyurigyuri77 # Wednesday, June 25, 2008 8:22:24 PM
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