von septakkorden und anderen mehrklängen
Sunday, 17. September 2006, 10:46:22
die einfachste möglichkeit ist, mit der terzenschichtung weiterzumachen, und auf die quint eine weitere terz draufzulegen. vom grundton aus gesehen ist das eine septim, deswegen heißen solche akkorde septakkorde. und deren gibt es einige.
diesmal ist es einfacher, wenn wir uns zuerst die mollstufen ansehen. wir sind wie üblich in C-dur, und die mollstufen sind die II., die III. und die VI. sie sind aufgebaut aus einer kleinen und danach einer großen terz. welche terz würde hinzukommen, wenn wir weitermachen? oder die analoge frage: welche septim hätten wir vom grundton aus gesehen, die große oder die kleine? die antwort ist nicht schwer, denn wenn man sich das komplementärintervall anschaut, sieht man sofort: unter allen drei grundtönen der mollstufen haben wir eine große sekund, daher nach oben jeweils komplementär dazu die kleine septim (d-c, e-d, a-g). das heißt, wir haben in allen drei fällen den gleichen septakkord: mollterz, quint und kleine septim(d-f-a-c, e-g-h-d, a-c-e-g). und den nennen wir schlicht und einfach mollseptakkord.
bei den durstufen ist es nicht so einheitlich, aber auch nicht schwer. sehen wir uns zunächst einmal die I. stufe an. wir haben eine durterz und eine quint, und die septim ist diesmal groß, das ist der leitton, wie wir wissen (c-e-g-h). dieser akkord heißt major, englisch ausgesprochen. der name enthält gleich zwei wichtige infos, denn 'major' heißt auf englisch sowohl einfach 'dur' (und wir haben ja einen durdreiklang) als auch in verbindung mit einem intervallnamen 'groß', in diesem fall also die große septim. wer den namen major hört, weiß also sofort: durdreiklang und große septim.
schauen wir mal auf der IV. stufe. wir haben ja auch einen durdreiklang, und die septim ist ebenfalls groß (f-a-c-e). demnach ist der septakkord der IV. stufe auch major. bisher also ganz einfach.
auf der V. stufe sieht es nun ein bißchen anders aus. natürlich haben wir auch hier einen durdreiklang, aber die septim ist klein (g-h-d-f). das ist ein ziemlich spannungsreicher akkord, und zwar bedingt durch die verminderte quint zwischen der terz und der septim (h-f). diese verminderte quint möchte unbedingt in die schöne große terz dazwischen aufgelöst werden (c-e), also der leitton einen halbton nach oben (h->c) und die kleine septim, der in diesem fall gleiteton genannt wird, möchte einen halbton nach unten gleiten (f->e).
wir wissen aus dem letzten kapitel, daß die V. stufe, die dominante, meistens zur rückkehr in die tonika, die I. stufe, zwingt oder drängt. das ist beim septakkord der dominante aus dem oben beschriebenen grund noch stärker ausgeprägt. da dieser septakkord (durterz und kleine septim) im normalfall nur auf der dominante vorkommt, heißt er dominantseptakkord, und wenn er auftaucht, kann man sich fast sicher sein, daß danach wieder die tonika dran ist (nicht ganz immer, wir werden noch von trugschlüssen hören).
wenn wir uns unsere bisher schändlich vernachlässigte VII. stufe anschauen, können wir noch eine art von septakord erkennen. der usprüngliche dreiklang war ja vermindert, und da kommt noch eine große terz oben drauf, insgesamt also wieder eine kleine septim (h-d-f-a). dieser akkord heißt halbvermindert.
es gibt noch zwei septakkordtypen, die in der durtonleiter nicht auftauchen, nämlich den verminderten septakkord, der nur aus kleine terzen besteht (zb. g#-h-d-f) und den mollmajor, der ein molldreiklang mit einer großen septim ist (zb. a-c-e-g#). beide kommen unter anderem in harmonisch moll vor. damit hätten wir je zwei septakkorde zu dur (major mit großer septim, dominantseptakkord mit kleiner), zu moll (mollseptakkord mit kleiner septim, mollmajor mit großer) und zum verminderten dreiklang (halbvermindert mit kleiner septim und verminderter septakkord mit verminderter septim). die restlichen theoretisch machbaren typen (verminderter dreiklang mit großer septim, übermäßiger dreiklang mit großer oder kleiner septim usw.) kommen in der praxis nicht vor.
wichtig zu wissen ist folgendes: der dominantseptakkord hat harmonisch ein starkes bedürfnis, aufgelöst zu werden, wie schon oben ausgeführt. das liegt einerseits an der verminderten quint h-f, aber auch an der kleinen sekund g-f. letztere hat auch die tendenz, in die oben genannte terz c-e aufgelöst zu werden, der gleiteton nach unten (f->e), der grundton eine quart hinauf bzw. eine quint hinunter (g->c).
in mollseptakkorden, wo wir zwar keine verminderte quint, aber eine kleine septim haben, besteht eine ähnliche tendenz, aber eben nicht ganz so stark ausgeprägt. das heißt, daß zb. ein d-mollseptakkord d-f-a-c zur terz g-h und damit nach G-dur strebt. das sind melodische tendenzen, und wir werden bald sehen, daß sie mit den harmonischen hand in hand gehen.
wenn man mit der terzenschichtung weitermacht, bekommt man nonenakkorde, undezimenakkorde und so weiter. die sind im jazz relevant, vielleicht werden wir später noch von ihnen hören. für unsere zwecke sind sie momentan nicht unbedingt wichtig.
es gibt noch weitere arten, aus den ursprünglichen dreiklängen andere akkorde zu bilden, und zwar ohne terzenschichtung. man kann zu einem akkord einen zusätzlichen ton (nicht im terzabstand) dazunehmen, sozusagen als färbung. passiert oft mit der sext oder mit der none (dann aber im gegensatz zum nonenakkord ohne septim). ersteres trat schon im barock recht häufig auf und hieß sixte ajoutée, also hinzugefügte sext, was den sachverhalt ja ziemlich treffend beschreibt. kommt oft auf der IV. stufe vor (f-a-c-d) und kann eigentlich auch als septakkordumkehrung gedeutet werden (d-f-a-c). die hinzugefügte none kommt unter anderem in stairway to heaven vor oder auch sehr oft bei bands wie U2, coldplay, keane... hat etwas sphärisches, find ich.
man kann einen ton aber nicht nur als färbung dazunehmen, sondern auch als vorhalt. das bedeutet, daß der ton momentan dissonant ist, und danach trachtet, im selben akkord in eine konsonanz aufgelöst zu werden. am häufigsten kommt der quartvorhalt vor, das bedeutet, daß die quart der terz vorausgeht und in diese aufgelöst wird: c-f-g->c-e-g. wir gitarristen kennen das unter dem namen Csus (zu den akkordbezeichnungen werde ich noch ein eigenes kapitel schreiben, das ist ein einigermaßen komplexes thema).
so, das wärs auch schon wieder. man kann also akkorde mit terzschichtungen basteln oder mit färbe- oder vorhalttönen. für die harmonielehre sind die septakkorde am wichtigsten, weil sie eben die oben beschriebenen auflösungstendenzen in sich tragen und daher stark funktionsgebunden sind.
kleine hausübung, wir hatten ja schon lang keine:
- bilde einen mollseptakkord auf c!
- bilde den dominantseptakkord zu A-dur (das heißt, die dominante von A-dur finden und darauf den septakkord bauen)!
- was ist e-g-b-d für ein akkord?














Anonymous # 11. February 2007, 15:24
Darf ich auf einen Fehler hinweisen? Ich bin hier nämlich etwas ins schleudern gekommen:
Zitat:
"der dominantseptakkord hat harmonisch ein starkes bedürfnis, aufgelöst zu werden, wie schon oben ausgeführt. das liegt einerseits an der verminderten quint h-f, aber auch an der kleinen sekund g-f."
g-f wäre die große Sekunde abwärts oder die kleine Septime aufwärts.