Wieder zu Hause ...
Thursday, 9. July 2009, 22:36:24
Ich habe vor ein paar Tagen schon mal über meinen Blog nachgedacht, ich weiß gar nicht so recht was jetzt damit passieren wird. Er diente ja dazu den Zurückgebliebenen über mein Austauschjahr zu berichten und auch alle Erinnerungen für mich selbst für später einmal fest zu halten. Aber irgendwie hab ich mich so dran gewöhnt hier immer rein zu schreiben wenn etwas Aufregendes passiert ist. Also ich würde sagen wir warten einfach mal ab, vielleicht werde ich das hier einfach ein bisschen fort führen, vielleicht auch nicht, viele lesen glaube ich sowieso nicht mehr mit.
Naja ok dann will ich euch mal von meinen letzten Stunden auf amerikanischem Boden berichten.
Geschlafen habe ich die letzte Nacht eigentlich ganz gut, wurde dann jedoch unsanft aus dem Schlaf gerissen als Jeff an meine Tür klopfte mit meinem Papa am Telefon.
7 Uhr, eigentlich eine Stunde bevor ich aufstehen wollte aber Papa meinte ja auch "Och 7 Uhr ist doch eigentlich eine gute Zeit zum Aufstehen" also war meine Meinung da also nicht mehr wirklich gefragt.
Trotzdem konnte ich mich nicht wirklich dazu aufraffen aufzustehen also bin ich dann letzten Endes doch bis 8 Uhr liegen geblieben und bin dann aufgestanden nachdem Isabhell in meiner Zimmer kam und nach einem "Heute" wieder in ihr Zimmer ging. Ja heute sollte es also nach Hause gehen. Selbst an dem Tag 0 konnte ich es immer noch nicht so ganz begreifen, ich weiß nicht ob ich es überhaupt begriffen habe bevor ich in Philadelphia auf dem Flughafen landete und alleine war. Naja aber soweit sind wir ja noch nicht. 9.30 waren dann auch alle 4 Koffer in den Kofferraum des Jeeps eingeladen und ich habe mich überall noch ein letztes Mal umgeschaut und bin dann das letzte Mal zur Garagentür raus und ins Auto gestiegen. Von den Hunden konnte ich mich nicht verabschieden, ich wollte einfach noch nicht weinen und ich weiß das das passiert wäre, hätte ich Tschüß gesagt zu meinen zwei kleinen Freunden.
Auch die Autofahrt war noch relativ normal, Isabhell und ich haben uns unterhalten und nach knapp 20 Minuten sind wir auch am Flughafen Syracuse angekommen, haben meine Koffer auf dem Auto geladen und sind nach drinnen zum einchecken gegangen. Meine zwei Koffer sind dann am Ende doch noch ziemlich schwer und ich wusste, dass mindestens einer über dem Limit von 50 Pounds (23kg)war. Die Frau am Schalter sah das meinen Koffern dann anscheinend auch an und hat sie beide auf die Waage gestellt. Der erste Koffer wog 49.5 Pounds und ich wollte schon wieder durchatmen aber da hab ich mich dann wohl zu früh gefreut, der zweite wog sage und schreibe 54.5 Pounds! Die Frau guckte mich ein bisschen komisch an, stellte den Koffer wieder auf den Boden und sagte mir ich kann sie rüber zur Sicherheitskontrolle schaffen. Da hatte ich nochmal wahnsinniges Glück gehabt, ich bin mit dem Übergepäck gerade nochmal so durch gekommen. Das wäre anderweitig auch ein bisschen kritisch geworden da ich überhaupt kein Geld mehr hatte, wirklich gar nichts mehr. Danach ging es dann nach oben wo wir noch mindestens für eine Stunde warten mussten bevor ich durch die Sicherheitskontrolle gehen sollte. Die Zeit verging eigentlich recht schnell, mir kam es vor als dauerte es nicht so lange als wo wir mit Mama gewartet haben. Dann war es aber soweit und ich stellte mich in die Schlange wartender Leute zur Sicherheitskontrolle an. Ich merkte schon wie mir die Tränen in die Augen schossen und als ich dann hoch schaute und Jeff, Brenda und Isabhell ansah konnte ich sie dann auch nicht mehr zurück halten. Ich weiß gar nicht wer wirklich geweint hat aber ich hab definitiv genug für alle geheult. Das war also das Ende meines Austauschjahrs, fühlte sich schon komisch an. Ich war weder wahnsinnig traurig noch wahnsinnig happy. Es war einfach etwas das ich machen musste ob ich wollte oder nicht. Nach der Sicherheitskontrolle musste ich auch nicht lange warten und mein Flugzeug nach Philadelphia wurde zum Boarding aufgerufen. Als ich dann im Flugzeug saß kam dann so ein bisschen die Freude aber auch der Gedanke an meine Lieben, die ich gerade zurück gelassen habe. Den Gedanken habe ich dann aber schnell wieder verdrängt, ich wollte mich einfach auf zu Hause freuen und nicht traurig sein.
Das Flugzeug hob dann mit etwas Verspätung ab und schon eine Stunde später landeten wir schon in Philadelphia. Dort warteten ja mehr als 5 Stunden Aufenthalt auf mich, also ließ ich mir alle Zeit der Welt zu meinem nächsten Gate zu kommen. Naja über das Warten gibts jetzt nicht wirklich etwas Spektakuläres zu berichten, die ersten 4 Stunden habe ich eigentlich so wirklich gar nichts gemacht. Ich hab mir in einem Duty Free Shop etwas zu trinken und was zum Knabbern gekauft und war in einem UPS Geschäft für eine halbe Stunde im Internet und die restliche Zeit saß ich am Gate habe Musik gehört und meine Zeitschrift gelesen. Langsam begann sich dann auch die Wartehalle zu füllen unter anderem wurde auch ein Mann in einem Rollstuhl dorthin gebracht und wurde direkt neben mich gesetzt. Natürlich fing er auch sofort an mit mir zu reden. Zuerst auf Deutsch, er fragte mich ein bisschen aus und als er fest stellte, dass ich zum Englisch lernen in den USA war hat er angefangen Englisch mit mir zu reden. Nachdem ich dann eine ganze Menge aus seinem Leben erfahren hatte war ich wahnsinnig froh als das Boarden endlich begann. Unser Flugzeug kam 40 Minuten zu spät aus Frankfurt an. Das hieß also das wir auch wieder 40 Minuten später losfliegen sollten. Naja aber da wir dann nicht mehr wie geplant geflogen sind mussten wir uns irgendwo zwischen die startenden Flugzeuge schieben und standen dann noch 20 Minuten auf dem Rollfeld bevor wir endlich abhebten und ich Bye Bye USA sagen konnte.
Über den Flug nach Frankfurt gibt es auch nicht viel zu sagen. Es war wahnsinnig langweilig und wahnsinnig unbequem und das obwohl ich eigentlich einen guten Sitzplatz erwischt hatte. Ich saß ganz vorne, dort wo die Flugbegleiter bei Start und Landung sitzen und ich saß am Fenster und neben mir ein farbiger Amerikaner. Das Essen war ok und ich konnte mir auch endlich "Confessions of a Shopaholic" anschauen. Unsere Verspätung konnten wir nicht wieder gut machen da wir bei Frankfurt nochmal ein bisschen länger gebraucht haben weil eine der drei Startbahnen geschlossen wurde wegen zu viel Wind.
Dann hatte ich also nach 8 Stunden Flug wieder deutschen Boden unter den Füßen. Und irgendwie war es schon ziemlich komisch alle Schilder wieder auf deutsch zu sehen und die Menschen um einen rum auch deutsch reden zu hören. Ich musste mich ein bisschen beeilen da ich durch die eine Stunde Verspätung nur 20 Minuten Zeit hatte zu meinem Gate zu kommen. Zum Glück hat aber alles problemlos geklappt und ich war rechtzeitig da. Wir wurden dann mit einem Bus irgendwo raus aufs Rollfeld gefahren und die Maschine die uns dann alle nach Leipzig bringen sollte war dann auch eher eine kleinere.
Auf meinem letzten Flug kam dann auch auf einmal die Nervosität. Ich weiß nicht genau wieso ich nervös war, ich war einfach gespannt wie ich mich auf Anhieb in meinem deutschen Leben zurecht finden würde. In Leipzig landeten wir dann auch wieder irgendwo auf dem Rollfeld und wurden mit dem Bus ins Gebäude gefahren. Dort hieß es dann auf die Koffer warten. Als dann mittlerweile die meisten Passagiere ihre Koffer hatten und von meinem zweien immer noch nichts in Sicht war bekam ich schon so ein ungutes Gefühl. Natürlich, mit einer Stunde Verspätung in Frankfurt werden die es wahrscheinlich nicht mehr rechtzeitig in die Maschine nach Leipzig geschafft haben. Das versetzte meiner Laune dann auch einen kleinen Schlag aber als ich dann hinter der Tür meinen Papa und Susi mit Robert gesehen hab war das ganz schnell wieder vergessen. Wir fielen uns in die Arme und ich war einfach nur glücklich wieder zu Hause zu sein. Die Leute von Lufthansa haben uns dann gesagt das meine Koffer in der nächsten Maschine von Frankfurt sein werden und uns dann nach Hause geliefert werden sollten. Hier will ich dann auch nochmal schnell Danke an Susi und natürlich auch an Robert richten. Da wurde ich ja schön an der Nase rumgeführt aber ich hab mich wahnsinnig gefreut das ihr doch da wart!
Ja wie fühlt es sich an wieder zu Hause zu sein? In aller erster Linie natürlich schön. Ich habe das alles hier für 10 Monate missen müssen und es ist schön einfach wieder Gewöhntes um sich rum zu haben. Endlich habe ich mein großes Zimmer mit meinem Bett und der tollen Aussicht wieder und auch das deutsche Essen möchte ich so schnell nicht mehr wieder hergeben. Nehmt in meiner Gegenwart bloß nicht das Wort "Toast" in den Mund! Im Supermarkt lauf ich schon zielgerichtet daran vorbei, ich kanns einfach nicht mehr sehen, es hängt mir sooo zum Hals raus und ich bin froh wieder deutsches Brot und Brötchen zu haben. Außerdem ist es toll wieder mit meinen Lieben vereint zu sein. Natürlich war es am Anfang ein bisschen komisch und manchmal gibt es immer noch Situationen die "awkward" sind aber das wird sich sicherlich ganz bald geben. Ich hab jetzt noch ein bisschen Zeit mich auszuruhen bevor der Ernst des Lebens weiter geht und ich in meine Zukunft starte. Ich bin ganz zuversichtlich, dass ich in der Schule ganz gut klar komme, immerhin hab ich mich in den USA ja nicht so sehr gehen gelassen.
Nächste Woche werde ich dann auch mit der Fahrschule anfangen also man sieht es geht vorwärts. Still sitzen passt mir irgendwie gar nicht mehr, ich fühle mich immer so schlecht wenn ich abends im Bett liege und weiß das ich den ganzen Tag nichts anderes gemacht habe als Fernsehn geschaut und am PC gesessen. Deswegen hat mich jetzt auch der Putzwahn gepackt was ja ganz untypisch ist für mich. Ich hab unten schon alle Fenster geputzt, die Dusche auf Vordermann gebracht und heute auch mein Bad hier oben geputzt und weitere Dinge sind auch schon geplant!
Jetzt bin ich doch schon wieder von der Fahrschulsache abgekommen obwohl ich dazu doch noch was sagen wollte. Ein gaaaaaanz großes Dankeschön geht an Mama!
Natürlich vermisse ich Liverpool auch wahnsinnig! Ich vermisse einfach das tägliche Leben, aufzustehen und mit Isabhell zusammen nach unten zu gehen und da dann von Summer und Autumn begrüßt zu werden. Ich vermiss die zwei Racker schon ganz schön dolle. Hier ist es einfach immer so still. Wenn ich dort jemanden zum knuddeln brauchte hab ich mir einfach einen der beiden geschnappt und mir ein bisschen Liebe geholt. Natürlich vermisse ich auch meine Schwester wahnsinnig! Ich hätte nie gedacht, dass ich sie wirklich so sehr vermisse. Ich weiß noch wie oft ich von ihr genervt war und wie oft ich mir in einem Streit gewünscht hab, dass ich wieder alleine bin und mich nicht mehr dauernd rumzustreiten brauch. Aber mittlerweile vermisse ich sogar die Streitereien. Wir haben eigentlich so gut wie jede Minute zusammen verbracht und da es ist es jetzt einfach komisch getrennt zu sein. Das ist glaube auch was mir am Meisten zu schaffen macht. In Liverpool war ich eigentlich so gut wie nie alleine. Abends im Bett hatte ich mal meine Ruhe aber sonst war immer irgendjemand da. Und hier bin ich einfach den Großteil des Tages alleine und das bin ich nicht mehr gewohnt und fühl mich schnell einsam.
Außerdem vermiss ich meine zwei Gasteltern! Die beiden sind so liebe Menschen und haben wirklich immer so viel gegeben, ich konnte nie zeigen wie sehr ich das wirklich geschätz habe. Ich hoffe sie wissen trotzdem wir dankbar ich für alles bin! Tief in mir drin vermisse ich alles so wahnsinnig aber nach außern hin kann ich es einfach nicht zeigen. Ich weiß, dass ich nicht zurück kann auch wenn ich in manchen Momenten doch so gerne würde. Naja ich hoffe, dass das alles nach den Ferien besser wird wenn ich wieder ein bisschen Stress habe.
Ich werde meine Zeit und die lieben Menschen die ich kennen lernen durfte nie vergessen. Ich bereue nichts von dem was ich getan habe, ich bin ein besserer Mensch geworden und ich bin stolz auf meine Entwicklung. Ich habe so viel gelernt und gerade jetzt wo ich wieder zu Hause bin merke ich das erst.
Ich kann nur eins sagen: Ich würde es immer wieder tun!
Ich wollte mich nochmal bei allen für die Unterstüzung bedanken, ohne euch alle hätte ich das nicht geschafft! Ich hab euch alle so lieb!
Beenden möchte ich diesen (vielleicht letzten) Blogeintrag mit einer Zeile aus einem (meiner Lieblings-) Michael Jackson Song, der einfach zu meinen Gefühlen im Moment passt.
"Though we're far apart, you're always in my heart"
Eure Isabell














