pits aktueller Kommentar

Die sozialen Sicherungssysteme in der Krise

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„Den Norbert nehmen wir uns vor" - pits aktueller Kommentar 13-13

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Das sagte mir Iris Gleicke, SPD-Vertreterin bei einer Anhörung der Bundestagsfraktionen durch das Bündnis für die Angleichung der Renten in den neuen Bundesländern. Und holte dabei per Blickkontakt die Zustimmung von Manuela Schwesik ein, stellvertretende Vorsitzende ihrer Partei und Ministerin für Arbeit und Soziales in Mecklenburg-Vorpommern. Gemeint war Norbert Bischoff, Arbeits- und Sozialminister von Sachsen-Anhalt.

Tatort: „Ostrentengipfel" von ver.di am 8. Mai. - Link

Schwesik hatte zur Rentenpolitik der SPD gesprochen. Speziell auch ausführlich zur fortdauernden Spaltung der Rente nach Ost und West und zur Wertschätzung ihrer Partei für die Aktivitäten von ver.di zur Problemlösung. Danach habe ich sie gefragt, ob sich die von ihr dargestellte Position alle maßgeblichen Vertreter ihrer Partei in den neuen Bundesländern zu eigen gemacht hätten.
Weil: Ihr Parteifreund und Ministerkollege in Sachsen-Anhalt hat sich im Interview mit der „Mitteldeutschen Zeitung" (18.3.) mit keinem Wort auf das Konzept des Bündnisses von Gewerkschaften und Sozialverbänden zur Herstellung der deutschen Renteneinheit bezogen. Aber betont: Er (!) „werde immer wieder anmahnen, dass endlich Konzepte auf den Tisch gelegt werden, mit einer inhaltlich und zeitlich klaren und verbindlichen Perspektive. ...". Eigentümlich frivol der Satz: "... wie wir zu einer Angleichung kommen, das weiß ... noch keiner."

Da hat auch die SPD unleugbar ein Glaubwürdigkeitsproblem. Ganz ärgerlich vor dem Hintergrund des von der Kanzlerin gebrochenen Versprechens in dieser Sache. Das ver.di-Bündnis setzt doch auf den SPD-Kanzlerkandidaten und seine Verheißung, zwei Jahrzehnte nach Herstellung der staatlichen Einheit Deutschlands die Einheit bei den Renten zustande zu bringen.

Schwesik sieht darin eine Frage der Gerechtigkeit, zu lösen auch um die weitere Akzeptanz des Systems der gesetzlichen Rente zu erhalten. Sie kenne in Mecklenburg-Vorpommern keine Bürgerveranstaltung, in der das Thema nicht angesprochen würde. Dabei ginge es nicht einfach um Euro und Cent, sondern um die Anerkennung der Lebensleistung der Ostdeutschen. Es gälte, die soziale Einheit Deutschlands zu vollenden. Die SPD stehe dafür, dass wir handeln müssen.

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Eine Unverschämtheit nannte Matthias Birkwald, DIE LINKE, dass sich die Koalitionsparteien der Debatte mit dem ver.di-Bündnis entzogen, dass sie „kneifen" würden.
„DIE LINKE wird ver.di unterstützen."

Eine Teilnehmerin des Forums forderte die Fraktionsvertreter auf:
„Wenn DIE LINKE einen Vorschlag macht, der Ihren Ideen entspricht, dann stimmen Sie bitte nicht aus ,Prinzip' dagegen!"

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Das Objekt ist kompliziert, hatte Frank Bsirske, der Bundesvorsitzende von ver.di, in seinen Eingangsbemerkungen eingeräumt, kompliziert, aber doch überschaubar. Die Veranstaltung sei ein Schritt, der es ermögliche, weitere Verabredungen zu treffen.

11.5.2013


Schluss mit Abartigem im Gesundheitswesen - pits aktueller Kommentar 12-13

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Na ja, das ist halt weithin zur „Gesundheitswirtschaft" mutiert. Wirtschaftliche Interessen setzen die Rahmenbedingungen. Aber welche Sparte ist denn von Profitgier noch ausgenommen? (Ich will damit nicht zum Sport überleiten.) Wir leben im Kapitalismus. Auf Konsequenzen für die Patientenversorgung stellt mein spezieller Blog ab. - Link

Altruismus? Freilich gibt es weiter Inseln und Glanzpunkte selbstlos erscheinender Mitmenschlichkeit - auch bei unzureichender personeller Besetzung - in Praxen und Kliniken. Die sollten wir hochhalten!

Ärzte sind im allgemein kritischen Verständnis inzwischen - gleich neben Bankern - zu einer Berufsgruppe avanciert, die in der Öffentlichkeit besonders mit Geldgier etikettiert wird. Ganz sicher im Konkreten oft zu Unrecht.

Korruption von Ärzten ist neuerdings gehäuft Thema von Schlagzeilen der Medien. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr erklärt, er wolle sie noch in dieser Wahlperiode unter Strafe stellen. Bestechung und Bestechlichkeit von Kassenärzten sollen künftig mit Geldstrafen bis zu drei Jahren geahndet werden. Vorteilsnahme und Vorteilsgewährung will der Minister gleichermaßen verbieten, und zwar „für alle Berufsgruppen, die an der Versorgung von Versicherten beteiligt sind". Ein besonderer Punkt ist die Praxis der Überweisungen, für die sich Begünstigte erkenntlich zeigen. Staatsanwälte sollen auch ermitteln, wenn „im Gesundheitswesen geldwerte Zuwendungen oder vergleichbare Vorteile angeboten oder angenommen werden". Jede zweite Klinikrechnung war im ersten Halbjahr 2012 falsch, beanstanden die Krankenkassen. Nur ein Teil der überhöhten Forderungen konnte zurückgeholt werden, verlautet aus dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV).

Der Gesundheitsminister stellt in Aussicht, auch den teils unfassbar hohen Bezügen der Krankenkassen-Vorstände entgegenzuwirken. Die sich gleichzeitig mit Lohnansprüchen der Mitarbeiter schwertun. Die Vorstandsverträge sollen künftig von Aufsichtsbehörden genehmigt werden müssen.

Bei all dem machen die Krankenkassen (wegen „guter Konjunktur") sogar Überschüsse. „Wohin mit dem vielen Geld?" fragt die Apotheken-Umschau und beschreibt „,Prall gefüllte Töpfe', die Begehrlichkeiten bei Ärzten, Kliniken und Pharmafirmen wecken, aber auch bei der Regierungskoalition".

Zugleich beklagen Krankenkassen erhebliche Schulden säumiger Versicherter.

Ruhig geworden sind Aufforderungen, sie sollten Überschüsse an Mitglieder zurückzahlen.

Inzwischen mehren sich Zweifel, ob die von Daniel Bahr angekündigten Anti-Korruptionsparagraphen Gesetzeskraft erlangen werden, Zweifel, die sich auch auf den SPD-Gesundheitspolitiker Prof. Dr. Karl Lauterbach berufen. - Link

Ist das Ganze nur ein neues Verwirrspiel der Regierenden? Die Liberalen waren - wenig verhüllt - als Akteure der Ärzte- und Apotheker-Lobby angetreten. - Link

Gilt auch hier wieder? :
„Nicht das Erreichte zählt, sondern das Erzählte reicht."

1.5.2013


Nun doch: ein Rentengipfel - pits aktueller Kommentar 11-13

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Wie stets zu Wahlkampfzeiten erlebt, wer Nachrichten verfolgt, wieder eine breite Rentendebatte. Wie stets mündet sie in Erwartungen an einen Höhepunkt.

„Breites Bündnis fordert Rentengipfel“, titelte BILD schon vorigen Herbst in großer Aufmachung, bezog sich dabei auf die IGM, den Sozialverband VdK und die Senioren-Union.
Das entsprach aber ersichtlich nicht den Intentionen der Bundesregierung. Daran änderte auch nichts, dass die LINKE sich mit dem Thema in überregionalen Zeitungen Schlagzeilen verschaffte. „TAGESSPIEGEL: Gysi fordert Rentengipfel bei der Kanzlerin“. Der Linksparteifraktionschef: Merkel ist nun „am Zug, ihr Versprechen zu erfüllen“. – K 27-12 Gemeint war die Zusage, die deutsche Renteneinheit noch in dieser Legislaturperiode herzustellen.

Im vergangenen Karneval gab ein Büttenredner den Chauffeur der Frau Merkel und beschrieb die Chefin so: „Mit der kannst' im offenen Wagen durch die Waschanlage fahren. An der prallt alles ab.“
Das meint in der Sprache der Satire, sie entzieht sich gern, stellt sich von Misslichem sicherheitshalber unbetroffen.

Misslich ist auch, dass der Streit innerhalb der Koalition über die Rente anhält. So dass die Bundesregierung das von der politischen Öffentlichkeit erwartete Rentenreformgesetz nicht zustande brachte. Aber auch dazu vernahm ich nichts von einer Frau Merkel. – Link http://www.dgb.de/themen/++co++3eb7c838-92d8-11e2-ae93-00188b4dc422?k:list=Sozialpolitik

SPD-Chef Gabriel bot der CDU einen „nationalen Rentenkompromiss" an – ausdrücklich erst mal ohne Beteiligung von CSU und FDP. – SPIEGEL, 11.1. Offerierte der CDU kurz darauf dann Hilfe beim Streit mit den Koalitionspartnern. – „Neues Deutschland", 12.1.

Nun wird zu einem Rentengipfel eingeladen. Die Dienstleistungsgewerkschaft ist es, die für den 8. Mai in der Berliner ver.di-Bundesverwaltung einen „Ostrentengipfel“ vorbereitet. Im Hinblick auf die Bundestagswahlen sollen die Parteien „auf den Prüfstand“ gestellt werden: Wie stehen sie zum Vorschlag eines Angleichungszuschlages des Bündnisses von Gewerkschaften und Sozialverbänden, dem „ver.di-Modell"? Was ist aus Versprechungen geworden? Welche Lösungen streben Parteien an, 23 Jahre nach der Wiedervereinigung und vier Jahre nach der Ankündigung im Koalitionsvertrag, „in dieser Legislaturperiode ein einheitliches Rentensystem in Ost und West" einzuführen?

Den Einladungsflyer (mit Anmeldeformular) finden Interessierte unter www.sopo.verdi.de .

Ein Vertreter der CDU in der Veranstaltung ist darin nicht ausgewiesen.
Ein Gipfel ohne die Partei der Kanzlerin?

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Der Chef der Senioren-Union, Otto Wulff (79), zeigt sich übrigens in der hier behandelten Angelegenheit lange offener als die Spitzen seiner Partei:

„Wir brauchen einen breiten Rentenkonsens. Parteien und Verbände müssen sich ohne ideologische Scheuklappen an einen Tisch setzen!“


PS:
„Das Wichtigste an Träumen ist, dass man sie hat. Nicht, dass sie sich
erfüllen."
Der Spruch einer Liedermacherin könnte auch von A. Merkel stammen.
Ja, zum Träumen hält sie die Bürger und Bürgerinnen immer wieder an.
Immer mehr fühlen sich durch sie ver...

21.4.2013[/ALIGN]

Riester-Rente – was geht sie uns Olle an? - pits aktueller Kommentar 10-13

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Na ja, da handelt es sich um Alters-VOR-Sorge. Das Thema kann daher naturgemäß nicht so unser Ding sein. Ein Spaßmacher (im „Satiregipfel“?) witzelte freilich mal über 90-Jährige, die sich noch ärztliche Vorsorgeuntersuchungen gönnen.

Altersvorsorge heute muss uns aber nicht ganz schnuppe sein. Mir ist doch nicht egal, was den Alten von morgen auf dem Weg zur Rente widerfährt!
Und da nehme ich – solidarisch – zuoberst wahr, wie sich die offiziellen, also beschönigenden, von (mehr oder weniger) sachlich-kritischen Einschätzungen, etwa aus der Opposition, unterscheiden.
Dazwischen liegt zum Teil auch, was man aus der innerparteilichen SPD-Rentendebatte hört. Da wird am Ende aber noch immer – entgegen Einwänden aus Kreisen der Parteilinken – auf zusätzliche private Altersvorsorge gesetzt.

Einschätzungen der ersten Kategorie:

„Weiter Aufwuchs bei der Riester-Rente. Die Zahl der Riester-Verträge ist 2012 um 370.000 gestiegen ...“. So tönt eine aktuelle Pressemitteilung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. „Inzwischen ,riestern' 15,7 Mio Menschen in Deutschland“, lehrt eine vorangegangene Mitteilung aus dieser Quelle.

Kritische Einschätzungen

Da sahen sich eben erst (25.2.) die Deutsche Rentenversicherung Bund und die Gesellschaft für Sozialen Fortschritt e.V. veranlasst, Mängel in einer breit angelegten Veranstaltung zu erörtern, zu fragen, wie sich eine verbraucherfreundlichere Gestaltung über mehr „Transparenz der Produktinformationen“ realisieren lässt.
Der DGB und die Verbraucherzentrale Bundesverband forderten vor einem Jahr schon eine einheitliche Finanzaufsicht im Verbraucherinteresse.

Aufschlussreich sind manche Befragungen zu Riester-Anlage-Angeboten, etwa für die Bertelsmann-Stiftung: „Wer hat sie?“ - „Wer will sie?“ … Link

Die Stiftung Warentest gab „Schlechte Noten für Riester-Versicherungen“. Link
Die Kritik an Riester-Renten der Versicherungen reißt nicht ab. Nur fünf von 29 untersuchten Riester-Versicherungen sind „gut“. („Wirtschaftswoche“ 18.9.12)
„ Riester-Rente wieder abschaffen!“ fordert eine Eingabe im „Dialog über Deutschland“ der Bundesregierung und schlägt vor, „ die bestehenden Verträge in normale Sparverträge umzuwandeln und das Geld auf Verlangen wieder auszuzahlen“. Für weitere Einzahlungen sollte es keine Steuerzuschüsse geben. Die Steuergelder sollten für drängende soziale Aufgaben genutzt werden. - mehr ...

Da wären wir bei gewichtigen Gründen für uns Olle, uns mit dem "Riestern" zu befassen – aus schlichtem Eigeninteresse!

„Die Rentenkürzung um 20 % (unter Kanzler Schröder – pit) sollte, so versprachen es SPD und Grüne ... , durch staatlich geförderte private Vorsorge, die Riester-Rente, kompensiert werden", erinnert der LINKE Gregor Gysi in „Klar", dem Infoblatt seiner Fraktion. Die geschaffene Versorgungslücke der Bestandsrentner ist dabei überhaupt nicht im Blick. Aus unserer Sicht können wir nur die Konsequenz unterstützen, die G. aus den Erfahrungen ableitet:
„Die staatlichen Subventionen für die Versicherungskonzerne müssen eingestellt und die vielen Milliarden Euro zur Stärkung der gesetzlichen Rente eingesetzt werden."

Der Umkehrschluss macht klar: Die Verteidiger der Riester-Rente sind für den fortgesetzten Beschnitt der gesetzlichen Rente - zum Schaden von uns Bestandsrentnern, schließlich aber aller, die nicht geriestert haben,

Siehe auch den DWI-Bericht „Zehn Jahre Riester-Rente kein Grund zum Feiern.“
11.4.2013[/ALIGN]

Rentenangleichung Ost 2013 – Trostpflaster oder „Friedensangebot"? – pits aktueller Kommentar 09-13

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Vielleicht ja beides ...

Plus 3,29 % im Osten – enttäuschend karge 0,25 % mehr im Westen.

Das vergleichsweise üppige Ost-Plus erscheinr wie ein Trostpflaster für jene, die die Absage aus dem Bundeskanzleramt für die Ost-West-Angleichung der Rentenberechnung schlicht traurig gestimmt hat.

Zugleich wie ein Friedensangebot für die Wütenden, die total ungehalten sind, dass die Kanzlerin ihr Versprechen vom Seniorentag in Leipzig 2009 so schnöde gebrochen hat, sich nicht einmal durch die dazu im Koalitionsvertrag mit der FDP dokumentierte Festlegung gebunden fühlt.
Von denen viele jederzeit beziffern können, was sie die unerledigte staatliche Aufgabe im Bereich der Renten kostet, allmonatlich und über die langen Jahre.
Vgl. Belege im Blog „Renteneinheit“! – Link

Dennoch: Wer von den Alten im Osten wird die nun für den 1. Juli in Aussicht gestellte Aufbesserung der Rente nicht schätzen?

Wie klein wird die Zahl derer im Westen sein, die die amtliche Erklärung für die stark differenzierte Anpassung verstehen können?
Die Ost-West-Ungleichheit der Renten erschien ganz vielen dort doch schon wie amtlich festgeschrieben. Dagegen haben aller Ehren werte Aktivitäten des bundesweiten ver.di-Bündnisses von Gewerkschaften und großen Sozialverbänden nicht viel vermocht. Und die reflexartige Ablehnung entsprechender Anträge der LINKEN im Bundestag durch alle anderen Fraktionen im Bundestag zementierte die Denkweise geteilten Rentenrechts in einem seit über zwei Jahrzehnten zusammengefügten Land.

„Es wird darüber mit Sicherheit heftige Diskussionen geben", habe ich Annelie Buntenbach vom DGB-Vorstand bereits im November vorigen Jahres zu einem ersten Bescheid zitiert. Was die „Mitteldeutsche Zeitung" – allgemein wenig beachtet – zur selben Zeit schon bestätigte. „Ostrente hängt den Westen ab“ hieß es da (13.11.2012) über einem mehrspaltigen Artikel. Dazu schrieb man mir kritisch : „Wie oft geübt, werden darin nicht die Alterseinkommen Ost und West, sondern allein die gesetzlichen Renten verglichen.“

Die Quoten der Rentenanpassung werden wie stets mit der Lohnentwicklung begründet. Ist die denn im Osten so intransparent? Die Gewerkschaften und sogar die Medien wurden vom „Lohnwunder“ im Osten überrascht. Unglaublich, aber toll!
Als „Friedensangebot" ist das neue Faktum nur zu akzeptieren, könnte man einigermaßen sicher sein, dass sich weitere Schritte solchen Umfangs anschließen. Ansonsten handelte es sich einfach um den Versuch, die Akteure der Rentenwertangleichung „im Nebel des Wahlkampfes“ zu übertölpeln.
Solch klare Sprache ist nach langer Politik des Hinhaltens, unvertretbarer Inanspruchnahme von Geduld einfach angesagt. „Wo uns BT-Abgeordnete über den Weg laufen, sollten wir Klartext reden“, rät der Erfurter IG-Metaller Dieter Bauer.

Das Problem ist so arg kompliziert, dass die Suche nach einer „rundum" vertretbaren Lösung halt alle zeitlichen Maßstäbe sprengt?
Die Bundesregierung schreckt derzeit vor unermesslich schwierigeren Problemen der Europa- und Finanzpolitik nicht zurück.

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„Die Zeit ist vielleicht das kostbarste Gut in unserer heutigen Gesellschaft", holte Frau Merkel unlängst – freilich in einem ganz anderen Zusammenhang – aus ihrem Spruchbeutel. Wäre sie doch – ohne weiteres Wackeln – bereit, das auf die Problematik der Renteneinheit in unserem Land anzuwenden, zugunsten derer, die objektiv weniger Zeit haben als die meisten in ihrer Regierung. Wir haben es aber offenbar mit dem starken politischen Willen zu tun, das Überfällige weiter hinauszuziehen.
Aus ihrer Partei kam der „Kanzler der Einheit". Eine Kanzlerin der Einheit" ist Frau Merkel nicht, ganz ungeachtet ihrer uckermärkischen Herkunft.

Sagen wir mit dem Bundespräsidenten: Ein Weiter-So kann es nicht geben! Vgl. K 34-12
1.4.2013


Wird der Bundestagswahlkampf zu einer Art Gerechtigkeitskampagne? - pits aktueller Kommentar 07-13

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Einiges spricht dafür, dass er sich so entwickeln könnte. „Un da sin ma dabei!“ Einverstanden?

„Deutsche vermissen soziale Gerechtigkeit“, war der Kernsatz, mit dem eben ein Teil der Medien über die Auswertung einer Studie des Meinungsforschungsinstituts Allensbach berichtete.
Zum Abschluss einer internationalen „Gerechtigkeitswoche“ benannte die Friedrich-Ebert-Stiftung zentrale Fragen, mit denen sie „Entwicklungen genauer unter die Lupe“ nahm:
- Wie werden aus abstrakten Gerechtigkeitsdiskursen politische Handlungsoptionen?
- Welche AkteurInnen tragen sie voran?
- Welche konkreten Projekte und Lösungsansätze verfolgen sie?

Vielleicht hilft die FES dabei, diese Fragen im Auge zu behalten, sie auch als Richtschnur durch den Wahlkampf zu nutzen.

Oder erleben wir ein neues Verwirrspiel um Gerechtigkeitsversprechen?

Was gab es schon für Tüfteleien um die verschiedenen Aspekte sozialer Gerechtigkeit, ihre spezifische Bedeutung! Kann es denn Chancengerechtigkeit, Generationengerechtigkeit, Teilhabegerechtigkeit ohne Verteilungsgerechtigkeit geben? Gerade die ist schließlich Ausgangs- und Knackpunkt für alles andere.
Nun entdeckt FDP-Brüderle auch noch so etwas wie „Leistungsgerechtigkeit“ und kann sich gar „faire“ Löhne auf der Basis von auszuhandelnden Lohnuntergrenzen vorstellen – dahinter verbirgt sich schwammig die fortgesetzte Ablehnung von gesetzlichen Mindestlöhnen, für die sich die Unionsparteien neuerdings etwas offener zeigen.
Wie verunsichert muss der Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sein, wenn er „Defizite bei Moral und Anstand“ unter seinesgleichen eingesteht („Berliner Zeitung“, 21.1.), u.a. den Unternehmern der Zeitarbeitsbranche nahelegt, „die Löhne von Leiharbeitern … an die des Stammpersonals anzupassen“.
Auswüchse? Dem Satiriker Christian Ehring („heute show“, 22.2.) belegen sie die überlegene „Ausbeutungskompetenz“ deutscher Unternehmer.

Gerechtigkeit – auf der Suche nach einem Wort

Im öffentlichen Diskurs wird soziale Gerechtigkeit aber noch immer vorzugsweise mit Blick auf andere Länder, auch die internationalen Beziehungen thematisiert. Da ordnet sich teils auch die Bewegung „UmFAIRteilen“ ein.
Eindrücke, die nachdenklich machen können, vermittelt die Suchmaschine Google, zeigt zum Beispiel, dass „Fairness“ rund fünfmal so oft in Veröffentlichungen gebraucht wird wie Gerechtigkeit.
Als ich als Suchwörter „Gerechtigkeit“ und „Gewerkschaften“ einsetzte, hatte ich einen in besonderer Weise überraschenden Fund: Der DGB-Vorsitzende sah vor einem Jahr zum Katholikentag (!) Gewerkschaft und Kirchen international übereinstimmend ausgerichtet und verblüffte (wohl nicht nur mich), indem er von diesem Ereignis „Impulse für soziale Gerechtigkeit“ erwartete. Ist in solcher Konfusion begründet, dass BILD.de (18.12.2011) im Interview fragte: „Geht die Gerechtigkeit in Deutschland vor die Hunde, Herr Sommer?“

Da findet dann die Wochenzeitung „Freitag“ dieser Tage im Rahmen auch von deren Koalitionsarchitektur „die Wendung der CDU zu dem Thema soziale Gerechtigkeit“ nicht weiter verwunderlich. – 28.1. Doch: Wie ernst es die Christlichen mit der Gerechtigkeit meinen wird ein simpler Indikatortest zeigen. Werden sie den Rösler-Leuten nachgeben bei deren „Schönheitsreparaturen“ am überfälligen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung?


Was sind markante, lange offen zutage getretene Gerechtigkeitsprobleme bei den Renten?

- Obenan steht der Umstand, dass, ungeachtet der allseits als ergänzungsbedürftig angesehenen reformgedämpften (von ehemals 70 % auf um 50 % des Lohnes) gesetzlichen Renten, nur ein ganz kleiner Teil von uns Alten Betriebsrenten o.ä. erhält.
- Schreiendes Unrecht ist, dass reichlich zwei Jahrzehnte nach Herstellung der staatlich-politischen Einheit Deutschlands noch immer den Ostrentnern die unverkürzte gesetzliche Rente vorenthalten wird. Einbuße: allmonatlich um 140 € („Eckrentner“).
- Kaum fassbares Unrecht ist auch die ungleiche Bewertung von Erziehungszeiten bei der Rentenberechnung, abhängig allein davon. ob die Kinder vor oder nach 1992 geboren wurden.

Guter Rat

„Freitag“-Chefredakteur Jakob Augstein empfiehlt in einer Kolumne bei SPIEGEL-Online ohne Umschweife: „Wählen Sie Gerechtigkeit! Im Zweifel links.“ Und beginnt einen philosophisch-theologisch angelegten Aufsatz so:
„Ungerechtigkeit und Ungleichheit sind das drängendste Problem in Deutschland.
Darum sollte das Jahr der Bundestagswahl zum Jahr der Gerechtigkeit werden.“ Mehr

DIE LINKE macht SPD und Grünen „ein selbstbewusstes Angebot“ („Neues Deutschland“, 29.1.), basierend auf der Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns, der Erhöhung der Renten bei Rentengerechtigkeit für Ostdeutschland, einer Bürgerversicherung. Und konstatiert: Nur in dieser Partnerschaft kann die SPD ihren Anspruch realisieren, Partei der sozialen Gerechtigkeit zu sein.


Ein ZDF-Politbarometer (22.2.) bestätigt eben die o.g. Allensbach-Umfrage: Lediglich 30 % sind der Meinung, in Deutschland gehe es „eher sozial gerecht“ zu. 67 % finden, dass „bei uns eher soziale UngerechtigkeiMehrt herrscht“. So würden die Warnstreiks im öffentlichen Dienst von einer deutlichen Mehrheit der Deutschen unterstützt.

ver.di appelliert, den Aufruf „Höchste Zeit zum UmFAIRteilen – Reichtum besteuern“ zu unterschreiben und sich an den Aktionen des Bündnisses zu beteiligen! Mehr

Arbeitsplätze noch und noch, sogar für Rentner - pits aktueller Kommentar 06-13

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Das meint das innerhalb seiner Grenzen Tag für Tag hochgepriesene „Jobwunder“ Deutschland, zweifelnd angesehen aber von Deutschlands Freunden im europäischen Umfeld, dort keineswegs nur als großartig beurteilt! Zu Unrecht?

„Sozial ist, was Arbeit schafft“, egal, wie miserabel die ist. Es liegt an den Betroffenen, was Ordentliches daraus zu machen.
Die diese Parolen zum Kennzeichen ihrer Partei gemacht haben, haben dafür wohl unstreitig den verdienten Denkzettel bekommen. Die endgültige Abfuhr steht verdientermaßen im September bevor!

Rund 2,5 Mio deutsche Arbeitnehmer haben sogar einen Zweitjob, schrieb die „Berliner Zeitung“ (6.10.2012) unter Bezug auf eine gerade veröffentlichte Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Jeder elfte Arbeitnehmer. Neben der regulären Hauptbeschäftigung!
Welch ein „Jobwunder“! Zehn Jahre davor waren das nur halb so viele.
Die mit einem Drittjob werden (noch) nicht gezählt.
Das ist, was wir früher „amerikanische Verhältnisse“ genannt haben. Ein Kommentator der „Berliner Zeitung“ (6.10.2012) verblüfft nun mit der Aufforderung, darin einen „neuen Lebensstil“ erkennen zu sollen.

Diese Entwicklung „ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Arbeit nicht mehr existenzsichernd ist“, sagte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der LINKEN (ehemals SPD, Gewerkschaftssekretärin bei ver.di) Sabine Zimmermann der „Saarbrücker Zeitung“ (5.10.2012).

Wen irritiert, dass dem von den Unionsparteien widersprochen wird?

Wie auch die gesetzliche Rente für immer mehr Alte nicht mehr lebensstandardsichernd ist – im Ergebnis der Rentenreform von Schröder/Riester und dessen, was ihr folgte.

Ja, die gesetzliche Rente ist ebenfalls für immer mehr von uns Alten ergänzungsbedürftig. (Das bestätigen ja auch die Rentenreformkonzepte der Parteien zur Bundestagswahl – so oder so.) Wem die betriebliche Altersversorgung – von Schönrednern noch immer als „zweite Säule“ der Altersversorgung etikettiert – versagt blieb, entscheidet sich – leidliches gesundheitliches Befinden vorausgesetzt – nun immer öfter für den „zusätzlichen“ Minijob.

All das gab es immer schon? Mag ja sein. Aber inzwischen machen deutlich mehr Alte Gebrauch davon.
Im Osten etwa auch, weil wir in der sozialistischen Schule zur „Liebe zur Arbeit“ erzogen wurden? Wer versteigt sich, so etwas behaupten?

Welche Rolle spielt bei all dem Schwarzarbeit? Das Thema sei schwer aufzuklären, beklagen Experten. Da diese „im Verborgenen“ stattfinde. „Neues Deutschland“ (7.2.2013) Dass sie durch das Minijob-Angebot zurückgeht, macht der Artikel fraglich.

„Rentner sollen mehr arbeiten“, hatte die „taz“ (15.2.2Link912) einen Artikel zum „Rentenkonzept, mit dem die Bundesregierung der wachsenden Altersarmut begegnen will“, überschrieben. Und erläutert: „Mit der geplanten Kombirente soll es für Frührentner attraktiver werden, weiter in Teilzeit zu arbeiten.“ – Link

In Kommentar 29-12 fragte ich: „Malochen bis zum Tode?“ – Link http://my.opera.com/kurtguenter/blog/2012/10/23/malochen-bis-zum-tode-pits-aktueller-kommentar-29-12

Die Statistik der um einen Zuverdienst arbeitenden Rentner bewegt sich in Richtung auf eine Million.

Aktuelle Informationen weisen nun darauf hin, dass es zu dem hier Beschriebenen auch eine gegenläufige Entwicklung gibt: Es „gehen immer mehr Beschäftigte vor Erreichen des Renteneintrittsalters mit Abschlägen in Rente“, schreibt Judith Kerschbaumer, Leiterin des Bereiches Sozialpolitik beim ver.di-Bundesvorstand, in ver.di-PUBLIK 01/2013. Weshalb? „Weil sie es nicht mehr schaffen.“

21.2.2012

„Dem Ingenieur ist nichts zu schwör …“ - pits aktueller Kommentar 05-13

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… sagt eine Volksweisheit. Doch Frau Merkel ist Physikerin. Ihr scheint fast nichts zu schwer zu sein. Macht sie doch uns und Leuten von großem Rang und Namen nicht ganz ohne Erfolg glauben, dass sie Euro-Rettungsschirme ziemlichen Kalibers stemmen kann. Freilich – an die Banken, deren ordentliche Kontrolle, traut sie sich wohl nicht so richtig heran.

Und an die Aufgabe, im dritten Jahrzehnt (!) nach der von ihr doch engagiert mitbetriebenen Herstellung der deutschen Einheit die Renteneinheit herbeizuführen, die Angleichung der Ost- an die Westrenten. Dazu hatte sie zwar vor vier Jahren (!) auf dem Leipziger Seniorentag einen guten Vorsatz gefasst. Auch in den Koalitionsvertrag der nun auslaufenden Bundestagswahlperiode ließ sie die Aufgabe schreiben.

Doch in den letzten Monaten lässt sie verbreiten, die Renteneinheit sei doch so arg kompliziert

Bei aller „natürlichen“ Autorität der Chefin – auch sie hängt von ihrem Personal ab, rät mir ein Weggefährte zur Nachsicht. Und schickt den Hinweis hinterher, wer dem Bundeskanzleramt vorsteht, grinst dabei: Ronald Pofalla.
Auch ein anderer Verantwortlicher hat an Ruf eingebüßt: der für die Aufgabe unmittelbar zuständige Parlamentarische Staatssekretär, der „Ostbeauftragte“ der Bundesregierung Christoph Bergner. Wie bei der Kanzlerin sah mancher bei ihm die Sache zunächst in guten Händen.

B. ist immerhin Hochschulschul-Agraringenieur. Ingenieure sind diesen Kreisen nicht zahlreich. Unter den 603 Abgeordneten des Bundestages stehen mit 123 die Juristen an erster Stelle, es folgen 67 LehrerInnen.

Bedenken wir also das politische und menschliche Umfeld der Frau Dr. Merkel in der eigenen Partei, der Koalition usw.!
Schon der Altkanzler Kohl sprach manchmal davon, von Bedenkenträgern umzingelt zu sein.
Das geht doch Frau Merkel nicht anders!
Ob sie ihre Freundinnen Liz Mohn und Friede Springer zur Renteneinheit in unserem Sinne raten, ist nicht so ganz sicher.

Nun gibt die Physikerin den Akteuren noch mehr Zeit.
Nach den Maßstäben der Astrophysik?
Das kann man befürchten.

Tatsächlich gibt es zu dem Problem bei Ost und West stark differierende Meinungen, Und die wollen sich anscheinend nicht einigen, obwohl sie dafür viel Zeit hatten. Daran hat es nicht gemangelt. Macht der Ost-West-Rentendialog da überhaupt noch Sinn?

Aufgeschoben sei nicht aufgehoben soll von Ch. Bergner, nun ausgewiesener Spezialist der ganz langen Bank, zu vernehmen gewesen sein.

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Nachsicht mit der Bundeskanzlerin? Weil: Die habe ja genug „um die Ohren“. Und kann sich nicht auch des letzten Versprechens annehmen. Man verspricht viel, wenn der Tag lang ist, sagt doch der Volksmund. Dass Merkel-Tage lang sind, glauben auch ihre ärgsten Widersacher.

Die Aufgabe steht auch in der Koalitionsvereinbarung? Was da so alles steht!

Nachsichtig sind mit der Frau doch auch die tollen Umfrageergebnisse der Meinungsforscher! Das ist ein Thema für sich!

Immerhin wurde kürzlich auch Christine Lieberknecht, Ost-Ministerpräsidentin (Thüringen), ungeduldig, sprach böse von „Arbeitsverweigerung“ der Regierungschefin und „windelweichen Ausreden“. In der Politik sei „vieles schwierig“. – „Freies Wort“ (Suhl), danach „Berliner Morgenpost“ (25.9.2012)
Siehe K 33-12 „Ostrenten – verbesserte Aussichten?“

DIE LINKE, Brandenburg, resümiert:

„Seit die Ostdeutsche Angela Merkel Kanzlerin ist, gibt es keinen wirklichen Schritt der Annäherung der Ostrenten, geschweige denn die überfällige grundsätzliche Lösung des Problems. Selbst die prozentual etwas höhere Rentenanpassung Ost in diesem Jahr von 2,26 % mehr gegenüber 2,18 % im Westen, hat den Abstand absolut sogar noch vergrößert. Der aktuelle Rentenwert (West) stieg zum 1. Juli des Jahres von 27,47 € auf 28,07 €, der Rentenwert Ost von 24,37 € auf 24,92 €. Das heißt, die Differenz von Ost zu West ist sogar wieder gestiegen. Ostdeutsche Renten liegen trotz längerer Lebensarbeitszeit im Schnitt bis zu 140 € unter vergleichbaren Rentenzahlungen im Westen Deutschlands.“

DIE LINKE setzt sich seit Jahren mit ganz konkreten Initiativen für die Rentenangleichung ein. Bundestagsprotokolle weisen es aus. Link Sie wurden allesamt vom Tisch gewischt.

11.2.2012

Verheißt Politikwechsel mehr Sicherheit und auskömmliche Renten? - pits aktueller Kommentar 04-13

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Niemand aus der regierenden Koalition mag auf den altbekannten Ausspruch des Sozialministers der Kohl-Ära von den sicheren Renten zurückgreifen. Nicht einmal im Karneval. Link Die nicht weniger trickreiche Sozialministerin von heute hat ihn – für den Wahlkampf? - mit der nötigen UnbestimmtheLinkit aktualisiert:
„Das deutsche Alterssicherungssystem ist stabil und sicher.“
Das System.

Doch der Umstand, dass das Thema Rente in allen Programmen zur Bundestagswahl einen gewichtigen Platz einnimmt, sollte selbst die sprichwörtliche Susi Sorglos aufmerken lassen.

Sogar die „frohe“ Botschaft der Bundesregierung vor dem Jahreswechsel, die da überschrieben war „Rentner überwiegend gut versorgt“, enthält einen solchen Satz:
„Die Bundesregierung sieht die Gefahr, dass durch veränderte wirtschaftliche Strukturen und den demographischen Wandel Altersarmut zunimmt.“
Stichwort: „veränderte“ wirtschaftliche Strukturen. Da haben Befürchtungen Spielraum, nicht wahr? Es muss einen da nicht mal unbedingt Krisenangst befallen. Eine beklemmende Vorstellung vieler ist, dass sich die durchschnittliche gesetzliche Rente allzu bald in Richtung der Grundsicherung bewegen könnte. Taucht doch dieses Wort in der Argumentation zu Reformkonzepten von regierender Koalition und Opposition immer wieder auf.

* Das BMAS-Konzept der „Zuschussrente“ für Versicherte mit besonders kleinem Rentenanspruch kalkuliert mit Einsparungen bei der Grundsicherung. Das Vorhaben ist inzwischen – nach Hickhack auch unter Parteifreunden und Koalitionären – großtönend zur „Lebensleistungsrente“ mutiert; die soll auf etwa 850 € aufstocken, sofern 40 Beitragsjahre und zusätzliche Vorsorge nachgewiesen werden können.
* „Bei einem (weiter drohenden, obwohl von der SPD-Linken heftig attackierten – pit) Rentenniveau von 43 % müsste ein Durchschnittsverdiener mit derzeit aktuell 2600 € brutto im Monat mindestens 33 Jahre Vollzeit arbeiten, um eine Rente oberhalb der Grundsicherung zu erhalten“, heißt es in einem SPD-Beschluss. Gefordert wird, dass auch Beschäftigte mit einer „Teilzeitkarriere“ von dem Modell Solidarrente (bei 30 Versicherungsjahren 850 € erreichbar) Nutzen haben.
* Die Linkspartei konstatiert: „Schon jetzt erhält ein Drittel aller Rentnerinnen und Rentner weniger als 600 € im Monat. Immer mehr sind auf die sogenannte ,Grundsicherung’ angewiesen.“ Sie setzt auf eine „solidarische Mindestrente“ von zunächst 900 € und später 970 € netto – will durch Wegfall der Beitragsbemessungsgrenze die gesetzliche Rente dauerhaft stabilisieren.

Bei Union wie SPD rangiert demgegenüber die gesetzliche Rente als hauptsächliche, aber ergänzungsbedürftige Teilrente. Beide Parteien verlieren sich immer mal wieder in leerem Gedöns von „drei Säulen der Alterssicherung“, real zusätzliche Instrumente sozialer Spaltung.
Wobei in den SPD-Gremien immerhin auch diskutiert wird, für welche Beschäftigtengruppen überhaupt eine zusätzliche Altersversorgung mehr als ein leeres Versprechen ist.

Von den 16,8 Mio SeniorInnen nehmen derzeit knapp eine halbe Million Leistungen der Grundsicherung in Anspruch. (Für 2007 wurde allerdings von der Hans-Böckler-Stiftung eine Nichtinanspruchnahme Berechtigter von 68 % nachgewiesen.) Dass sich Bedürftigkeit ohne wirksame Gegensteuerung immer weiter ausbreitet, bestreitet niemand.
Sicherheitshalber wird von der Sozialministerin eine reformierte Kombirente vorgesehen. „Ab Erreichen der Regelaltersgrenze … kann jeder unbeschränkt hinzuverdienen …“, künftig sogar „bis zur Obergrenze des höchsten in den letzten 15 Jahren erzielten Brutto-Einkommens“.
Siehe „Malochen bis zum Tode“! K 29-12
Fatal ist, was Sahra Wagenknecht, die linke Wirtschaftspolitikerin mit Renommee, anspricht:

„… je weniger Menschen im Alter auf eine auskömmliche Rente hoffen dürfen, desto größer ist die Gefahr, dass das gesetzliche Rentensystem vollständig ausgehöhlt wird. Denn wer im Alter von der gesetzlichen Rente nichts zu erwarten hat, den wird es nicht stören, wenn die entsprechenden Beitragssätze weiter abgesenkt oder ganz abgeschafft werden – im Gegenteil.“

„Warum fühlen wir uns in Krisen auf eine paradoxe Weise wohl?“ fragt in der „Berliner Zeitung“ ein „Trend- und Zukunftsforscher“.

Die LINKE hat sich vorgenommen – auch gegen Resignation und schlichte Beharrung, Abfinden mit dem Gegebenen – Motor für Veränderungen in Richtung von mehr sozialer Gerechtigkeit zu sein.
Wird das vom Wahlvolk erkannt und geschätzt, bereits gewollt?
Die Niedersachsen-Wahl ergab nach Wechselbädern der Stimmauszählung in der Wortwahl der „Experten“ ein – wenn auch leichtes – Plus der Wähler für sozialen Ausgleich statt wirtschaftlicher „Stabilität“.

Die Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger haben jetzt „Einstiegsprojekte für einen Politikwechsel“ formuliert. Dazu zählt ein Mindestlohn nicht unter 10 € und eine Mindestrente „um die 1000 €“. – „Neues Deutschland“, 15.1.2013

1.2.2013



DGB-Jahresauftakt - pits aktueller Kommentar 03-13

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Zu berichten ist über die Jahresauftaktpressekonferenz des DGB-Vorsitzenden in der zweiten Woche des neuen Kalenders. Alle Jahre wieder … Wer mag, kann hier auch Rückschau halten. – Link 1 , Link 2

Auftakt klingt wie Paukenschlag. Das war er nun wieder gerade nicht, in weniger als einer halben Stunde erfuhren die Medienmacher, worauf der Dachverband der Gewerkschaften unter den Bedingungen der andauernden Krise hinlenken möchte. Einer Krise, die zunehmend zur sozialen Krise mutiert.

Die Gewerkschaften würden im neuen Jahr „ihre Forderungen wie gewohnt kraftvoll vertreten und mit Augenmaß aufstellen“, verkündete Michael Sommer. Nur „wie gewohnt“? Wird das die Regierungskoalition dann mehr als gewohnt beeindrucken? Von der (berechtigt) „außer dem einen oder anderen Klientelgeschenk keine substantielle, zukunftsweisende Politik“ erwartet wird.
Originalton M. S.:
„Zur CDU kann man immerhin sagen, dass die Papierlage zunehmend besser wird – die
Faktenlage indes leider nicht. Ich höre sehr wohl die Worte der Bundeskanzlerin zur Sozialen Marktwirtschaft oder auch den Wunsch von Bundesarbeitsministerin von der Leyen, sie hoffe, die FDP möge sich in Fragen des Mindestlohns bewegen. An beide gerichtet sage ich: Worte allein reichen nicht – entscheidend ist, was am Ende im Gesetzblatt steht.“

Zu Oppositionsparteien vermied S. unter Hinweis auf die Überparteilichkeit der Einheitsgewerkschaft explizite Aussagen. Doch natürlich richtete sich (zumindest für mich) an diese die ausgesprochene Erwartung, dass „eine soziale und gerechte Politik für Deutschland und Europa … Realität wird“, was „jeder Bürger mit seiner Stimme demnächst beeinflussen“ kann.

Der DGB will „2013 zum Jahr einer neuen Ordnung der Arbeit machen“, wobei „die Gewerkschaften nicht nur auf den Gesetzgeber, sondern auf einen Dreiklang von gesetzlichen, betrieblichen und tarifpolitischen Initiativen und Maßnahmen“ setzen.
„Wir werden mobilisieren, damit nach der Bundestagswahl keine Regierung daran vorbei kommt, die bestehenden Missstände auf dem Arbeitsmarkt zu beseitigen und neue Leitplanken zur Absicherung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einzuziehen. Die Zeit der
Deregulierung von Arbeit auf dem Rücken der Beschäftigten ist vorbei.“
Bei Themen wie beim Mindestlohn oder der Regulierung der Leiharbeit „wissen wir die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger hinter uns.“
Hier gehörte nun tatsächlich ein durchdringender Paukenschlag gesetzt. Da wird sich der Dachverband mit allen zugehörigen Einzelgewerkschaften ins Zeug legen müssen.

Die Rente war neben „Guter Arbeit“ und einem „Sozialen Europa“ Hauptthema in der orientierenden Rede. Bei den besonders knapp gehaltenen Aussagen im Abschnitt „Altersarmut – Sichere Rente“ gibt es den Hinweis:
„Der DGB hat sich hierzu … frühzeitig programmatisch aufgestellt. Mit unserem Rentenkonzept zeigen wir, dass sichere Renten finanzierbar sind. Wir wollen die unterschiedlichen Übergänge vom Erwerbsleben in die Rente flexibel gestalten, zum Beispiel mit Altersteilzeit, Teilrenten und Zeitwertkonten. Wir brauchen Verbesserungen bei den Erwerbsminderungsrenten ebenso wie die rentenrechtliche Absicherung von Zeiten der Arbeitslosigkeit und geringer Arbeitsentgelte.“ – Link

Aussagen zur „Renteneinheit“, zum immer weiter andauernden Minus bei den Ostrenten kamen in der Rede nicht vor. Auf meine Nachfrage im Anschluss verwies S. vage auf gültige gewerkschaftliche Materialien und Konzepte dazu. Bei der angesetzten Vorstandsklausur mit der Bundeskanzlerin würde das Problem mit angesprochen werden.
Ich erfahre inzwischen schon von neuer Verärgerung der Alten om Osten, die den DGB-Vorsitzenden nicht an ihrer Seite sehen.
21.1.2013