Einiges spricht dafür, dass er sich so entwickeln könnte. „Un da sin ma dabei!“ Einverstanden?
„Deutsche vermissen soziale Gerechtigkeit“, war der Kernsatz, mit dem eben ein Teil der Medien über die Auswertung einer Studie des Meinungsforschungsinstituts Allensbach berichtete.
Zum Abschluss einer internationalen „Gerechtigkeitswoche“ benannte die Friedrich-Ebert-Stiftung zentrale
Fragen, mit denen sie „Entwicklungen genauer unter die Lupe“ nahm:
- Wie werden aus abstrakten Gerechtigkeitsdiskursen politische Handlungsoptionen?
- Welche AkteurInnen tragen sie voran?
- Welche konkreten Projekte und Lösungsansätze verfolgen sie?
Vielleicht hilft die FES dabei, diese Fragen im Auge zu behalten, sie auch als Richtschnur durch den Wahlkampf zu nutzen.
Oder erleben wir ein neues Verwirrspiel um Gerechtigkeitsversprechen?Was gab es schon für Tüfteleien um die verschiedenen Aspekte sozialer Gerechtigkeit, ihre spezifische Bedeutung! Kann es denn Chancengerechtigkeit, Generationengerechtigkeit, Teilhabegerechtigkeit ohne Verteilungsgerechtigkeit geben? Gerade die ist schließlich Ausgangs- und Knackpunkt für alles andere.
Nun entdeckt FDP-Brüderle auch noch so etwas wie „Leistungsgerechtigkeit“ und kann sich gar „faire“ Löhne auf der Basis von auszuhandelnden Lohnuntergrenzen vorstellen – dahinter verbirgt sich schwammig die fortgesetzte Ablehnung von gesetzlichen Mindestlöhnen, für die sich die Unionsparteien neuerdings etwas offener zeigen.
Wie verunsichert muss der Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sein, wenn er „Defizite bei Moral und Anstand“ unter seinesgleichen eingesteht („Berliner Zeitung“, 21.1.), u.a. den Unternehmern der Zeitarbeitsbranche nahelegt, „die Löhne von Leiharbeitern … an die des Stammpersonals anzupassen“.
Auswüchse? Dem Satiriker Christian Ehring („heute show“, 22.2.) belegen sie die überlegene „Ausbeutungskompetenz“ deutscher Unternehmer.
Gerechtigkeit – auf der Suche nach einem WortIm öffentlichen Diskurs wird soziale Gerechtigkeit aber noch immer vorzugsweise mit Blick auf andere Länder, auch die internationalen Beziehungen thematisiert. Da ordnet sich teils auch die Bewegung „UmFAIRteilen“ ein.
Eindrücke, die nachdenklich machen können, vermittelt die Suchmaschine Google, zeigt zum Beispiel, dass „Fairness“ rund fünfmal so oft in Veröffentlichungen gebraucht wird wie Gerechtigkeit.
Als ich als Suchwörter „Gerechtigkeit“ und „Gewerkschaften“ einsetzte, hatte ich einen in besonderer Weise überraschenden Fund: Der DGB-Vorsitzende sah vor einem Jahr zum Katholikentag (!) Gewerkschaft und Kirchen international übereinstimmend ausgerichtet und verblüffte (wohl nicht nur mich), indem er von diesem Ereignis „Impulse für soziale Gerechtigkeit“ erwartete. Ist in solcher Konfusion begründet, dass BILD.de (18.12.2011) im Interview fragte: „Geht die Gerechtigkeit in Deutschland vor die Hunde, Herr Sommer?“
Da findet dann die Wochenzeitung „Freitag“ dieser Tage im Rahmen auch von deren Koalitionsarchitektur „die Wendung der CDU zu dem Thema soziale Gerechtigkeit“ nicht weiter verwunderlich. – 28.1. Doch: Wie ernst es die Christlichen mit der Gerechtigkeit meinen wird ein simpler Indikatortest zeigen. Werden sie den Rösler-Leuten nachgeben bei deren „Schönheitsreparaturen“ am überfälligen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung?
Was sind markante, lange offen zutage getretene Gerechtigkeitsprobleme bei den Renten?- Obenan steht der Umstand, dass, ungeachtet der allseits als ergänzungsbedürftig angesehenen reformgedämpften (von ehemals 70 % auf um 50 % des Lohnes) gesetzlichen Renten, nur ein ganz kleiner Teil von uns Alten Betriebsrenten o.ä. erhält.
- Schreiendes Unrecht ist, dass reichlich zwei Jahrzehnte nach Herstellung der staatlich-politischen Einheit Deutschlands noch immer den Ostrentnern die unverkürzte gesetzliche Rente vorenthalten wird. Einbuße: allmonatlich um 140 € („Eckrentner“).
- Kaum fassbares Unrecht ist auch die ungleiche Bewertung von Erziehungszeiten bei der Rentenberechnung, abhängig allein davon. ob die Kinder vor oder nach 1992 geboren wurden.
Guter Rat„Freitag“-Chefredakteur Jakob Augstein empfiehlt in einer Kolumne bei SPIEGEL-Online ohne Umschweife: „Wählen Sie Gerechtigkeit! Im Zweifel links.“ Und beginnt einen philosophisch-theologisch angelegten Aufsatz so:
„Ungerechtigkeit und Ungleichheit sind das drängendste Problem in Deutschland.
Darum sollte das Jahr der Bundestagswahl zum Jahr der Gerechtigkeit werden.“
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DIE LINKE macht SPD und Grünen „ein selbstbewusstes Angebot“ („Neues Deutschland“, 29.1.), basierend auf der Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns, der Erhöhung der Renten bei Rentengerechtigkeit für Ostdeutschland, einer Bürgerversicherung. Und konstatiert: Nur in dieser Partnerschaft kann die SPD ihren Anspruch realisieren, Partei der sozialen Gerechtigkeit zu sein.
Ein ZDF-Politbarometer (22.2.) bestätigt eben die o.g. Allensbach-Umfrage: Lediglich 30 % sind der Meinung, in Deutschland gehe es „eher sozial gerecht“ zu. 67 % finden, dass „bei uns eher soziale Ungerechtigkei
Mehrt herrscht“. So würden die Warnstreiks im öffentlichen Dienst von einer deutlichen Mehrheit der Deutschen unterstützt.
ver.di appelliert, den Aufruf „Höchste Zeit zum UmFAIRteilen – Reichtum besteuern“ zu unterschreiben und sich an den Aktionen des Bündnisses zu beteiligen!
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