„Arbeiten bis 100?“ - pits aktueller Kommentar 09-12
Friday, March 23, 2012 10:35:41 PM
Das ist übertrieben. Na gewiss doch! Aber in bestimmten Kreisen scheint man darin zu wetteifern, wer so verwegen ist, ein immer noch höheres Renteneintrittsalter zu fordern. Wegen der bedenklichen demografischen Entwicklung natürlich. Die man nur von neoliberalen Positionen in Aktualität und Tragweite einzuschätzen imstande ist.
Die NachDenkSeiten glossieren das mit dem Joke „Rente ab Ableben“. – Link
Mit „Arbeiten bis 100“ zitiert ver.dis sopoaktuell 116 polemische Schlagzeilen in der Presse zum sogenannten „Weißbuch Rente“ aus Brüssel mit der amtlichen Bezeichnung „Agenda für angemessene, sichere und nachhaltige Pensionen und Renten“ (COM(2012)55). Und schätzt ein: „Es sind die alten und bekannten Rezepte, die schon bisher nicht halfen, Armut im Alter zu bekämpfen.“ Immer weiter würde damit lediglich auf einen „späteren Renteneintritt und die Stärkung kapitalgedeckter Vorsorgesysteme“ gesetzt. Allein Teilvorschläge darin bewertet ver.dis Bereich Sozialpolitik als sinnvoll. Insgesamt würde das Weißbuch der eigenen Vorgabe nicht gerecht, die da heißt:
„Die Herausforderungen sind zwar massiv, können aber mit der richtigen Politik bewältigt werden.“
Die Absurdität aktuellen Drängens auf ein höheres Renteneintrittsalter ist inzwischen vielfach bewiesen. Doch die Verfechter bestehen darauf geradezu besessen und ignorieren die schlüssigen Gegenargumente, die sowohl eine drängende Notwendigkeit dieser Maßnahme als auch die dafür notwendigen Voraussetzungen bestreiten.
Vorschläge für eine „richtige Politik“, geeignet absehbare „Herausforderungen“ (s. oben) zu bewältigen, liegen durchaus vor. Stichworte rufen sie uns in Erinnerung wie auch Appelle von Gewerkschaften und Sozialverbänden, für die die Regierenden taub sind:
- Das Konzept einer Bürgerversicherung, in die alle von allen Einkommensarten ohne Beitragsbemessungsgrenzen einzahlen, machte „Sorgen“ um die abnehmenden Beitragszahler hinfällig.
- Ebenso wie die allseitig (!) bessere Ausschöpfung des vorhandenen und zuwachsenden, auch zuwandernden gesellschaftlichen Arbeitsvermögens, verbunden mit dessen pfleglicher Behandlung Fachkräftemangel nicht ausbreiten ließe.
Für unrealistisch halten das Regierende, deren klientel-orientierte, teils sogar abseitige Interessenbindung sozialen Handlungsspielraum einengt.
Die witzige Frage oben macht es den Beschwichtigern eigentlich leicht. Denn – trotz aller Rechenkünste der Demografie und des unausgesetzten Drängens neoliberaler Politik – wer wird denn schon 100? Und wir, die schon Berenteten sind ja sowieso „auf der sicheren Seite“. Bei allen Unsicherheiten im Hier und Heute, die wir auch beklagen.
Es sollte gelingen, mit humoristischen Mitteln das Absurde solcher Politik nachhaltig zu attackieren. Ihr die Eignung als Handlungsgrundlage unwiderlegbar abzusprechen.
Nun eine Blütenlese zur „neoliberalen Versteigerung“ der deutschen Altersrentner, deren Spielregeln nun auch für ganz Europa gelten sollen.
„Rente mit 120.“ – ver.diPUBLIK, 9/2003
„Wer 90 Jahre alt wird, kann bis 80 arbeiten …“ – „Stuttgarter Zeitung“, 12.7.2004
„Thumann bietet mehr: Rente mit 70. – „Neues Deutschland“, 15.8.2005 (Th. War damals BDI-Präsident)
„Arbeiten bis 90. Warum eigentlich nicht?“ – „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, 27.5.2006
„Pension erst mit 68 Jahren. Raffelhüschen fordert Umdenken. – n-tv, 9.9.2006
„Stastistiker: Rente mit 74 droht.“ – „Berliner Zeitung“, 8.11.2006
„Schäuble: Rente mit 67 nicht das Ende.“ – „Neues Deutschland“, 10.11.2006
„Rente mit 67 erst der Anfang.“ – „Berliner Zeitung“, 19.12.2006
„Mit 80 noch auf Jobsuche.“ – Financial Times Deutschland“, 12.7.2007
„Die Deutschen müssten bis 77 arbeiten.“ – SPIEGEL, 22.11.2007 (Vorschlag von Prof. Sinn, IfO-Institut München)
„Jetzt Debatte über Rente mit 70.“ – „Neues Deutschland“, 23.11.2007
„67 – 71 – 74: Immer später in die Rente.“ – „Berliner Zeitung“, 2.2.2011
„Wirtschaftsweise für Rente mit 69.“ – „Neues Deutschland“, 19.5.2011
„Kommission will höheres Rentenalter. Koppelung an Lebenserwartung.“ – „Neues Deutschland“, 10.2.2012
„Völlig aberwitzige Planspiele“ urteilten die ver.di-NEWS, 28.5.2011.
Der Kölner Kabarettist Jürgen Becker höhnt:
„Keiner weiß, wie lange er lebt. Kann sein, dass Sie nach Ihrem Tod noch weiter arbeiten müssen.“
21.3.2012
Die NachDenkSeiten glossieren das mit dem Joke „Rente ab Ableben“. – Link
Mit „Arbeiten bis 100“ zitiert ver.dis sopoaktuell 116 polemische Schlagzeilen in der Presse zum sogenannten „Weißbuch Rente“ aus Brüssel mit der amtlichen Bezeichnung „Agenda für angemessene, sichere und nachhaltige Pensionen und Renten“ (COM(2012)55). Und schätzt ein: „Es sind die alten und bekannten Rezepte, die schon bisher nicht halfen, Armut im Alter zu bekämpfen.“ Immer weiter würde damit lediglich auf einen „späteren Renteneintritt und die Stärkung kapitalgedeckter Vorsorgesysteme“ gesetzt. Allein Teilvorschläge darin bewertet ver.dis Bereich Sozialpolitik als sinnvoll. Insgesamt würde das Weißbuch der eigenen Vorgabe nicht gerecht, die da heißt:
„Die Herausforderungen sind zwar massiv, können aber mit der richtigen Politik bewältigt werden.“
Die Absurdität aktuellen Drängens auf ein höheres Renteneintrittsalter ist inzwischen vielfach bewiesen. Doch die Verfechter bestehen darauf geradezu besessen und ignorieren die schlüssigen Gegenargumente, die sowohl eine drängende Notwendigkeit dieser Maßnahme als auch die dafür notwendigen Voraussetzungen bestreiten.
Vorschläge für eine „richtige Politik“, geeignet absehbare „Herausforderungen“ (s. oben) zu bewältigen, liegen durchaus vor. Stichworte rufen sie uns in Erinnerung wie auch Appelle von Gewerkschaften und Sozialverbänden, für die die Regierenden taub sind:
- Das Konzept einer Bürgerversicherung, in die alle von allen Einkommensarten ohne Beitragsbemessungsgrenzen einzahlen, machte „Sorgen“ um die abnehmenden Beitragszahler hinfällig.
- Ebenso wie die allseitig (!) bessere Ausschöpfung des vorhandenen und zuwachsenden, auch zuwandernden gesellschaftlichen Arbeitsvermögens, verbunden mit dessen pfleglicher Behandlung Fachkräftemangel nicht ausbreiten ließe.
Für unrealistisch halten das Regierende, deren klientel-orientierte, teils sogar abseitige Interessenbindung sozialen Handlungsspielraum einengt.
Die witzige Frage oben macht es den Beschwichtigern eigentlich leicht. Denn – trotz aller Rechenkünste der Demografie und des unausgesetzten Drängens neoliberaler Politik – wer wird denn schon 100? Und wir, die schon Berenteten sind ja sowieso „auf der sicheren Seite“. Bei allen Unsicherheiten im Hier und Heute, die wir auch beklagen.
Es sollte gelingen, mit humoristischen Mitteln das Absurde solcher Politik nachhaltig zu attackieren. Ihr die Eignung als Handlungsgrundlage unwiderlegbar abzusprechen.
Nun eine Blütenlese zur „neoliberalen Versteigerung“ der deutschen Altersrentner, deren Spielregeln nun auch für ganz Europa gelten sollen.
„Rente mit 120.“ – ver.diPUBLIK, 9/2003
„Wer 90 Jahre alt wird, kann bis 80 arbeiten …“ – „Stuttgarter Zeitung“, 12.7.2004
„Thumann bietet mehr: Rente mit 70. – „Neues Deutschland“, 15.8.2005 (Th. War damals BDI-Präsident)
„Arbeiten bis 90. Warum eigentlich nicht?“ – „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, 27.5.2006
„Pension erst mit 68 Jahren. Raffelhüschen fordert Umdenken. – n-tv, 9.9.2006
„Stastistiker: Rente mit 74 droht.“ – „Berliner Zeitung“, 8.11.2006
„Schäuble: Rente mit 67 nicht das Ende.“ – „Neues Deutschland“, 10.11.2006
„Rente mit 67 erst der Anfang.“ – „Berliner Zeitung“, 19.12.2006
„Mit 80 noch auf Jobsuche.“ – Financial Times Deutschland“, 12.7.2007
„Die Deutschen müssten bis 77 arbeiten.“ – SPIEGEL, 22.11.2007 (Vorschlag von Prof. Sinn, IfO-Institut München)
„Jetzt Debatte über Rente mit 70.“ – „Neues Deutschland“, 23.11.2007
„67 – 71 – 74: Immer später in die Rente.“ – „Berliner Zeitung“, 2.2.2011
„Wirtschaftsweise für Rente mit 69.“ – „Neues Deutschland“, 19.5.2011
„Kommission will höheres Rentenalter. Koppelung an Lebenserwartung.“ – „Neues Deutschland“, 10.2.2012
„Völlig aberwitzige Planspiele“ urteilten die ver.di-NEWS, 28.5.2011.
Der Kölner Kabarettist Jürgen Becker höhnt:
„Keiner weiß, wie lange er lebt. Kann sein, dass Sie nach Ihrem Tod noch weiter arbeiten müssen.“
21.3.2012







