pits aktueller Kommentar

Die sozialen Sicherungssysteme in der Krise

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Arbeitsplätze noch und noch, sogar für Rentner - pits aktueller Kommentar 06-13

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Das meint das innerhalb seiner Grenzen Tag für Tag hochgepriesene „Jobwunder“ Deutschland, zweifelnd angesehen aber von Deutschlands Freunden im europäischen Umfeld, dort keineswegs nur als großartig beurteilt! Zu Unrecht?

„Sozial ist, was Arbeit schafft“, egal, wie miserabel die ist. Es liegt an den Betroffenen, was Ordentliches daraus zu machen.
Die diese Parolen zum Kennzeichen ihrer Partei gemacht haben, haben dafür wohl unstreitig den verdienten Denkzettel bekommen. Die endgültige Abfuhr steht verdientermaßen im September bevor!

Rund 2,5 Mio deutsche Arbeitnehmer haben sogar einen Zweitjob, schrieb die „Berliner Zeitung“ (6.10.2012) unter Bezug auf eine gerade veröffentlichte Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Jeder elfte Arbeitnehmer. Neben der regulären Hauptbeschäftigung!
Welch ein „Jobwunder“! Zehn Jahre davor waren das nur halb so viele.
Die mit einem Drittjob werden (noch) nicht gezählt.
Das ist, was wir früher „amerikanische Verhältnisse“ genannt haben. Ein Kommentator der „Berliner Zeitung“ (6.10.2012) verblüfft nun mit der Aufforderung, darin einen „neuen Lebensstil“ erkennen zu sollen.

Diese Entwicklung „ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Arbeit nicht mehr existenzsichernd ist“, sagte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der LINKEN (ehemals SPD, Gewerkschaftssekretärin bei ver.di) Sabine Zimmermann der „Saarbrücker Zeitung“ (5.10.2012).

Wen irritiert, dass dem von den Unionsparteien widersprochen wird?

Wie auch die gesetzliche Rente für immer mehr Alte nicht mehr lebensstandardsichernd ist – im Ergebnis der Rentenreform von Schröder/Riester und dessen, was ihr folgte.

Ja, die gesetzliche Rente ist ebenfalls für immer mehr von uns Alten ergänzungsbedürftig. (Das bestätigen ja auch die Rentenreformkonzepte der Parteien zur Bundestagswahl – so oder so.) Wem die betriebliche Altersversorgung – von Schönrednern noch immer als „zweite Säule“ der Altersversorgung etikettiert – versagt blieb, entscheidet sich – leidliches gesundheitliches Befinden vorausgesetzt – nun immer öfter für den „zusätzlichen“ Minijob.

All das gab es immer schon? Mag ja sein. Aber inzwischen machen deutlich mehr Alte Gebrauch davon.
Im Osten etwa auch, weil wir in der sozialistischen Schule zur „Liebe zur Arbeit“ erzogen wurden? Wer versteigt sich, so etwas behaupten?

Welche Rolle spielt bei all dem Schwarzarbeit? Das Thema sei schwer aufzuklären, beklagen Experten. Da diese „im Verborgenen“ stattfinde. „Neues Deutschland“ (7.2.2013) Dass sie durch das Minijob-Angebot zurückgeht, macht der Artikel fraglich.

„Rentner sollen mehr arbeiten“, hatte die „taz“ (15.2.2Link912) einen Artikel zum „Rentenkonzept, mit dem die Bundesregierung der wachsenden Altersarmut begegnen will“, überschrieben. Und erläutert: „Mit der geplanten Kombirente soll es für Frührentner attraktiver werden, weiter in Teilzeit zu arbeiten.“ – Link

In Kommentar 29-12 fragte ich: „Malochen bis zum Tode?“ – Link http://my.opera.com/kurtguenter/blog/2012/10/23/malochen-bis-zum-tode-pits-aktueller-kommentar-29-12

Die Statistik der um einen Zuverdienst arbeitenden Rentner bewegt sich in Richtung auf eine Million.

Aktuelle Informationen weisen nun darauf hin, dass es zu dem hier Beschriebenen auch eine gegenläufige Entwicklung gibt: Es „gehen immer mehr Beschäftigte vor Erreichen des Renteneintrittsalters mit Abschlägen in Rente“, schreibt Judith Kerschbaumer, Leiterin des Bereiches Sozialpolitik beim ver.di-Bundesvorstand, in ver.di-PUBLIK 01/2013. Weshalb? „Weil sie es nicht mehr schaffen.“

21.2.2012

Existenzangst? Wegen befürchteter Krisenfolgen oder fragwürdiger Sozialpolitik? - pits aktueller Kommentar 06-12

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Wer das starke Wort gebraucht, muss heute nicht mehr fürchten, unverantwortbarer Panikmache geziehen zu werden, damit gar verfassungsfeindlichen Kräften zuzuarbeiten. Heinrich Alt, Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, sagte eben der „Berliner Zeitung“ (27.1.): „Eine relevante Zahl von Menschen hat kein existenzsicherndes Einkommen.“ Er sagt auch warum: „Jede zweite neue Arbeitsstelle ist befristet, und es gibt noch zu viele, die Vollzeit arbeiten wollen, aber nur einen Teilzeitjob bekommen.“
Das vielgepriesene deutsche „Jobwunder“ ist nämlich ein Teilzeitjob„wunder“, wie wir es früher mit Blick auf die USA bespöttelt haben.

Geht es etwa noch dem mit am besten, der die meisten solcher Jobs hat? Natürlich die Betuchten ausgenommen.
Wieviel solcher Jobs braucht man für eine später lebensstandardsichernde Rente?

„Fast 800.000 Rentner in Minijob“ verbreitete schon voriges Jahr die „Saarbrücker Zeitung“ (21,9.2011). Mit der wertvollen Nebenbemerkung, dass bisher 100.000 Menschen mit Minijobs ab 75 Jahren in der Statistik unberücksichtigt geblieben waren. „Immer mehr Ältere verdienen sich etwas dazu“, klärte die „Berliner Zeitung“ auf (23.8.2011). „Malochen bis zum Tode“ spitzte „Neues Deutschland“ (vom selben Datum) den Bericht über „einen beunruhigenden Trend“ zu. Eine parlamentarische Anfrage der LINKEN im Bundestag hatte ergeben, dass sich die Zahl der alten Nebenjobber in den vergangenen zehn Jahren um mehr als die Hälfte erhöht hat.

Doch: Laut Statistik gelten in Deutschland weiter bloß etwa 2,5 % Alte als arm.

„Es kann nicht darum gehen, dass Rentner möglichst lange arbeiten, sondern dass die Beschäftigten, die jahrzehntelang Rentenbeiträge gezahlt haben und nicht mehr arbeiten können, eine Rente bekommen, die zum Leben reicht. Dazu brauchen wir eine Aufwertung der Rente insgesamt, eine deutlich bessere Absicherung insbesondere von Geringverdienern, Erwerbsgeminderten und Arbeitslosen sowie sozial abgesicherte Übergänge in den Ruhestand.“
Das erklärte dieser Tage Annelie Buntenbach, DGB-Vorstandsmitglied.

„Die meisten Menschen haben einen Minijob, weil sie es wollen und nicht, weil sie es müssen“, zitiert die „Berliner Zeitung“ (2.2.2012) dazu den arbeitsmarktpolitischen Sprecher der FDP Johannes Vogel. Ganz so, wie man es von einem seiner Art zu erwarten hat. Die wollen jetzt aber die soziale Sicherheit von Minijobbern erhöhen, indem diese voll rentenversichert werden. Soll das eine zusätzliche Rechtfertigung der Rente ab 67 sein? Buntenbach sagt: „Es ist zynisch, den Älteren durch die Rente mit 67 hohe Abschläge zu verordnen und dann darauf zu bauen, dass sie diese Abschläge als Kombirentner ausgleichen könnten.“

Die lebensstandardsichernde Rente wurde schon vor zehn Jahren abgeschafft! Und dafür im Anschluss die Möglichkeit des Zuverdienstes für Rentner erweitert.
Das „Sicherungsniveau“ wurde immer weiter gesenkt und liegt jetzt um 50 %, 42 % sind für die 30er Jahre angezielt.

Man kann die beschriebene Entwicklung als eine Art realer Vorwegnahme der Kombi-Rente ansehen, die die Sozialministerin ab 2013 einführen will.
Oder diese als Legalisierung solch schändlicher Entwicklung. – Link

„Deutsche ersticken Angst in Kaufwut“, zitiert ein „Berliner“-Kolumnist die „Financial Times Deutschland“.
Zu hören ist auch der Sarkasmus: „Bevor das Geld nichts mehr wert ist, kaufen wir, was wir nicht brauchen.“
Er sei Pessimist, höhnt der Kabarettist Erwin Pelzig: „Der Weltuntergang wird nicht kommen.“
Und die Bundesregierung beschwichtigt: „Rentenkassen gut gefüllt.“ Es seien „auch weiterhin Rentensteigerungen möglich“. Dazu nächstens mehr.
Aber sogar die OECD warnt nun vor ,Altersarmut in Deutschland. Und verweist auf andere Länder. „So leiste sich Neuseeland eine steuerfinanzierte Garantierente … Durchschnittseinkommens, die jeder Rentner unabhängig von seinen sonstigen Einkünften bekomme.“ – WELT_ONLINE (6.9.2011)

„Ich will `nen Kloß mit Soß.
ich will `nen Kloß mit Soß.“
Da brauch’ i net omal `nen Stick Fleesch dazu“,
singt Michel Müller aus der Rhön im Karneval.
Über „die Verhältnisse“ zu leben, ist da nicht angesagt.

Sogar der Promi-Sozialdemokrat und Ex-Finanzminister Hans Eichel muss immer noch für seine Altersvorsorge und sein Verständnis von sozialer Gerechtigkeit kämpfen. Damit ihm zu seiner monatlichen Minister-Pension von 7.100 € noch 9.600 € Ruhegehalt als ehemaligem Bürgermeister und Beamten zugestanden wird.