Sozialbeitragsanteile zurückkriegen? Schnäppchen anstelle von Sicherheit? - pits aktueller Kommentar 20-12
Monday, July 23, 2012 7:27:14 PM
Na, die Arbeitgeber sehen darin mehr als Schnäppchen. Immer schon ist ihr Anteil an den Sozialbeiträgen denen ein Ärgernis. Mit dieser Haltung haben sie es durchgesetzt, dass bei den Beiträgen zur gesetzlichen Krankenversicherung 2005 die Parität zu Ungunsten der Versicherten (+0,9 % Sonderbeitrag) aufgegeben wurde.
Freilich ist Lohnabhängigen und RentnerInnen eine Aufbesserung der oft knappen Haushaltskasse recht. Wenn an die finanziellen Reserven der Sozialkassen herangegangen wird, haben ganz natürlich erst einmal diejenigen einen berechtigten Anspruch, die die Beiträge erbracht haben. „Geld ist nicht das Wichtigste im Leben, aber es sorgt dafür, dass die Kinder in Kontakt mit dir bleiben“, meint der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke.
Mit solch breitem Interesse an Beitragsrückerstattung rechnen die „Akteure des großen Geldes“ und ihre Vermögensverwalter, die juristischen und/oder parlamentarischen Fürsprecher bei der „Gestaltung von Mehrheiten“. Sie finden umso leichter Argumente, die Finanzreserven des Sozialstaats kurzfristigen Interessen zu opfern.
Eingängig, aber falsch nannte ein Kommentator der „Berliner Zeitung“ solche Argumente schon vor Jahresfrist (19.1.2011). „Spare in der Zeit, so hast du in der Not“, erinnerte das Blatt an eine alte Volksweisheit (17.11.2011) mit Blick auf die Erhaltung, die Bestandswahrung der Rentenkassen.
Nachdenklich sollten überhaupt Texte aus zurückliegender Zeit auch jene unter uns stimmen, denen das Schnäppchen so verlockend erscheint. Erinnern wir uns?
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„Kritische Lage bei den Rentenkassen“ berichtete „Neues Deutschland“ am 20.9.2004. Weiter: „Rentenloch wird immer größer. Erstmals Darlehen des Bundes nötig“ (29.7.2005); „Rentenkassen: Zuschuss von 600 Mio € nötig“ (29.9.2005); „Rentenkassen mit Defizit von 2 Mrd.“ (25.6.2010)
So oder ähnlich häuften sich Nachrichten der Medien. Ein Artikel im SPIEGEL (17.10.2003) hatte all das bereits an Dramatik weit übertroffen:
„Nach Bekanntwerden des 10-Mrd.-Loches in der Rentenkasse wird in der Regierung wild gerechnet.“
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Mit der positiven außenwirtschaftlichen Situation besserte sich die Lage der deutschen (!) Sozialkassen – obwohl zugleich der sich ausbreitende Armutslohn als „Kassenräuber“.wirkte. Das reflektierte der Kommentar 12-12 „Deutsche Rentenkassen prall gefüllt“ – positive Kassenlage der sozialen Sicherungssysteme.
Der DGB und Teile der Opposition wollen den wirtschaftlichen Aufwind nutzen und über die gesetzliche Nachhaltigkeitsreserve hinaus eine „Demografie-Reserve“ ausbauen.
Da geht es um Solidarität mit künftigen Altengenerationen.
„Die Finanzsituation der Gesetzlichen Rentenversicherung ist (nun – pit) erfreulich, darf aber nicht dazu verleiten, die Reserven zu verpulvern. Eine Beitragssatzsenkung auf 19,0 % 2013 wäre ein unverantwortliches Wahlkampfgeschenk auf Pump.“
Sagt Annelie Buntenbach, DGB-Vorstandsmitglied.
„Wir fordern die Bundesregierung auf, auf eine Beitragssatzsenkung zu verzichten und stattdessen die Rente der jüngeren Generationen zu sichern.“
Die gesetzliche Begrenzung der Nachhaltigkeitsrücklage gehöre abgeschafft.
„Eine solche Deckelung der Höchstreserve macht überhaupt keinen Sinn und würde … schon in wenigen Jahren zu einem regelrechten Beitragssprung führen. Der Sturzflug der Rente würde dann … trotz einer massiven Beitragserhöhung weitergehen. Eine Beitragssenkung würde so unweigerlich dazu führen, dass die Renten der Zukunft um fast 20 % gesenkt werden.“
Die Sozialministerin Ursula von der Leyen widerspricht so:
„Hier geht es um einen gesetzlichen Automatismus zum Schutz der heutigen Beitragszahler. Die Bundesregierung wird in diesen bewusst eingerichteten Schutzmechanismus nicht eingreifen.“
Überflüssig festzustellen, dass der Koalitionspartner genau dieser Meinung ist.
21.7.2012







