BMW - Freude am Verfahren

Von einem der auszog sich ein BMW-Motorrad zu kaufen - versuchte zu kaufen - gekauft hat.

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Die Übersicht

Dieser Blog entstand während meiner rechtlichen Auseinandersetzungen mit der Firma BMW. Mittlerweile hat er alle meine Motorradabenteuer zum Inhalt.

Der Inhalt umgekehrt chronologisch (das Neueste steht oben):

02-Jan-2012: KTM Duke Umbau von Mototech
22-Dec-2011: ABS-Pflicht für Neu-Motorräder ab 2016 beschlossen
19-Dec-2011: Das N-Forum ist wieder da :-)
18-Dec-2011: Das Wechselkennzeichen kommt
23-Aug-2011: Mit der F800S auf den Nürburgring
10-Jul-2011: Auspuffanlage einfach bestellen kann jeder: die Remus Revolution an der F800S
15-Mar-2011: Bühnenstück beim BMW Händler
05-Mar-2011: Bäuche und Boliden
17-Feb-2011: David gegen Goliath am Nürburgring
07-Jan-2011: 2011 wird das Jahr des Kennzeichens
05-Jan-2011: Alle Jahre wieder ... Rückruf bei BMW.
23-Okt-2010: F800RT, schön ist anders.
10-Okt-2010: Ein Gang über die Intermot.
24-Jul-2010: Und ab in die Werkstatt.
13-Jul-2010: Ich bin nicht allein.
30-Jun-2010: Und meine läuft gleich mit aus.
19-Jun-2010: BMW will wohl die F800S auslaufen lassen.
29-Mai-2010: Resümee nach dem Urlaub in Südtirol.
18-Mai-2010: Rückruf von 122.000 BMWs wegen Bremsenproblemen. Meine ist nicht betroffen.
07-Mai-2010: BMW hat den Nutzungsausfall überwiesen und der ist gleich wieder weg.
25-Apr-2010: BMW hat es nicht geschafft vereinbarungsgemäß den Nutzungsausfall zu überweisen.
18-Apr-2010: Durch ein falsches Datum im Kaufvertrag habe ich auch das restliche halbe Jahr Werksgarantie auf die Maschine verloren (oder wider meinen guten Glauben nie gehabt).
17-Apr-2010: Nach einigem Hin und Her habe ich die Maschine heute abgeholt. JIPPIE!
01-Apr-2010: Nachdem mein Anwalt angedroht hat den Nutzungsausfall deutlich anzuheben, lenkt BMW ein und will auf ein Berufungsverfahren verzichten.
17-Mar-2010: Die Gegenseite kündigt telefonisch an beim Oberlandesgericht in die Berufung zu gehen.
11-Feb-2010: Meiner Klage wird in allen Punkten durch das Landgericht München recht gegeben.
21-Jan-2010: Erster Verhandlungstag in München. Der Richter folgt im Wesentlichen der Argumentation meines Anwalts. Auf einen Versuch der gütlichen Einigung durch den Richter geht BMW nicht ein.
16-Dez-2009: Die Klageerwiderung der gegnerischen Kanzlei beruht hauptsächlich auf Abstreiten von Tatsachen.
09-Sep-2009: Mein Rechtsanwalt reicht Klage vor dem Münchner Landgericht auf Herausgabe der Maschine und einen Nutzungsausfall von 1.000,- Euro ein.
10-Aug-2009: Jeder Versuch sich mit BMW gütlich zu einigen schlägt fehl. Ein Brief von mir an den deutschen Vertriebschef mit der Bitte um Unterstützung für eine gütliche Einigung wird nicht mal beantwortet.
15-Jul-2009: Nach langem Hin und Her mit dem Insolvenzverwalter stellt sich heraus, dass meine Maschine bei BMW ist und wir finden endlich dort einen Ansprechpartner. BMW besteht darauf, dass meine vollständig vor der Insolvenz bezahlte Maschine ihr Eigentum ist.
19-Mar-2009: Ich versuche erfolglos mein vollständig bezahltes Motorrad abzuholen und schalte direkt danach einen Anwalt ein.
18-Mar-2009: Das BMW Motorradzentrum geht in die Insolvenz.
13-Mar-2009: An diesem Tag gebe ich zwecks Zulassung meinen Perso beim BMW Händler ab. Außerdem hatte ich einen Tag vorher bereits den kompletten Kaufpreis an den BMW Händler überwiesen.
06-Mar-2009: Ich unterschreibe beim BMW Motorradzentrum in Bochum einen Kaufvertrag für eine F800S. Bestandteil des Vertrages ist auch die Zulassung der Maschine.

Und hier drunter noch mal mit allen Details ...

18. Januar 2012: Zwei lesenswerte Artikel auf SpOn

Im Spiegel Online steht ein wirklich lesenswerter Artikel zum Wechselkennzeichen. Mir bleibt nur, meinen abschließenden Satz meines letzten Artikels zu dem Thema zu wiederholen: Wieder mal lässt einen die deutsche Politik mit halbgarer Scheiße kopfschüttelnd zurück.

Der zweite zweite Artikel handelt vom Nürburgring. Das ist zunächst mal nicht verwunderlich. Gibt es doch genugend Gründe für alle möglichen Medien über diese Steuerverschwendung zu schreiben. Aber das besondere ist, dass sie tatsächlich am Ende des Artikels auf Mikes Blog verweisen.

2. Januar 2012: KTM Duke R Umbau von Mototech

Ich bin verliebt! In den Oktoberausgaben diverser Motorradzeitschriften wurde eine ganz besondere Maschine getestet. Und alle Redakteure überschlugen sich vor Begeisterung (MO oder PS). Die Firma Mototech hat einen Umbausatz für die KTM Duke R vorgestellt, der aus dem bösen Einzylinder von KTM eine astreine Sportmaschine macht. Ich sage nur 125kg bei 70PS Serie. Und das Baby heißt LC4. Damit traut sich endlich wieder jemand in die Fußstapfen, von legendäre Maschinen wie Gilera Saturno oder Bimota BB1: es gibt wieder eine hammergeile Einzylinderrenne. Und das Coolste an dem Kit ist, dass man die Duke komplett wieder zurückrüsten kann.

Leider hatten die Jungs und Mädels von Mototech ein schlechtes Timing. Kaum haben die ihr Umbaukit fertig, stellt KTM die neue Duke 4 vor. Aber davon lässt sich Mototech nicht ins Boxhorn jagen. Wie sie noch diesen Monat die neue Duke auf dem Hof haben wird es auch für die Neue auch ein Kit geben. Neben den Neuerungen der neuen Duke wie ABS und größere Wartungsintervalle könnte man bald auch von der Straßenzulassung des Kits profitieren. Nur schade, dass die nicht mehr die coole Underfloor Auspuffanlage hat.

Und jetzt juckt es mich schon brachial in den Fingern. Back to the roots! Es gibt kein geileres Motorraderlebnis als einen hämmernden Einzylinder zwischen den Beinen zu spüren und damit Supersportler zu jagen.

28. Dezember 2011: Ich muss weinen ...

Und wer denkt, er ist schnell und sicher auf seinem Sportbike, bitte schön:

22. Dezember 2011: ABS-Pflicht für Motorräder

Wie, monatelang Sendepause und jetzt drei Einträge in einer Woche? Aber zum Thema ...

Die EU verpflichtet ab 2016 alle Hersteller in Krafträder (ein geiles Wort) ab 50ccm ein ABS einzubauen. Damit sollen die Unfallzahlen gesenkt werden. Details dazu beim ADAC.

Ich persönlich finde es ja immer bedenklich, wenn mündigen Bürgern vorgeschrieben wird, was sie zu tun oder zu lassen haben. Wer sich gerne in einer Maschine ohne ABS aus dem Leben schießen will, feel free! Jeder der auf einem Sicherheitstraining mal den direkten Vergleich von Fahrzeugen mit und ohne ABS bei Normalfahrern gesehen hat, weiß wovon ich spreche. Der Kauf der BMW war für mich auf alle Fälle eine bewusste Entscheidung für ABS. Moppeds ohne kamen gar nicht in die engere Wahl. Da hat mein kleiner Ausflug mit der Buell in die Leitplanke bei Olpe bei mir einen Sinneswandel ausgelöst. Tja, manchmal wird man aus Schaden eben doch klug.

Nachtrag vom 23. Dezember 2011: Die Meldung ist wohl eine Falschmeldung. Offensichtlich hat sich nur der Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz dafür ausgesprochen. Die Entscheidung des EU-Parlamentes steht wohl noch aus.

19. Dezember 2011: Das N-Forum ist wieder da :-)

Ich hatte ja schon vor fast einem Jahr darauf hingewiesen, was sich am Nürburgring für eine teure Provinzposse abspielt und das Mike das größte Nürburgring Fan-Forum aufgrund einer nicht nachvollziehbaren Abmahnung durch die Nürburgring-Betreiber schließen musste.

Es ist mir ein dringendes Bedürfnis darauf hinzuweisen, dass das Thema Abmahnung wohl ausreichend juristisch geklärt wurde (auch dank einer supersolidarischen Fans-Szene die Mike finanziel unterstützt hat). Das N-Forum ist wieder online!!!

Wer Details zu der Geschichte lesen möchte, sei an Mikes Blog oder seine Zusammenfassung verwiesen.

18. Dezember 2011: Das Wechselkennzeichen kommt

Nun hat es doch länger gedauert als gehofft. Das kleine Kennzeichen für uns Moppedfahrer ist ja schon diesen Sommer gekommen. Nur für das Wechselkennzeichen haben sich unsere konservativen Regierungspolitiker etwas mehr Zeit gelassen. Am Freitag ging die Verordnung durch den Bundesrat und bis Mitte nächsten Jahres soll es umgesetzt werden. Lassen wir uns überraschen ...

Praktisch wird das wohl so aussehen, dass sich der Versicherungsbetrag für die Moppeds aus der höchsten Versicherungsklasse der Fahrzeuge ergibt. Vielleicht wird es auch spezielle Versicherungstarife geben. Wie aber zu erwarten war, dürfen wir weiterhin für beide Fahrzeuge Steuern zahlen. Warum die Argumente, die für die Versicherung der Fahrzeuge gelten nicht auch unseren Finanzminister überzeugt haben, steht in den Sternen. Da war die Staatsgier wohl stärker als die Vernunft der Argumente.

Es wird ein Nebenkennzeichen geben, dass an den Fahrzeugen fest montiert wird. Dazu kommt ein Wechselkennzeichen, dass an das jeweilig benutzte Mopped angebracht wird. Und warum nur Fahrzeuge mit gleicher Kennzeichengröße zusammen versichert werden dürfen, muss man auch nicht verstehen. Mopped und Sportwagen geht also nicht. Rentnergolf und Wohnmobil allerdings schon. Wieder mal lässt einen die deutsche Politik mit halbgarer Scheiße kopfschüttelnd zurück.

Alle Details dazu unter www.wechselkennzeichen.de.

23. August 2011: F800S auf dem Nürburgring

Irgendwie aus einer Bierlaune heraus entstand die Idee, dass wir mal zu fünft auf die Rennstrecke fahren könnten: Ute, Doro, Stefan, Peter und meiner einer. Nach etwas Recherche entschieden wir uns für ein Training von Doc Scholl mit dem ADAC auf der Grand Prix Strecke des Nürburgrings. Leider hatte Doro zu dem Termin keine Zeit. Also dann zu viert. Womit mein F800S zwischen den drei RRs (zweimal Honda und einmal BMW) gleich mal die Underdog-Rolle hatte. Peter und Stefan wollten direkt mit den großen Jungs auf der Rennstrecke spielen. Ute und ich entschieden uns für ein Perfektionstraining.


Wir kamen einen Abend vorher an und checkten erst mal im tollen Dorint Hotel ein. Dann ab zur Teilnehmer Besprechung und anschließend an den Futtertrog. Meine (angenehm kleine) Gruppe samt Instruktor war schon komplett versammelt. Und auch hier das gleiche Bild: die F800S hatte um mindestens 30-40PS deutlich die rote Leistungslaterne hinter Maschinen wie K1200S oder GSXR750. „Na das kann ja heiter werden!“.


Bange machen gilt nicht! Also am nächsten Morgen zum ersten Mal im Leben auf die Grand-Prix-Strecke. Unser Instruktor Pit ließ es im ersten Turn zunächst geruhsam angehen, so dass ich die komplette Strecke bequem im dritten Gang fahren konnte. Und eins war schon klar, den ersten und zweiten Gang würde ich heute nur zum Anfahren brauchen. In späteren Turns war der vierte Gang auf den Geraden noch nötig. Und auch klar war, dass mich die richtige Linie von Kurve 4 bei der Mercedes Arena und der Ford Kurve noch viel Schweiß kosten würde. Dunlop-Kehre und Bit-Kurve waren wegen leicht zu bewältigender Blickführung sofort meine Freunde. Apropos: Blickführung, Fußhaltung und früheres ans Gas gehen kristallisierten sich als meine Hausaufgaben für diesen Tag heraus.


Aber wie schlug sich meine F800S? Zunächst hatte ich ja aufgrund der deutlich unterlegenen Motorleistung und Benzingespräche über Fahrwerkseinstellung, Reifenwahl und Luftdruck echt Bammel, dass ich hier wohl nicht mit dem gebührenden Ernst angetreten bin. Aber einfach aufs Mopped steigen und mitmachen stellte sich dann doch als richtig heraus. Die F verkaufte ihre Haut teuer und war jederzeit in der Lage den Goliaths zu zeigen wo der Hammer hängt. Klar, auf den Geraden war Schluss mit Lustig. Aber Hahn aufreißen kann jeder. Besonders begeistert war ich vom Bridgestone BT023 Tourensport-Reifen. Der überzeugt durch jede Menge Haftung und ein absolut neutrales Verhalten.
Einzig Mirko in meiner Gruppe auf der GSXR beeindruckte durch einen super Hanging-off-Stil, hatte noch deutlich Potential nach oben und wäre mir im Zweifel davongefahren. Insgesamt bleibt mal wieder das Fazit, dass bei heutigen Moppeds in 95% aller Fälle die Grenzen im Kopf des Fahrers sind und nicht durch das Material gesetzt werden.


Und die Anderen? Ute, die ihre grüne CBR erst ein paar Wochen hatte und normalerweise GS fährt, war am Ende des Tages komplett vom Rennstrecken-Virus infiziert. Und das obwohl sie Augenzeuge eines Unfalls wurde (nur Materialkaltverformung). Stefan trieb seine 1000er richtig geil über den Ring und hatte wohl jede Menge Spaß. Gerade im letzten Turn entwickelte sich ein unterhaltsames Spiel mit ner 1000er Gixxer. Peter hatte Pech mit dem neu aufgezogenen Reifen der den heißen Tag und Peters noch heißeren Fahrstill auf der CBR wohl nicht so ganz vertrug. Er beendete das Ganze etwas frustriert vorzeitig.


Fazit: Super Veranstaltung. Super Orga. Viel gelernt. Vielen Dank an Pit, meinen Instruktor. Nächstes Jahr wieder!

10. Juli 2011: Auspuffanlage bestellen kann jeder

Dass mich die Abwesenheit von Sound, die optische Beleidigung des original Endtopfes und das Drehmomentloch in der Drehzahlmitte bei meiner F800S stören, das habe ich ja schon öfter geschrieben. Ich habe es also getan! Seit einigen Wochen ziert eine Remus Revolution Komplettanlage meine F800S. Aber ich wäre nicht ich, wenn es einfach mit im Internetshop "Weiter, Weiter, Bestellen" getan gewesen wäre. Nein! Einfach kann jeder ...

Aber der Reihe nach. Beim MotoShop24 hatte ich die Komplettanlage inklusive Kat für 911,- Euro schon vor Weihnachten entdeckt. Aber ich wollte noch mit der Bestellung warten, bis sich meine finanzielle Situation etwas entspannt hatte. Und als es dann so Anfang März soweit war, ist die Anlage plötzlich aus dem Shop verschwunden. Ich also direkt eine Mail an MotoShop24 geschrieben, wann das gute Stück wieder verfügbar wäre. Die Antwort war ernüchternd: der Hersteller hat die Anlage aus dem Programm genommen. Na super!

Nach einer kurzen Phase des Selbstmitleids schrieb ich direkt an Remus, ob es die Anlage noch irgendwo gäbe. Auch aus Österreich kam eine negative Antwort, aber auch ein Hoffnungsschimmer: Das Ding ist aus dem Programm, aber ich sollte mich an den Deutschen Importeur (Phönix Motorrad) wenden. Vielleicht hätte der noch was im Keller liegen. Hatte er nicht. Aber er bot mir an direkt bei Remus noch mal extra eine für mich bauen zu lassen. Da konnte ich natürlich nicht nein sagen.

Mein Resümee nach ein paar tausend Kilometern ist durchweg positiv. Die Verarbeitung ist super und es gibt nix an der Anlage auszusetzen. Der Sound hat sich extrem verbessert (naja, die original Anlage bestach eher durch die Abwesenheit von so was wie Klang generell). Die Optik finde ich auch viel besser, da der Endtopf deutlich kleiner ist und zum Rest des Motorrads passt. Zum Drehzahlloch fällt es schwer eine Einschätzung abzugeben. Es fühlt sich weniger dramatisch an, ist aber durchaus noch vorhanden. Da könnte letztendlich nur ein Leistungsprüfstand Gewissheit bringen. Außerdem verspricht Remus für die Komplettanlage noch einen Leistungsgewinn von zwei bis drei PS gegenüber Serie. Auch das wäre nur auf nem Prüfstand nachzuweisen und spielt im Alltag grade mal keine Rolle.


Remus Revolution an F800S: ansehnliche Auspuffanlage mit geilem Sound!

15. März 2011: Bühnenstück beim BMW Händler

Manchmal denkt man, da muss doch irgendwo ne versteckte Kamera sein. Aber ich will der Reihe nach erzählen.

Bei meinem Mopped steht die Jahresinspektion, die Montage der Stromversorgung meines Navis und eine neue Auspuff-Komplettanlage an (mehr zum Auspuff in den nächsten Tagen). Also habe ich am Montag bei meiner BMW Werkstatt des geringsten Misstrauens angerufen und einen Termin für Freitag abgemacht. Ich könne die Maschine aber schon früher vorbeibringen, so lange ich vor 18 Uhr komme. Da würde der Meister Feierabend machen. Weils gerade gut gepasst hat fahre ich Dienstag hin.

Die Uhr zeigt 17:30 Uhr. Auf der Bühne befinden sich drei Leute: Wekrstatt-Meister in kompletter Motorradmontur, Zubehörverkäufer starrt gelangweilt auf seinen Monitor, Motorradverkäufer sitzt in seinem Kabuff und tippt. Kunde betritt die Bühne mit kompletter Auspuffanlage beladen.

Kunde: „Nabend! Ich habe nen Werkstatt Termin und wollte meine Maschine vorbeibringen“
Meister: „Ok!“ Ist sichtlich genervt, rödelt sich wieder ab, fährt Computer wieder hoch, und beschäftigt sich wortlos etwa 5 Minuten mit seinem PC.

Interessenten (Mann hat Bierbauch und Schnurrbart, ich schwöre und habe nen Zeugen!) betreten den Verkaufsraum und beschäftigen sich mit den ausgestellten Maschinen, ohne beachtet zu werden.

Meister „Ich schiebe die Maschine eben in die Werkstatt.“ Verschwindet und ist nach einer Minute wieder da.
Meister: „Wo ist das Serviceheft?“
Kunde: „Unter der Sitzbank, wo es hingehört?“
Meister: „Stöhn!“ Verschwindet und ist nach einer Minute wieder mit dem Serviceheft da und beschäftigt sich wieder mit seinem PC und seinen Unterlagen.

Interessenten haben sich mittlerweile 15 Minuten unbeachtet alle Maschinen angesehen und sind zunehmend irritiert, dass sie nicht beachtet werden. Frau spricht Zubehörverkäufer an.

Interessentin: „Wir sind Kunden und würden gerne eine Maschine kaufen.“
Zubehörverkäufer (schreit): „Karl-Heinz! Kundschaft!“ (Name von der Redaktion geändert)
Interessentin: „Danke.“ Wendet sich wieder den Maschinen zu. Motorradverkäufer reagiert nicht.

Meister: „Ich geb gerade mal daheim Bescheid, dass es später wird“ Meister greift zum Telefon und telefoniert fünf Minuten vermutlich mit seiner Frau. Legt dann wieder auf.

Meister: „Wo sollen wir denn die Stromversorgung fürs Navi anschließen? Direkt an die Batterie?“
Kunde: „Dann besteht doch die Gefahr, dass sich die Batterie darüber entlädt? Emm, Sie sind doch der Fachmann. Wie wärs denn mit der Bordsteckdose?“
Meister: „Nö, das könnte auch zur Entladung der Batterie führen. Hmm,. An ´s Standlicht?“
Kunde: „Klingt gut.“

Interessentin ist sichtlich genervt und geht zurück zum Zubehörverkäufer.
Interessentin: „Wir haben heute Abend noch was anderes vor und wir gehen gleich.“
Zubehörverkäufer (schreit): „Karl-Heinz! Kundschaft!“ Im Kabuff des Motorradverkäufers ist Gegrummel zu hören und Bewegung zu erkennen.

Meister druckt Auftrag aus und schiebt ihm Kunden zum Unterschreiben hin.
Kunde: „Äh, das ist ne Komplettanlage nicht nur nen Endtopf …“
Meister: „Oh! Ist jetzt auch egal.“
Kunde: „Ok“ Unterschreibt Angebot.
Kunde: „Schönen Feierabend.“ Keiner der Anwesenden reagiert.

Meister beginnt sich wieder wortlos anzuziehen. Kunde verlässt die Filiale. Die Uhr zeigt 18 Uhr.

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die nicht so wirklich Lust auf Kunden haben. Aber genauso hat es sich zugetragen. Und ich habe nen Zeugen.

5. März 2011: Bäuche und Boliden


Uwe quatscht mir schon seit Jahren ein Ohr ab, dass er seine Japanesische Chrom-Rigscha gegen eine richtige Männermaschine eintauschen möchte. Nun gut, der Aufstieg von einer Virago XV535 (die Friseuse unter den Motorrädern) auf was Testosteron haltigeres sollte ja nicht so schwierig sein. Also ab auf die Motorradmesse Dortmund und den Duft von Männerschweiß und Schwermetall atmen. Meine Einwände, dass sein Fahrstil nach was sportlichem verlangt, lässt er nach wie vor an sich abprallen. Himmel wie viel Schrecken und Entsetzen könnte er erst mit einer richtigen Maschine verbreiten, wenn er schon auf seinem Damenrad regelmäßig Sportler und Tourer herbrennt. Aber gut ...


Letztlich kreisten wir doch wieder nur am Triumph Stand umd die Speedmaster (siehe Bild) und bei Harley um die 1200er Spordster. Und es fällt mir echt schwer das jetzt zu schreiben, aber schließlich musste ich ihm zu der Spordster raten. Aber wahrscheinlich wird sowieso nix draus und er geht mir die nächsten Jahre weiterhin mit dem Thema auf die Nerven.


Und wo wir schon mal da waren hab ich gleich auch noch einige heiße Maschinen Probe gesessen.

7. Februar 2011: David gegen Goliath am Nürburgring

Das da rund um den Nürburgring Dinge passieren, die man als normaler Bürger nicht mehr begreifen kann, sollte ja schon hinlänglich bekannt sein. Da versucht sich König Kurt erst auf abenteuerlichste Weise Geld von dubiosesten Quellen für einen neuen Nürburgring zu besorgen. Als das schief geht springt der Finanzminister über die Klinge. Jetzt ist es ein dreistelliger Millionen-Betrag an Steuergeld (oder sollte ich sagen "unser Geld"), das für Becks Träume zur Disposition steht. Und dass damit alles andere als sorgsam umgegangen wird, zeigte vor kurzem der Landesrechnungshof.

Den Nürburgring-Fans geht über diese Machenschaften schon lange die Hutschnur hoch. Sogar die Queen of the Ring Sabine Schmitz kann da nicht mehr stillhalten. Neuester Streich der Herren am Ring: Erst Abmahnung und dann einstweilige Verfügung gegen das größte Fan-Forum des Nürburgrings. Dummerweise betreibt das ein Arbeitskollege von mir. Und der ist jetzt gezwungen dieses Forum bis zur juristischen Klärung zu schließen. Und das wenige Wochen vor dem 10 jährigen Geburtstag des Forums und nach mehr als 60.000 Beiträgen von mehr als 3.000 registrierten Mitgliedern. Wie muss man eigentlich drauf sein, um gegen seine eigenen Fans vorzugehen. Aber alle Details dazu könnt ihr auch in Mikes Blog nachlesen.

Da bleibt mir nur noch zwei Dinge zu sagen:
1) Mitmachen! Petition mitzeichnen!
2) Halte durch Mike!

Nachtrag: Im Moment sieht es so aus, wie als ob das legendäre BMW M5 Ringtaxi mit Sabine Schmitz am Lenkrad Geschichte ist. Nachzulesen in Mikes Blog.

07-Januar-2011: 2011 wird das Jahr des Kennzeichens

So wie es aussieht wird sich in Sachen Kennzeichen bei Motorrädern einiges tun. Zwei potentielle Änderungen stehen ins Haus. Es darf sich die Augen gerieben werden; ja oben steht nicht der erste April. Ich will euch nicht verkohlen.

Erst mal arbeitet man wohl auf Initiative von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (was für ein Name!) in einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe (was für ein Name!) am Wechselkennzeichen. Die Idee dahinter ist so einfach wie einleuchtend. Wie jedem normal denkendem Menschen sofort klar ist, passt ein Arsch immer nur auf ein Mopped gleichzeitig (auch wenn das bei manchen Kollegen in Fransenlederhosen auf den ersten Blick schon mal nen anderen Eindruck macht). Wozu also wenn man zwei Motorräder hat für beide Steuer und Versicherung zahlen. Man kann nicht beide gleichzeitig fahren, benutzt daher auch immer nur mit einem die Straße und braucht auch immer nur für eines Versicherungsschutz. Abhilfe könnte ein Wechselkennzeichen schaffen, dass man sich immer ans aktuell benutze Mopped pinnt. Wir sind gespannt. (guckst du)

Die Tage an denen wir neidvoll auf italienische oder österreichische Nummernschilder ob ihrer grazilen Gestalt schauten sind wohl auch gezählt. Möglicherweise wird bald für alle Motorradkennzeichen die Mittelschrift (bekannt von den Leichtkrafträdern) erlaubt. Damit könnte das gehasste Kuchenblech am hinteren Ende bald der Vergangenheit angehören. (Konkret guckst du oder guckst du)

Sollten es doch zwei göttliche Eingebungen bis zu einem bayerischen Politiker geschafft haben? Dann drücken wir mal alle ganz fest die Daumen, dass der Heilige Geist der Vernunft bis zur Umsetzung im christlich bajuwarisch besetzten Bundesverkehrsministerium verweilt.

05. Jannuar 2011: Rückruf von 80.000 Maschinen

Eigentlich sollte mein erster Eintrag dieses Jahr mein Winterprojekt (ne Remus-Anlage) betreffen. Aber mal wieder habe ich die Rechnung ohne BMW gemacht. Wie Spiegel-Online berichtet gibt es mal wieder einen Rückruf bei BMW: bei K-Modellen, die zwischen Oktober 2003 und Oktober 2010 produziert wurden, kann der Umlenkhebel am Federbein korrodieren und im Extremfall brechen. Die Zeitschrift Motorrad schreibt von weltweit von fast 100.000 betroffenen Moppeds. Und wie durch ein Wunder ist meine F schon wieder nicht betroffen. Puh ...

Und bei meiner Recherche zu dem Thema ist mir aufgefallen, dass mir letztes Jahr noch ein BMW-Rückruf für die Einzylinder entgangen ist (hier bei Motorrad-Online).

23. Oktober 2010: F800RT, schön ist anders

Eben schmöcker ich mal wieder im F800-Forum und stolpere über das Foto einer F800RT, eines möglichen Reisedampfers auf Basis der F800S/ST. Damit wäre ja wohl geklärt womit mir in Zukunft der durchschnittliche Intermot-Besucher und Bauchträger in Kehren im Weg rumstehen wird.
Eigentlich ist nach dem Besucherquerschnitt der Intermot die Modellpolitik von BMW klar. Kaum noch Kunden für sportliche Mittelklasse Motorräder, also weg mit der F800S. Dann eine ST mal eben Bierbauch kompatibel gemacht und F800RT genannt. Man beachte den verstärkten Rahmen für mehr Zuladung in der Körpermitte und die ebenfalls verstärkte Halterung für die Soziarasten, damit auch hinten passende Passagiere ohne Gefahr der Materialermüdung transportiert werden können.
Aber der nächste Schritt der Modelloffensive ist streng geheim und ich bin nur durch Insider aus dem BMW Umfeld an diese Infos gelangt. Welt exklusiv verrate ich, dass für 2012 eine F800C geplant ist: Unmengen verchromtes Plastik und Kunstlederfransen, lange Gabel, Trittbretter, Sissybar und Pezziball-Hinterreifen. Born to be wild!

10. Oktober 2010: Ein Gang über die Intermot.

Nachdem ich mich die letzten Wochen hier in Schweigen gehüllt habe ist es mal wieder an der Zeit von meinen Motorradabenteuern zu berichten.
Kurz entschlossen nahm ich am Sonntag das schöne Wetter zum Anlass, meine BMW durchs Bergische Land nach Köln zur Intermot zu jagen. Eigentlich gab es keinen wirklich wichtigen Grund dafür. Die ausgestellten Neuerscheinungen sind ja von der Anzahl eher übersichtlich und lockten mich nicht wirklich hinterm Ofen vor. Naja, die neue Speed Triple dachte ich mir könnte nen Blick wert sein. Und außerdem könnte ich noch bei Remus vorbeischauen. Aber der wichtigste Grund war einfach das geile Wetter. Also ab auf den Hobel und Gummi. Unterwegs holte ich an einer fest installierten Blitzanlage mein noch ausstehendes Saisonfoto nach; von vorne. Dann kurz vor Köln auf die Bahn, um die letzten Kilometer bis zur Messe dem Stadtverkehr zu entkommen.

Auf der Messe bot sich mir dann ein Bild des Grauens. Das Publikum bestand im wesentlichen aus schwergewichtigen Frührentnern mit Oberlippenbart, weißen Socken und Route 66 T-Shirts. Irgendwie kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass auf Motorrad Events die Leute immer seltsamer werden, oder besser gesagt gewöhnlicher. Vor 20 Jahren waren Moppedfahrer jung und auf irgend ne coole Art abgedreht. Und heute wären sie gerne jung und abgedreht. Und so wurde es schon mal eng, sehr eng, wo es einen Milwaukee oder Japanesen Chopper zu besteigen gab. Born to be wild!

Bei Remus schaute ich mir dann mein Objekt der Begierde an: Die Auspuffanlage Revolution für meine F800S. Die Anlage ist Baugleich mit der weiter unten schon erwähnten Anlage von AC Schnitzer. Die Verarbeitung erschien mir Ast rein. Die Österreicher versicherten mir auch, dass die Krümmer super unter meine Verkleidung von Schnitzer passen würden. Optisch und akustisch kann sie nur ne drastische Verbesserung gegenüber dem original Ofenrohr sein. Und das Drehmomentloch in der Drehzahlmitte soll ja auch was an Frustpotential einbüßen. Also steht mein Winterprojekt für die BMW fest.

Apropos Winterprojekt. Da kommt mir auch gleich meine Guzzi in den Kopf. Natürlich bin ich voller Schwermut auch auf dieser Messe zum Guzzi Stand. Heilige Scheiße, wie Manager eine Motorradmarke so zu Grunde richten können. Rufen wir uns noch mal in Erinnerung, dass Moto Guzzi immer noch die Marke mit den meisten Siegen in der Geschichte des Motorradrennsports ist. Lang, lang ists her, ich weiß. Und was findet man heute im Sortiment? Chopper für übergewichtige Oberlippenbartträger und Reisedampfer die aussehen wie mit Knetgummi in der chinesischen Provinz entworfen und den Begriff Sport im Namen tragen dürfen. Man kann gar nicht so viel Essen, wie man kotzen möchte. Kinners bringt endlich eine technische Weiterentwicklung der MGS01 zu einem plausiblen Preis. Das wäre eine Maschine die mit Stolz den Adler auf dem Tank und den Namen LeMans tragen dürfte. Und schon würde Christian das massive Sparen anfangen und arrivederci F800S!

Natürlich bin ich auch noch bei Triumph vorbei um mir die neue Speed Triple anzuschauen. Man kann ja über die runden Doppelscheinwerfer der Alten geteilter Meinung sein. Aber eins steht fest, sie haben der Speedy einen einmaligen Character gegeben, sie aus der Masse herausgehoben. Aber davon muss man sich wohl verabschieden. Optisch könnte die neue Speed Triple ohne Probleme auch aus einem Design-Zentrum aus Fernost stammen. Möge sie immer noch ne super Maschine sein, ein Original ist sie nicht mehr. Aber sitzen tut man gut drauf.


Junge Damen räkeln sich für schwergewichtige Frührentner auf japanischen Maschinen.


Kawasaki VN900: Born to be wild!


Besonders in schwarz hats mir der Revolution echt angetan.


Und sowas darf heute bei Moto Guzzi das Wort Sport im Namen tragen.


Die neue Speedy, jetzt mit Glubschaugen und Fernost-Look.

24. Juli 2010: Und ab in die Werkstatt

Nach etlichen hundert Kilometern ist der Kühlwasserverlust nicht besser geworden. Obwohl die Motortemperatur immer im grünen Bereich geblieben ist, wurde mir die Sache jetzt doch zu heikel. Im F800-Forum habe ich auch einige Beiträge gefunden mit Defekten am Deckel des Kühlwasserbehälters. Also hab ich die F800S zur BMW Werkstatt meines geringsten Mißtrauens gefahren (Auto Zentrum Ernst). Aber der Deckel soll wohl nicht der Übeltäter sein. Es war wohl zu wenig Wasser im Kühlkreislauf (Luftblase?), was zu einem Überdruck führte. Und das ergab den Springbrunneneffekt. Wie das passieren konnte? Keine Ahnung. Es wurde aber wohl auch eine länger Probefahrt gemacht und es schien jetzt mit der richtigen Menge Kühlwasser dicht zu sein. Nun ja, lassen wir uns überraschen.
Wenn schon Wasser durch einen Verbrennungsmotor fließt, das kann ja nur schief gehen. Hach, früher war alles besser ...

13. Juli 2010: Ich bin nicht allein.

Eigentlich hatte ich vor, diesen Beitrag viel früher zu schreiben. Aber wie das so ist im Leben: erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Anfang Mai erhalte ich einen Anruf von Herrn C. Aus Süddeutschland. Er berichtet mir, dass er über Google auf meinen Blog aufmerksam geworden ist und mich anruft, weil es ihm genauso ergangen ist, wie mir. Mit zwei kleinen Unterschieden: sein BMW ist ein Auto und es steht bereits in seiner Garage. Wie bitte?
Also hier die Kurzfassung seiner Geschichte: am 18. März hat Herr C. den Kaufvertrag bei dem BMW Vertragshändler Oberland in Weilheim für einen gebrauchten 1er Cabrio Jahreswagen unterschrieben . Wie auch ich hat er den Kaufbetrag am 30. März überwiesen. Am 3. April konnte er sein Auto mit roten Kurzzeitkennzeichen abholen. Allerdings vertröstete ihn der Händler bezüglich des Fahrzeugbriefs. Es hätte da noch was eingetragen werden müssen und der Brief würde ihm direkt aus München von BMW zugeschickt. Kurze Zeit später war der Vertragshändler in die Insolvenz gegangen. Und natürlich kam kein Fahrzeugbrief aus München, sondern ein Brief vom vorläufigen Insolvenzverwalter. Das Auto gehöre ja wohl BMW. Eine Herausgabe der Papiere sei ihm nicht möglich da das Fahrzeug bei BMW nicht ausgelöst wurde und er soll sich direkt an BMW wenden. Er bedauere den "erheblichen wirtschaftlichen Schaden" der entstanden sei. Als Herr C. im Internet auf diesen Blog gestoßen war, bat er mich um die Kopie meines Urteils für seinen Anwalt. Herr C. wurde wohl immer wieder vertröstet, denn BMW wollte die Lage erst hausintern klären. Am 14. Mai bekomme ich die erlösende Mail aus Süddeutschland. Schließlich und endlich wurde ihm nach 5 Wochen Warten der Brief vom Vertriebsleiter Süd zugeschickt. Außerdem gab es eine Entschuldigung seitens BMW und ein Präsent aus der BMW Kollektion.
Hey BMW, nach etwas Zögern könnt ihr ja doch kundenorientiert. Oder gibt es da einen Unterschied in der Firmenpolitik zwischen Autos und Motorrädern?
Wie auch immer, ich wünsche Herrn C. viel Spaß und allzeit gute Fahrt mit seinem Cabrio.

30. Juni 2010: Apropos auslaufen ...

Nach ner längeren Tour fällt mein Blick auf die rechte Seite meiner BMW. Mir schießt direkt ein "Nöh, ne!" durch den Kopf. Trotz Tage langem trockenstem Traumsommer ist neben dem Motorkopf sowohl der Rahmen als auch die Verkleidung von jeder Menge Flüssigkeit benetzt. Kühlwasser? Hat das zweijährige Stehen den Dichtungen des Kühlkreislaufs meines Motorrades etwa geschadet? Sollte sich die abgeschlossene Garantieverlängerung noch auszahlen?
Also ab zum BMW Vertragshändler meines Vertrauens. Ein Blick des Werkstattchefs erst aufs Mopped und ein zweiter Blick auf mich mit einem breiten Grinsen. Man sollte das Kühlwasser der F800er wohl immer nur bis zum Minimum fühlen, sonst läuft es bei heißem Wetter aus. Und mal wieder frage ich mich, ob die BMW Ingenieure wirklich wissen, was sie da so tun. Also sauber machen und im Auge behalten. Schaun wa ma.

Nachtrag: Nach weiteren 200km bei extrem sommerlichen 32 Grad bin nicht nur ich klatschnass, sondern auch die Seite meines Moppeds. Und wieder mal habe ich im F800-Forum einen interessanten Beitrag zum gleichen Thema an ner F800R gefunden. Und beim Lesen des ganzen Beitrags wieder mal nur Kopfschütteln bei mir über das Bayerische Verständnis von Kundenorientierung.

19. Juni 2010: F800S soll wohl auslaufen

Wie ich am Wochenende in einem Thema im F800 Forum lesen musste schreibt MO wohl im aktuellen BMW Sonderheft, dass BMW mit dem kommenden Modelljahrwechsel die F800S auslaufen lassen möchte. Verstehen muss ich das nicht. Schließlich bauen sie die ST wohl weiter. Und die beiden unterscheiden sich nur in sehr wenigen Bauteilen. Es haben aber beide im Gegensatz zu den anderen F800ern die aufwendige Einarmschwinge mit dem wartungsarmen Zahnriemenantrieb.
Da werde ich mich wohl beeilen müssen, um noch geeignetes Zubehör zu bekommen, um mein S gebührend zu pimpen. Oder ich spare ganz, ganz furchtbar schnell und kaufe mir direkt mein Traummotorrad.

13. Juni 2010: Stoppie geht auch mit ABS!

Ich war am Wochenende auf einem Motorrad-Sicherheitstraining. Und zu jedem guten Training gehört auch das Üben der Vollbremsung. Bei ABS sollte sich das ja äußerst einfach gestallten, dachte ich. Vorne und hinten einfach voll in die Eisen gehen. Um den Rest kümmert sich die Elektronik. Denkste! Ich war nicht schlecht überrascht, als auf einmal das Heck hoch kam und ich einige Meter bis zum Stillstand den Arsch nen halben Meter höher als sonst in die Höhe streckte. Und Petra (meine Trainerin) hatte glaub ich nen Herzaussetzer. Ich bekam das aber kein zweites Mal hin. Also Stoppie mit ABS geht, wenn auch nicht reproduzierbar. Wenn es bei mir auch nicht so beeindruckend wie in diesem Video war.
Übrigens kann ich das Team von Safety First wirklich empfehlen. War ein sehr gutes Training mit durch die Bank kompetenten und sympathischen Trainern. Das Training war eher darauf fokusiert wesentliche Dinge öfter zu üben und dank gutem Feedback zu verbessern, statt bei tausend unterschiedlichen Übungen nur an der Oberfläche zu kratzen.

Nachtrag: Ich habe am Wochenende meine Erfahrungen mal in das (sehr coole) Forum für die 800er BMWs eingestellt (www.f800-forum.de). In dem Thema kommen die Beteiligten leider irgendwie zu keinen eindeutigen Abschluss. Auf der einen Seite soll die F800S (und auch die ST) als einzige der Baureihe eine Überschlagserkennung anhand des blockierenden Hinterrads haben. Auf der anderen Seite habe ich (und wohl auch andere) auch hinten gebremst und es kam trotzdem zu einem Stoppie.

Für mich heißt das also: Auch mit ABS aufpassen, dass man nicht über den Lenker geht.

29. Mai 2010: Resümee nach dem Urlaub

Wie der geneigte Leser ja schon sicher weiß, war dieser Urlaub in Südtirol bereits für letztes Jahr mit der BMW geplant. Aber damals gab es ja noch zwischen BMW und mir besagte Meinungsverschiedenheit, bezüglich des Eigentumsübergangs an der Maschine.
Nun gut, dieses Jahr ging es mit der F800S gen Süden. Das Wetter war Uwe und mir hold und wir schafften es hin und zurück mit gerade zwei kleineren Schauern. Und so wurde es auch dieses Jahr wieder ein toller Urlaub.
Besonders gespannt war ich natürlich auf die Maschine. Und jetzt nach etwas über dreieinhalb tausend Kilometern wage ich mich mal an ein kleine Zwischenbilanz. Ob es fair ist sie mit meiner 30 Jahren alten Moto Guzzi LeMans zu vergleichen? Wahrscheinlich nicht. Mir aber egal.
Fangen wir mit dem positiven an. Natürlich hat die BMW verglichen mit dem italienischen Alteisen ein traumwandlerisches Fahrwerk. Und das erste mal war ich in der Kurve fast geschockt: man kann in Schräglage seine Linie korrigieren! Ach was sag ich, man kann in Schräglage sogar ohne Rodeo-Einlage schalten! Fahrwerksunruhen wegen Schlaglöchern, Hindernissen oder Riefen, was ist das? Pässe, Kehren, Kurvenkombinationen, was für ein Spaß! Nur um Mißverständnisse zu vermeiden: mit der Guzzi natürlich auch, aber halt so anders.
Aber ... es gibt natürlich auch eine Kehrseite. Dieser Motor ist zahm wie ein Stallhäschen. Das fängt mit dem nicht vorhandenen Sound an. Natürlich erwarte ich kein Weltuntergangsinferno wie es offene Ansaugtrichter und Lafranconi-Endtöpfe an nem alten Guzzi V2 veranstalten. Aber zumindest so was wie ein guter Klang dürfte es schon sein. Dazu merkt man vor 4.500 Umdrehungen auch recht deutlich das Drehmomentloch. Aber darüber zieht sie dann doch ganz beachtlich los. Also sollte ich noch was ändern, dann vielleicht eine andere Auspuffanlage, die beides kuriert. Mal informieren, ob die Anlage von AC Schnitzer nicht nur den Klang hin kriegt, sondern auch den Drehmomentverlauf. Auch optisch macht sie auf jeden Fall mehr her als der originale Riesentopf.
Und was die Ergonomie angeht bin ich zufrieden. Die Sitzposition ist etwas entspannter als auf der Guzzi. Auch die Sitzbank tut ganz gut was sie soll. Aber mal Hand aufs Herz, auf welcher Sitzbank quält einen nach 10 Stunden Fahrt nicht der Popo?
Richtig überflüssig ist der ganze elektronische Firlefanz (der nun mal dabei war). Anzeigen für eingelegten Gang, Tankuhr, Durchschnittsverbrauch, Lufttemperatur, Durchschnittsgeschwindigkeit und so weiter hab ich an der Guzzi noch nie vermisst und braucht kein Mensch. Naja, ich zumindest nicht.
Beenden werde ich diesen Abschnitt mit einem Geständnis: Ne Griffheizung ist einfach geil!

18. Mai 2010: Schock in der Abendstunde

Und wieder steht die Pfingstwoche kurz bevor. Und wieder habe ich geplant mit meinem Kumpel Uwe und unseren Moppeds durch Südtirol zu ballern (natürlich diesmal endlich auf der BMW und nicht mehr auf meiner alternden Diva, die auch gerade unpässlich ist).
Eben auf der Heimfahrt von der Arbeit klingelt mein Handy. Am anderen Ende ist ein hektischer Uwe: "Hast du eben Nachrichten auf SWR3 gehört?". Habe ich natürlich nicht. "BMW ruft weltweit mehr als hunderttausend Motorräder wegen Problemen an den Vorderradbremsen zurück." War ja klar.
Daheim erst mal den Rechner angeworfen und im Internet recherchiert. Und tatsächlich, bei Motorrad Online steht ein Artikel. Aber dann wieder Durchatmen, meine Karre ist nicht betroffen. Nur die Dickschiffe von BMW.
Aber was mir zu denken gibt (und hoffentlich auch irgendwelchen Ingenieuren bei BMW): das ist nicht das erste Mal, dass BMW wegen Bremsenproblemen Moppeds zurückrufen muss. Sowohl im April 2006 als auch im April 2008 ist das schon mal passiert. Naja, nach dem Gesetz der Serie hab ich vielleicht noch zwei Jahre bis mein Bock von nem "Sorry, wir haben die Bremsen verpfuscht"-Rückruf betroffen ist. Wie hat es BMW eigentlich geschafft, sich in der Motorrad-Szene so einen guten Ruf aufzubauen?

07. Mai 2010: Nutzungsausfall - Wie gewonnen ...

... so zerronnen. Langsam kommen wir zum (getrübten) Happy End meiner Geschichte. BMW hat mir heute den vom Gericht zugesprochenen Nutzungsausfall samt Zinsen überwiesen: 1.025,- Euro und ein paar Zerquetschte. Und wo Geld ist gibt es immer welche, die was abhaben wollen. In diesem Fall mein Auto. Das hat nämlich genau einen Tag später angefangen sich mit lautem Klappern und Schleifen bemerkbar zu machen. Naja, nach 185.000 Kilometer war eigentlich der erste Defekt mal überfällig. Ärgerlich nur, dass sich dadurch die Kohle von BMW direkt wieder komplett verabschiedet.
Immerhin hatte ich jetzt während des Werkstattaufenthalts des Autos nen Motorrad um bei Nieselregen zu Arbeit zu fahren. War toll.

07. Mai 2010: Endlich fahrbereit

Heute Abend habe ich die F800S vom BMW Vertragshändler in Witten dem Auto Zentrum Ernst abgeholt. Die haben mir das große Federbein eingebaut, die Maschine getüvt und der kleinen noch ein hübsches, neues Kleidchen von AC Schnitzer angezogen. Ich finde, es steht ihr gut.
Ich muss sagen, seit ich mit BMW und ihren Vertragshändlern zu tun habe, war das die erste positive Erfahrung. Die Jungs haben nen guten Job zu nem fairen Preis gemacht. Danke!

25. April 2010: Leere auf meinem Konto

Eigentlich war mit BMW abgesprochen, dass bis diesen Samstag sowohl die Maschine an mich auszuhändigen ist (was sie ja geschafft haben) und mir die 1.000,- Euro Nutzungsausfall plus Verzinsung zu überweisen sind. Ein Blick auf mein Konto eben zeigte, dass da in den letzten 3 Wochen nur Abgänge verbucht wurden. Herzlichen Glückwunsch BMW, auch in diesem Punkt mal wieder versagt.

18. April 2010: Um die Garantie beschissen

Und wer denkt, dass die Geschichte zu Ende ist, nachdem das Mopped jetzt in meiner Garage steht, der hat sich mal ganz gehörig geschnitten. Beim Ausfüllen des Versicherungsantrags ist mir eine Diskrepanz zwischen Kaufvertrag und Fahrzeugschein aufgefallen. Im Vertrag steht, dass die Maschine am 6.10.2008 zugelassen wurde. Was bei 2 Jahren Werksgarantie eine Restgarantie von etwas über einem halben Jahr bedeuten würde (wie auch im Kaufvertrag ausgewiesen). Allerdings steht im Fahrzeugschein als Erstzulassung der 4.4.2008. Und das würde bedeuten, dass meine Garantie vor gut zwei Wochen abgelaufen ist. Also entweder wollte mich der insolvente BMW Händler damals übers Ohr hauen (was ihm dann ja auch gelungen ist) oder es ist einfach ein blöder Fehler. Wie auch immer, ich bin schon wieder der Dumme weil jemand von Seiten BMW (der Vertragshändler) seinen Job nicht ordentlich macht. Irgendwie fühle ich mich um meine Garantie beschissen.
Dazu kommt noch, dass neue Motorräder (im gegensatz zu Neuwagen) bereits nach 24 Monaten durch den TÜV müssen. Daher darf ich direkt für mein nagelneues Mopped noch mal Geld für eine neue Plakette ausgeben.

17. April 2010: Ich hab' sie!

Kaum zu glauben: nach einem Jahr und 28 Tagen habe ich mein Motorrad. Ich hab' sie. ICH HAB' SIE! ICH HAB' SIE!!!
Es war ja eigentlich nicht anders zu erwarten, aber das Garantieheft und die Gebrauchsanweisung für die Maschine war nicht mehr auffindbar. Freundlicherweise bestellt der Leiter der BMW Niederlassung das für mich bei BMW nach. Da sind wir doch mal gespannt, ob das klappt.

16. April 2010: Ein weiser Rat

Erneut versuchte ich zu erfahren, ob mein Motorrad nun zur Abholung bereit stünde. Und es stand. Aber dafür gab es aus einer anderen Richtung Ärger. In Essen wusste niemand etwas von der Absprachen mit dem roten Nummernschild. Unter diesen Umständen war man nicht bereit mir die Maschine auszuhändigen. Ich sollte die Schilder umgehend nach der Überführung zurück bringen. Für mich immerhin über 70km zu fahren und natürlich ein erheblicher Zeitaufwand.
Kochend rief ich meinen Anwalt an. Der meinte nur ganz cool: ja versprich sie zurück zubringen und wirf sie trotzdem in den Briefkasten. Du hast über ein Jahr auf dein Motorrad gewartet, dann kann BMW mal drei Tage auf das Nummernschild warten. Recht hat er!

10. April 2010: Klappt denn bei BMW gar nix?

Mein erster Versuch die F800S bereits am Samstag den 10. April abzuholen scheiterte kläglich. Kurzfristig hatte an diesem Samstag eine Freundin angeboten mich nach Essen zu fahren. Also rief ich etwa 11:45 in Essen an und fragte nach, ob die Maschine wie versprochen fertig wäre, was mir niemand sagen konnte. Man versprach mir mich zeitnah zurück zurufen. Unnötig zu sagen, dass dies nicht geschah. Ich versuchte in der Zwischenzeit sieben mal immer wieder telefonisch etwas über den Zustand meiner Maschine zu erfahren. Ohne Erfolg. Und BMW Essen schaffte es tatsächlich mich zurück zurufen, sieben Minuten vor Ladenschluss um 14:00 Uhr erfuhr ich, dass die Maschine noch nicht fertig war. Was aber dann bei einer Anfahrt von über 30 Minuten sowieso egal war. Man vertröstete mich auf den kommenden Freitag Abend.

6. April 2010: Die BMW Rechtsabteilung meldet sich

An diesem Dienstag um 14:22 klingelt mein Handy auf der Arbeit. Es ist die Rechtsabteilung der Firma BMW, um mit mir die Übergabe der Maschine zu besprechen. Da nimmt man sich natürlich gerne Zeit für. Es stellt sich heraus, dass mein Motorrad seit mittlerweile über einem Jahr bei der BMW Niederlassung in Essen verwahrt wird. Wir einigen uns darauf, dass ich die Maschine mit Hilfe eines roten Nummernschildes selbst nach hause überführen werde und das Nummernschild anschließend per Post zurückschicke. Wie sich zeigen sollte funktioniert nicht mal so eine einfach Absprache mit BMW problemlos.
Am folgenden Tag telefoniere ich mit dem Leiter der BMW Motorrad Niederlassung in Essen. Mein Motorrad sollte ab Freitag den 9. April zur Abholung bereit stehen. Sie wollten wohl vorher noch die fällig Jahresinspektion durchführen.

1. April 2010: Ein Aprilscherz?

Heute morgen finde ich eine Mail meines Anwaltes in meinem Posteingang. Zunächst glaube ich an einen dummen Aprilscherz von ihm: BMW ist bereit einzulenken und auf die Berufung vor dem Oberlandesgericht zu verzichten, wenn ich auf alle Forderungen über das Urteil des Landgerichts hinaus verzichten würde. Da muss ich nicht lange drüber nachdenken und willige natürlich ein.
Man muss dazu sagen, dass mein Anwalt im Falle eines Verfahrens in der nächsten Instanz eine deutliche Erhöhung des Nutzungsausfalls und zusätzlich 1.000,- Euro für entgangene Garantieleistungen angekündigt hat. Vielleicht hat das ja BMW zur Vernunft gebracht.

18. März 2010: 210 Mio. Euro Gewinn im Krisenjahr

Mit gemischten Gefühlen habe ich in einen Artikel im Handelsblatt gelesen, dass der BMW Konzern im Krisenjahr 2009 einen Gewinn von 210 Mio. Euro eingefahren hat. Na, da kann man doch drauf aufbauen.

17. März 2010: BMW und kein Ende

Eben habe ich eine Mail von meinem Anwalt in meinem Email-Postfach mit dem Betreff "BMW und kein Ende". Ihr ahnt es schon: die gegnerische Anwaltskanzlei hat sich bei ihm gemeldet. BMW will in die Berufung gehen. Und mein Anwalt warnt mich schon mal vor: einen Termin beim Oberlandesgericht in München zu bekommen, das könnte schon mal deutlich, deutlich länger dauern als beim Landgericht. Das Mopped noch diese Saison zu fahren, dass könnte ich mir wohl schon mal abschminken. Ich könnte kotzen!

12. März 2010: Im Namen des Volkes!

Am 12. März ging das schriftliche Urteil bei meinem Anwalt ein. Jetzt heißt es noch einen Monat zittern bis das Urteil rechtskräftig wird. So lange hat BMW Zeit eine Berufung beim Oberlandesgericht anzustrengen. Aber mein Anwalt rechnete aufgrund des eindeutigen Urteils nicht damit.

Hier ein Auszug aus dem Urteil:

11. Februar 2010: Gewonnen!!!

Weder BMW noch die gegnerische Anwältin sind auf den Versuch des Richters zu einer gütlichen Einigung irgendwie eingegangen. So blieb mir nichts anderes als auf den Richterspruch zu warten. Wie ich erst einige Tage nach dem 11. Februar erfahren sollte, gab der Richter an diesem Tag meiner Klage in allen Punkten recht. Ja, die Maschine war mit vollständiger Bezahlung in mein Eigentum übergegangen. Und ja, es war zu einem stillschweigenden Verwahrverhältnis gekommen. Und ja, der Nutzungsausfall steht mir auch zu. Gewonnen!!!

21. Januar 2010: Der große Tag

Mit einem komischen Gefühl im Bauch habe ich mich zusammen mit meinem Anwalt auf den Weg nach München zu dem ersten Gerichtstermin meines Lebens gemacht. Und eigentlich lief alles fast perfekt. Aber eben nur fast. Der Richter folgte in allen wesentlichen Punkten der Argumentation meines Anwalts und von der anderen Kanzlei kam außer „Wir sehen das anders.“ keine wirkliche Gegenargumentation. So kam der Richter irgendwann an einen Punkt wo er vorschlug, dass man das Verfahren doch extrem abkürzen könnten, wenn ich zugunsten einer gütlichen, schnellen Abwicklung auf die 1.000,- Euro Nutzungsausfall verzichten würde und BMW dafür zügig die Maschine an mich aushändigen würde. Nach kurzer Beratung mit meinem Anwalt stimmte ich dem Vorschlag zu. Aber nun war kein Vertreter der Firma BMW selbst im Gerichtssaal. Und die gegnerische Anwältin sah sich nicht in der Lage auf einen solchen Vorschlag einzugehen. Also wurde ein neuer Termin auf den 11. Februar angesetzt, um BMW die Möglichkeit zu geben sich dazu zu äußern.

16. Dezember 2009: Klageerwiderung und Gerichtstermin

Heute ist die Klageerwiderung der Gegenseite bei meinem Anwalt eingetroffen. Die Argumentation stützt sich im wesentlichen auf die Formulierung „Es wird mit Nichtiwssen bestritten, dass ...“. Mit anderen Worten, die Gegenseite hofft darauf, dass es keine Zeugen oder ausreichenden Beweise für den Kaufablauf gibt. Zum Glück hatte ich fast immer einen Freund dabei, der alles Bezeugen kann. Außerdem gibt es ja noch den Verkäufer, der damals seinen Job verloren hat. Und auch die Dokumentenlage sollte ziemlich eindeutig sein.
Vor einigen Tagen gab es auch Neuigkeiten aus München. Das Landgericht hat das Gerichtsverfahren auf den 21. Januar angesetzt. Auch wenn ich gemischte Gefühle deswegen habe, bin ich froh, dass es endlich vorwärts geht.
Mein Anwalt rät mir ein Foto von dem originalen Federbein zu machen. Nur um beweisen zu können, dass das BMW Motorradzentrum mir nach dem Kauf schon ein Teil meines Motorrades ausgehändigt hat. Wer hätte damals gedacht, dass es das einzige Teil sein würde, dass ich für die 7.000,- Euro bekommen sollte.

15. November 2009: Die Gegenseite

BMW hat uns mitgeteilt, dass Sie sich vor Gericht durch die Anwaltskanzlei Pöhlmann-Kisling-Früchtl-Oppermann vertreten lassen. Die Tatsache, dass die Gegenseite sich durch eine auf Insolvenzrecht spezialisierte Kanzlei vertreten lässt, scheint meinen Anwalt nicht besonders zu beunruhigen. Seine Zuversicht hätte ich gerne.

9. September 2009: Klage vor dem Münchner Landgericht

Mein Rechtsanwalt hat den Klageentwurf fertig. Das Ganze geht demnächst ans Landgericht München 1 raus. Leider hat BMW dort seinen Gerichtsstand. Also kommt auf meinen Aufwand auch noch mindestens ein Trip nach München oben drauf.
Neben der Herausgabe des Motorrades verlangt mein Rechtsanwalt einen Nutzungsausfall von 1.000,- Euro von BMW. Ich hatte einfach mal frech bei der Dortmunder BMW Niederlassung angerufen, was das Ausleihen einer F800S wohl am Tag kosten würde. Die haben mir brav eine Preisliste per Email geschickt: 100,- Euro. Insofern halte ich 1.000,- Euro da nicht für überzogen.

26. August 2009: Klageentscheidung

Nach einigen ergebnislosen Briefwechseln mit der BMW Rechtsabteilung ist eine Klage nicht mehr abwendbar. Was mich fast noch mehr enttäuscht hat, dass sicher Herr Blesse, der deutsche Marketing und Vertriebschef auch nicht bei mir gemeldet hat. Offensichtlich ist es ihm egal, wie bei BMW mit Kunden umgegangen wird.

10. August 2009: Brief an den Vertriebschef

Nach etwas Suchen im Internet bin ich auf folgende Seite gestoßen: klick mich. Kurz entschlossen verfasste ich einen Brief an Herrn Hans Blesse (Leiter Marketing und Vertrieb Deutschland) in der Hoffnung, dass er mich bei einer gütlichen Einigung mit BMW unterstützt. Schließlich will ich kein Gerichtsverfahren, sondern Motorrad fahren.

21. Juli 2009: Letzter Versuch

Einen letztes Versuch unternahmen wir noch mit der BMW AG eine gütliche Einigung zu finden; leider ohne Erfolg. Jetzt wird sich wohl eine Klage nicht mehr verhindern lassen. Ich bedauere diese Entwicklung sehr.

15. Juli 2009: Freude am Verfahren

Endlich Ansprechpartner bei BMW! Und die zeigten sich auch gleich richtig "Kunden orientiert". Ich hätte also kein Eigentum erlangt, weil mir der BMW Händler die Maschine nicht angemeldet oder mir den Brief nicht ausgehändigt hat.
Woher sollte ich denn wissen, warum der BMW Händler die Maschine nicht wie vertraglich vereinbart angemeldet hatte? Das war ja nun wirklich absolut außerhalb meiner Kontrolle.
Und den Brief an mich aushändigen? Mich hätte dann doch mal interessiert, wie der BMW Händler dann noch die Maschine wie vertraglich vereinbart hätte auf mich anmelden wollen. Aber vielleicht kennt die Rechtsabteilung von BMW ja einen Weg, wie ein BMW Händler ohne Brief ein Fahrzeuge für seine Kunden anmelden kann?

Wenn ich die Argumentation von BMW richtig verstehe, dann hätten der BMW Händler und ich eine extra Vereinbarung darüber treffen müssen, dass das Motorrad schon mir gehört, wenn ich es komplett bezahlt habe, obwohl es dann noch beim BMW Händler steht (Der geneigte Leser erinnert sich sicherlich an den Wortlaut im Vertrag: "Das Kraftfahrzeug bleibt bis zu Vollständigen Bezahlung Eigentum des Verkäufers."). Wenn das wirklich dem Rechtsverständnis von BMW entspricht, dann sollte man als Kunde keinem BMW Haus mehr auch nur zu nahe kommen.

Alles in allem finde ich es total super, dass BMW sein Kunden hängen lässt, sobald einer ihrer Vertragshändler Pleite macht.

Begriffsklärungsversuch von einem nicht Juristen: Besitzmittlungsverhältnis ist wohl eine Vereinbarung in diesem Fall zwischen zwei Parteien wer mittelbaren Besitz (z.B. ein Eigentümer) und unmittelbaren Besitz (z.B. ein Mieter) an einer Sache hat.

27. Mai 2009: Moto Guzzi statt BMW

Was sollte ich machen, der Urlaub in Südtirol war geplant. Es sollte die erste größere Tour mit der BMW werden. Der Kauf Ende März war eigentlich so getimet, dass es noch fürs aneinander Gewöhnen vor dem Urlaub gereicht hätte (den einen oder anderen Kilometer fahren und ein Sicherheitstraining). Dank der Insolvenz hat das ja nicht geklappt. Also schenkte ich meiner alten Italienerin noch mal viel technische Aufmerksamkeit und dann ging es für 10 Tage los. Und abgesehen von einem losvibrierten Blinker und kleineren Elektrikproblemen lief alles super. Es war dann doch ein geiler Urlaub. Ich liebe sie ...

25. März 2009: Hängepartie mit Insolvenzverwalter

Am 25. März geht es los. Mein Anwalt nimmt Kontakt mit dem Insolvenzverwalter auf. Was dann folgt ist nicht witzig: erst hätte ich zu wenig Geld überwiesen, denn die 7.000,- Euro im Kaufvertrag würden nicht stimmen. Das wäre ja viel zu billig. Es müssten 8.450,- Euro sein (was natürlich totaler Quatsch ist). Dann kam wochenlang keine schriftliche Reaktion, trotz gesetzter Fristen. Und schließlich stellt sich heraus, dass die Maschine mittlerweile bei BMW ist und man verspricht uns telefonisch die zuständigen Ansprechpartner bei BMW zu nennen. Die anderen Kunden der Motorrad Bessel GmbH hätten sich auch schon alle direkt mit BMW geeinigt. Überflüssig zu erwähnen, dass wir die Ansprechpartner schließlich selbst heraus finden mussten. Das Ganze zog sich über fast vier Monate.
Im Nachhinein muss ich meinen Hut vor meinem Rechtsanwalt ziehen, mit wie viel Geduld, Behaarlichkeit und klarem Kopf er die Sache angegangen ist. Danke!

23. März 2009: Ein Hoffnungsschimmer am Horizont

Natürlich habe ich direkt am nächsten Tag einen Anwalt eingeschaltet, der mir wieder etwas Mut machte. Dazu kam, dass eine Freundin eine sehr interessantes Gerichtsurteil im Netz gefunden hatte (OLG Köln - 10.08.2004 - 22 U 73/04). Darin wird ausgeführt, dass der Eigentumsübergang mit der vollständigen Bezahlung der Ware vollzogen ist, in meinem Fall also eine Woche vor der Insolvenz. Bei vollständiger Bezahlung der Ware und dem einvernehmlich Belassen der Ware beim Verkäufer entstünde stillschweigend ein Verwahrverhältnis (das Fachwort ist wohl „implizites Besitzmittlungverhältnis“). Allmählich schöpfte ich wieder Hoffnung doch bald meine BMW wiederzusehen.

19. März 2009: Der Tag des Schocks

An diesem Tag stand ich ziemlich fassungslos vor der verschlossenen Tür des BMW Händlers und starrte auf das Insolvenzschreiben. Extrem frustierte (Ex-) Mitarbeiter der Motorrad Bessel GmbH öffneten mir dann doch die Tür. Natürlich war mein Motorrad nicht angemeldet und natürlich durfte ich es nicht mitnehmen. Damit war der Tanz der Juristen eröffnet.

Das war so ziemlich das letzte Mal, dass ich meine Maschine sah:

18. März 2009: Das Schicksal nimmt seinen Lauf

Ohne dass ich etwas davon ahnte ging die Firma Motorrad Bessel GmbH, das BMW Motorradzentrum in Bochum am 18. März 2009 in die Insolvenz.

Aushang an der Eingangstür des BMW-Händlers:

13. März 2009: 7.000,- Euro ins Klo

Eigentlich halte ich mich ja nicht für einen leichtsinnigen Menschen. Aber das stellte sich im Nachhinein als echte Dummheit heraus: Am 13. März gingen die 7.000,- Euro von meinem Konto auf das Konto des BMW Vertragshändlers, der Motorrad Bessel GmbH. Wer rechnet denn damit, dass der Satz "Das Karftfahrzeug bleibt bis zur vollständigen Bezahlung des Kaufpreises im Besitz des Verkäufers." noch strittig werden könnte.

Etwa zur gleichen Zeit war ich nochmal beim BMW Vertragshändler, um meinen Personalausweis für die Zulassung abzugeben. Außerdem händigte mir der Verkäufer des BMW Motorradzentrums ein normalhohes Federbein aus. Die von mir gekaufte Maschine ist ja tiefergelegt und der Verkäufer war so freundlich mir das original Federbein zu geben, weil ich gerne das original Fahrwerk gehabt hätte.

Nichts deutete auf das hin, was jetzt kommen sollte.