Esej s Veveričkou
Friday, November 4, 2011 1:11:35 PM
Texty po oprave našej milej vyučujúcej.
Die Kunst des Erinnerns
Erinnern ist nicht leicht. Manchmal ist Vergessen so schwer. Wir haben vergessen zu erinnern.
Erinnerungen sind etwas so Selbstverständliches, dass man sie sogar oft nicht wahrnimmt. Man merkt aber, wenn jemandem keine mehr bleiben.
„Porque memoria es una tradición.“ (Weil das Gedächtnis eine Tradition ist,) hat irgendwelcher Schriftsteller in der Sendung Nostromo gesagt. Sie haben über Geschichte gesprochen. Nicht über die „ernste“ Geschichte der Völker und Krieger, sondern über das Schicksal des Einzelnen.
Erinnerst du dich? Und es werden immer die gleichen Sachen erzählt. Man sieht es sehr gut an einigen älteren Leuten. Das erste Mal ist es interessant und belehrend. Zum zweiten Mal ergänzt selbst der ungeduldige Hörer die Details. Und zum (2+n) Mal flieht der Rezipient unauffällig. Obwohl ich noch nicht so alt bin, passiert es mir ziemlich oft. Wenn ich älter sein werde, werde ich lieber schweigen, nur schreiben.
Wer ein Tagebuch führt, weiß genau, worum es beim Vergessen und Erinnern geht. Nur selten hält man die Person, die die Zeilen vor fünf, sechs oder zwanzig Jahren geschrieben hat, für sich selbst. Es geht um eine Art Verfremdung. „Es ist vollkommen lächerlich! Peinlich! Ich war so... so... einfach so.“ Und man erzählt, als ob es sich um eine völlig andere Person handelte.
Erinnerungen. Nur selten wird man sich des Wechsels bewusst, was jetzt die Gegenwart ist, wird im nächsten Augenblick Geschichte sein. Sie werden im Gedächtnis langsam verschwinden bis am Ende von dem ganzen Leben nichts bleibt.
Eichhörnchen
Es war damals im Spätsommer und gleich nach meiner Rückkehr nach Ústí. Ich mag Rad fahren, weil mein Rad wie ein Vermittler zwischen mir und der unerreichbaren Ferne ist. Ich fuhr irgendwie, die Sonne schien, ich kann mich nicht erinnern, wohin ich gefahren war, doch ich kehrte durch Neznabohy zurück. Dieses Dorf ist mir während meines dreijährigen Aufenthaltes in der nordböhmischen Region sehr sympathisch geworden, einerseits wegen seiner Lage, das Dörfchen liegt vergessen im Wald, und wenn man dorthin aus der Stadt fahren will, muss man eine ziemlich steile Steigerung überwinden. Andererseits gefällt mir sein Name, Neznabohy kann man ins Deutsche ungefähr als Keine-Götter-Kenner übersetzen und das stimmt mit meiner Überzeugung genau überein.
An jenen Tag stürzte ich durch Neznabohy hinunter, als ich etwas Ungewöhnliches auf dem Asphalt bemerkte. In der Geschwindigkeit dachte ich rasch darüber nach, bis ich mich entschied, zu stoppen und zurück zu fahren, um dem Ungewöhnlichen wieder und näher zuzusehen. Ich musste ein paar Meter berghoch schieben – und das war für mich nach der Fahrt gar nicht einfach – und auf der Fahrbahn erkannte ich ein braunes Tierchen. Nach näherer Betrachtung kam ich zu dem Schluss, dass es sich um ein Eichhörnchen handelte. Sie (ich will es „sie“ nennen, da es sich in meinen Augen nur um ein Weibchen handeln könnte) lag unbeweglich auf dem von den Sonnenstrahlen brennenden Asphalt und aus ihrem Kopf floss ein Bächlein hellroten Blutes. Ihre Augen waren, oder, besser gesagt, nur ein Auge, das ich sehen konnte, geöffnet und starrten mich erschrocken an. Oder das Äuglein war so dunkel, dass ich in ihm die Rückstrahlung meines Schreckens sehen konnte. Sie sah so lebendig aus! Keine körperlichen Störungen außer dem Blut waren zu bemerken. In diesem Moment konnte ich nicht verstehen, warum sie eigentlich dort liegt, warum sie keine Angst vor mir hat und nicht wegläuft. Ich konnte nicht glauben, dass es dem Tierchen wirklich schlimm geht.
Ich berührte sie nicht, weder mit der Hand noch mit einem Zweig. Es schien mir, dass ihre Brust sich nach oben und dann nach unten bewegt hat. Ich konzentrierte mich auf ihren Atem, auf unansehnliche Bewegungen, aber eigentlich konnte ich nicht unterscheiden, ob es sich um Realität oder um meine Fantasie handelte.
Ihr rothaariger Schwanz war nach hinten gereckt. Ich dachte darüber nach, was ihr passiert sein könnte. Hatte sie ihre Kräfte überschätzt und ist sie von einer zu weit entfernten Ast gefallen? Oder hatte sie einen Zusammenstoß mit einem Auto? Jetzt ist es nicht mehr wichtig. Das Eichhörnchen lag dort in seinem Blut auf dem Asphalt. Ich liess sie dort liegen. Sie war tot.












