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Jelzin

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Zar Boris
Er trug wesentlich zum Zerfall der Sowjetunion bei und war der erste frei gewählte Präsident Russlands. Doch unter der Regentschaft von Boris Jelzin verfiel das Land wirtschaftlich, Oligarchen bereicherten sich, die Korruption blühte. Ein Nachruf in Bildern


Boris Nikolajewitsch Jelzin, am 1. Februar 1931 geboren, entstammte einer armen sibirischen Bauernfamilie. Er verdingte sich als Maurer und Zimmermann, bevor er eine Karriere als Bauingenieur begann. 1961 trat er in die KPdSU ein, stieg bald in der Partei auf und wurde 1976 Parteichef von Swerdlowsk. 1985 holte ihn Generalsekretär Michail Gorbatschow nach Moskau als Leiter der ZK-Abteilung für Bauwesen. Neun Monate später wurde Jelzin zum Moskauer Parteichef befördert.

Jelzin begann bald, lautstark Pfründe und Privilegien der Nomenklatura anzuprangern. Er drängte bei der von Gorbatschow eingeleiteten Perestrojka auf Tempo und forderte raschere Reformen. Damit geriet er in Konflikt sowohl mit Gorbatschow als auch mit den konservativen Kräften in der KPdSU. Schließlich verlor er 1987 alle Parteiämter - was in den Augen der Bevölkerung seinen Ruf als Radikalreformer erst recht bestärkte.

Jelzin prangerte immer lauter das Machtmonopol der Partei an, der er selber aber weiterhin angehörte. 1989 wurde er in den Kongress der Volksdeputierten gewählt und im Juni 1991 schließlich zum Präsidenten der russischen Teilrepublik.

Als im August 1991 eine Clique von Parteifunktionären gegen Gorbatschow putschte, verschanzte sich Jelzin mit Abgeordneten und Anhängern im Weißen Haus in Moskau. Auf einem Panzer stehend rief er die Russen zum Widerstand gegen die Putschisten auf - mit Erfolg.

Nach dem Sieg des Volkes verbot Jelzin die Kommunistische Partei auf dem Gebiet der russischen Republik. Am 8. Dezember verkündete er bei einem Treffen mit den Präsidenten der Ukraine und Weißrusslands die Auflösung der Sowjetunion und deren Umwandlung in die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS). Mit dem Inkrafttreten der Vereinbarung zum Jahreswechsel wurde Jelzin erster Präsident des unabhängigen Russlands.

Während er im Westen hohes Ansehen genoss und eine Männerfreundschaft mit dem deutschen Kanzler Helmut Kohl schloss, begann Jelzin daheim das Land vor allem wirtschaftlich umzukrempeln. In einer Schocktherapie wurden die Staatsbetriebe privatisiert - oft unter fragwürdigen Umständen. Die Preise explodierten, das Bruttoinlandsprodukt sank fast um die Hälfte, der Rubel verfiel. Oligarchen räuberten sich unter seiner Patronage riesige Industrie- und Finanzimperien zusammen und schafften Kapital in großer Menge ins Ausland. Die Korruption blühte, auch in seinem ummittelbaren Umfeld.

Bei US-Präsident Bill Clinton und anderen Staatschefs im Ausland wurde Jelzin weiter als wichtiger Partner und Anführer des neuen Russlands behandelt. In seiner heimat jedoch wuchs der Widerstand gegen seine widersprüchliche, oft sprunghafte Politik. Im September 1993 löste er den Obersten Sowjet auf. Das Ringen mit den widerspenstigen Abgeordneten endete mit der Erstürmung und Beschießung des Parlamentsgebäudes - und einer Präsidialverfassung, die Jelzins Position entscheidend stärkte.

Jelzin herrschte fortan an wie ein absoluter Monarch. Sein größter Fehler aber war der erste Krieg gegen die Unabhängigkeit Tschetscheniens, der 1996 mit einer demütigenden militärischen Niederlage endete. Der russische Präsident, vom Alkohlgenuss und einem Herzleiden schwer gezeichnet, schien keine Chance mehr auf eine Wiederwahl zu haben. Doch in einem furiosen Wahlkampf, mit Unterstützung seiner neureichen Unternehmerfreunde und nicht immer sauberen politischen Mitteln, schaffte er es, seinen kommunistischen Rivalen Sjuganow niederzuringen.

Nach einer schweren Herzoperation unternahm Jelzin 1997 noch einmal einen halbherzigen Reformanlauf. Doch die Wirtschaftskrise ging weiter. Am 14. August 1998 war Russland offiziell zahlungsunfähig. Am Silvestertag 1999 erklärte Jelzin überraschend seinen Rücktritt und übergab die Regierungsgeschäfte an den von ihm ausgesuchten Nachfolger Wladimir Putin. Einzige Bedingung: Der sollte ihn vor Strafverfolgung schützen. Seitdem lebte Jelzin fast vollständig zurückgezogen von der Öffentlichkeit.
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