Die faulen Angestellten im Öffentlichen Dienst
Thursday, February 16, 2006 11:38:44 AM
Warum ich streikende Krankenschwestern voll und ganz verstehe
Allgemein bin ich der Meinung, dass der öffentliche Dienst ruhig ein bisschen abspecken kann. Aber in manchen Bereichen bedeutet die 42-Stunden-Woche (die ja in Bayern bevorsteht) eine Katastrophe:
In meinem Bekanntenkreis arbeiten einige als Krankenschwester an einer Uniklinik. Dort müssen sie die Fehler von Ärzten in der Ausbildung kompensieren, 150-Kilo-Patienten durch die Gegend wuchten, großkotzigen Privatpatienten in den Allerwertesten kriechen, dahinsiechende, sterbende Menschen begleiten, eine überbordende Bürokratie mit Dokumentation füttern - und erhalten da (laut einer Bild-Titelseite) ungefähr soviel wie eine Friseuse (~ 2000 Euro brutto oder so). Für die Verantwortung, die sie haben, für das notwendige Wissen, das sie brauchen und für die seelische Belastung, der sie ausgesetzt sind, definitiv ein Hungerlohn.
Vor kurzem hat die Uniklink eine neue Einsparmöglichkeit gefunden: Die Schichten am Tag werden um eine Stunde verkürzt auf 6,5 Stunden. Dadurch reduziert sich die Überlappung am Mittag, wenn Früh- und Spätschicht Übergabe machen. Also wird im Ganzen weniger Personal gebraucht. Den Krankenschwestern bringt die Stunde weniger pro Tag gar nichts - viel kann man damit nicht anfangen, und dafür muss man öfter arbeiten.
Wenn jetzt die 42-Stunden-Woche kommt, kann man ganz einfach ausrechnen, dass die Krankenschwestern abwechselnd sechs und sieben Tage in der Woche arbeiten müssen, um auf die 42 Stunden zu kommen. Für Freizeit, Familie und Ehrenamt bleibt da nicht viel übrig.
Solche Arbeitszeiten kann ich mir vielleicht als Selbständiger zumuten, der dann auch entsprechend verdient und dies eventuell später durch einen langen Urlaub ausgleichen kann. Ob ich in ein Krankenhaus gehen will, wo Ärzte und Pflege unter den oben geschilderten Bedingungen vegetieren, stelle ich mal in Frage. Ich habe schon von mehr als einem Fall gehört, wo ein Patient gestorben ist, weil die Krankenschwestern überarbeitet waren, und dann irgendetwas übersehen wurde. Und die Situation wird definitiv nicht besser.
Natürlich gibt es auch Stationen, wo die Pfleger den halben Tag Kaffee trinken. Das ist aber weder die Regel noch ein Maßstab. Und wirklich reich wirst Du als Krankenschwester nicht - ein BMW-Mitarbeiter verdient viel mehr, bei weniger Wissen, weniger Verantwortung und ohne Burn-Out-Syndrom im Nacken.
Musste mal gesagt werden…
Raphael
UPDATE (14:12 Uhr): Michael Bloch hat ebenfalls hier und in seinem Blog geantwortet. Und ich natürlich auch wieder was entgegnet. Aber nur noch in seinem Blog. Sonst wird's wohl unübersichtlich...






