Subscribe to RSS feed

Sticky post

Welcome!



Krankheit mit acht Buchstaben



Ich will das nicht lesen! Die kläglichen Versuche, der deutschen Rechtschreibung gerecht zu werden. Die immer gleichen, ausgeleierten Sprüche, falsch zitiert und ohne jegliche Interpunktion... Ich vermisse Satzzeichen und habe genug von Zeichen, die nur im Rudel auftreten!




Ich möchte das nicht sehen! Ich will keine Bilder. Bilder, bei denen ich mir denke: oh nein, niiiicht... Bilder von Leuten, die ich schon aus Prinzip nicht leiden kann. Und keine bearbeiteten Bilder, weder die mit Glitzerstempeln, noch die, die euch (eigentlich) schöner machen sollen.




Ich will das nicht wissen! Weder dein heutiges Problem, noch das Leiden aus deiner Kindheit. Ich will nichts wissen von deiner neuen Beziehung, mit dem süzzen Boiiiiii, den du über alles liebst, aber nach 3,7 Tagen feststellst, dass ihr euch nach so langer Zeit unterschiedlich entwickelt habt.

Klar. Ich könnte es einfach löschen. Aber so einfach ist das nicht. Wie viele haben es versucht? Und trotzdem kommen sie immer mal wieder vorbei und brauchen dringend einen Blick. Nur einen Blick! Auch nur ganz kurz!

Außerdem stöbere ich gerne im sozialen Netzwerk meiner Schüler. Und auch sonst gefällt es mir, zu schnüffeln. Manchmal finde ich Dinge, die ich nicht wissen wollte. Wie heute zum Beispiel. Dann rege ich mich furchtbar auf, über die Dummheit der Leute. Und ich adde deine Neue auf meine Ich-find-dich-scheiße-Liste. Und aus Langeweile like ich dann deinen Status, nur um zu zeigen: Hey man, ich bin auch noch da! Manchmal geh ich auch einfach mal off. Wie jetzt auch.

Depressionen waren nie tragbar doch stehn uns so gut...

Wenn mans so nimmt, habe ichs gewagt. Nach ziemlich genau einem Jahr habe ich mal wieder auf rot gesetzt. Ums nach gut 36 Stunden zu zerstören.

Ich bin losgefahren, natürlich alles just in time. Ich bin dreimal vorbeigefahren. Dann direkt davor geparkt. Und einen Kilometer in die falsche Richtung gelaufen, weil ich vor lauter Aufregung nicht genau geguckt habe.

Ich habe mich abholen lassen. Und mich mitnehmen lassen. Quasi an der Hand in die andere Welt, die ich so lange verdrängt habe. Ignoriert. Oder einfach für blöd befunden. Mir doch egal, sucht euch jemand anderen zum Kaputtmachen.

Lief ganz gut. Bis ichs kaputt gemacht habe. Noch nicht mal absichtlich. Ein bisschen Schuld bin ich selbst. Einfach mal die Fresse halten wäre angesagt gewesen.

Ein bisschen Schuld hat auch die Gesellschaft. Wie sie uns ein so perfektes Bild vermitteln will. Für alles gibt es einen Maßstab, für eine perfekte Familie, perfektes Auto, perfekte Party und perfekte Frauen und Männer.

Ich habe ein Kompliment gemacht, für eine Sache, die die Gesellschaft anders sieht. Ich bin verdammt nochmal nicht die Gesellschaft und ich war bzw. bin hochzufrieden mit allem. Mit dir. Und ich will, dass du mir das glaubst. Es tut mir leid.

Weihnachtliche Gefühle

Ein Haus, drei Bewohner, vier Autos. Eine Garage, in die zwei Autos passen.

Ich habe keinen Zutritt zu diesem Luxus, seit Jahren schon nicht mehr. Argument: du hattest bei deinem Exfreund eine eigene Garage, kannst ja dort wieder parken.

Ich parke also seit Jahr und Tag auf einem öffentlichen Parkplatz vor dem Haus, schiebe im Winter Schnee und kehre im Sommer den Dreck vom Platz. In der Einfahrt ist nämlich leider auch kein Platz für mein Auto. Allerdings gehört die Einfahrt doch in soweit mir, dass ich von Zeit zu Zeit mal Schnee räumen darf.

Der Jahreswechsel rückt immer näher, den Wunsch (neues Jahr - neues Glück) nach Garagen- oder wenigstens Einfahrtparkplatz habe ich gar nicht erst gestellt. Wird bestimmt wieder witzig, Äste, Blätter und komisch-klebrige Flüssigkeit des Nazibaums vom Auto zu putzen. Oder im Winter, wenn der Schneepflug mein Auto halb begräbt, hihi... Nicht!

Ein Datum, drei Bewohner, vier Möglichkeiten. Einer, der in Urlaub fährt.

Ich fahre nicht. Ich hüte nämlich den Hund an diesem besonderen Tag, dem 31.12.2011. Ich wollte eigentlich gerne nach Nürnberg, das kann ich dem Hund wegen der Fahrzeit nicht zumuten. Also habe ich mich entschieden, mit einem Freund einen nahegelegenen Berg zu besteigen. Mit Hund.

Der Plan steht, ich nehme zwei Leinen mit, der Hund bekommt eine Taschenlampe umgebunden und außerdem einen Bündel Glöckchen, damit - falls er verloren geht - wiedergefunden, quasi erhört wird. Der Plan sieht außerdem vor, hier gemeinsam mit meinem Bruder zu essen und etwa um 22 Uhr das Haus zu verlassen und mit dem Auto des Rudelführers loszufahren.

Heute morgen fiel mir ein: wenn ich das Auto des Rudelführers habe, ist eine Garage ja frei. Da könnte ich ja meins derweil rein stellen, vielleicht bleibt es diesmal von Raketen und Ähnlichem verschont. Das Rudelführerauto steht eh am Fuße des Berges, da schießt keiner drauf.

Ich habe den Fehler gemacht, diese Idee heute morgen auszubreiten. Beim Frühstück. Große Diskussion.

Frage: Warum nimmst du überhaupt mein Auto und nicht deins?
Antwort: Weil in meins der Hund nicht reinpasst.

Frage: Wenn du deine Rücksitzbank umklappst, dann geht das doch oder?
Antwort: Ja, aber der Hund ist bei einem Unfall nicht gesichert.

Frage: Warum willste dann mit deinem Auto in meine Garage?
Antwort: Weil Silvester ist? Raketen und so? Und da deines draußen unterwegs ist...

Aussage: Mein Auto bleibt in der Garage!
Frage: Wie soll ich dann den Hund mitnehmen?

Aussage: Dein Auto brauchste jedenfalls nicht in meine Garage fahren.
Frage: Ja aber warum denn nicht?

Aussage: Du musst meins danach ja auch wieder rein stellen!
Frage: Ja und? Dann fahr ich meins wieder raus und gut ist.

Aussage: furious Na also so ein Blödsinn, für die eine Stunde brauchste net umparken, so a Schmarren da hier! Da musste ja wieder umparken wenn du heimkommst, also ich verstehs net!


Ich schwöre: ich bin echt ein netter Mensch. Aber wenn sich Leute einmischen, die zu dem Thema gar nichts zu sagen haben... Und wenn sie dann schon was sagen, das nur aus Prinzip tun, dem Prinzip, gegen mich zu reden... Und wenn sie es in einem absolut unangemessenen Tonfall tun... Dann fasse ich für mich den Entschluss, einfach heimlich in die Garage zu fahren. Und als Strafe das Auto erst am nächsten Tag umzuparken. Ich bin ja so gemein!

An solchen Tagen bin ich froh, wenn Weihnachten rum ist. Oder liegt es garnicht so arg an Weihnachten? Ich kann mich an diverse Streitigkeiten im Sommer erinnern. Dasselbe Prinzip, derselbe Tonfall. Immer wieder zur Urlaubszeit, wenn man sich tagelang am Stück sieht.

Wochenendbeziehungen sind was Feines, besonders für die Umwelt der Liebenden.

Blut

Ich bin gestern das erste Mal seit Wochen wieder unterwegs gewesen. Es war eine reine Kopfsache, denn der Körper wehrt sich seit geraumer Zeit und rebelliert.

Lehrersein ist nicht gesellschaftsfähig. Wie soll ichs jemals schaffen, den Erwartungen gerecht zu werden? Ich kann ja noch nicht mal meine eigenen erfüllen. Wie soll ich dann die Gesellschaft zufriedenstellen? Ich weiß, ich weiß, ich bin zwei Wochenberichte im Rückstand... smile

Ich war gestern also aus. Ich habs mir einfach gegönnt, mal was anderes zu tun außer Unterricht vorbereiten, Materialien suchen, Rezepte testen, Werkstücke ausprobieren, rumfahren, Hausaufgaben zu betreuen, stundenlang über weiteres Vorgehen mit bekloppten, kriminellen, verwahrlosten, frechen, gewalttätigen, vernachlässigten, hilfsbedürftigen Kindern zu philosophieren (meistens nachts am Telefon, weil ich eher keine Zeit für Kollegen habe) oder Weihnachtsfeiern zu besuchen. Weihnachtsfeiern klingen vielleicht ganz nett, aber ich habe in diesem Jahr eigentlich 6 davon.

Ich kann bald nicht mehr.

Und irgendwann hau ich ihnen auf die Fresse. Den Lehrerkollegen, die mir erklären, dass ich mich viel zu arg reinstresse. Und außerdem könnte ich froh sein, denn ich habe bald zwei Wochen frei. Ich hatte noch nie in den Ferien nur frei. Die Weihnachtsferien sind strukturiert: Trimesterpläne schreiben, Unterrichte aufholen und neu planen. Und die Materialien, die sich nicht von alleine aufräumen, endlich wieder aufräumen. Ich möchte garnicht wissen, wie der Unterricht solcher Leute aussieht. Mir reicht, was man sich so erzählt. wink

Ich war also unterwegs. Interessant war, dass viele meiner alten Freunde da waren. Ich habe die Chance genutzt. Und reinen Tisch gemacht. Und nicht nur ich bin um eine Erfahrung reicher. Auch sie. Die Leute, die sie so wahnsinnig in den Himmel hoben, die kristallisieren sich als die größten Verräter heraus. Hab ich doch gleich gesagt. Wollte nur niemand hören. Und jetzt will ich nichts mehr sagen.

Interessant war auch, dass die hinterlistigen Frauen auch da waren. Ich weiß noch nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Eine von ihnen hat sich einen Zuhälter angelacht, intrigiert zeitgleich, damit ich mich nicht zu Nahe an Vin Diesel² heranwage. Dabei bewegt sie sich in allmöglichen Kreisen. Auch auf der Arbeit meiner Mutter. Die Leute müssen eine Zeit haben - ich hatte nur einen schönen Abend... smile

Der Abend gestern war alles in allem auch ganz nett. Unter anderem traf ich auch einen Mann der Gattung: Exfreund. Witzig witzig, so unglaublich verliebt kam er mir gar nicht rüber. Er ist sich auch dessen bewusst, dass er bei der neuen Frau nur quasi Hilfskraft und Zeitüberbrücker sein könnte. Bis sie sich von ihrem Noch-Mann getrennt hat und ausgezogen ist. Vielleicht hätte ichs genau deshalb schaffen können. Hab ich aber nicht, die Gewissheit, dass es geklappt hätte, reicht.

Heute morgen hab ich mich dann gewundert, warum im Waschbecken Blut hängt. Zuerst habe ich die Schlafgäste verdächtigt. Die waren es aber nicht. Meine Lunge wollte mir da scheinbar schon Tips geben. Ich hab sie ignoriert. Als mich dann mein Chef anrief, wie es mit meinem Asthma geht, habe ich auch nicht geschalten. Bis ich meinen Schuh entdeckt habe. Und meine Erinnerung.

Ich muss erst mal einen Termin für den nächsten Asthmaanfall frei räumen. Eigentlich hab ich keine Zeit für so nen Kram.



Lagebericht 10. Woche

Heute wird mir eine große Ehre zu Teil. Ich bin Begleiter für eine lustige Reisetruppe, die sich aus 40 Schülerinnen und Schülern aller Schularten zusammensetzt. Ich reise zusammen mit einer meiner Schülerinnen an.

Wir treffen uns bei ihr zu Hause, ich muss aufstehen zu einer Zeit, in der die Uhr erbarmungslos 4:30 Uhr anzeigt. Ich düse los, direkt zu ihr nach Hause. Wir laufen zum Bahnhof, rauchen noch eine und ab in den Zug.

Bereits 31,8 Kilometer später möchte ich eigentlich meine Ohren zuklappen, soviel Pubertät auf einmal wird sogar mir zu viel. Und warum muss das alles eigentlich in einer ohrenbetäubenden Lautstärke stattfinden? Meine Mitfahrer denken eigentlich genauso. Aber wir lernen auch dazu. Fame-Kiddie ist so was wie ein modernes Schimpfwort.

Wir kommen in einer Großstadt an und meine Mitfahrerin wird leicht panisch. Als Dorfkinder kennen wir eigentlich keine U-Bahnen. Und als Pubertierende hat man auch nicht so den Blick für Hinweisschildern, sondern eher für Männer in Uniformen. Ich gebe zu, ein Umstand, den ich durchaus verstehen kann.

In der S-Bahn treffen wir auf einen der 40 Teilnehmer. Lustiges Kerlchen denke ich mir und bin mir sicher, dass er einer der Auserwählten werden wird, die am zweiten Tag gekürt werden. Am Ankunftsort noch mehr Schüler. Wir machen uns gemeinsam auf den Weg zur Burg, in der wir für die nächsten zwei Tage untergebracht sind.

Angekommen stehen wir in einem ziemlich großen Saal und erschrocken stelle ich fest, dass es nur zwei Betreuer gibt: eine andere Frau und mich. Etwas seltsam, aber es stellt sich schnell heraus, dass die meisten Teilnehmer Mitte 20 sind, einige sogar älter als ich.

Ich lasse mich berieseln von Vorträgen, genieße das bunte Treiben und bekomme anschließend doch ein mulmiges Gefühl. Nämlich genau dann, als mein Schützling höchst beeindruckt von einem Mitstreiter ist. Und von dem Mitstreiter erzählte mir sie vorher schon. Der hat nämlich eine geknallt bei der letzten Veranstaltung. Mittag um halb drei nämlich.

Ich stelle mir die Frage über die Aufsicht in der Nacht und werde aus meinen Gedanken gerissen, als der Veranstalter auf mich zukommt und mir genau diese Aufgabe überträgt. Ich weiß also schon, was ich tun werde: 40 mehr oder minder Paarungsbereite beaufsichtigen.

Im Lauf des Tages habe ich mir mein Bild gemacht: es gibt einige herausragende Persönlichkeiten und - wie überall - auch ein paar Arschlochkinder. Einer hats mir ganz besonders angetan. Nachdem er sich erst beim Essen vor mich gedrängelt hat und danach meine Schülerin angestänkert hat, platzt mir fast der Kragen.

Der erste Tag endet um kurz nach elf, also eigentlich mitten in der Nacht. Nach einem vorzüglichen Abendessen überkam die meisten noch der kleine Hunger und gemeinsam warten wir auf die bestellte Pizza. Ich wundere mich schon gar nicht mehr und will eigentlich nur noch in mein Bett.

Ich liege zur Geisterstunde im Bett, nachdem ich alle Zimmer abgeklappert und fleißig kontrolliert habe, ob auch jeder in seinem Bett liegt. Einen hab ich im Schrank gefunden. Pech gehabt. Ich versuche, mich zu entspannen. Fast unmöglich, denn direkt angrenzend liegt das Bad des Modepüppchen-Zimmers. Und die Schönste von allen duscht. Oder versuchts. Was auch immer.

Zum Duscherversuch singt sie. Türkisches Volkslied würde ich tippen. Ich flippe innerlich fast aus und trommle gegen die Wand. Das Püppchen erschrickt und mobilisiert ihre Kameradinnen. Angst breitet sich aus, weil da ist bestimmt ein Geist. Ich kläre die Situation auf. Endlich Ruhe.

Denke ich.

Keine Ruhe. Ich schrecke hoch, als es nebenan plötzlich trommelt. Gegen dir Tür. Weil das Püppchen sich eingesperrt hat. Ich verfluche meinen Job und wäge ab, ob es unmenschlich ist, sie in der Dusche übernachten zu lassen.

Ich bin froh, als mir die Augen zufallen. Am nächsten Morgen tolles Frühstück, Battle mit dem Koch, der Bayern München-Fan ist. Geht ja mal garnicht! Ich kontrolliere nochmal alle Zimmer und denke mir im Püppchen-Raum: eigentlich könntest nochmal aufs Klo.

Ich möchte nicht kommentieren, wer sich jetzt im Bad eingesperrt hat.

Wir verlassen die Burg und fahren zurück in die Großstadt und betreten mein sozusagen Verwaltungsgebäude. Ich möchte nicht kommentieren, wer in Mitten von 40 Schülern eine Treppe übersehen hat und hingefallen ist. Hat an ziemlichen Schlag getan.

Wir werden von einem ziemlich wichtigen Mann begrüßt und gehen nach ein bisschen Geplänkel zur Wahl über. Und ich lag goldrichtig. Der Typ aus der Bahn ist einer der Gewählten. Und das Arschlochkind verliert in drei Wahlgängen. Anschließend weint er. Wie traurig. /ironieoff. Wie sich herausgestellt hat, lag ich doch einmal falsch: nicht nur ich habe gemerkt, wie er tickt, auch alle Anderen. Großartig! Ich liebe lebensfähige Schüler!

Wir schlendern Richtung Christkindlesmarkt und dann zurück in den Zug. Auf der Heimreise unterhält meine Schülerin ein ganzes ICE-Abteil. Wir alle sind mehr oder minder begeistert von ihren Witzen (Was ist weiß und fliegt im Himmel Richtung oben? - eine behinderte Schneeflocke)... Gänzlich in Gelächter brechen wir alle aus, als sie beim Versuch, das Abteil für einen Klogang zu verlassen, gegen die Tür rennt. Ich gebe zu, ein Umstand, den ich verstehen kann.

Ich komme ins Gespräch mit den neben uns sitzenden Polizisten und ernte ein paar mitleidige Blicke. Unser Gespräch wird unterbrochen, als meine pubertierende Hormonschleuder auf dem Rückweg wieder gegen die Tür tatzt. Und hinfällt. Ich gebe zu, kenn ich. Kann ich.

Wir haben noch ein paar gute Stunden, bis wir wieder ankommen. Alles in allem wars ein echt gelungener Trip, ich freue mich eigentlich, alle wieder zu sehen. Und irgendwie dann doch auch wieder auf die Gespräche im Zug. Nur nicht auf die Lautstärke.

Lagebericht 9. Woche

Heute möchte ich mich einem notwendigen Übel widmen... Kollegen...

Wenn ich könnte, würde ich meine eigene Schule aufmachen. Und nur mit Leuten, die ich auch mag. Und der Plan reift in mir und einer Freundin. Immer mehr. Und da werden keine Bekloppten eingestellt oder beschult.

Ich hatte viele Kollegen. Nette. Blöde. Gemeine. Unfähige. Gebildete. Hinterlistige.

Jetzt habe ich auf jeder Arbeitsstelle eine Mischung aus allen. Noch dazu kommt, dass beide irgendwie Messies sind. Jäger und Sammler sozusagen.

Die eine war ganz nett. Allerdings hat sie blöde Ansichten. Laut ihren Aussagen ist sie wahnsinnig gebildet, eigentlich hätte sie Arzt werden soll. Bzw. können, aber das hat sie abgelehnt. Diese Frau hat sich auch direkt beim Kultusministerium gemeldet, und war der festen Überzeugung, die nehmen sie als Lehrer. Weil eigentlich macht sie ja schon so was. Mittagsbetreuung ist ja auch quasi Lehrer. Und dann war sie ganz erstaunt, dass die Frau am Telefon so unfreundlich war... Blöd eben.

Diese Frau wird, wenn etwas nicht nach ihrem Kopf geht, sehr gemein und hinterlistig. Erst letztens hat sie mich und eine andere Kollegin bei der Chefin angeschwärzt, ohne viel Erfolg. Genau solche Aktionen bringt sie immer, wenn sie merkt, das sie unfähig ist. Wenn sie nach Hause fährt, weil wieder nur anstrengende Kinder da sind, die quasi danach betteln, ihre Grenzen kennenzulernen (und Konsequenz liegt ihr nicht). Oder wenn Kinder ihr an die Brüste fassen und dann sagen: sind aber ganz schön klein... Nach solchen Aktionen seitens der Kinder und meiner entrüsteten Reaktion versucht sie mir eins reinzudrücken. Klappt bisher nicht. Unfähig.

Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass sie jetzt Wessi ist, aber sie sammelt sehr gerne. Ich meine, Früher, da haddn die ja nischd. Ich werfe mittlerweile alles weg, ohne sie zu fragen. Was will ich mit verkötterten Puppen, unvollständigen Puzzles oder Autos ohne Räder?

Noch schlimmer ist allerdings meine neue Kollegin. Heute hatte ich 6 Stunden Vertretung. Ich war wieder auf der Suche. Überall und nirgendwo. Ich muss den Hausmeister holen, der mir die Tür zum Materialraum öffnet. Hat mir auch nicht viel geholfen, denn selbst wenn die Tür offen ist, kann man den Raum nicht betreten.

Jäger und Sammler eben. Kann man ja alles nochmal gebrauchen. Oder auch nicht. Außerdem treibt man seine Kollegen damit langsam in den Wahnsinn. Es reicht nämlich nicht, Lügen in die Welt zu setzen, bei Kindern zu hetzen oder einfach alles dreckig zu hinterlassen. Nun gut, lassen wir uns mal überraschen.

Lagebericht 8. Woche



Auf der Suche

Ich suche. Im Moment konkret nach meiner guten Laune, die vor fünf Minuten noch da war.

Und außerdem bin ich auf der Suche nach dem gewissen Etwas. Wenn man nach seinem Geldbeutel sucht, ist es noch recht einfach. Da weiß man ja auch, wie er aussieht. Oder wie er sich anfühlt, wenn man mal wieder in den unendlichen Weiten der Handtasche sucht.

Bei dem gewissen Etwas wirds dann schon schwieriger. Wie sieht das aus? Wie fühlt es sich an? Gibts sowas überhaupt? Wahrscheinlich schon, und doch habe ich im Moment den Eindruck, dass ich es nicht an mir trage.

Wenn ich mal bekannte Beziehungen vergleiche, dann kann ich persönlich nicht das gewisse Etwas finden. Wahrscheinlich bin ich zu negativ. In gewisser Weise ist es ja was Besonderes, wenn die Beine 365 Tage lang 24h-Stunden-Öffnungszeiten haben und auch gerne jeden bedienen. Es ist scheinbar auch besonders eklig, ungeduscht zu sein, vom Komplett-Ekelpaket mal abgesehen.

Was finde ich besonders? Vielleicht diese unmögliche Schüchternheit, die mich laut aufjubeln lässt, wenn du auch endlich mal (hinter)fragst.

Nein, ich glaube, das wars nicht.

Ich bin dann mal weg, ein Öffnungszeitenschild basteln. Und außerdem leg ich mir strähnige, fettige Haare zu, danach zerschneide ich meine Klamotten, damit die dann letztendlich meinen besonderen Ekellook abrunden werden. Anschließend muss ich nur noch alles verwüsten. Es gibt viel zu tun... smile

Ich schwebe nun, lebe nun,
über den Dingen und keiner kann was dagegen tun
Casper


Lagebericht 7. Woche

Heute wird ein aufregender Tag, denn ich darf fachfremd vertreten. Ich gebe 45 Minuten Deutsch und 45 Minuten Mathe, das ganze in einer 7. Klasse. Alles kein Problem, in Deutsch wirds ein Lesetext werden und in Mathe das Einmaleins.

Ich betrete die Klasse und die Kackfressen Kinder schauen mich an. Ich begrüße sie mit den Worten: Ich sehe, ihr freut euch mich zu sehen... Meine Kinder antworten wahrheitsgemäß: Nein, eigentlich mal garnicht... Ich sage: Jaja, so gehts mir mit euch auch...

Die Fronten sind also schon geklärt und wir gehen nahtlos in den Matheunterricht über. Großes Kriegsgeheul aus der Damenriege, sie haben keinen Bock. War mir fast klar. Ich auch nicht, aber ich heule nicht rum. Ich werde unterbrochen von weiterem Geheule. Diesmal geht es um das Handy von Abigal. Ihr Teddybär ist weg und die Simkarte auch. Ich bin um 5 nach acht schon wieder soweit, das mir die Galle hochkommt.

Wir beenden die Handysache, indem ich erkläre, dass sie das Handy wegzupacken hat, sonst fehlen nicht nur Karte und Teddy, sondern das komplette Gerät. Abigal fügt sich. Wir starten. Ich diktiere Aufgaben, die Schüler rechnen im Kopf aus und schreiben das Ergebnis auf ein Arbeitsblatt.

2x8, Waaaas? 2x8, 7x5, Können sie das nochmal wiederholen? 7x5, Oh, äh, was isn des? 2x9, Waaaaaaas? 2x9, Man Alda ey, voll unter meinem Niveau ey, Ja man, voll scheiße ey! Ich sags meiner Mudda Alta, dann kann se der da die scheiße schweren Dinger da sagen ey...

Ich verkneife mir einen Spruch über ihr Niveau und verzichte auf Erklärung, dass unmöglich ist, noch drunter zu kommen, ich verkneife mir auch jeden Kommentar über Eltern, die weder lesen noch schreiben, noch rechnen können und fahre einfach fort. Halt nein, ich versuche es, werde aber unterbrochen, weil Judith-Waltraud plötzlich ihr Arbeitsblatt in die Ecke wirft und mir lautstark erklärt, dass sie keinen Bock mehr hat. Weil nämlich Alter ich komm hier garnet hinterher Alter, Mathe is voll scheiße ey und so schwierige Aufgaben, Alter, alles voll unfair!

Judith-Waltraud möchte nicht mehr arbeiten, also darf sie gehen, in eine andere Klasse. Ich habe meine Ruhe und weiter gehts.

3x7. Abigal holt wieder ihr Handy raus. Mein Röntgenblick zwingt sie dazu, das Ding wieder in der Tasche verschwinden zu lassen. Ich wundere mich, wie man 3x7 mit dem Handytaschenrechner ausrechnen kann. Ist doch ganz einfach, das Ergebnis ist 26. Zumindest habe ich das so beim Verbessern gelernt.

Mein Rötngenblick fängt ein weiteres Ereignis ein. Brief! Kleiner, zerknüllter Zettel. Abigal soll ihn mir eigentlich geben. Nein, will sie nicht und hält den Zettel fest an ihre Reproduktionsmaschine (Bitte niiiiicht!) gedrückt. Ich kann da schlecht hinfassen. Also werfe ich sie raus.

Triumphierend halte ich am Ende doch den Zettel in der Hand. Ich hasse die blöde Kuh da vorne, komm wir ignorieren sie lese ich voller Bewunderung - keine Rechtschreibfehler...

Wir beenden die Mathestunde und starten mit Deutsch. Alles kein Problem, wenn der Text nicht vorher gelesen werden sollte... Meine kleine Diederike schafft es nicht, sich zu merken, wann sie lesen muss. Immer einen Satz. Keine Chance. Und wenn sie sich beschwert, klingt das etwa so: simmern? Was? Wo simmern, man ey? Diederike, nicht in diesem Ton. Ja man Alter, ich weiß net wo mir sin, Alter ey! Is doch voll scheiße ey..


Fünf vor halb zehn lasse ich alle Jungs in die Pause und die Mädels hole ich zu mir. Ich erkläre Abigal, Judith-Waltraud, Diederike, Sarafina und Jade-Elaine, dass sie am Nachmittag die Hausordnung abschreiben müssen. Nachdem sich keiner einer Schuld bewusst ist, muss ich auch nochmal erklären, warum sie schreiben. Ist - wie erwartet - alles total unfair, Alter.

Die lieben Damen haben sich daraufhin bei ihrer Klassleitung, Frau Hasenfuß beschwert. Und bei meiner Fachkollegin. Beide waren so verständnisvoll, dass sie mir einfach in den Rücken fallen mussten. Wie könnte man auch anders reagieren, wenn die Kinder mich beschimpfen? Ach, Gott sei Dank haben die beiden ihnen erklärt, dass ich kein richtiger Sonderschulpädagoge bin und schon gar nicht ein richtiger Lehrer für Deutsch und Mathe. Ich komme ja außerdem nur von der Hauptschule und müsse mich erst an die Kinder gewöhnen, bald, ja wirklich bald werde auch ich mich den Kindern angepasst haben.

NICHT!