ist, wenns zweimal schmeckt. Ganz getreu diesem Motto lebe ich immernoch. Wobei ich heute schon schlauer bin, einfach nichts mehr zu essen. Mir ist schrecklich langweilig. Denen auf der Arbeit nicht. Hihi. Wie ich bei einem dreistündigen LästerTelefongespräch mit einer Arbeitskollegin erfuhr, sind die ganz schön am rotieren. Ich wünsch ihnen das nicht, aber ein bisschen fühl ich mich geehrt. Naja, ich komm ja am Freitag wieder...
Wer ein bisschen auf Stromberg und den Ernie steht... Ich hab noch eins gefunden.
Ich bin krank. Den zweiten Tag schon. Tag 1 bestand im wesentlichen darin, meinen Lebensraum komplett ins Bad zu verlagern. Also fast. Vorher war ich natürlich noch auf Arbeit. Die Essensausgabe habe ich fast nicht überlebt, weil alles, was irgendwie im Entferntesten nach Nahrung aussieht, meinen Brechreiz anstachelt. Meine Kinder mussten arbeiten während ich auf meinem roten Stuhl in der Ecke am Fenster saß, sehr bedacht darauf, gleichmäßig zu atmen und alles andere zu unterdrücken.
Ich hab mich dann freiwillig gemeldet, mit nach draußen zu gehen. Laut Wetterbericht und persönlichem Empfinden tobte draußen ein Sturm. Mir konnte es nicht windig und somit frisch-luftig genug sein. Gut, ich habe wohl unterschätzt, dass 1,5 Stunden im Sturm ziemlich auskühlen. Also bin ich nach Hause und direkt in die Badewanne. Das heiße Wasser (40 Grad, ich habs gemessen!) hat sogar meinen Magen beruhigt, so dass ich wirklich ohne Zwischenfälle bis Abends auf dem Sofa liegen konnte. In der Küche konnte ich Kartoffeln finden, deren Anblick - wider Erwarten - kein flaues Gefühl im Magen auslösten. Ich habe also zwei Mini-Kartoffeln gegessen. Schlechte Idee. Das flaue Gefühl war sofort da und ich hab mir alles nochmal durch den Kopf gehen lassen. Ich bin mir nicht sicher, aber vielleicht sind die Kartoffeln auch am Fieber schuld, dass dann noch dazu kam.
Heute morgen (mich wunderts, dass ich nicht im Bad aufgewacht bin) war noch keine Besserung zu spüren. Statt Fieber beträgt meine Körpertemperatur jetzt 34,9. An Kartoffeln habe ich noch nicht gedacht. Aber an so viele andere Dinge. Denn mir ist schrecklich langweilig. Ich kann heute nicht zur Arbeit gehen. Ich könnte aber endlich meine Speicherkarte aussortieren, Fotos einkleben, spielen...
Vor lauter Langeweile habe ich sogar ein Foto von mir gemacht. Damit ihr wirklich seht, dass ich krank bin.
Ich muss lächeln. Es gibt Situationen im Leben, die so wunderbar sind, dass man sie niemals ändern möchte. Ist aber doch passiert. Plötzlich war alles anders.
Weltuntergang.
Doch nicht. War alles gar nicht so schlimm, und man entdeckt, dass die beschriebene Situation auch dumm hätte ausgehen können. Ok, also, dann lieber die neue Situation, auch wenn die Angst davor uns fast wahnsinnig macht. Eingewöhnungsphase. Ok, alles klar, fühlt sich garnicht so schlecht an. Am besten, man ändert nichts an der Situation. Ist aber doch passiert. Plötzlich war alles wie vorher.
Weltuntergang?
Doch nicht. Eher Situationsuntergang. Beide miteinander kombinieren geht nicht. Im Moment stecken wir wieder in Situation 1. Aber mit soviel Vollgas, dass es schwierig wird, rechtzeitig zu bremsen. Und der Rausch der Geschwindigkeit bringt mich zum Lächeln. Macht mich zufrieden. Macht mir Angst. Verursacht totales Gefühlschaos. Wollt ich jetzt nur mal so aufschreiben.
Ich habe heute mein Auto gründlichst gereinigt und danach sogar poliert. Ich sollte demnächst vorsichtiger fahren, denn immer, wenn ich sowas mit einem meiner Autos gemacht habe, waren sie danach tot. Oder fast.
Mich! Ich biete mich! Aber nur als Untermieter. Ich will hier raus. Ausziehen. Die Flucht nach vorn will ich antreten!
Die Flucht nach vorn ist zwar auch nur eine Flucht, aber jedenfalls muss ich mich dann nicht mehr blöd von der Seite anlören lassen. Oder diese furchtbare Musik ertragen.
Hast du es schon einmal erlebt, dass sich ein dir eigentlich nahestehender Mensch total zum Negativen ändert? Wenn nichts anderes mehr zählt als ein beschissener Kult? Ein Kult mit seiner eigenen Musik, mit Idealen, mit Merkmalen, die alle tragen, damit sie ja so united sind? Gleichzeitig ist man als Anhänger dieser Bewegung so unique, man ist rotzig, prollig und lässt sich nichts sagen.
Man lässt sich nichts von Familienmitgliedern sagen, nichts mehr von Freunden, man schwimmt auf seiner Welle aus Glückseligkeit und ist ja so wahnsinnig tolerant allen anderen gegenüber. Nur die anderen sind Schuld, weil sie nicht kapieren, was die Zugehörigkeit zu dieser Szene so toll macht.
Man ist so united, dass man sich alles teilt. Auch mit Leuten, die dieser Szene nichts abgewinnen können. So wie ich. Vielleicht war es ein Versuch, mich miteinzugliedern, indem man meine Sachen mitbenutzt und mich sozusagen united macht. Man betreibt also verschiedene Arten des Teilens, z.B. das Fön-Sharing oder das Staubsauger-Sharing. Sehr beliebt ist das Klopapier-Duschzeug-Wattestäbchen-Haargel-oder-sonstige-Pflegeprodukte-die-Geld-kosten-Sharing. Soagr für meine selbstgemachten Sofakissen gibts neue Verwendungsmöglichkeiten: wenn man mal Bier verschüttet, braucht man nicht 2 Meter ins Bad laufen um ein Handtuch zu holen, man nimmt einfach das Kissen und wischt es auf. Natürlich legt mans danach einfach wieder hin. united eben!
Ich bin nicht united. Ich will auch verdammtnochmal nirgendwo dazugehören. Ich toleriere mich selbst, das ist schon teilweise schwierig genug. Spaß beiseite. Ich will so spießig sein, und meine eigene Sache machen, meine Wohnung, mein Fön, meine Sachen. Und ich war mit Sicherheit mit 3 Jahren im Kindergarten schon mehr rotzig als manche von den Szeneleuten heute. Ich muss es mir nicht auf die Stirn schreiben, dass ich mir nicht alles gefallen lasse. Und vor allen Dingen muss ich niemandem, der genauso aussieht wie ich, der genauso denkt wie ich, der überhaupt genau ist wie ich (gehört ja schließlich auch zur Szene) dauernd beteuern, wie unique er doch ist.
Gestern Abend war ich auch rotzig. Ich hab mal ein bisschen was gesagt über Toleranz und Zusammenhalt und Einzigartigkeit. Angekommen ist nichts. Im Gegenteil, mir wurde sogar bestätigt, dass es außer dieser Szene nichts weiteres mehr gibt im Leben. Ich habs aufgegeben und lass sie in dem Glauben, dass sie so unique und united sind.
Wenn also jemand spießiges einen Untermieter sucht: hier bin ich. Intolerant, spießig, engstirnig, mit ganz normalen Klamotten, ohne Zugehörigkeit zur Gemeinschaft.