Vor einigen Wochen wurde es Zeit für ein neues Handy oder Smartphone. Obwohl man am Apple iPhone praktisch nicht vorbeikommt, habe ich mich in erster Linie aus Kostengründen nach einer Alternative umgesehen. Als langjähriger Nutzer von Sony Ericsson-Handys war es mir auch wichtig meine Kontakte, SMS, Termine und Aufgaben ohne viel Aufwand zu übernehmen.
Gefälligkeit von Sony Ericsson
Gefälligkeit von Sony EricssonNach kurzer Suche bin ich auf das Vivaz Pro von Sony Ericsson gestoßen. Es sieht chic aus und hebt sich löblich vom sonstigen Einheitsbrei ab. Im Gegensatz zum Vivaz verfügt das Vivaz Pro über eine vollwertige Tastatur im Querformat - die Tatstatur des Palm Pre ist zwar ganz ordentlich, aber so richtig schnell und bequem kann ich damit nicht schreiben. Die sontigen Features fallen mir UMTS, HSDPA/HSUPA, EDGE, WLAN, Bluetooth, GPS, Touchscreen und 5,1 Megapixel-Kamera recht ordentlich aus - mehr braucht man eigentlich auch nicht. Als Betriebssystem kommt Symbian OS S60 5.0 von Nokia zum Einsatz. Das fand ich interessant, wurde jedoch recht schnell enttäuscht - mehr dazu später. Das Vivaz Pro ist kompatibel mit dem MyPhoneExplorer. Ganz ohne Probleme ist aber auch das nicht.
Mein erster Eindruck nach einigen Wochen Nutzung:
Die
Verarbeitung des Gerätes weißt keine Schwachstellen auf. Einzig den Akkuwechsel haben die Entwickler offensichtlich erst zum Schluß berücksichtigt: Ich kenne kein Gerät, bei dem das Öffnen des Akku-Deckels derart schwierig ist, wie beim Vivaz Pro. Man sollte sich tunlichst bemühen sehr vorsichtig zu sein, da anderensfalls die Gefahr besteht, die kleinen Plastik-Nippel des Akku-Deckels abzubrechen. Ich hoffe mal, dass ich den Akku-Deckel wirklich nur sehr, sehr selten abnehmen muss.
Die
Sprach- und Verbindungsqualität geht in Ordnung. Aussetzer oder Schwierigkeiten sind nicht aufgetreten. Die Freisprecheinrichtung ist brauchbar.
Die ausschiebbare
Tastatur hat einen guten Druckpunkt und kann gut per Doppel-Daumen bedient werden. Einzig die deutschen Umlaute lassen sich nicht ganz so flüssig eingeben, da man stets SYM + den Buchstaben drücken muss.
Wenn man Opera Mini als Internet-Browser nutzt, dann muß man CRTL + Enter drücken, um die Adresseingabe abzuschließen.Mit einem klassischen PDA-Stift kann man die virtuelle Tastatur und die Handschrifterkennung prima bedienen. Außerdem hinterlässt man keine hässlichen Fingerabdrücke auf dem Display ;-)Bei dem
Touchscreen handelt es sich um ein resistives Modell. Ganz so leicht wie beim iPhone oder anderen Smartphones mit kapazitiven Touchscreens geht es also nicht. Man kann damit aber gut leben. Multitouch gibt es logischerweise auch nicht. Der Touchscreen scheint gut kalibriert zu sein - weder mit den Fingern noch mit dem Stift gab es Probleme durch unscharf erkannte Druckpunkte. In der Sonne ist es relativ schlecht ablesbar - dann einfach in den Schatten gehen!
Für Putzteufel ist das Gerät ungeeignet - man sieht jeden Fingerabdruck auf dem Display :-)Die
Akkulaufzeit ist zufriedenstellend. Man darf hier aber nicht einen Vergleich mit einem Siemens S40 anstellen :-) - zwei Dinge sind hierbei aber zu bemängeln: Es gibt außer dem Akku-Balken keine zahlenmäßige Anzeige der Akkukapazität. Daneben gefällt mir die Lösung für das Aufladen über den USB-Anschluss nicht, da hier eine kleine Gummi-Abdeckung abgefriemelt werden muss. Deren Haltbarkeit ist durchaus absehbar.
Die Anzeige des Akku-Balkens ist definitiv nicht linear. D.h. je geringer die Restkapazität ist, desto schneller sinkt sie ab.Die
Kamera verfügt über einen Autofocus und macht bei ausreichend Licht draußen sowohl ordentliche Fotos als auch Videos in 720p HD-Qualität. In Innenräumen und insbesondere bei Kunstlicht ist das Ergebnis enttäuschend: die Bilder sind verrauscht und die lange Belichtungsdauer im Automatikmodus sorgt dafür, dass die Aufnahmen auch unscharf sind. Dass das auch anders geht, zeigt die 3,1 Megapixel-Kamera des Sony Ericsson T650i. Die Auslöseverzögerung ist grundsätzlich OK, wenngleich man natürlich nicht eine klassische Digitalkamera als Maßstab verwenden darf.
Die
WLAN-Konnektivität ist verbesserungswürdig. Ich habe das Handy so eingerichtet, dass es mein WLAN zuhause zuerst und dann auf das Mobilfunknetz des Providers zugreift. Wenn ich nun zuhause mit dem Handy ins Internet will, dann sollte es mir also die WLAN-Verbindung als erste Option vorschlagen. Das klappt meistens nicht. Erst nachdem man mehrfach die zweite vorgeschlagene Option, nämlich das Mobilfunknetz, abgelehnt hat, wird das heimische WLAN vorgeschlagen.Hin und wieder wird die aufgebaute WLAN-Verbindung mit dem Beenden des Internet-Browsers nicht getrennt - das sorgt dann für erhöhten Energieverbrauch. Seltsam ist in diesem Zusammenhang, dass der auf dem Handy vorinstallierte E-Mail-Client die Auswahl von Verbindungen gleich gar nicht kennt. Das ist inkonsequent und sollte dringend geändert werden. Im Zweifelsfall entscheidet man sich für das Mobilfunknetz und zahlt für jeden Zugriff auf seine E-Mails.
Die Scan-Funktion für WLAN-Netze sorgte bei meinem ersten Vivaz Pro reproduzierbar für Abstürze, wenn sie dauerhaft aktiviert war - mal waren einige Funktionen nicht mehr verfügbar (SMS/E-Mail anzeigen), mal fror das Gerät total ein, konnte aber mit Neustart (mit oder ohne Batteriewechsel) wiederbelebt werden und mal musste sogar das System komplett neu installiert werden. Das zweite Gerät war OK. Die WLAN-Übertragungsrate (IEEE 802.11g) sowie die Verbindungsstabilität ist in Ordnung.Das
GPS-Modul startet schnell und findet flott die Satelliten. In Verbindung mit Google Maps eine feine Sache.
Die vorinstallierte Navigationssoftware von Wisepilot ist ein Witz: Nach 30 Tagen Testphase soll man knapp 70 EUR pro Jahr abdrücken. Bekomme ich dafür auch Aktien vom Anbieter der Navi-Software? Kunden von O2 können die gratis angebotene Navigationssoftware TelmapNav nutzen. Die verwendeten Karten stammen offensichtlich von Navteq und haben einen guten Ruf. Im Praxiseinsatz sind mir keine Probleme ausgefallen. Man sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, dass es sich bei TelmapNav um eine so genannte Offboard-Navigation handelt. D.h. das Kartenmaterial wird bei Bedarf temporär auf das Handy geladen und erfordert eine Internetverbindung - via WLAN oder Mobilfunk. Wenn man mit dem Auto fährt kann es daher schon mal passieren, dass der Download langsam oder gar nicht klappt. Da hilft leider nur langsam fahren oder anhalten ;-)Die
Bluetooth-Funktion ist in Ordnung. Mein Headset wurde problemlos erkannt. Andere Bluetooth-Geräte habe nicht nicht ausprobiert.
Die
USB-Verbindung hat keine nennenswerten Schwächen, wenngleich ich unter Windows Vista hin und wieder Probleme beim Zugriff auf die SD-Speicherkarte hatte. Neu angelegte Verzeichnisse tauchten entweder gar nicht oder nur als Phantom an anderer Stelle auf.
Die
Synchronisation via MyPhoneExplorer klappt gut. Ich synchronisiere meine Termine aus Sunbird mit dem Handy.
Zwei Dinge gilt es hierbei zu beachten: Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels hat nur die Version 1.7.6 nightly 03.08.2010 00:23:47 von MyPhoneExplorer das Handy korrekt erkannt. Wenn man mit Sunbird synchronisieren will, dann benötigt man die Version 1.0b1 - mit Lightning klappt das nicht.Der
MP3-Player ist übersichtlich gestaltet und unterstützt alle gängigen Audio-Formate. Cover werden angezeigt. Die Tracks werden nach Album, Interpret und Titel sortiert. Kritikpunkte sind die Playlist und der Sound: Irgendwie habe ich nicht geschafft die Musiktracks automatisch zu einer Playlist hinzuzufügen. Da war eine Menge handarbeit erforderlich. Der Sound über Kopf-/Ohrhörer, die mitgelieferten Ohrhörer sind vom Tragekomfort eher billig, ist blass. Das wurde schon in mehreren Berichten über das Vivaz Pro bemängelt. Einen Equalizer oder sonstige Möglichkeiten zum Einstellen des Sounds gibt es leider nicht. Insgesamt fehlen hier die Bässe.
Die
Softwareausstattung ist ein echtes Problem. Ursprünglich habe ich gedacht, dass man mit einem Symbian OS S60 5.0 nichts verkehrt macht. OK, es ist kein Android und auch kein iOS. Aber immerhin ist Nokia mit dem Symbian OS schon seit vielen Jahren am Markt und außerdem gibt des den Ovi Store. Praktisch betrachtet habe ich da leider die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Die Apps aus dem Ovi Store gibt es leider nur für Nokia-Handys. Und von Hacking oder Jailbreaking halte ich nicht so viel - für mich ist das Handy in erster Linie ein Arbeitsgerät und muss zuverlässig funktionieren.
In der PlayNow-Area, dem App-Store von Sony Ericsson, gibt es eigentlich außer einer Hand voll Apps wie Opera Mini nichts Brauchbares. Navigationssoftware für Symbian OS gibt es zwar vereinzelt, aber weiß man mangels Kompatibilitätslisten nicht genau, ob die wirklich auf dem Vivaz Pro laufen. Per Saldo ist die Möglichkeit, Apps auf dem Vivaz Pro zu installieren, eindeutig kein Kaufargument.
Gefälligkeit von Sony EricssonInsgesamt ist das Vivaz Pro ein brauchbares Smartphone mit allen wichtigen Funktionen. Wie eingehend erwähnt, hebt es sich durch sein Design und Farbe wohltuend von der Masse ab - das iPhone 4 in weiß ist ja immer noch nicht lieferbar. Es hat ein relativ großes Display, ist aber nicht zu groß, um es bequem in die Hosentasche zu stecken. Wünschenswert wäre allerdings, wenn sich Sony Ericsson darum bemüht, die oben beschriebenen Kritikpunkte kurzfristig zu beseitigen.