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Beckstein hat Ahnung

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Gerade in der 17-Uhr-Tagesschau gehört: Beckstein befürwortet ein Verbot von "Killerspielen", weil es nur durch ein Verbot möglich sei, diese aus dem Internet "rauszukriegen".

Wie man sieht, der Mann hat Ahnung.

Überdies: Wenn die neue Pfeiffer-Studie "beweist", dass viele 10-jährige Spiele ab 16 spielen, dann ist die Schlussfolgerung, dass die USK-Einstufung falsch ist? Naja, das beweist wieder den Satz weiter oben.

Die moderne Hexenjagd

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Zuerst waren es rothaarige Frauen, die unter Umständen auch noch über die verschiedensten Pflanzen der Umwelt Bescheid wussten. Das war ja schon mal suspekt, Menschen, die schlauer sind als der gemeine Pöbel und die sich für die Umwelt interessieren... sowas kann ja nicht gut gehen.

Gut fünfhundert Jahre später war es dann die Rockmusik. Ich meine, elektrische Gitarren... und am Ende sind die männlichen Rockmusiker auch noch langhaarig. Da sieht man schon, wie verzogen die Jugend ist. Kein Gespür für Werte mehr.

Wiederum fünfzig Jahre später sind es Videospiele. Sie unterwandern unsere Gesellschaft und züchten hunderte potenzieller Amokläufer, in denen die Gefahr ständig schlummert und darauf wartet, sich ein neun Millimeter großes Ventil zu suchen.

Oder etwa nicht? Aber Frau von der Leyen, selbst Mutter von sieben Kindern, muss es ja wissen. Schließlich ist sie als Mutter Fachfrau für die Bedürfnisse ihrer Kinder, wo sie sich tagein, tagaus mit ihnen beschäftigt.

Moment mal. Wird schwierig, wenn man „nebenbei“ als Familienministerin arbeitet, oder?

Und überhaupt, die Rockmusik war schuld, dass die Jugendlichen verzogen waren? Wer war denn dann für die Erziehung zuständig? Und ist das nicht heute auch so? Seltsam.

Ist Deutschland nicht jetzt schon das Land mit den schärfsten Jugendschutzgesetzen weltweit? Hey, warum laufen dann nicht in Frankreich hunderte Jugendliche Amok? Oder in Holland? Oder in der Schweiz, in Österreich, sonst wo auf der Welt? Das passt doch so gar nicht in die schöne, einfache Gleichung „Videospiele = böse“. Das ist jetzt aber doof.

Nun ja, was der Bauer nicht kennt, das fürchtet er. Und da in der Regierung kaum Videospieler sitzen dürften, ist die Sache ja auch so ganz einfach. Wettbewerbsrecht? Interessiert uns nicht. Studien? Interessieren uns nicht, wir wissen besser, was für unsere Jugend gut ist. Ne Tracht Prügel zum Beispiel. Hat noch keinem geschadet.

Aber dummerweise ist das Vorgehen der Weisen Regierenden etwas kurzsichtig: Denn was passiert, wenn trotz schärferen Gesetzen wieder jemand Amok läuft? Dann gehen einem ja tatsächlich die Ausreden Erklärungsversuche aus... Dann müsste man sich am Ende ja tatsächlich mit dem Thema und damit mit Ursachenforschung beschäftigen. Was für ein unbequemer Gedanke, war der vorher betriebene, einfache und billige Aktionismus doch immer so schön, um das Stimmvieh zu blenden. Blöd, wenn das nicht mehr geht.
Das wäre ja schrecklich, müsste man tatsächlich die Eltern mal fragen, ob sie wissen, was ihre Kinder den ganzen Tag machen. Oder gar die Eltern darauf hinweisen, dass sie sich mal so etwas wie Medienkompetenz aneignen. Das geht nicht, Frau von der Leyen muss es ja wissen.

Und nein, Perspektivlosigkeit und soziale Brennpunkte haben überhaupt nichts mit Amokläufen zu tun. Der Brief des letzten Amokläufers ist nicht ernstzunehmen, ist ja klar, wenn er den ganzen Tag Killerspiele wie Final Fantasy VII spielt. Also wirklich. Sein PC hat doch eindeutig Aufschluss darüber gegeben, dass er – wie etwa 90% seiner männlichen Altersgenossen – Videospiele spielt. Die Konsequenz aus diesem eindeutigen Zusammenhang drängt sich doch geradezu auf.

Nicht, dass jetzt die ganzen Spielverderber und Mathematiker kommen, von wegen, statistischer Zusammenhang und kausaler Zusammenhang, und überhaupt... Solange die Politiker nicht entdecken, dass wahrscheinlich auch jeder Amokläufer vor seiner Tat ein Brot oder ein Brötchen gegessen hat, kann uns ja gar nichts passieren.
Hauptsache, wir können uns nach der Verschärfung der Gesetzeslage entspannt zurücklehnen, weil der böse Feind ja besiegt wurde. Gar nicht davon zu sprechen, dass es immer Wege und Mittel gibt, die Gesetze auszuhebeln oder dass Verbote nur noch anziehender wirken. Das verwirrt den geneigten Wähler und ist nicht Bildzeitungskompatibel, und das wiederum ist schlecht für die Politiker in ihrem Vierjahreswahlkampf, auch „Legislaturperiode“ genannt.

Freuen wir uns also, dass unser Großer Bruder unsere Regierung wieder einmal vor einem übermächtigen Feind bewahrt hat, dem sich Eltern und ihren vor dem Fernseher sitzenden Kindern gegenüber sahen. Vielleicht sind ja auch bald wieder rothaarige Frauen dran.

Politische Peinlichkeiten (I): Wiefelspütz bedient die Massen

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Und wieder ist eine neue Serie geboren. Diese hält, was ihr Titel verspricht. Und doch etwas mehr: Hier werden Äußerungen aller hohen Tiere und derer, die sich dafür halten, niedergeschrieben, egal, ob sie nun aus der Politik oder der Wirtschaft kommen. Den Anfang macht Dieter Wiefelspütz, innenpolitischer Sprecher der SPD.

Er fordert in der Netzeitung, über ein Verbot von «Killerspielen» «ernsthaft nachzudenken». Und er macht es ganz geschickt: Gleichzeitig warnt er vor Schnellschüssen.
Beides zusammen ergibt ein für Herrn Wiefelspütz sehr postives Gesamtkunstwerk: Auf der einen Seite bedient er die Massen (und wohl auch 95,7% der Bundestagsabgeordneten), die, getreu dem Motto der Inquisition, der Kirche sowie einiger Plattenfirmenbosse vor allem Angst haben, was sie weder kennen noch verstehen, und darin die Wurzel allen Übels der Welt sehen. Dazu gleich mehr. Auf der anderen Seite wendet er sich geschickt an diese nervige Minderheit derer, die tatsächlich nach Ursachen forschen wollen, und das auch noch außerhalb des Stammtischs.

Ich frage mich bei solchen Stammtischparolen immer, was denn eigentlich der Grund für diese Verlautbarungen ist. Inständig hoffe ich ja, dass kein hohes Tier glaubt, was es da zum Besten gibt – wobei mich einige Sätze dann doch verzweifeln lassen.
Oder ist es einfach nur das innere Verlangen von Politikern, in Zeiten der Not schützend ihre Hand über das Stimmvieh zu halten und Große Taten zur Beendigung der Not anzukündigen, selbstverständlich in bester Absicht? Nicht, dass diese Große Taten wirklich dazu dienten, die Probleme zu beseitigen. Aber sie verhelfen den Politikern dazu, sich gemütlich zurücklehnen zu können und sich selbst anerkennend auf die Schulter zu klopfen, in dem Wissen, etwas getan zu haben. In bester Abischt, wie schon gesagt. Und wenn dann die Probleme nicht nachlassen – tja, dann ist eben entweder das Schicksal, das Wetter oder eine andere ungeliebte Minderheit schuld, beispielsweise die Raubkopierer... ups, ich sprach von Minderheit. Dabei ist in Australien bald jeder Bürger ein potenzieller Raubmordkopierer.

Zurück zum aktuellen Fall: Da schießt also ein wildgewordener Schüler in einer Realschule um sich. Was ist der erste logische Gedankenschritt? Genau. Er hat Killerspiele gespielt Er war ein Einzeltäter. Hören Sie, Herr Wiefelspütz? Ein Einzeltäter. Von zig Millionen potenziellen Amokläufern Spielern dieser sogenannten «Killerspiele» ein einziger. Eine ziemlich schlechte Quote, wenn man mich fragt. Perspektivlosigkeit unter Jugendlichen dank fehlender Ausbildungsplätze oder ein schlechtes familiäres Umfeld dürften da effektiver sein.
Aber die Ursache ist natürlich keine der beiden Letztgenannten. Wenn dem so wäre, hätte ja die Politik sich etwas vorzuwerfen. Mit der «Killerspiel»-Keule kann man dagegen wesentlich besser die latente Xenophobie (bezogen auf alles Fremde) in der Bevölkerung für sich nutzen.

Dummerweise hat die Sache mehrere Haken:

  1. Die schon erwähnte schlechte Quote. Counterstrike spielen wohl zig Millionen Menschen weltweit. Und wer dieses Spiel als gewaltverherrlichend anprangert, der dürfte von auch häufig gespielten, weitaus brutaleren Spielen wie Postal 2 oder Gears of War eine weit höhere Quote erwarten. Tatsache ist aber, dass die Quote von Amokläufern / Counterstrike-Spieler so lächerlich gering ist, dass sie als alleinige Ursache für Amokläufe wenig taugt.
  2. Da Deutschland eines der (wenn nicht sogar das) strengsten Jugend«schutz»gesetze weltweit hat, dürfte es in den anderen Ländern weitaus brutaler zugehen. Aber von den europäischen Nachbarn ist nichts dergleichen zu hören. Seltsam eigentlich.
  3. Die völlige Vernachlässigung anderer Ursachen. Soziale Spannungen im Umfeld der Täter, Probleme in der Schule und/oder Perspektivlosigkeit sind viel mehr angetan, Amokläufe zu verursachen.


Letztendlich kann natürlich nicht ausgeschlossen werden, dass Counterstrike vielleicht tatsächlich mit dazu beigetragen hat, die Hemmschwelle zu senken. Die alleinige Ursache kann es aber aus den oben genannten Punkten nicht sein. Andere Probleme werden eine viel größere Rolle spielen. Zumal generell Computerspieler nicht gerade als besonders brutal gelten.

Und abschließend ist das angestrebte Verbot geradezu lächerlich, genau so, wie Kopierschutzmechanismen lächerlich sind: Diejenigen, die als 14-jährige jetzt schon an die Ab-18-Spiele oder gar die indizierten Spiele kommen, werden das auch nach einem «Verbot» der Spiele schaffen.
Nur diejenigen, die sich nicht so gut mit der Materie auskennen, werden darunter zu leiden haben. Die soll das Gesetz aber gar nicht treffen.
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