Thunderchicken's Hangout

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Hexenjagd

Hexenjagd? Klingt als würde ich intensiv Oblivion spielen. Tue ich auch, meine ich aber nicht, jedenfalls nicht jetzt. Überhaupt, ich hoffe mein Sommertief (damit mein ich nicht das schlechte - regnerische - Wetter, andere Worte sind je nach Jahreszeit Herbst/Winterdepression oder Frühjahrsmüdigkeit, aber die scheiden ja aus) ist erstmal überwunden. Was ich meine ist die aktuelle Terrorbekämpfungswunschliste. Also erstmal, es gibt eigentlich gar keine, jedenfalls keine konkrete. Bislang habe ich nur von (ziemlich überzogenen) ministerialen Wünschen gehört. Die aktuelle Diskussion um die "Online Durchsuchung" (die Formulierung ist schon unehrlich) ist da nur die Spitze des Eisbergs.

Das fing vor einigen Monaten damit an, daß er (unser Minister) Geständnisse, die unter Folter gemacht wurden -- selbstverständlich nicht von deutschen Ermittlungsbeamten! -- natürlich nicht ignorieren kann. Ach, das ist ja witzig. Ich meine, es ist ja mittlerweile bekannt, daß andere Staaten damit nicht so "zimperlich" umgehen, da geht es auch schonmal was "handfester" zur Sache. Jahrelang, ohne Anwalt. Es sind ja nicht mal richtige Soldaten sondern nur "unrechtmäßige Kämpfer". Wahrscheinlich gehört Hagelzauber zu deren Tagesgeschäft und damit haben es "diese Leute" vermutlich "gar nicht besser verdient". Haben wir eigentlich gar nichts gelernt? So aus mittelalterlicher Geschichte meine ich. Und wo ist unsere humanistische Bildung geblieben? Mal eben raus in die Pause oder noch im Urlaub? Es hat seine Gründe, daß Folter als "Ermittlungsinstrument" in den meisten (leider nicht alle) Rechtsstaaten heute nichts mehr zu suchen hat.

Und wie ist das eigentlich wenn ich z.B. einen Verdächtigen habe ihn aber nicht richtig "befragen" kann? Kann ich ihn dann an einen befreundeten Staat ausliefern? Natürlich vorausgesetzt der entsprechende Staat stellt einen entsprechenden Antrag und kann sein Interesse glaubhaft machen. Darf ich ausliefern oder nicht? Und was wäre dann mit Foltergeständnissen? Aber das ist natürlich rein theoretisch. Sowas würde nie passieren. Wir leben ja (noch) in einem Rechtsstaat.

Natürlich ist der Umgang mit Foltergeständnissen schwierig. Um mal ein bißchen zu versuchen die andere Position einzunehmen: Da ist ein Geständnis, würde man ja schon ganz gerne verwenden, darf es aber aus "ethischen" Gründen nicht -- würde aber vielleicht Leben retten, Schaden abwenden etc. Ja, ist schwierig. Aber wenn man sich auf sowas einlässt, was unterscheidet uns (die Guten) von denen (den Bösen)? Also außer unserer Definition von Gut und Böse. Und ansonsten finde ich, daß wer Foltergeständnisse akzeptiert (und damit Folter billigend in Kauf nimmt -- so nennt man das, oder?) sollte auch den Mumm haben zu sagen, daß er am liebsten selber foltern würde. So groß ist der Unterschied auch nicht mehr aber es wäre um vieles ehrlicher. Würde natürlich auch eine riesige Diskussion lostreten.

Viel witziger ich da schon die Idee "Gefährdern ein Kommunikationsverbot im Internet oder Handy aufzuerlegen". Warum witzig? Na ja, wer ist eigentlich ein "Gefährder"? Die Idee kommt eigentlich aus der Fußball-Hooligan Bekämpfung. Da kann man bekannte Hooligans (Aha, hier sind die Jungs also schon mal aufgefallen!) in der Tat in Unterbindungsgewahrsam nehmen. Sowas ist für "Gefährder" nicht geplant. So sagt man jedenfalls, aber darauf kommen wir gleich wieder zurück. Ok, wenn wir uns für den Augenblick drauf einlassen, daß klar und akzeptiert ist, wer nun Gefährder ist und wer nicht, wie geht die Geschichte weiter? Kommunikationsverbot für Internet und Handy ist dann natürlich (1) sonnenklar und (2) zwingend. Keine weitere Diskussion nötig. Denn das Internet, seinen wir mal ehrlich, ist ja doch bloß ein Ruhe- und Trainingsraum für Terroristen. Und seid neuestem auch Universität. Gut, wir beschließen also das entsprechende Gesetz und stellen fest ... hoppla, der Gefährder kommuniziert stattdessen in der Kaffeebud, im Stehcafe, Teestube, wo-auch-immer (per Festnetzanschluß, Post?). Und da unser Staat nun mal ein wehrhafter sein muß und kein zanhloser Papiertiger sein darf, isolieren wir unseren Gefährder am besten. Ich meine, was bitte schön soll sonst das Kommunikationsverbot? Ist doch nur logisch, oder? Und da wir schon mal beim isolieren sind -- am besten in sog. Unterbindungsgewahrsam, man kennt das ja und es hat sich schon bewährt -- was ist mit dem Anwalt. Also, es ist doch bekannt, daß "Gefährder" vor nichts zurückschrecken, oder?. Nicht auszudenken, was da alles verhindert werden kann. Der nächste logische Schritt ist dann also ein, sagen wir mal, kontrollierter anwaltlicher Kontakt. Klingt besser als Anwaltsverbot oder "Deutsches Guantamo". Wem das zu weit geht, oder wer glaubt daß es nicht soweit kommt, der soll sich mal fragen, was dann der Wert des Kommunikationsverbot im Internet oder per Handy ist. Wo wird das Kommunikationsverbot denn hinführen?

Onlinedurchsuchung. Die Formulierung ist ein Witz. Eigentlich muß es nämlich verdeckte Onlinedurchsuchung heissen und das "verdeckt" macht in der Tat den Unterschied. Also, eine normale Durchsuchung funktioniert so (alles reine Vermutung, ich selbst habe noch keine erlebt): Gesetzeshüter klingeln an der Tür, stellen die Bude auf den Kopf, nehmen (mögliches) Beweismaterial mit und gehen wieder. Das müsste das grundsätzliche Schema sein. Und alle, insbesondere der Durchsuchte, wissen Bescheid. Und das ist der Unterschied. Bei der verdeckten Onlinedurchsuchung verschaffen sich Gesetzeshüter Zugang zum PC, stellen die ganze Festplatte auf den Kopf kopieren (mögliches) Beweismaterial und bleiben da. Das wäre so, als würde nach der normalen Durchsuchung einer im Haus bleiben und alles was weiter passiert mitschreiben, filmen etc. Apropos filmen, an wievielen PCs hängt heute eine Webcam. Natürlich ist die normalerweise ausgeschaltet. Also Soundkarte mit Mikrophon ist heute nicht mehr so unüblich. Aber bei der verdeckten Onlinedursuchung weiß der Durchsuchte sowieso nichts davon, weswegen es ihn auch nicht weiter stören wird. Die dauerhafte Festsetzung auf dem PC ist nötig, um etwas über geplante Straftaten zu erfahren. Deswegen kann man es dem Durchsuchten natürlich auch nicht sagen. Es ist also eigentlich gar keine Onlinedurchsuchung sondern viel mehr eine Onlineabhörung. Aber Onlinedurchsuchung klingt wiel besser, nicht so wie "großer Lauschangriff".

Ich meine, das wirft ein paar Fragen auf. Wer sich auf einem PC festsetzt kann natürlich nicht nur Daten vom PC herunter kopieren sondern auch auf den PC. Nicht das ich denke, daß sowas wirklich gemacht wird, aber möglich wäre es schon. Zum Vergleich: bei einer echten Durchsuchung oder dem normalen Lauschangriff ist sowas ungleich schwieriger. Wenn es also einfach möglich ist, welchen Wert haben dann die Beweise? Und überhaupt die Sachen die auf dem PC gefunden wurden: hat die da der User (der Durchsuchte) abgelegt, oder ist sein PC längst Teil eines Bot Netzes? Wer will und wer kann sowas entscheiden? Und wie verschaffen die Jungs sich eigentlich Zugang zum PC? Es gibt Viren-, Trojaner und Spywarescanner. Es soll sogar Leute geben, die ihren Windowsrechner auf dem aktuellen Patchstand haben (was nicht unbedingt was zu bedeuten hat). Noch schlimmer, der Rechner läuft unter einem anderen Betriebssystem. Oder der oder die "Gefährder" sind einfach zu pfiffig. Wie kommt man da auf den Rechner? Interessante Fragen oder? Und wie machen wir aus einem zahnlosen Papiertiger Staat (der vielleicht von einigen so empfunden wird) einen wehrhaften? Ich bin da mal gespannt.

Zur Zeit sind die Politiker ja in zwei Lager gespalten, die die für Recht und Ordnung sind und das möglichst schnell und hinterher wahrscheinlich den Wunschkatalog noch erweitern und die anderen, die Hüter der bürgerlichen Freiheit (die von den anderen wohl als "vaterlandslose Gesellen" gesehen werden). Also ein bißchen mehr Zeit könnten sie sich schon lassen und auch mal klar sagen, wo die Reise den hingegehen soll. Erinnert ihr euch an die Autobahnmaut für LKWs? Die Daten sollten nur zu Abrechnungszwecken erfasst werden. Selten so gelacht. Natürlich benutzt man die Daten jetzt auch zur Aufklärung von schweren Straftaten. Dagegen ist nicht unbedingt was einzuwenden außer daß (1) das durch die Hintertür eingeführt wurde ("wenn die Daten schonmal da sind kann ich den Geschädigten nicht erklären warum ich sie nicht benutze" oder so ähnlich) und (2) wird die Einschränkung auf schwere Straftaten auch noch aufgeweicht. Tja ist halt so, aber denkt dran, wenn die Diskussion über die PKW Maut wieder aufkommt. Selbstverständlich wird die Maut mit der Kfz-Steuer verrechnet. Es geht ja gar nicht ums Geld. Aber klar, hier hat doch niemand was zu verbergen, oder?

Die ganze Palette von Maßnahmen läuft übrigens unter dem Begriff "Gefahrenabwehr". D.h. man nuß nichts verbrochen haben, es reicht, wenn andere Leute meinen daß man eine Gefahr darstellt. Vermutlich wird es schon reichen den Hagelzauber zu üben, oder eine Nachbarin (wirklich ein böses Schwatzmaul) zu haben, die das behauptet. Aber so wie es früher schon passiert ist, denke ich das auch hier die Mittel, die dem Schutz der Bevölkerung dienen sollen, mit der Zeit eskalieren werden. Was wird anderes übrig bleiben, wenn sich eine dauerhafte Sicherheit nicht einstellt und die Mächtigen hilflos aussehen? War zur Zeit der Hexenverfolgung auch nicht anders.

Lange nicht mehr gebloggt

Das waren jetzt tatsächlich vier Wochen in denen ich nichts mehr geschrieben habe. Hätte nicht gedacht, daß es so lange war. Was passiert ist? Nein, ich war nicht wieder in Urlaub, leider nicht. In der Firma ist ein Projekt in die "heiße Phase" gegangen. Dazu gab's den einen oder anderen "Feuerwehreinsatz", u.a. weil zwei Rechner durch Hardwareschaden einen Totalausfall hatten. War hektisch. Anfangs habe ich dann ganze gerne zur Entspannung am Computer gezockt (mal wieder Oblivion). Dann habe ich mir eine Erkältung eingefangen (im Sommer, lächerlich), das Projekt ist in seine erste Live-Phase gegangen, ein Drittel der Kollegen ist in Urlaub (super Timing) und irgendwie sieht in mir jeder die perfekte Vertretung für die Abwesenden. Kurz und gut, ich hatte Probleme mich abends (oder am Wochenende) noch auf was sinnvolles zu konzentrieren. Klar dachte ich zwischendurch immer wieder, daß ich was bloggen könnte, aber ich wollte "irgendwas schreiben". Also habe ich es gelassen. Weil, wenn ich es nicht richtig mache, dann verschwende ich hier nur unsere Zeit. So einfach ist das. Und jetzt muß ich kochen. Bis bald also.

Unterwegs in Rom - Die Sprachbarriere

Bevor ich anfange möchte ich, daß wir alle eine virtuelle Schweigeminute einlegen. Eine Schweigeminute in Gedenken an Vaclav Klaus und seine aktuelle tiefe Sinnkrise. Nachzulesen online in der Financial Times unter "Freedom, not climate, is at risk" (gefunden hab ich es auf Slashdot). Nur für die, die jetzt überlegen müssen, Vaclav Klaus ist tatsächlich der Präsident der Tschechischen Republik. Er hat offenbar keine Lust mehr an Politik, in die einem die Wissenschaft immer rein redet. Ja, wirklich eine dumme Sache. Was war das für eine schöne Zeit, als Politiker machen konnten was sie wollten, die Erde flach und Wachstum ohne Grenzen war. Damals konnten sogar Schweine fliegen und die Rente war sicher. Ja, ja, solche Zeiten gab es aber davon wissen die Jüngeren unter uns natürlich nichts. Soll er jetzt Holzfäller werden? Oder in die IT gehen? Es erinnert mich jedensfalls an den IT-ler der vor einiger Zeit auf Slashdot frug, was er jetzt machen solle, wo er auf IT keine Lust mehr hat. Aber wie soll man sich bei sowas auf das eigentliche Thema konzentrieren? Ich werde mich jedenfalls nicht ablenken lassen.

Also, als Tourist in Rom, wie ist das? Nun, ganz wichtig ist: Römer erkennen einen Touristen, sie riechen uns 500 Meter gegen den Wind. Und verhalten sich in aller Regel entsprechend. Was das bedeutet? Sie sind etwas unfreundlich und hektisch und sprechen Englisch. Daraus folgen verschiedene Dinge. Zuerst mal, wenn ihr schon immer nach Rom wolltet, es aber nicht getan habt weil ihr kein Italienisch könnt, egal, macht nichts. Englisch reicht. Und Römer -- jedenfalls die, die mit Touristen zu tun haben -- antworten auch auf Englisch wenn man sie auf Italienisch anspricht. Es ist denen ziemlich egal. Das kann zu ganz "witzigen" Situation führen. Man kann z.B. in Bars oder Cafes was für zwischendurch zu Essen bekommen. Da hätten wir einmal das Tramezzino. Das ist irgendwas leckeres zwischen zwei Toastscheiben (das klingt nach dem, was wir Sandwich nennen ist aber viel besser, die üblichen Sandwiches kommen nicht mal in die Nähe von Tramezzini). Oder wie wäre es mit einem Pannino? Das ist was leckeres zwischen zwei Stücken Baguettebrot. Wenn man jetzt von jedem eins bestellt -- und die gut geschulte Bedienung das natürlich auf Englisch wiederholt, nur um Mißverständnisse auszuschließen -- wird beides zu "Sandwich". Das ist zwar falsch und totaler Quatsch aber sie machen es so. Und Sprache verliert hier schon irgendwie ihre ursprüngliche Funktion. Was aber viel schlimmer ist: Was wird mir die Bedienung gleich geben? Sandwiches, oder das was ich wirklich will und auch bestellt habe? Rom ist vielleicht mehr Abenteuerurlaub sein als man denkt.

Aber nicht das wir uns hier falsch verstehen. Wenn ihr Italienisch könnt, und mehr als nur eine Eintrittskarte kauft, sprecht Italienisch. Besteht drauf, lasst euch auf nichts anderes ein, das mit dem Englisch ist nur ein dummer Reflex der Römer. Die Leute werden viel enspannter und freundlicher wenn man Italienisch spricht. Selbst wenn sie dann z.B. im Restaurant die Bestellung von einer Frau annehmen (müssen). Das ist für Italiener wohl total ungewohnt (normalerweise macht der Mann dort die Geschäfte) aber man kann eben nicht alles haben. Jedenfalls nicht immer. Auch nicht als Römer.

Mir ist es auch zwei/dreimal passiert, daß man mich auf Italienisch angesprochen hat. Aber das war immer in Tante Emma Läden wo die Leute halt kein Englisch konnten. Macht nichts. Als erstmal klar war, daß ich nichts verstand, ging alles viel lockerer. Man kann auf die Dinge zeigen, Finger in die Höhe halten oder einfach Geld über die Theke reichen. Das funktioniert auch und ich hatte nicht den Eindruck, daß damit irgend jemand ein Problem hat.

Aber einer der wenigen Orte in Rom, an denen ich Englisch als Arbeitssprache verstehe und auch akzeptiere ist der Vatikan. Die müssen am Tag so viele Touristen durchschleußen, da ist einfach keine Zeit für das "Und welche Sprache sprechen sie?" Handshake. Und es ist hoch professionel organisiert. Ich habe da Ansichtskarten gekauft (im Laden auf St. Peter -- da kommt man vorbei, wenn man von der Kuppel wieder herunter steigt und wahrscheinlich einer der exklusivsten Plätze in Rom, um Anschichtskarten zu verschicken) und die Frau fragt direkt "Stamps?" - "Yes, please." - "Europe or America?" - "Europe.". Alles klar.

Bei all dem "die sprechen soviel Englisch" -- ich kann verstehen wie's kommt. Es war im Museumsrestaurant der Musei Capitolini (also bestimmt kein Ort an dem man eine eingespielte Gast/Bedienung Beziehung vorfindet). Na ja, vor mir steht so ein Amerikaner und er fängt einfach an Englisch zu plappern. Er hat nicht eine Sekunde darauf verschwendet darüber nachzudenken (oder gar zu fragen), ob er verstanden wird oder nicht. Warum auch? Wenn er in Amerika verreist wird er ja auch überall verstanden. Und wenn das öfter passiert (und davon bin ich zutiefst überzeugt) kann ich die Römer irgendwie schon verstehen. Aber amerikanische Touristen (Touristen überhaupt) sind eine Geschichte für sich.

Wie war's denn eigentlich in Rom?

Ich bin jetzt seit über einer Woche zurück und habe mich wieder ganz gut eingelebt. Es ist schon erstaunlich wie weit man sich in zwei Wochen von seinem "normalen" täglichen Leben entfernen kann. Und obwohl ich im Büro alle meine lieben Kollegen wieder erkannt habe, fiel es mir schon schwer den Faden wieder da aufzunehmen, wo ich ihn vor dem Urlaub hatte liegen lassen (wo war das nochmal?). Ich weiß auch, daß ich privat and zwei Sachen gearbeitet habe, eine Linux/Debian Boot-CD und eine I/O Multiplexer. Da muß ich erstmal in Ruhe nachsehen wie weit ich da gekommen war und was ich noch alles machen wollte. Na so ist das wohl, wenn man in zwei Wochen Urlaub ca. 5 Minuten an zuhause denkt. Auch sonst scheint alles normal zu sein. Am Montag war eine "Dokumentation über die Klimawandel-Lüge" im Fernsehen und es gibt neue Werbespots für Verdauungsjoguhrts mit "Geld zurück Testwochen". Ich bin gespannt mit wievielen verschiedenen Spots sie diesmal gleichzeitig dafür werben. Aber egal, andere Geschichte.

Also Rom war richtig gut, zwei Wochen sind viel zu wenig. Es gibt das Koloseum, das Forum Romanum, den "Update" auf die Fori Imperiali, den Palatin, Katakomben, die Via Appia ... St. Peter, den Vatikan, die verschiedensten interessanten Kirchen, Museen ... und so weiter und so fort. Für mich ist es schwer vorstellbar, daß es einen anderen Flecken mit ähnlich viel Sehenwürdigkeiten gibt.

Anreise

Aber der Reihe nach. Wir sind mit dem Zug gefahren. Das dauert ca. 18 Stunden zuzüglich "Pufferaufenthalten" für eventuelle Verspätungen. Aber die brauchten wir nicht, die Bahn hat uns nämlich durch ihre Pünktlichkeit überrascht, keine nennenswerte Verspätung, weder in Basel noch in Rom. Ob das mit geänderten EU Regeln (Recht auf Entschädigung) zu tun hat? Der fast dreistündige Aufenthalt auf der Hinfahrt in Basel gab uns die Gelegenheit die Baseler Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Alle beide. Das Rathaus und die Kathedrale. Nein Stop, der letzte Satz muß heißen "Das Rathaus und das, was sie die Kathedrale nennen". So groß (oder eindrucksvoll oder was auch immer) ist sie nun wirklich nicht. Dann sind wir noch an einer Plakette vorbei gekommen, die einem Mundartdichter (wie bitte?), anscheinend eine lokale Berühmtheit, gewidmet war. Aber trotzdem, so malerisch (oder drollig) die Schweiz auch sein mag, beim nächsten Mal (und die Frage ist nicht "Ob" sondern nur "Wann") werde ich über Österreich fahren. Warum? Erstmal haben die in der Schweiz "komisches", anderes Geld. Man nennt es "Franken". Stellt euch vor ihr steht wartend auf dem Baseler Hauptbahnhof, was nun, woher die nötigen Fränkli bekommen? Da hat nichts auf wo man Geld tauschen könnte (wenn man es denn will), oder sie haben es gut versteckt. Ja, vielleicht nehmen sie auch Euro, aber zu welchem Kurs? Oder ist es am Ende ganz einfach in der Schweiz mit Euro zu bezahlen und es war mir einfach nicht klar? Der andere, zweite, Grund hat mit einem Erlebnis auf der Rückfahrt zu tun. Beim Einsteigen in den Zug habe ich ein "Zollerklärungsformular" bekommen. Häh, wie bitte, ein was? Und was macht man dann damit? Das es sowas heute noch gibt. Also mir fällt kein wirklicher Grund ein durch die Schweiz zu fahren.

Die Zugfahrt selbst dauert etwa 18 Stunden. Das mag sich erstmal gruselig lange anhören, ist es aber eigentlich halb so wild. Die meiste Zeit (die Strecke Basel/Rom) verbringt man am besten im Schlafwagen. Nicht das man da besonders viel schläft (auf der Rückfahrt ging es besser als hin), aber angenehmer als sitzen ist es schon. Und die lange Hinfahrt hat mir beim Einstieg in den Urlaub geholfen. Man kann ein Buch lesen (ich habe mal wieder zum "Anhalter" gegriffen), Musik hören, aus dem Fenster sehen, oder nichts Spezielles tun. Und sich dabei langsam vom Alltag entfernen und entspannt in Rom ankommen. Die übliche Flughafenhektik fehlt. Aber natürlich dauert es länger und ist vermutlich teurer als fliegen.

Das Hotel

Um es kurz zu machen: Online gebucht und Glück gehabt. Man weiß ja nie so recht was man bekommt. Wir haben bei der Buchung darauf geachtet, daß das Hotel nahe an der verkehrsberuhigten Zone, der "Altstadt", Roms liegt. Es waren 5 Minuten bis zum Koloseum. Daneben haben wir auf die Bewertung anderer Hotelgäste geachtet, insbesondere auf den Punkt "Frühstück". Das war gut, allerdings "landesspezifisch". D.h. um es gut zu finden muß man süße Crossaints mögen. Wobei, um ehrlich zu sein, sie waren nicht nur "süß" sondern auch noch gefüllt. Mit Schokicreme (richtig übel), Pudding (dem Zeugs was man hier als Füllung auf beiden Hälften von Puddingteilchen bekommt), Honig und ohne Füllung. Honig war noch am besten. Und irgendwie kann man sich sogar an sowas gewöhnen. Der richtige Italiener, so hat man mir versichert, schnappt sich so ein Crossaint mit Papierserviette (ein Teller dann nicht zwingend erforderlich), einen Cappuccino und fertig ist das Frühstück. Dazu, ganz wichtig, die Sonnenbrille auf die Stirn geschoben.

Das Hotel selbst hat von außen nicht viel her gemacht aber das iszt auch nicht wirklich wichtig. Es war sehr leise (schallisolierte Fenster) und das lauteste war nachts noch der Kühlschrank im Zimmer. In der Nähe war eine Musikschule. Das konnte man hören wenn nachmittags oder am frühen Abend das Fenster offen war. Aber z.B. vom Autoverkehr hat man nichts mitbekommen. Das und die Qualität des Badezimmers sind wohl die wichtigsten Parameter für ein Hotel in Rom. Warum? Na erstens fährt man eh nicht nach Rom, um viel Zeit im Hotel zu verbringen, und man kann bei diesen Punkten in Rom, sagen wir mal, "interessante" Überraschungen erleben.

Der Reiseführer

Sollte man haben, vorher. Ja natürlich man kann in Rom an jeder größeren Kreuzung (und davon gibt es einige) einen kaufen aber die Übersetzungen sollen von zweifelhafter Qualität sein. Und natürlich kann man den Urlaub besser planen, wenn man sich im Vorfeld informiert. Aber selbst mit aktuellem Reiseführer gibt es noch Überraschungen. Mit aktuell meine ich die 2007er Auflage und mit Überraschungen nicht etwas das empfohlene Restaurant, das es nicht mehr gibt oder die geänderten Öffnungszeiten des Koloseums. Nein, Sicherheitsschleusen. Also entweder hat man die sehr kurzfristig eingebaut oder sie sind dem aufmerksamen Redakteur entgangen oder die 2007er Auflage wurde lange nicht mehr aktualisiert. Ich meine, wer braucht schon einen Rom Reiseführer? Aber es ist tatsächlich so, das Koloseum, Vatikan, das Kapitolmuseum und vermutlich noch einige andere Sehenswürdigkeiten sind nur durch Sicherheitsschleußen erreichbar. Die Schleusen sind an sich nicht das Problem: man legt (wie am Flughafen) seinen Rucksack auf das Band, geht durch das Detektorportal nur um festzustellen, daß es die Schlüssel, den Fotoapparat, das Handy oder was auch immer erkennt, kurz zu überlegen was das Protal erkannt hat, zurückzugehen und einen neuen Anlauf zu unternehmen ... eben so wie am Flughafen. Also am besten einfach mit längeren Wartezeiten rechnen. Oder früh aufstehen und bei Zeiten aufbrechen. Dafür muß man natülich wissen, wann z.B. das Koloseum seine Tore öffnet. Hierbei aber vielleicht besser nicht ausschließlich auf den (vielleicht nicht ganz so aktuellen) Reiseführer verlassen.

Was braucht man sonst noch?

Und was ist sonst noch wichtig für einen Romurlaub und vielleicht nicht ganz offensichtlich?

  • Die Wikipedia, unbezahlbar. Und obwohl ich nur die 2004er Offline Kopie auf meinem Palm habe, sie ist extrem hilfreich. Reiseführer erzählen einem nie alles aber auch für "einfach mal eine zweite Meinung einholen" ist die Wikipedia gut. Ich bin dann viel zu spät auf die Idee gekommen mir ausgewählte, dafür aber aktuelle, Wikipedia Artikel zu pluckern.
  • Sonnenschutz. Nicht nur Sonnenmilch oder -öl, sondern auch einen Sonnenhut, Kappe oder ähnliches wenn man über spärliches oder kurzes Haupthaar verfügt. Sonst gibt's 1, 2, 3 einen Sonnenbrand. Und ich weiß wovon ich rede.

Handy und Fotoapparat mit ausreichender Speicherkarte sind natürlich trivial. Was man sich auch überlegen sollte ist, in welchen Museen man möchte. Teilweise (z.B. Galleria Borghese) muß man vorher reservieren. Oder päpstliche Generalaudienz? Auch hier gilt: Kartenvorbestellung. Ist mir leider zu spät aufgefallen.

Fotos vom antiken Rom

Ich hab mal ein paar Fotos vom antiken Rom (na ja, von dem was heute noch übrig ist) zusammengestellt. Der blaue Himmel ist übrigens echt.
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